Startseite

 Jung-Stilling und das „Intelligenzblat für Hessen“ - „Intelligenzblatt für Hessen“

von

Erich Mertens und Petra Mertens-Thurner

 

(Detaillierte Quellennachweise sind im rekonstruierten Original vorhanden und werden auf Wunsch weitergegeben!)

 

Vgl. hier.  

Am Ende des Jahres, In ihrer Nummer XLIX vom 1786-12-09 bringen die Dillenburgischen Intelligenz-Nachrichten Sp. 783 folgende Nachricht

„Aus der Nachbarschafft. Mit dem Anfang des künftigen Jahres wird in Marburg im Verlag Hrn. Joh. Christ. Krieger eine Wochenschrift unter dem Titel: Intelligenzblat für Hessen — erscheinen, und wöchentlich ein Quartbogen ausgegeben werden. Der Inhalt wird seyn: I) National Bildung und Aufklärung; II) Oeconomie, Industrie, Manufacturen und Handlung; III) Merkwürdigkeiten aus allen Theilen der Welt, als Bruchstücke zur Geschichte der Menschheit; IV) Gemeinnützige Nachrichten; als Landesherrliche Verordnungen, Geburts und Mortalitäts=Tabellen, Beförderungen &. &. Die eigentlichen Aufsätze werden einen halben Bogen und die Intelligenz=Nachrichten für sich einen halben Bogen einnehmen. Der Preis ist Ein Thaler Niederheßischer Währung: wer die Intelligenz=Nachrichten oder die Abhandlungen besonders verlangt, bezahlt 1. Gulden.“

 

In der „Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung“ Nr. 52 v. Mo 1786-12-25, S. 1126 f., liest man die Ankündigung, die ebenfalls per Flugblatt bekannt gemacht worden war: „23) Mit nächstem Jahr 1787. wird Herr Engelschall in Marburg, der als Schriftsteller schon rühmlich bekannt ist, in Verbindung mehrerer Gelehrten herausgeben: Intelligenzblat für Hessen: wöchentlich wird davon ein 4to. Bogen herausgegeben. Die Gegenstände die darinnen abgehandelt werden sollen sind unter folgende 4 | Hauptrubricken gebracht. 1) Nationalbildung und Aufklärung. 2) Oekonomie, Industrie, Manufaktur und Handlung. 3) Merkwürdigkeiten aus allen Theilen der Welt als Bruchstücke zur Geschichte der Menschheit. 4) Gemeinnützige Nachrichten. Der Herausgeber bürgt für die gewissenhafte Ausführung des Plans, der dem Publicum bereits auf einen halben Bogen unentgeltlich vorgelegt ist. Im Lan- [Sp. 1127:] Lande wird der Jahrgang für 1 Rthlr. oder 1 Fl. 48 Kr. Postfrey geliefert. Hier auf dem Intelligenz Comtoir selbst und sonst auf allen Postämtern wird Bestellung angenommen. Beyträge aber so wie sonst alles was Beziehung auf das Intelligenzblat hat, wird unter folgender Addreße sich erbeten.            Ans Intelligenz-Comtoir zu Marburg.“

In der „Casselische Polizey- und Commerzien-Zeitung“ Nr. 1 v. Mo 1787-01-01, S. 20, Nr. 6 wird dies wiederholt, und die Nr. 3 v. Mo 1787-01-15, S. 59, ergänzt noch:

„Gelehrte Sachen. 2) Folgender Artikel ist so eingegangen: ‚Zu einer Zeit, wo die Universität Marburg mit Recht die Augen der Ausländer auf sich ziehet, kündigt man von daher ein neues Wochenblat an, welches, wenigstens in Hessen, das erste seiner Art ist, und wenn es seinem Plan getreu bleibt, sich unter der zahllosen Menge periodischer Schriften gar merklich auszeichnen muß. Herr Engelschall, in Verbindung mit mehrern Gelehrten, ist Herausgeber; und legt in einer besonders gedruckten Nachricht an das Publikum den Plan vor, der wirklich tief durchgedacht zu seyn scheinet, und noch das Verdienst der schönsten Schreibart hat, die man an dem Verfasser gewohnt ist. Wir wollen das Wesentliche daraus vorlegen. Ernst mit Grazie, Nutzen und Vergnügen untermischt, ist im Allgemeinen der zweck dieser neuen Wochenschrift. Die Materien, mit denen sie sich beschäftigen wird, sind unter verschiedene Rubriken geordnet, welches aus der deshalb besonders gedruckten Nachricht des mehrern zu ersehen ist. Von dieser Wochenschrift soll wöchentlich ein Quartdogen. in gespaltenen Columnen gedruckt, ausgegeben, und mit dem Jahre 1787. damit sogleich der Anfang gemacht werden. Der Preis für de» ganzen Jahrgang ist 1 Rthlr. edictmäßig, und in Marburg ist es zu haben auf dem Intelligenz=Comtoir.“

Einen Hinweis auf das Blatt bringt sogar Baldinger in seinem „Medicinisches Journal. Eilftes Stück.“ 1787 unter der lfd. Nr. 25 in den „V. Vermischte Nachrichten.“ auf S. 72. Hier liest man.

