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Versuch / eines / Lehrbuchs / der / Fabrikwissenschaft / zum Gebrauch Akademischer Vorlesungen. / Von / D. Johann Heinrich Jung / Professor zu Heidelberg. / [Verlagsvignette] / - [eL] / Nürnberg, / in der Grattenauerischen Buchhandlung, 1785.

 

Ein (kommentierter) Nachdruck von S. 1-14, der Einleitung, findet sich in Johann Heinrich Jung: Aus Wirtschaft und Gesellschaft. Ausgewählte kleinere Abhandlungen. Hrsg. u. m. Anm. vers. v. Gerhard Merk. Siegen: Jung-Stilling-Gesellschaft (1992. - ISBN 3-928984-02-0.) = Jung-Stilling-Schriften Bd. 3, S. 116-135 (Überschriften vom Hrsg. und in modernersierter Rechtschreibung).

 

In diesem Lehrbuch findet sich ein Absatz über die Verfertigung von Ziegeln.  In § 718 schlägt er eine Neuerung vor. 1790 ergänzte Jung seine hier bereits angedeutete Erfindung in einem Aufsatz. Den Text desselben finden Sie hier.

 
          273
== -- ==
Sechstes Hauptstück.
Vom Ziegelbrennen.
§. 689.
Ziegel nennt man eine, je nach dem Zweck, aus
gemischtem Thon geformte Masse, welche durchs
Feuer, eine mäßige Steinhärte erlangt hat. Man
gebraucht sie zu allerhand Mauerwerken, zum Pfla=
stern, zum Dachdecken, u. s. w. Ihr Nuzzen ist vielfäl=
tig, besonders da, wo Holz und Bruchsteine selten
sind. In Holland ist dies der Fall, und da werden
auch die besten Ziegel verfertigt.

§. 690. Die Güte der Ziegel besteht darinnen,
daß sie hart und klingend sesyn müssen, sich nicht im
Wasser erweichen, oder durch den Frost abblättern;
diese Eigenschaften entstehen: 1) wenn die Erde die
gehörige Güte hat; 2) wenn sie kunstmässig bearbei=
tet wird, und 3) im Feuer den gehörigen Grad der
Hizze erhält. Ein reiner schwerer Thon der allzufett
ist, zieht sich im Feuer, schrumpft gar zu sehr ein, und
giebt keine sehr gute Ziegel. Ein grober magerer Thon
der zu viele wilde Erde in sich hat wird auch nicht fest
gnug; ist Kalk darunter, so zieht dieser nach dem
Brennen die Feuchtigkeit an, und verursacht das Blät=
tern odeer Bröckeln. Am besten ist jener reine fet=
te Thon, wenn er gehörig mit einem Sand vermischt
wird, der sich leicht verglast.

§. 691. Der Thon vermischt sich gerne mit dem
Wasser, und macht mit demselben eine Masse aus,
          S          die

274          Erster Abschn. Brennereyen.
Die nich viele Lufttheilchen in sich enthält; wird diese
Masse in diesem Zustand dem Feuer ausgesezt, so ent=
stehtdaher ein lockerer zerbrechlicher Ziegel. Jemehr
also durch Kneten und innigere Mischung des Wassers
und des Thons die Luft herausgearbeitet wird, deso
fester und dichter wird der Ziegel. Der reine Thon
widersteht dem Schmelzfeuer im hohen Grad, doch
bäckt er zu einer mittelmässigen Härte zusammen, wie
z. B. Die Tobackspfeifen [Tabakpfeifen], diese Härte ist aber zu
den Ziegeln nicht hinlänglich. Wenn der Thon mit
schmelzbaren Dingen vermischt wird, so verglast er
auch.

