Barbara Juliane von Krüdener (Kruedener)

 
Siehe jetzte mit vielen neuen Informationen auch zu Jung-Stilling:
 
Sommer, Debora: Eine baltisch-adlige Missionarin bewegt Europa. Barbara Juliane v. Krüdener, geb. v. Vietinghoff gen. Scheel (1764–1824). Göttingen: V&R unipress 2013; ISBN 978-3-8471-0149-9; siehe http://d-nb.info/1034682687.
 
 
 
 
 
Achim von Arnims Aufsatz „Frau von Krüdener in Königsberg“ fand sich hier. [1]
 
 

Barbara Juliane von Krüdener

 
Diese Nachfahrin des Marschalls von Münnich wurde am 11. November 1764 in Riga geboren und starb in Karahubasar auf der Krim am 13. Dezember 1824. Ihr Vater war Otto Hermann von Vietinghoff (1722-1792), ihre Mutter Anna Ulrike de Münnich (1741-1811).
Ein wenig bekanntes Porträt Barbara Julianes von Krüdener verwahrt die Deutsche Schillergesellschaft, Marbach/Neckar, Sign.: F 1430/41.
 
Umfassend unterrichtet über diese Persönlichkeit in seinen Werken Francis Ley. Einige seiner Werke seien genannt:
Madame de Krüdener et son temps 1764-1824. Lettre-Préface d’Alphonse Dupront. (Paris:) Librairie Plon (1961). = Civilisations d’hier et d’aujourd’hui. Collection Fondée par René Grousset.
Madame de Krüdener 1764-1824. Romantisme et Sainte-Alliance. Préface de Jean Gaulmier. Paris: Honoré Champion Éditeur 1994 = Bibliothèque de Littérature Moderne Bd. 20. (ISBN 2-85203-325-9; ISSN 1159-0726.)
Le Roman Valérie jugé par Goethe, Jean-Paul et Sophie Laroche [La Roche]. - In: Revue d’Histoire littéraire de la France 96, Paris 1996, Nr. 2 (März-April), S. 313-316.
Baron Paul de Krüdener. Impressions d’Allemagne pendant la Révolution de 1848. Notice biographique et notes de Francis Ley. Paris, Budapest, Torino: L’Harmattan (2001. ISBN 2-7475-1811-6) = Collection Allemagne d’hier et d’aujourd’hui dirigée par Thierry Feral.
Alexandre 1er et sa Sainte-Alliance (1811-1825). Avec des Documents inédits. Préface de Pierre Pascal. Postface de Georges Bidaut. Paris: Fischbacher (1975. - 333 S.; Abb.-Tafeln).
Bernardin de St. Pierre. Madame de Staël. Chateaubriand. Benjamin Constant et Madame de Krüdener (d’après des documents inédits). Préface de Jean Fabre. Paris: Aubier 1967 = Édition Montaigne.
Écrits intimes et prophétiques de Madame de Krüdener (1ère Partie:) 1785-1807 présentés par l’ERA 447 du CNRS, sous la direction de J. R. DERRÉ, professeur à l’Université Lyon II. Editions du Centre National de la Recherche scientifique. 7e Circonscription. 1975. C: CNRS, Paris 1975. ISBN 2-222-01878-1. - [2. Titel:] Université Lyon II - CNRS. Écrits intimes et prophétiques de Madame de Krüdener 1ère Partie: 1785-1807. Textes établis d’après les manuscrits, avec introductions et notes, par les membres de l’Equipe de Recherche Associée, n° 447. Responsable: J. R. Derré, Professeur à l’Université Lyon II. 1975. (Unter der Mitarb. v. Michel Mercier; Pierre Michel, Jean-Jacques Goblot, Michel Nathan; unter Benutzung des Archivs von Francis Ley und mit dessen Hinweisen.) [II, 283 S.; masch. - Vorh.: UB Trier.]
Francis Ley: Le Maréchal de Münnich et la Russie au XVIIIe siècle. Préface de Victor L. Tapié. Paris: Plon 1959.
Francis Ley stellte seinen Besitz aus Familienerbe der Stadt Genf zur Verfügung; hier findet sich auch eine gute Biographie der Frau von Krüdener mit Nennung aller Werke von Francis Ley zur Frau von Krüdener.
 
 

Max von Schenkendorf zieht seiner Geliebten, einer Begleiterin der Frau von Krüdener, nach Karlsruhe nach

 
Barbara Juliane von Krüdener hatte lange Kontakt zu Jung-Stilling, wohnte einen Zeitraum auch mit ihm in einem Haus. Da sie nach Karlsruhe zu Jung-Stilling zog, folgte ihr auch die in Königsberg verwitwete Henriette Elisabeth Barklay mit ihrer Tochter dorthin. Dies veranlasste dann Max von Schenkendorf, auch nach Karlsruhe zu ziehen und dort Henriette Elisabeth Barklay zu heiraten. Diese (staatliche) Eheschließung erfolgte durch die Vermittlung Jung-Stillings, da zu dieser Zeit Eheschließungen von nicht Badenern in Baden untersagt waren.
 