„25. / In Marburg hat mit dem Jahr 1787 ein Intelligenzblat für Hessen, im Verlag der neuen akademischen Buchhandlung seinen Anfang genommen Diesem ist jedesmals besonders ein gelehrter Beytrag beygefügt dessen Inhalt Nationalbildung und Aufklärung, Oeconomie, Industrie, Manufacturen und Handlung u. s. w. enthalten wird.“

Auch „Schlözer’s Stats=Anzeigen. Heft 38.“ 1787, bringen eine Anzeige: „Intelligenz=Blatt für Hessen, von Hrn. Engelschall in Marburg. Ist erst angekündigt. Wochentlich [sic] 1 Bogen in 4, halb Intelligenz=Nachrichten, und halb eigentliche Aufsätze. Preis im Lande 1 Rthlr. Nieder=Hessischer Wärung.“ [sic]

 

Zwar hat sich der Einzeldruck des Aufrufs „An das Publikum“ nicht erhalte, aber der Druck in den Zeitungen hat den Text überliefert. Hier liest man:

„Ankündigungen neuer Bücher. / Auch die Entschuldigungen, womit die Unternehmer / jeder neuen periodischen Schrift ihre Absicht aufstu— / tzen, oder vielmehr verbergen wollen, fangen an alltäglich / zu werden, und verrathen durch ihre weitausgehohlten / Krümmungen nicht selten die wenige Solidität des Gan- / zen. Der Wirth, der mir ächten Rheinwein anbietet, / thut nicht wohl, wenn er über die Vorzüge desselben / viele Worte macht. Ist sein Wein gut, so wird mein Gau- / men entscheiden, und alle leichten Gewächse der letztern / Weinlese werden ihm nicht schaden. / Dies waren meine Gedanken, da ich dem Publikum / eine mir aufgetragene neue Wochenschrift, unter dem Ti- / tel : Intelligenzblatt für Hessen: hiermit ankündige. Diese / Wochenschrift wird, auf erhaltene gnädigste Erlaubniß, im / Verlage Hrn. Johann Christian Kriegers al- / hier zu Marburg mit dem Anfang des künftigen Jahrs er- / scheinen, und davon wöchentlich ein Quartbogen ausge- / geben werden. / Mit dem Bewußtseyn einer guten Absicht lege ich / meinen Plan vor, ohne ihn hochtönend zu empfehlen, / und ohne die menschliche Schwachheit zu bemühen, daß / sie die Schuld zu tragen geruhen möge, wenn ich und / die Herren Mitarbeiter nicht mehr leisten werden, als wir / mit dem besten Willen und mit Anstrengung aller Kräfte / leisten können, / Es ist kein möglicher Fall, daß man das, was ich so / eben gesagt habe, nicht für inneres Bewußtseyn, sondern / für eine Wendung der feinsten Arglist halte, welche den / Weg ihrer Vorgänger zu vermeiden scheint, um ihn desto / sicherer zu betreten. Sollte dieser Gedanke bei einem und / dem andern Leser entstehen, so hab‘ ich ihm nur dies / wenige zu sagen : Einmal hab‘ ich die aufmunternde Ge- / nehmigung meines gnädigsten Landesfürsten vor mir, und / dann so sind es lokale Bedürfnisse, und besonders die / neuen Einrichtungen der hiesigen Universität, die ein sol- / ches Intelligenzblatt nothwendig machen. Ich habe die / Herausgabe in Verbindung mit mehrern Gelehrten über- / nommen, und ich darf in Ansehung der Beiträge auf die / Unterstützung solcher Männer rechnen, deren blosse Na- / men jeder andern periodischen Schrift Ehre machen wür- / den. Wer unsere gegenwärtige Verfassung nur von ferne / kennet, wird dies ohne Kommentar verstehen. / Ich wende mich daher zur Sache selbst, und theile / den Plan mit, so wie er aus guten Ursachen zum Grunde / gelegt worden ist. Ernst mit Grazie, Nutzen mit Vergnü- / [Sp. 2:] / gen untermischt, ist im Algemeinen [sic] der Zweck dieser neu= / en Wochenschrift. Vier Hauptrubriken, welche ihre Unter- / abtheilungen haben, bestimmen den Gesichtskreis aller Ge- / genstände mit denen sich dieselbe beschäftigen wird. Sie / sind diese : / 1. Nationalbildung und Aufklärung. / a) Nachrichten über öffentliche Lehranstalten, wie / Angabe der Kenntnisse und Beleuchtung ihrer Einrichtung / und Lehrart. b) Bemerkungen über Vorurtheile und Volks- / aberglauben, so wie c) über Geschmack und Weiterkom- / men in den feinern Kenntnissen, d) Notizen, welche die hie- / sige Universität betreffen, Uebersicht neuer Schriften von / inländischen Gelehrten, desgleichen Anzeige von Kunst- / sachen, Gemälden, Kupferstichen, Alterthümern, u. s. w. / e) Digressionen über den Geist des Jahrhunderts und die / Beschaffenheit der Litteratur, mit eignen Aufsätzen und / Ausarbeitungen. f) Sittlichkeit, als eine Folge von Na- / tionalbildung, Karakteristik und Menschenkenntnis, Her- / vorziehung des bescheidnen Verdienstes einzelner Landes- / kinder, so wie im Gegentheil g) Beispiele sittlicher Aus- / artung und ihrer Folgen. h) Vaterländische Topographie / und Naturgeschichte, i) Kurze Lebensbeschreibungen / merkwürdiger Personen. / II. Oekonomie, Industrie, Manufakturen, und Handlung. / Unter den hier einschlagenden an sich reichhaltigen / Materien möchten wohl folgende die hauptsächlichsten / seyn : a) Landwirthschaftliche Verbesserungen, ökonomische / Wahrnehmungen und Rathschläge. b) Nachrichten von / öffentlichen Anstalten zur Sicherheit, Bequemlichkeit und / Verschönerung des Lebens in Städten und auf dem Lan- / de, wodurch die Gewerksamkeit ermuntert wird, und / wohin auch merkwürdige