§. 692. Es ist bekannt daß es viele Erden, Stei=
ne, Sand u. d. g. giebt, welche in einem starken Feuer
grad zu einem harten, je nach der Reinigkeit des Kör=
pers, mehr oder weniger durchsichtigen Körper schmel=
zen, den man Glasa heist: dies ist wenn es kalt ist,
nicht dehnbar, sondern zerbrechlich; die meisten eror=
dern einen alkalischen Zusaz, um leichter schmelzen zu
können. Auf der Reingigkeit des Thons und der ver=
glasenden Materien, auf der Art ihrer Bearbeitung,
und auf dem Grad des Feuers dem man sie aussezt,
beruht die ganze Zubereitung aller Erdengeschirre, vom
Ziegel an bis zum Porzellan.

§. 693. Der Ziegel erfordert nur eine mittelmäs=
sige Steinhärte: er draf nicht zu glasig werden, da=
mit er im Feuer nicht zerspringe; desgleichen hat er die
Feinheit des Korns der andern irrdenen Geschirre nicht
nöthig, mithin sieht man nicht so sehr auf die Reinig=
keit der Materien, sondern nur auf eine solche Mischung
des Sands und des Thons, vermög welcher die Ma=
terie fähig ist, im Feuer in einen mittlern Grad der
          Ver=

Sechstes Hauptst. Ziegel.          275
Verglasung überzugehen, oder zur Steinhärte zusam=
men zu sintern.

§. 694. Der gewöhnliche Thon wie man  ihn
duurchgehends findet, ist von Natur schon mit Sand
vermischt; wenn diese Mischung gerecht ist, so kan er
so wie er da ist, zu Ziegeln gestrichen werden; ist er
zu sandig, so sezt man fetten Thon hinzu, und im
Gegentheil. Zu Gouda in Holland fischt man ei=
nen reinen fetten Thon aus der Yssel, und mischt dann
auch in gehöriger Verhältniß einen reinen Sand dazu:
auf diese Weise entstehen die besten vollkommensten Zie=
gel. Wo man aber die beyde Matterien nicht hat, da
muß man mit dem gewöhnlichen Thon Versuche im
Kleinen anstellen, bis man die rechte Materien, oder
ihre Verhältnüsse getroffen hat.

§. 695. Die Bereitung der Erden zu den Ziegeln
beruht auf der höchsten Zerkleinerung der Erdklösse, Rei=
nigung von allen Steinen, innigen Mischung mit
Wasser, und Bildung der Ziegel zu ihrem Zweck; al=
le diese Arbeiten sind nach Landesart, und Herkom=
men mehr oder weniger verschieden. Zu Havre in
Frankreich wird die Erde gegraben, dann läst man
sie an der Luft liegen, damit die Luft und Witterung
in sie würke, und das Zerkleinern befördere; diese Er=
de wird in eine grosse gepflasterte Grube gebracht, mit
Wasser durchnezt, und mit den Füssen fleissig durch=
einander geknetet; von hier bringt man sie in Stücken,
die mit dem Grabscheid abgestochen werden, in eine
kleinere Grube, wo sie abermal mit den Füssen recht
durchknetet wird bis sie ganz zähe ist. Während dem
Kneten pflegt man feinen Sand überzustreuen, danit
sich der zähe Thon nicht zu sehr an den Füsse hänge.
          S 2          §. 696.

276          Erster Abschn. Brennereyen.
§. 696. Die  bereitete Erde wird nun auf der
Werkstätte des Ziegelstreichers geformt: dies geschieht
auf einem Tisch, vermittelst einer hölzernen Rahm,
deren innerer Raum genau die Grösse, Figur und
Dicke des Ziegels hat: der Tisch wird mit Sand oder
Asche bestreut, die Form daraufgelegt, mit Erde an=
gbefüllt und gedrückt, und dann wird mit dem ange=
feuchteten Strichholz darüber hergefahren, um das
übrige wegzustreichen, und die Oberfläche glatt zu ma=
chen. Nun hält ein anderer ein Brett mit einem
Stiel an den Rand des Tisches, der Streicher schiebt
die Form darauf, hebt sie ab, und der Knecht trägt
den Ziegel auf das Trockengerüste.