 

Die Auswanderung nach dem Osten – Das neue Jerusalem

 
Jung-Stilling erwartete die Parusie und suchte einen Bergungsort, den er im Osten vermutete. Ludwig Finckh (1876-1964), der in volkstümlicher Sprache seine Themen aus der schwäbischen Landschaft und Geschichte nahm, schreibt darüber in
Die Reise nach Tripstrill. Stuttgart 1913. [© München: Langen 1911. S. 6 f.:
"Vor bald zwanzig Jahren, erzählte der Fremde, [S. 7:] sei ein sonderbarer Geist im Lande umgestiegen, der die Seelen beflügelte und eine Sehnsucht nach dem tausendjährigen Reich in den Gemüter aufrührte. Man beschloß, zugleich unter dem Druck politischer Ungunst und einer Hungersnot, in Scharen auszuwandern und das Heil zu suchen, und da der Kaiser Alexander von Rußland des Königs Schwager, und eine fromme Russin, die Frau von Krüdener, im Volke mächtig war, so schienen Richtung und Wegweiser gegeben. Die russische Regierung, die gesundblütige Bauern brauchte, auch wenn sie einen Sparren hatten, bot Land an mit vielen Privilegien als Köder, und nach kurzem Besinnen bissen Heere von schwäbischen Bauern an und zogen mit Kind und Kegel nach Osten; an die 6000 Mann, wohlgeordnet, in zehn Kolonnen geteilt, rückten sie aus. Grusien, Tiflis, Odessa waren das gelobte Land."
 
 
Ein sehr persönlichen Bericht von Johannes Harder über solche Auswanderungen findet sich auch in der folgenden Publikation:
Jung-Stilling, Rußland und die endzeitlichen Erwartungen bei rußlanddeutschen Kolonisten im 19. Jahrhundert. – In: Jung-Stilling-Studien von Johannes Harder und Erich Mertens. 2. durchgesehene und erweiterte Auflage. Siegen: Selbstverlag der J. G. Herder-Bibliothek Siegerland e. V. 1987. S. 9-25. = Schriften der J. G. -Bibliothek Siegerland e. V. Bd. 15. (126 S. m. 5 Abb.)
 
Allerdings warnte Jung-Stilling vor dem Verlassen der Heimat, jedoch war selbst Eduard Mörike durch seine "Peregrina" Elisabeth Meyer mit dieser Bewegung um Frau von Krüdener und Marie Gottliebe Kummer (die "Kummerin", 1756-1828) in Kontakt
 
Jung-Stilling schreibt z. B. im "Taschenbuch / für / Freunde des Christenthums" 1815, S. 176:
"Keiner suche aus Furcht oder eigener Ueberlegung seinen Zustand zu verändern, jeder bleibe da wo er ist, und erwarte des Herrn Fügen, er wird der Seinigen keinen vergessen: denn der die Haare zählt, vergißt der Menschen nicht.
In diesen merkwürdigen Zeiten, worinnen die Sache der Menschheit entschieden, und zum Anbruch des Reichs des Herrn Bahn gemacht wird, müßen wir alles Irrdische aus dem Sinn schlagen, und nur das treulich besorgen, und verrichten, was unser Beruf erfordert. Zugleich müssen wir uns ganz dem Herrn und seiner väterlichen Leitung übergeben: unsern Willen seinem allerheiligsten Willen ganz aufopfern, und Ihn kindlich, und inständig bitten, uns in jeder Lage, im Kleinen wie im Grosen, denselben zu offenbaren, und wenn wir ihn erkannt haben, ihm unbedingt folgen."
So bleibt dennoch sicher mit Martin Brecht (S. 135) festzuhalten: "Der grosse Prediger der auf Russland gerichteten eschatologischen Hoffnung ist Heinrich Jung-Stilling geworden."
 
Siehe:
Martin Brecht: Aufbruch und Verhärtung. Das Schicksal der nach Osten ausgerichteten Erweckungsbewegung in der nachnapoleonischen Zeit. – In: Miscellanea historiae ecclesiasticae [Bd.] IV. Congrès de Moscou auût 1970. Édité par Robert Peters. Louvain: Université 1972 = Bibliothèque de la revue d'histoire ecclesiasticque Fascicule 56, S. 131-164.
Heiko Haumann: „Das Land des Friedens und des Heils“. Rußland zur Zeit Alexanders I. als Utopie der Erweckungsbewegung am Oberrhein. - In: Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Pietismus Bd. 18, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1992, S. 132-154.
Dieter Groh: Russland und das Selbstverständnis Europas. Ein Beitrag zur europäischen Geistesgeschichte. Neuwied: Luchterhand 1961 = Politica. Abhandlungen und Texte zur politischen Wissenschaft. Hrsg. v. Wilhelm Hennis und Roman Schnur. Bd. 3. [Kapitel 3: "Die religiös-politische Sendung Rußlands inmitten der Krise Europas: Jung-Stilling und Franz von Baader".
 
 

1 Jetzt gedruckt in: Erich Mertens: Königsberger gesellschaftliche Kreise und der preußische Hof in den Jahren von 1802 bis 1809. – In: Königsberger Beiträge. Von Gottsched bis Schenkendorf. Hrsg. v. Joseph Kohnen. Frankfurt a. M. usw.: Lang (2002. – ISBN 3-631-39439-X), S. 255-327. 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Datenschutz OK