Erfindungen und neue Moden / gehören. c) Meteorologische Beobachtungen, Stand der / Feldfrüchte und muthmaßliche Erndte, Epidemien und / Gesundheitspflege, u. f. d) Nachrichten von Fabriken / und andern Anstalten zur Verbesserung des Nahrungsstan- / des, Vorschläge zur Vervollkommung derselben , u. s. w. / III. Merkwürdigkeiten aus allen Theilen der Welt, als Bruch- / stücke zur Geschichte der Menschheit. / Nicht eben jede Zeitungsneuigkeit, sondern bloß / solche Notizen, welche die Menscheit [sic] vorzüglich interessi- / ren, die Naturgeschichte bereichern, nützliche Kenntnisse / verbreiten, und auf das Verhältniß der Staaten gegen / einander Einfluss haben – mit Anmerkungen und Erläu- / terungen aus der Geschichte. / IV. Gemeinnüzige Nachrichten. / Hierher gehöre alles, was in den bereits bekannten / Blättern unter dieser Rubrik erscheinet, z. B. landesherr- / K liche [S. 38:] / liche Verordnungen, Geburts- und Mortalitäts-Tabellen, / Beförderungen , physikalische und politische Berechnungen / neue Handlungshäuser, Niederlassung von Künstlern und / Fabrikanten, Markt- und Waarenpreise, Ankündigungen, / Bekanntmachung von allerlei Sachen, Anfragen und der- / gleichen mehr. In Fällen, wo besondere Umstände den / wörtlichen Abdruck nicht nothwendig machen, werden / diese Artikel zu Ersparung des Raums im Auszug gelie- / fert. – / Dies mögten ohngefähr die Materien seyn, deren Bear- / beitung in diesem Intelligenzblatt eine Stelle findet. Man / hat den Gesichtskreis nicht zu enge ziehen wollen, um / der Wirksamkeit mehr Raum zu lassen, und durch Ab- / wechselung der Gegenstände auch das Verdienst der Man- / nigfaltigkeit zu erhalten. Uebrigens wird das billige Pu- / blikum diese Artikel nicht alle zugleich und jeden in dem / möglichsten Grade der Vollkommenheit verlangen. Ein / Quartbogen welcher wöchentlich ausgegeben werden soll, / ist dazu nicht hinreichend, und einige Artikel sind von / der Art, dass sie nur durch Zeit und gute Unterstützung / sich der Vollkommenheit nähern können, / Für das äußerliche Schöne (wie schon diese Anzeige / ausweiset) wird der Herr Verleger möglichst sorgen. Das / Blatt wird in gespaltnen Kolumnen gedruckt. Die eigent- / lichen Aufsätze nehmen einen halben Bogen besonders ein, / so wie die Intelligenznachrichten auch einen halben Bogen / für sich ausmachen. Sowohl von den eigentlichen Abhand- / lungen, als den Intelligenznachrichten, wird man biswei- / len, wenn besondere Umstände es nöthig machen, statt / eines halben einen ganzen Bogen liefern – wenn anders / die Anzahl der Abnehmer den Herrn Verleger dazu in / den Stand setzt. Auswärtige sind nicht gebunden, die In- / telligenznachrichten mit zu nehmen; so wie auch einheimi- / sche bloss diese letztern nehmen können, Entferntere Lieb- / haber wird man auf Verlangen, die Blätter viertheiljährig, / geheftet und mit einem Umschlag versehen zu senden. / Jeder Jahrgang wird mit der Silhouette – oder, wenn / die Anzahl der Abonenten es zuläßt, mit dem Bildnis – / eines Hessischen Gelehrten geziert werden. In der Hof- / nung einer patriotischen Unterstützung von Seiten des Va- / terländischen Publikums wird man weder Kosten noch / Mühe scheuen, diesem Blat alle mögliche Vollständigkeit / zu geben. / Der äußerst billige Preis für den Jahrgang ist im Lan- / de Ein Reichsthaler Niederhessischer Währung. Wer aber / die Abhandlungen, oder Intelligenznachrichten, besonders / verlangt, bezahlt für den Jahrgang Einen Gulden, oder / 16 GGr. obiger Währung. Man kann bis zu Ende dieses / Jahrs auf allen Postämtern subscribiren oder sich unmittel- / bar an den Verleger, unter der Addresse : an das Intelli- / genz-Komtoir zu Marburg, wenden. / Beiträge von Werth, womit einheimische oder auslän- / dische Freunde der Aufklärung, unser Institut beehren wol- / len, werde ich mit Dank aufnehmen. Man wird solche / ebenfalls unter der erwähnten Addresse, an das Intelli- / genz- Komtoir Krieger zu Marburg , beliebigst einsenden. / Privatpachrichten und Anzeigen aber, die einzelne / Personen in der Stadt und auf dem Lande bekannt ge- / macht haben wollen, sie mögen auch bestehen worin sie / wollen, werden nach der Zeile bezahlt. Einzelne Blätter / dieses Intelligenzblattes kosten 1 GGr. Wer etwas einzu- / [Sp. 2:] / rücken hat, wird gebeten, solche jedesmal mit Anfang / der Woche einzusenden. / Obgleich die Hauptabsicht auf das Land gerichtet ist, / in dem ich lebe , so wird man sich doch angelegen seyn / lassen, diesem Blatt eine Einrichtung zu geben, die dem / allgemeinen Bedürfniß unserer Zeit angemessen ist, und / es auch Auswärtigen interessant machen kann. Hierdurch / glaubt man den Wunsch mancher Ausländer zu befriedi- / fert. / gen, die sich mit der Beschaffenheit eines Landes bekannt / machen wollen, dessen erhabene Regenten von je her einen / so entschiedenen Einfluß in die öffentlichen Angelegenhei- / ten von Europa hatten: / Geschrieben zu Marburg im November 1786. / J. F. Engelschall.“