§. 697. Dies steht unter einem Dch, es besteht
aus lauter übereinander liegenden Brettern, in solcher
Weite, daß die Ziegel aufwärts dazwischen Raum
haben, und die Luft überall durchstreichen kan; weder
Sonne noch Regen darf dabey kommen; webb hier die
Ziegel ordentlich lufttrocken geworden, so werden sie
gebrannt.

§. 698. Der Ziegelofen richtet sich in Ansehung
seines Baues und innerern Einrichtung, nach den
Brandmaterialien; wenn mit Holz gefeuert wird, so
wird ein anderer Ofen erfordert, als wenn man sich
der Steinkohlen und des Torfs bedient. Der franzö=
sische Ofen zu Havre ist der schönste und kostbarste,
dort wird mit Holz gefeuert; er ist viereckigt, die
Mauer ist doppelt, von Ziegelsteinen aufgeführt, zwi=
schen beiden ist ein Raum, den man mit Sand und
Steinen dicht ausfüllt, auswendig werden Strebepfei=
ler angelegt, und das ganze Gebäude steht in einem
Schoppen; an einer Seiten, in der Mitte seiner Hö=
          he

Sechstes Hauptstück. Ziegel.          277
he läst man eine Thür zum ein= und ausbringen der
Ziegel, sie wird mit einer Mauer verschlossen, oben
ist der ganze Ofen offen.

§. 699. Zur Unterhaltung des Feuers hat es
drey Gänge nebeneinander; der Ofen wird durch zwo
Mauern die oben spizzig zulaufen in drey gleiche Theile
getheilt, diese Mauern können vier Schuh hoch, und
eben so weit voneinander entfernt seyn; die drey Gän=
ge zwischen denselben sind oben gewölbt, diese Gewöl=
be bestehen aus lauter einzelnen Schwibbögen, die ei=
nen Raum zwischen sich lassen, durch welchen die
Flamme empor steigen kan, dieser Raum ist aber etwas
enger als die Breite eines Ziegels beträgt, damit man
die rohe Ziegel darauf stellen könne, auch sind die
Schwibbögen selber nur so dick als es die Wölbziegel
mit sich bringen.

§. 700. Dieser Ofen wird nun folgendergestalt
mit rohen Ziegeln angefüllt: man macht mit den dick=
sten und massivsten Mauerziegeln den Anfang, diese
stellt man auf die hohe Kante, so daß sie mit einer Eck
auf diesem,mit der andern auf jenem Schwibbogen
ruhen, und etwa zween bis drey Finger breit vonein=
ander entfernt sind; auf diese erste Lage stellt man ei=
ne andere auf eben die Weise, ausser daß die Ziegel
mit den untern einen rechten Winkel machen müssen,
so fährt man Lage auf Lage fort, und sezt immer die
schwächern ein, bis der Ofen voll ist, oben wird alles
mit den dünnsten Dachziegeln und Fliesen zugedeckt.
Damit man während dem Einsezzen die Ziegelnicht
zertrette, so legt man Bretter darüber hin, auf wel=
chen man geht.

          S 3          §. 701.

278          Erster Abschn. Brennereyen.
§. 701. Wenn der Ofen nun zugesezt, und die
Thür vermauert ist, so macht man unter jeden Gang
vornen ein kleines Feuer, dies schiebt man allmälig
zurück, und unterhält 40 Stunden lang ein schwa=
ches Feuer, um die Ziegel langsam auszutrocknen.
Damit sie nicht springen, alsdann feuert man in jedem
Gang allmälig stärker, bis alles in voller Glut ist.
Nun muß man aber wohl acht haben, daß kein Zie=
gel schmelze und verglase, dahe rmuß der Feuergrad
so regiert werden, daß zwar alles weis glüet, aber keine
glüende Materie herabtröpfelt, oder etwas weich wird.
Dies regieren geschieht, indem man entweder die obe=
ren Oefnungen mit Erde bedeckt,  oder die Thüren zu
den Feuergängen zusezt.