 

Tatsächlich erschien das angekündigte Blatt pünktlich, aber es war ihm kein langes Leben gegönnt. Am 1787-10-24 vermeldet die Nr. XLIII der Marburger „Gemeinnüzige Nachrichten“ in der Rubrik „Notiz literarischer Neuigkeiten.“ auf S. 185: „2. Es wird bis izt nur wöchentlich dies Blat noch ausgegeben; daß [sic] hessische Intelligenzblat aber cessirt bis aufs weitere.“ [cessieren: aufhören, ausbleiben, wegfallen.]

 

Umfangreich berichtet Gustav Könnecke 1894 in seinem „Buchdruckerbuch“ über dieses Blatt:

„Krieger's Zeitungsdrucke. Er übernahm im ersten Jahre seiner Drucktätigkeit auch wieder den Druck und Verlag einer Marburger Zeitung. Im November 1786 wurde ein von J. F. Engelschall unterzeichneter Aufruf ‚An das Publikum‘ ausgegeben, worin über den Plan der unter dem Titel : ‚Intelligenzblatt für Hessen‘ herauszugebenden Zeitung näheres bekannt gemacht wurde, und unterm 4. Dez. 1786 erteilte der Landgraf an Krieger ein Privileg auf zehn Jahre zur Herausgabe einer Polizei- und Commerzien-Zeitung. Die neue Zeitung erschien mit dem 3. Januar 1787. Sie wurde Anfangs jedesmal in zwei besonderen Abteilungen gleichzeitig ausgegeben, die erste hieß: Intelligenzblatt für Hessen. Sie erlebte nur Nr. 1 bis Nr. 38 (vom 19. September) und ist fortlaufend von Seite 1 – 152 beziffert; die zweite Abteilung, welche den Titel hatte: Gemeinnützige Nachrichten, enthält 52 Nummern (letzte Nummer vom 26. Dez. 1787), fortlaufend beziffert von Seite 1 – 208. Nach Aufhören der ersten Abteilung erschien die zweite allein weiter. Diese aus obigen zwei Abteilungen bestehende Zeitung erlebte den einzigen Jahrgang 1787. Mit der letzten Nummer wurde ein Haupttitel ausgegeben, welcher lautet: Marburger Gemeinnüzige [sic] Anzeigen. 1788 übernahm Bayrhoffer die Herausgabe des Marburger Wochenblatts mit einem Titel, welcher dem alten nahekam, nämlich als: Marburger Anzeigen (siehe Seite 268). – Ferner druckte Krieger in Westfälischer Zeit den noch in die Kurhessische Zeit hineinragenden Jahrgang 1813 des offiziellen Blattes: Departements-Blatt des Werra-Departements (Nr. 1 vom 2. Januar bis Nr. 103 vom 25. Dez. 1813). Die vorhergehenden Jahrgänge hatte Bayrhoffer gedruckt.“

 

Der Nachweis weniger Nummern, die sich erhalten haben vom „Intelligenzblat für Hessen“, gelang. (Unklar bleibt, warum Gerd Propach 1983 auf den S. 383 und 388 seiner Arbeit nur die Ausgabe Nr. 32 vom 8. August 1787 – wohl nach Max Geiger – nennt.)

Nr.          Datum          Seitenzahlen

17          25. April 1787          65-68

25          20. Juni 1787          97-100

26          27. Juni 1787          101-104

27          4. Juli 1787          105-108

28          11. Juli 1787          109-112

29          18. Juli 1787          113-116

31          1. August 1787          121-124

32          8. August 1787          125-128

33          15. August 1787          129-132

34          22. August 1787          133-136

35          29. August 1787          137-140

36          5. September 1787          141-144

37          12. September 1787          145-148

38          19. September 1787          149-152.

 

Über die Kontributoren sei folgendes (nach der Literatur) vermerkt:

 

Engelschall schrieb darin 1787:

Seite 34 ff.: Beschreibung zweier allegorischer Gruppen auf den Tod des Königs von Preußen (Friedrich II.) und den Regierungsantritt seines Nachfolgers.

  1. 133 ff.: Balfora [Balsora ?], eine morgenländische Geschichte; dies erschien dann verbessert und erweitert unter dem Titel „Sefira“ im Deutschen Merkur 1789, Dezember, S. 217. Der Text erschien 1805 ebenfalls in Engelschalls Kleinen Schriften, Bd. 1, S. 104-145.
  2. ---: im Nachdruck „VII. Charakteristik des deutschen Volksaberglaubens. Eine Skizze.“ 1805 ebenfalls in Engelschalls Kleinen Schriften, Bd. 2, S. 186-225.

 

Dieterich/Dietrich Tiedemann schrieb 1787:

Nr. 10: Ueber die neuen Wunderthäter;

Nr. 25 und 26: Schreiben eines Dorfschultheißen an seinen Sohn auf der Akademie über die Grenzen des Glaubens.

 

Karl Wilhelm Justi schrieb darin, was sogar in einem Lexikonartikel aufgezeichnet ist. So schreiben ERSCH/GRUBER 2. Sekt., Bd. 30, Leipzig 1853, S. 19, Sp. 2: “Er entwarf damals mehre [sic] kleine Aufsätze, die er größtentheils in das Intelligenzblatt für Hessen 32) einrücken ließ, dichtete manches Lied und übersetzte“; „32) Es erschien seit 1787 zu Marburg.“

… Landgraf Wilhelm des Jüngern Begräbnismonument in der Elisabethenkirche zu Marburg

… Das Erwachen, in Poesie

… Jehovah im Wetter, eine Probe althebräischer Dichtkunst

… Über die scheinbare Prophezeihung von Hottingers tragischem Ende.

Hamberger/Meusel vermerken 1788: „Landgr. Wilh. des jüngern Begräbnißmonument in der Elisabethenkirche zu Marburg. - Das Erwachen; in Poesie. - Jehovah im Wetter, eine Probe althebräischer Dichtkunst: - Ueber die scheinbare Prophezeihung von Hottingers tragischem Ende; alle in dem Intelligenzblatt für Hessen. Marburg, 1787.“

 

Georg Wilhelm Beck: „Im Intelligenzblatt für Hessen vom J. 1787 stehen von ihm folgende Aufsätze: 1) Theon, eine Gartenscene (auch vermehrt in Beneckens Jahrbuch für die Menschheit 1791. St. 5. S. 371-393). 2) Amint, eine politische Erzählung. 3) Ein Seitenstück zu dem im Journal von u. für Teutschl. Jahrg. 3. St. 12 vorkommenden Pröbchen zur Aufklärung. 4) Etwas über die Musik. 5) Ueber die Gränzen des Glaubens und der menschlichen Vernunft. 6) Anekdote aus dem Leben des kurfürstl. Brandenb. Feldmarschalls Dörfling.“

 

Friedrich Grebe (geb. 19. September 1764; Strieder Bd. 17/18, S. 182 ff.): 1788 in Marburg pro ministerio examiniert und 1791 ordiniert; 1803 Pfarrer in Michelbach in Oberhessen. – Er schrieb auch in den Marburger Anzeigen.

  1. Stück: Die Gegend zwischen den Dörfern Kaldern, Sterzhausen und Goftfelden in Oberhessen, Skizze einer malerischen Darstellung.

.

Valentin Gottlieb Sanner, geb. Schmalkalden 4.10.1740, gest. 1.06.1790; ehel. 1770 Wilhelmine Henriette Noltenius aus Kirchhain.

Stück 27, 30 und 38: Von Bestattung der Todten.

 

„Lina“ = Caroline von Urff trug in diesem Blatt zur Unterhaltung bei. Nach dem Allg. Lit. Anzeiger Nr. LIX v. Fr 1798-04-13, Sp. 615: veröffentlichte sie „unter dem Namen Lina Gedichte im Hessischen Intelligenzblatt und im Museum für Frauenzimmer.“ Dies geschah in den Nr. 14, 24 und 27 des Intrelligenzblattes.

 

Johann Philipp Breitenstein , geb.: Niederdorfelden 16.07.1759, gest. Marburg 21.09.1825; seit 1785 zweiter reformierter Prediger,  publizierte auch hierin  „Mehrere kleine Aufsätze im Intelligenzbl. für Hessen, vom J. 1787.“

 

Bei der Nachricht, dass ein „G. Lehenner“ hier publizierte, ist das Problem der Identifizierung vorhanden.

Sowohl Georg Philipp Franz Moritz von Lehenner (geb. Bückeburg etwa 1736, ehel. 30.12.1772 Henriette Loysa von Behr; war von 1785 bis 1800 Oberforstmeister) als auch Philipp Friedrich Moritz von Lehenner lassen sich nachweisen. Eine weitere Schwierigkeit bildet die Schreibweise des Namens:

Oberforstmeister „von Lehener“ [sic] verfasste: „Ueber Borkenkäfer und Raupenfraß, ingleichen beim Vertrocknen beträchtlicher Reviere in Tannenwaldungen“ (Reichs=Anzeiger Nr. 33 v. Sa 1800-02-08, Sp. 424 f.; National=Zeitung der Teutschen, Nr. 42 v. 1799-10-17. Sp. 930.) – Als Subskribent in Georg Ludwig Hartig: Anweisung zur Taxation der Forste, oder zur Bestimmung des Holzertrags der Wälder. Giessen 1795, „von Lehener“ mit Titelei.

Der „Hochfürstl.-Hessen-Casselischer Staats- und Adreß-Calender“ 1780, S. 34, 63, 97, nennt alle Formen: Oberforstmeister Philipp (Fr.) Moritz von Lehenner zu Hersfeld. – „Hochfürstl.-Hessen-Casselischer Staats- und Adreß-Calender“ 1790, S. 42: Oberforstmeister Philipp Friedrich Moritz von Lehener [!] zu Marburg, Forstamt; S. 66: Oberforstmeister von Lehenner zu Marburg.

 

Wilhelm Johann Christian Casparson (geb. Gießen 7. September 1729, gest. Kassel 3. September 1802) war ebenfalls Kontributor. Von ihm war bereits erschienen „Abhandlung zur Verhütung des Bettelns in einer Haupt= und Residenzstadt.“ Cassel: Cramer 1783.

  

Leonhard (nicht Ludwig) Henckel, (geb. Wetter bei Marburg 1745, gest. …) Rektor der Stadtschule zu Wetter in Oberhessen, dann Pastor in Bracht in Hessen seit 1796-11; „Im Intelligenzblatt für Hessen vom J. 1787 stehen von ihm folgende Aufsätze: Nr. 5: Beschreibung eines Weltsystems zum Unterricht der Jugend. Nr. 20: Drachengeschichte, in einem Brief an den Herausgeber des Intell. Bl. Nr. 21 und 31: Dankbarkeit zweyer Fremdlinge für den in der Jugend genossenen Unterricht [in der Teutschen Zeitung 1792, Nr. 20, S. 319-326, u. d. T.: Merkwürdiger dank zweyer guten Brüder aus fernen Landen her für ihre Erziehung in der Jugend, aus den Lahngebirgen, von einem Schäfer erzählt]. Nr. 23: Hirtenlied der Schäfer auf dem Lahngebirge. [in der Teutschen Zeitung 1792, S. 327] Nr 28: Der ehrliche Mann im Burgwald; ein Seitenstück zum Manco Capak der Kleine. Nr. 33: Der Glücksring mit dem Menschenspiegel; eine Peruanische Erzählung. (die meisten dieser Aufsätze sind Kalophilus unterzeichnet).“ – Vgl.: „Dritte Beylage zu den Annalen der neuesten Theologischen Litteratur und Kirchengeschichte.“ [Rinteln usw.] 6. Jg. 1794, S. 36: „2) Der Verfasser dieses, dem Hrn. Pred. Breitenstein in Marburg zugeeigneten Hirtengedichts, Herr Rector Henkel in Wetter, vn dem auch einige artige Aufsätze, mit der Unterschrift Kalophilus, im Intelligenzblatt für Hessen v. J. 1787 vorkommen, zeigt sich darin dem Publicum als einen Mann von eigenem Gefühl, guter Kenntniß der lateinischen Sprache und Belesenheit in römischen Dichtern, und scheint daher auch seine Lehrerstelle, insofern solche Unterricht im Lateinischen verlanget, hinlänglich auszufüllen.“

  

Einige Ausgaben seien detaillierter verzeichnet, da sie Beiträge Jung-Stillings enthalten:

(Die Texte liegen kommentiert vor.)