§. 702. Wenn man endlich aus herausgenom=
menen Proben wahrnimmt, daß die Ziegel gar sind,
so macht man alle Oefnungen zu, und läst aller erkal=
ten; wenn etwa einer oder der andere Ziegel noh nicht
ausgebrannt wäre, so geschieht dies von selbst wäh=
rend dem abkühlen. Wenn dies geschehen ist, so
nimmt man die Waare heraus, und verkauft sie.

§. 703. Wenn man Ziegel ohne Ofen brennen
will, dies g eschieht wenn man Steinkoihlen hat; (auch
kan man Ziegelmeiler machen, die mit Holz und Torf
gebrannt werden) so legt man die Ziegeley an, da wo
man Thon fidnet, man ist dann nicht an einen be=
stimmten Ort gebunden. Die obere Dammerde wird
erst weggeräumt, dann gräbt man den Thon aus,
vermischt ihn mit Wasser, und behandelt ihn, wie
ich oben gelehrt habe, er wird auch auf eben die Weise
zu Ziegeln gestrichen, da man aber hier keine Trocken=
gerüste hat, so stellt man die neugestrichene Ziegel auf
          den

Sechstes Hauptst. Ziegel.          279
den trockenen Boden hin, und macht Sonnen und
Regensichre Schirmdächer darüber her, bis sie trocken
sind.

§. 704. Der Ziegelmeiler mit Steinkohlen wird
folgendergestalt aufgerichtet: wenn die rohe Ziegel be=
ginnen trocken zu werden, so sucht man einen ebenen
trockenen Platz aus, und sticht je nach der Menge der
Ziegel ein gleichseitiges Viereck auf demselben ab;
eben so zeichnet man zu den Feuerlöchern, Gänge aus,
die Parallel nebeneinander hinalufen, und von der
Mitte eines Gangs bis zur andern 3 Schuh von ein=
ander entfernt sind, die Gänge gehen quer über von
einer Seiten zur andern, und sind ungefehr 14 Zoll
breit.

§. 705. Nun fängt man an den Meiler zu mauern:
wann man den Grund mit gebackenen Ziegeln bis über
die Schürlöcher legen kann, so ists besser, hat man sie
aber nicht, so nimmt man rohe dazu,man stgellt sie
aufrecht, aber nur einen halben Finger dick voneinan=
der, und streut zerstossene Steinkohlen dazwischen;
andere legen sie platt, doch ist erstere Methode besser.
Wenn man so hoch gemauert hat als die Schürlöcher
werden sollen, so füllt man die Gänge ganz mit Reis=
bündeln aus, die ein oder anderes dickes Stück Holz
in sich haben, dann deckt man die Gänge zu, und
wenn man etwas höher gekommen ist, so steckt man
schon in den Schürlöchern an.

§. 706. Dies anzünden beschleunigt das Aussez=
zen, weil der Meiler den Arbeitern unter den Füssen
heiß wird, es muß aber geschehen, denn er geräth als=
dann leichter in den Brand; die allenthalben zwischen
getreuten Steinkohlen entzünden sich und brennen die
          S 4          Ziegel

280          Erster Abschn. Brennereyen.
Ziegel aus. Damit der Meiler nicht auseinander wei=
che, so führt man die Aussenseite etwas schräg ein=
wärts in die Höhe; und damit auch die äussern Zie=
gel ausbrennen können, so überzieht, oder bewirft
man den ganzen Ofen rund um, mit gut gewirktem
Thon in der Dicke eines Ziegels. Auch hier stellt
man die dickern Ziegel unten, und die dünnern oben.
Wenn der Meiler ausgebrannt ist, so sind auch die
Ziegel gar.

§. 707. Damit oben der Luftzug nicht zu stark
werde, so bedeckt man den Meiler erst mit platt ge=
legten Ziegeln, und dann mit Sand. In diesen Ofen
brennen aber die Ziegel lange nicht so vollkommen aus,
als in den gemauerten, daher sind diese jenen immer
vorzuziehen, wenn man nur Thon gnug in der Nähe
hat, daß es der Mühe werth ist, einen aufzuführen.