 

„- ( 93 ) - / Intelligenzblat [sic] für Hessen. / Vier und zwanzigstes Stük. [sic] / Marburg, den 13ten Junius 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 93, Sp. 1: „I. Nationalbildung und Aufklärung. / 1. Am ersten heitern Lenzmorgen. / Wann izt nach trüben Wintertagen“, 3 Strophen, unterz. „Lina.“ - S. 94, Sp. 2 bis S. 96, Sp. 2: „II. Oekonomie und Industrie. / Manco Capac der Kleine.“, unterz. S. 97: „Jung.“

 

„- ( 105 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Sieben und zwanzigstes Stük. / Marburg, den 4ten Julius 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 105, Sp. 1: „I. Nationalbildung und Aufklärung. / 1. An die Nachtigall. / Sängerin der stillen Nacht,“ 3 Strophen (14, 10 und 4 Verse), unterz. „Lina.“ - S. 105, Sp. 2 bis 107, Sp. 2, unter derselben Rubrik, gleich im Anschluß): „2. An Gottes Segen ist alles gelegen.“, unterz.: „Jung.“

  

„- ( 109 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Acht und zwanzigstes Stük. / Marburg, den 11ten Julius 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 109, Sp. 1 bis S. 111, Sp. 1: „Empfang Wilhelms des Neunten von den Musen zu Marburg.“ S. 109 bringt den Bericht, S. 110 f. bringt das S. 109 erwähnte Gedicht von K. W. Justi. Darauf folgt die Fortsetzung des Berichts, in dem es heißt: „Tags darauf, den 4 [sic] dieses, geruh= / ten Se. Hochfürstl. Durchlaucht des Morgens frühe den botanischen Garten und das neu erbaute Gewächshaus in Höchsten Augenschein zu nehmen, verfügten sich sodann um halb zehn Uhr in den großen akademischen Hörsaal, wo von unserm Hrn. Hofrath und Professor Jung, vor einer höchst ansehnlichen Versamlung, eine auf diese Gelegenheit eingelenkte Antritsrede: vom Wesen, Ursprung, / Fortgang, und der Lehrmethode der Staatswirthschaft, gehalten wurde - alles mit gewonter Gründlichkeit, und in einer männlichen, tiefeindringenden Spra= / che. Mittags zwölf Uhr wurde der ge= / samte akademische Senat zur Aufwartung / vorgelassen. [...]“

Darauf folgt S. 111, Sp. 1 bis S. 112, Sp. 2, unterz. von „H**.“ der nun numerierte Aufsatz: „II. Oekonomie. / 1. Der ehrliche Mann im Burgwald. / Ein Seitenstück zu Manco Capac der Kleine.“

 

„- ( 125 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Zwei und dreissigstes Stük. / Marburg, den 8ten August 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 125, Sp. 1 bis S. 126, Sp. 2: „I. Nationalbildung und Aufklärung. / 1. Etwas über den Ein= und Ausflus [sic] des Weimarischen Modejournals.“

 

„- ( 129 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Drei und dreissigstes Stük. / Marburg, den 15ten [Zeichen hochgestellt] August 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 129, Sp. 1 bis S. 131, Sp. 2, unterz. „Huana Kapak. / (Der Schlus künftig).“ [sic] in der Rubrik „I. Nationalbildung und Aufklärung.“ nach einem Gedicht von J. Fr. Beyer: „2. Der Glüksring mit dem Menschenspiegel. / Eine peruanische Erzälung.“ [sic] Unten S. 131 unterz.: „Huana Kapak.“

Johann Franz Beyer, geb. Siegen 9.01.1767, gest. Herborn 14.09.1814, Konrektor am Gymnasium zu Dillenburg, gab 1792 „Sammlung von Liedern der Liebe im Geschmacke Salomos“, Marburg: Krieger heraus.

 

„- ( 133 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Vier und dreissigstes Stük. / Marburg, den 22sten [Zeichen hoch] August 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 133-135: „I. Nationalbildung und Aufklärung. / Balsora. [Balfora ?] / Eine morgenländische Geschichte.“ Diese wird in der Nr. 36 v. 5.09.1787, S. 141-143 fortgesetzt, wo auch eine weitere - hier nicht erhaltene - Fortsetzung angekündigt ist.

 

„- (145 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Sieben und dreissigstes Stük. / Marburg, den 12ten [Zeichen hoch] September 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 147, Sp. 2 bis S. 148, Sp. 2, unterz. „Jung.“: „II. Oekonomie. / Etwas über die Wiesenwässerung.“

 

„- ( 149 ) - / Intelligenzblat für Hessen. / Acht und dreissigstes Stük. / Marburg, den 19ten [Zeichen hoch] September 1787. / - / Mit gnädigstem Privilegio. / - „

  1. 151, Sp. 1 bis S. 152, Sp. 2, unterz. „Jung.“: „II. Industrie und Handlung. / Grosmann, oder Beispiel eines unternehmenden Geistes.“

Gemeint ist Peter Adolf Clarenbach, 1661-1736, dem er 1776 unter dem Titel „Anmerkungen / über das / Handlungs-Genie.“ in den „Bemerkungen der Kuhrpfälzischen physikalisch-ökonomischen Gesellschaft vom Jahre 1776“, Lautern 1779, S. 3-64 ein Denkmal gesetzt hatte (s. o.)

 

Von Jung-Stilling erschienen hierin

 

STRIEDER: Jung S. 264: Nr. 24, S. 94:

– Oekonomie und Industrie. / Manco Capac der Kleine

STRIEDER: Jung S. 264: Nr. 27, S. 105

– An Gottes Segen ist alles gelegen

STRIEDER: Jung S. 264: Nr. 32, S. 125

– Nationalbildung und Aufklärung. / 1. Etwas den über Ein= und Ausflus / des Weimarischen Modejournals

STRIEDER: Jung S. 264: Nr. 38, S. 151

– Industrie und Handlung. / Grosmann, oder Beispiel eines unternehmenden Geistes

  

Bisher nur falsch Jung-Stilling zugeordnet. Vgl. hier.  

Henckel:

– Oekonomie. / 1. Der ehrliche Mann im Burgwald. / Ein Seitenstück zu Manco Capac der Kleine

Engelschall:

– Nationalbildung und Aufklärung. / Balsora [Balfora ?]