§. 708. In Holland werden die Mauer= und
Pflasterziegel auf die nemliche Art bearbeitet, und ge=
formt, weil aber mit Torf gefeuert wird, so ist der
Ofen von dem französischen verschieden: dieser Ofen
ist ein Viereck 31 bis 32 Schuh lang, 26 bis 27
breit und 18 hoch; er wird von Ziegelsteinen aufge=
führt, die Mauer ist unten 6 Schuh dick, und nimmt
in der Höhe etwas ab. Unten auf dem Boden, hat
jede lange Seite verschiedene gegeneinander überstehen=
de Löcher zu den Feuerkanälen, an einer Giebelwand
ist die Thüre zum ein= und ausbringen der Waare;
der ganze Boden ist mit Ziegeln gepflastert, und oben
ist der Ofennicht bedeckt.

§. 709. Das Einsezzen geschieht auf folgende Wei=
se: auf den Boden sezt man eine oder zwo Schichten
gebrannter Ziegel auf die hohe Seite, 3 bis 4 Zoll
          weit

Sechstes Hauptst. Ziegel.          281
weit voneinander, diese Schichten bedeckt man mit
Binsenmatten, durch diese Schichten formirt man
schon die Feuerkanäle von einem Loch zum andern, dann
sezt man ungebackene Ziegel, und wenn man so hoch
gekommen ist, als die Löcher gehen, so deckt man die
Gänge auch mit rohen Ziegeln zu. Das Einsezzen
geschieht immer mit aufrechtstehenden Ziegeln, so daß
sie zum Durchzug des Feuers etwas voneinander ent=
fernt sind.

§. 710. Wenn der Ofen voll ist, so mauert man
an einer Seiten die Schürlöcher zu, und fängt nun
an der andern Seiten an zu feuern, so daß man alle
zwo Stunden neuen Torf hineinschiebt; dies dauert
24 Stunden, alsdann bricht man die gegenüberste=
hende Löcher auf, und mauert diese zu, und giebt da
nun auch 24 Stunden Feuer. So wird abwechselnd
5 bis 6 Wochen fortgefahren, bis die Ziegel recht aus=
gebrannt, und gar sind.

§. 711. Die Dachziegel, und Fliesen, welche
ganz dünne viereckigte Ziegel sind, und fürnemlich zum
Pflastgern der Backöfen und Cisternen gebraucht wer=
den, verfertigt man mit grösserm Fleiß, denn die Er=
de dazu wird erst in der Thonmühle bearbeitet und
zerkleint. Diese Thonmühle besteht aus einem Faß,
welches fest steht; in der Mitte steht eine aufwärtsge=
hende eiserne Welle mit vielen Armen rund umher,
diese Arme sind voller Messer, vom Mittgelpunkt bis
an den Umkreiß des Fasses; oben hat die Welle, einen
Hebebaum ab welchen ein Pferd gespannt, undso die
Welle mit den Messern herumgeführt wird.

§. 712. Das Faß wird voller Erde gethan, die
mit Wasser angefeuchtet worden, unten am Boden
          S 5          hat

282          Erster Abschn. Brennereyen.
Hat es eine Oefnung, durch welche die zerarbeitete Er=
de heraus in eine Grube dringt; diese Erde hat nun
die Consistenz der Töpfererde, sie wird ferner unter
der Hand wie ein Brodteig gewürkt und dann geformt.

§. 713. Der Ofen zu den Dachziegeln und Flie=
sen ist viel kleiner als der vorige, und wie der franzö=
sische mit Schwibbögen gemauert, da aber mit Torf
gefeuert wird, so sind die Feuergänge viel enger, und
nicht so hoch, auch haben die Gänge an beyden Sei=
ten Schürlöcher, damit man auf die nemliche Art
wie bey dem andern Ofen alle 24 Stunden abwechseln
könne. Oft giebt man der Waare eine graue Farbe,
dieß geschieht auf folgende Weise: wenn die Ziegel gar
sind, so füllt man alle Gänge mit frischen Erlenwasen
die noch die Blätter haben, und macht dann alle Oef=
nungen zu, nach 8 Tagen bricht man den Ofen auf,
und findet nun alles grau, und die Reisbündel in gute
brauchbare Kohlen verwandelt.