NN:

– Oekonomie. / Etwas über die Wiesenwässerung

 

 

 

Stillingsfreunde – Stillings Freunde – Stillings Freunde

 

„Liebe Leser und Stillingsfreunde!“

 

Mit dieser Anrede beginnt Jung-Stilling 1804 seine „Lehrjahre“. 1778 benutzte er in der „Wanderschaft“ den Ausdruck „du Stillings-Freund!“ (LG S. 213) 1789 erschien das „Häusliche Leben“, von dem die Anzeigen meinten: „Den Stillingsfreunden wird diese Fortsetzung von Stillings Lebensgeschichte sehr willkommen seyn.“ Darin ist Jung-Stilling der Kaufmann Bauch „ein edler Mann und Stillings Freund“. (LG S. 324; auch S. 441, 513, 536; MERK: Belehrt S. 19, Anm. 3.]

Er griff 1804 damit auf, was er bereits 1781 im Vorwort zu seinem Roman „Florentin von Fahlendorn“ geschrieben hatte:

„ich weiß, daß ich eine gewisse Anzahl Leser in Teutschland habe, die ich gemeiniglich Stillings-Freunde heisse. Wer nun nicht zu dieser Gesellschaft gehöret, der lasse meine Sachen ungelesen; denn er siehet ja schon auf dem Titel, daß Stilling sie geschrieben hat; aber von einem solchen verbitte ich mir auch das Rezensiren; denn Stillings Freunde können, den meisten Stimmen nach, das gerad am schốnsten finden, was dem Herrn Rezensenten gar nicht gefällt; und da hat ihm niemand das Recht gegeben, das Liberum Veto zu schreien.“ [Liberum Veto: das im polnischen Sejm (Reichstag) 1652–1791 geltende Recht, jedes Abgeordneten, sein Veto einzulegen, da Entscheidungen einstimmig gefällt werden mussten. In diesem Fall wurden sämtliche zuvor gefallenen Entscheidungen der Sejmsitzung ungültig.]

 

Bereits 1780 hatte ein Anonymus seinem Buch als Motto vorangestellt: „Freund Stilling ! Lis’ diese Geschichten - und / dann sage, wann du kannst, die Grenzen zwischen Gott / und der Natur - zwischen Geist und Fleisch - zwischen / Licht und Finsternis - zwischen Leib und Seele. Ge= / nug ! alles - sichtbares und unsichtbares, Leben und / Tod - hilft zusammen wirken, daß Gottes Rath voll= / führt werde. - So denkt / Stillings Freund.“

 

1781 kritisiert ein Rezensent des Romans „Florentin von Fahlendorn“: „Wer kann solche Schwärmereyen billigen? Zwar verbittet der Verfasser in der Vorrede alle Recensionen von andern als Stillings Freunden (wie er sie poßierlich nennt).“ […] Ein anderer Rezensent des Romans schreibt nur: „Aber um der Leser willen, die keine Romane lesen, oder keine Stillingsfreunde sind, ist es wohl nicht überflüßig, auch etwas vom Inhalte zu sagen.

 

1787 greift Christian August Vulpius auf die „Vorrede zur Geschichte Florentins von Fahlendorn.“ zu und meint vom Mond: „Aber noch ganz anders sehen ihn die Stillingianer, vom Oberhaupte der Sekte **) selbst Stillings Freunde, benamset.“ Er scheint der erste zu sein, der von einer Sekte sprach. – Vgl. hier.  

1788 hat die LG „einen alten Stillingsfreund, sehr angenehm unterhalten“, und er schrieb aus diesem Gefühl heraus eine Rezension über das „Lehrbuch der Staatspolizey-Wissenschaft“.

 

1799 rezensiert Johann Isaac Berghaus, der Jung-Stilling persönlich kannte, dessen Schrift „Staatswirtschaftlichen Ideen“ und meint: Jung fährt fort darin, „Wahrheiten zu sagen, für die nur Stillings Freunde empfänglich sind“.

 

Am 1815-06-08 erhält Jung-Stilling einen in Sarepta am 27. Mai alten Stils geschriebenen Brief von dem Vorsteher Schleinitz der Brüdergemeine. Dieser Dankt für das schreiben Jung-Stillings vom 1815-02-17 und meint: „Der lehrreiche und erweckliche Inhalt desselben hat mich und alle die zahlreichen Stillingsfreunde in hiesiger Gemeine, denen ich Ihren Brief mitgetheilt habe, innig erbaut, und das Band der herzlichsten Bruderliebe, durch welches wir uns mit Ihnen verbunden fühlen, wo möglich noch fester geknüpft.2

 

1817 wird Stillings „Alter“ unerlaubt nachgedruckt. Jung-Stillings Schwiegersohn Schwarz publiziert dagegen und schreibt: „Wir erwarten aber nunmehr von keinem Stillingsfreunde, daß er zu so etwas die Hand biete, und durch wissentlichen Ankauf des Nachdrucks sich fremder Sünden theilhaftig mache.“

Auf diesen Aufruf bezieht sich am 1818-07-15 ein „M. –“ in seinem Kampf gegen Nachdrucker. Hier liest man. „Und eben so wird sich kein Stillingsfreund mit dem nachgepfuschten Büchlein und Kupfer besudeln, da das Original in einer würdigen Gestalt von den Hinterbliebenen veranstaltet, und von der Verlagshandlung um einen äußerst billigen Preis – nur 36 kr. Theurer, als der versuchte Nachdruck – gegeben werden.“

 

Evtl. ist 1820 eine der Töchter Kirchhofer oder Helena Schlatter-Bernet die Verfasserin des Büchleins, das sich „An ▫ Stillings=Freunde.“ wendet. „Euch, ohne Ausnahme Allen, ihr geliebten, bekannten und unbekannten Stillingsfreunden, die ihr ja auch Christus-Freunde seyd! sind diese Blätter gewidmet.“ hebt das Werk an.