§. 714. Die schwedische Ziegelkfabrik von Herrn
Carl Wynbld verbessert, hat viel vorzügliches,
welches mich veranlaßt, das wesentlichste hier einzu=
rücken: Man legt in Schweden runde Thonsümpfe
unter einem Schoppen an, welche ungefähr ¾ Elen tief
mit Thon angefüllt werden, der mit Wasser wohl
durcnezt ist; in diesen Sümpfen treibt man etliche
Ochsen so lang herum, bis der Thon gnug durchkne=
tet und zerarbeitet worden. Dies tretten mit dem
Vieh hat aber die Beschwerlichkeit, daß es oft mistet,
so daß man immer den Unrath wegschafffen muß, auch
kostet der Unterhalt viel, besonders weil es wegen der
schweren Arbeit nicht lange dauert.

          §. 715.

Sechstes Hauptst. Ziegel.          283
§. 715. Daher hat man die die [sic] Tromme, oder
holländische Thonmühle eingeführt,  ur mit der Ver=
besserung daß auch das Faß einwärts gehende Arme
mit Messern hat, zwischen welchen die beweglichen
Arme und Messer durchstreichen; und also den Thon
noch besser zermalmen. Diese Trommeln werden auch
durchs Wasser getrieben. Herr Wynblad schlägt ei=
ne Trommel vor, die zugleich die Ziegel streicht: die
Welle liegt horizontal über einem rund ausgehölten
Trog, in welchem der Thon durch die Messer an der
Welle zerschnitten wird. Durch eine leichte Einrich=
tung schiebt sich am einen Ende des Trogs, eine Lei=
terförmige Form auf dem Boden unter dem Leim durch
und ein Daum in der Welle, streicht die Ziegel in der
Form aus.

§. 716. Der Ziegelofen hat nur zwey Schürlö=
cher, und ist im lichten 10 Ellen lang 5 breit, und
8 Ellen hoch; er wird ganz von Bruchsteinen gemauert,
inwendig aber mit einer Fußdicken Ziegelmauer über=
kleidet, und oben mit Zuglöchern im Gewölbe verse=
hen. Das ganze Gemäuer stght unter einem Dach.
Das Einsezzen der Ziegel geschieht wie in den hollän=
dischen Ofen, nur mit dem Unterschied, daß rund um
an der Mauer eine Zeile Ziegel in einer schiefen Lage
gesezt werden, um die Zwischenräume zu vergrössern,
und hier dem Feuer mehr Zug zu geben, daher befin=
det sich auch in jeder Ecke eine Zugröhre zum Dach
hinaus. Je nach der Grösse des Werks wird auch
der Ofen vergössert, und mit mehreren Schürlöchern
versehen.

§. 717. Die Schürlöcher müssen mit eisernen
Thüren verschlossen werden können; das Brennen ist
          wenig

284          Erster Abschn. Brennereyen.
wenig von obigen Methoden verschieden; man feuert
anfänglich gelind, nach undnach stärker; und wenn
alles im Ofen glüet, so verschliest man die Schürlö=
cher; oben auf dem Gewölbe aber, welches man sich
durch eine Creuzlinie in vier Viertel getheilt, vorstellt,
macht man ¾ der Zuglöcher ganz zu, so zieht sich die
Hizze nach dem offenen Viertel; nach drey Stunden
macht man das offene  Viertel zu, und öfnet ein an=
ders, bis man in 12 Stunden herum ist, dann ver=
schliest man alles,und lästs erkalten. Auf die Wei=
se brennen alle Ziegel allmälig aus.

§. 718. Zum Schluß muß ich meinen eigenen
Vorschlag zu Verbesserung der Ziegelfabrick mittheilen.
Das Treten des Thons von Thieren und Menschen ist
immer zu weitläuftig, und zu kostbar: warum sollte
ein Stampfwerk, wo eine Daumwelle hölzerne Stam=
pfen in einen Trog hebt, und fallen läst, nicht die be=
ste Würkung thun? Der Thon wird mässig mit Wasser
befeuchtet, und in den Trog gethan; wenn er gnug
durchknettet und zäh gnug ist, so nimmt man ihn
heraus, und sezt frischen ein; um das Anhängen an
die Stampfen zu verhüten, streut man zuweilen fei=
nen Sand.

§. 719. Zum Streichen kan Wynblads Vor=
richtung angewendet werden; oder auch mein folgender
Vorschlag: Ein langer Tisch hat auf beyden Seiten,
handhohe Leisten, zwischen diesen liegt ein hölzernes
Gitter, dessen Latten die Dicke, und dessen Fächer die
Grösse eines Ziegels haben; der Thon wird über das
Gitter verbreitet und eine schwere Walze darüber her=
gezogen, diese drückt den Thon in das Gitter, wodurch
dann auf einmal so viel Ziegel gestrichen werden, als
          Fächer

Sechstes Hauptst. Ziegel.          285
Fächer  in dem Gitter sind; hinter der Walze her,
schiebt man ein scharfes Brett über das Gitter, und
schneidet so den Thon glatt weg, der sich auf das Holz
desselben angedrückt hat: so wird man wenigstens 40
bis 48 Ziegel in ein paar Minuten streichen können.

§. 720. Obgleich der oben beschriebene französi=
sche Ofen vortrefflich ist, so sind doch die schwache
Schwibbogen dem Zerbrechen und vielfältiger Re=
paratur unterworfen; dies zu vermeiden würde ich nur
die zwo Mauern in der Mitte ausführen, die Schwib=
bögen aber weglassen, und an deren Stelle die Gänge
mit rohen Ziegeln wölben oder zudecken, so wie auch
in den andern Ofen geschieht; auch gefällt mir nicht,
daß der Ofen oben offen ist, ich richtete ihn also auf
schwedische Art mit einem Gewölbe und Zuglöchern
ein.

§. 721. Das Ziegelbrennen ist abermal ein wich=
tiger Gegenstand der Gewerbleitung:

1) Da das Bauholz eines Theils in den  mehre=
sten Ländern rar wird, und andern theils wegen dem
Feuer gefährlich ist, auch an vielen Orten ndie Bruch=
steine theuer, oder übel zu bekommen sind, so muß
das Ziegelbrennen auf alle Weise befördert werden,
damitman Mauer= Pflaster= und Dachziegel in gnug=
samer Menge, Güte, und Wohlfeilheit allenthalben
haben könne.

2) Zu dem Ende müssen Chymicker [Chemiker], und Natur=
kundige aufgemuntert werden, alle Erd= und Thonart=
ten zu untersuchen, wo sie im Lande zum Ziegelbrennen
tüchtig sind, damit man allenthalben Ziegeleyen er=
richten könne, wenn irgendwo etwas gebaut, gepfla=
          stert

286          Erster abschn. Brennereyen.
Stert oder gedeckt werden soll, auf daß der Transport
die Waare nicht vertheuern möge.

3) Aus eben dem Grunde müssen sich die Ziegel=,
brenner auf die beste Methode, in Meilern Ziegel
zu brennen, legen, denn man kan nicht überall Zie=
gelofen bauen, sie würden die Kosten nicht auswerfen.

4) Indessen kan man doch wo Thon gnug ist, ei=
ne beständige Ziegeley anlegen, weil die guten Dach=
ziegel, Fleisen, Wölbsteine, oder auch wohl Mauer=
steine, zu geringerem Bauwerk einigen Transport er=
tragen können.

5) Endlich muß man auch besonders auf die Gü=
te der Waare sehen; damit in einer so wichtigen Sa=
che als ein Gebäude ist, der Unterthan nicht betrogen
werde; ein Schaugericht von Mauerern, Baumei=
stern u. d. g. Sollte allemal einen Brand besichtigen,
und das Schadhafte auswerfen.

= = = = = = =

Siebendes Hauptstück.
Von der Töpferkunst.
§. 722.

e