 

1841 Heinrich Gelzer schreibt in seiner Literaturgeschichte: „Man erschrickt, wenn man ihn immer und immer von den ‘Stillingsfreuden’ [sic; Stillingsfreunden] (dies sein Ausdruck), die er dort und hier gefunden, so sprechen hört wie von einer auserwählten Gemeinde.“

 

1851

„Aus jenem Gefühl individueller Vereinsamung stammt auch seine beständige Sehnsucht nach einem Surrogat der verlassenen Kirche, das Bestreben, eine unsichtbare Kirche mit einer gleichgestimmten Gemeinde von „Stillingsfreunden“ herzustellen.“

 

1857 schreibt Amalie Jung aus Mannheim an Prälat von Kapf: „Sodann stehen Sie als Stillingsfreund seinen beiden letzten Töchtern besonders nahe, und Ihre schöne Vorrede zu der letzten Auflage seiner Lebensgeschichte verpflichtet sie zu innigem Danke.“

 

1860 bekennt Max Goebel/Göbel: „daß ich selber mich gern zu den zahlreichen Stillingsfreunden rechne und freudig bekenne, daß Stilling’s Schriften schon in früher Jugend auch auf mich den segensreichsten Einfluß ausgeübt haben, wie ich auch kein deutsches Werk so oft gelesen habe und immer wieder lese, als Stilling’s ‚Jugend‘.“

 

1922 schreibt Alexander Vömel im Vorwort zum ‚Heimweh‘: „Dank der verständnisvollen Mitarbeiter einiger Stillingsfreunde, besonders des Herrn Professor Dr. Eitel in Königsberg, dürfte es gelungen sein, hier eine Neuausgabe des Buches anzubieten, die den Anforderungen der Gegenwart entspricht.“ [Prof. Dr. phil. nat. Wilhelm Hermann Julius Eitel, geb. Frankfurt am Main 6.05.1891, gest. Toledo (Ohio) 20.07.1979.]

 

Am 1934-01-20 wirbt Gastwirt Fritz Engelbert in Hilchenbach: „Stillingsfreunde besuchen vom ‘Florenburg’ seiner Jugend die Stillingsstätten und finden die freundlichste Aufnahme im Gasthof Fritz Engelbert.“

 

Das Problem der Pacht

 

Der Kameralist und Statistiker Johann Daniel Albrecht Hoeck (geb. Gaildorf 13.05.1763, gest. Ansbach 7.01.1839) hatte 1796 einen Ruf als ordentlicher Professor der Philosophie und Kameralwissenschaft nach Erlangen erhalten. Seine Ernennung durch König Friedrich Wilhelm von Preußen stammt vom 3. Februar 1796, aber bereits nach einem Jahr schied er dort aus. Im Rahmen dieser kurzen Professur publizierte er eine Anfrage im

Kaiserlich privilegirter Reichs-Anzeiger 1796, Bd. 2, Nr. 208 v. 1796-09-08, Sp. 5824-Sp. 5825.

Er fragt an nach § 95, S. 181-185 in

„Dr. Johann Heinrich Jungs / der Oeconomie, Finanz= und Cameral=Wissenschaften ordentl. / öffentl. Lehrers in Marburg / Lehrbuch / der / Cameral=Wissenschaft / oder / Cameral=Praxis. / - / - / Marburg / in der neuen akademischen Buchhandlung / 1790.“

worin dieser seine „eigene Idee“ auf den genannten Seiten vorstellt.

Und stellt dies dem Artikel gegenüber, den Johann Beckmann (1739-1811) verfasste in:

„Beyträge zur Oekonomie, Technologie, Polizey und Cameralwissenschaft, von Johann Beckmann. – Sechster Theil, nebst Register über die drey letzten Theile.“ Göttingen: [Anna] Vandenhoeck 1782. – S. 359-370: „IV. Von der Einrichtung und den Vortheilen der Briefgüther.“

Hoeck schreibt:

"Kameralistische Fragen.

Ist in irgend einem deutschen Staate die von dem Hrn. Hofrath und Prof. Jung in Marburg erfundene und in seinem Lehrbuche der Cameralpraxis (8. Marburg 1790.) §. 95 beschriebene Methode einer erblichen Pachtüberlassung mit alljährlicher Bestimmung gewisser von dem Pachtinhaber zu entrichtender Quoten nach dem angeschlagenen Ertrage und den jedesmaligen Marktpreisen von einem Kammercollegio versucht un d wie ist solche in der Ausführung befunden worden? Oder sind die in dem Hessen Darmstädtischen eingeführten lebenslänglichen Verleihungen oder sogenannte Briefgütherleihen, von welchen in Beckmanns Beyträgen zur Oekonomie. 2. B. S. 359. f. nähere Nachricht ertheilt wird, auch in andern deutschen Ländern und mit welchem Erfolge nachgeahmt worden?

Durch Beantwortung dieser Fragen würden mich sachkundige Männer sehr verbinden.

Erlangen            Höck, Professor.“

 

 

Jung-Stilling in Marburg 1787 bis 1803

von

Erich Mertens und Petra Mertens-Thurner

 

(Quellennachweise sind im rekonstruierten Original vorhanden!)

 

Mit dem Tode seines Vaters 31. Oktober 1785 wurde dessen Sohn, der „bisherige Erbprinz von Hessen=Cassel und regierende Graf von Hanau, George Wilhelm“ als Wilhelm IX. (1743-1821) Landgraf von Hessen-Kassel. Er soll damals eines der größten Vermögen Europas geerbt haben; Zeitgenossen sprechen von einem „großen Schatz von 65 Millionen Gulden“. Durch Umrechnung oder andere Quellen sprach man später von einem „Privatvermögen von 30 bis 36 Mill. Thlr.“

Wilhelm IX. nutzte dies Vermögen und „hat seit dem ersten Augenblick seiner angetretenen Regierung, ununterbrochen die deutlichsten Beweise eines guten Fürsten und Vaters seiner Unterthanen gegeben. Den Fond der Universität Marpurg [sic, Marburg] hat derselbe mit 100,000 Gulden vermehrt; […].“

Der Korrespondent des „Journal von und für Deutschland“, der „wieder einmahl ins Hessenland hinüber geschaut“ hat: „Ueber Cassel. Aus Thüringen, den 1ten May.“, greift das Lob aus „Historisches Portefeuille“ und „Manheimer Zeitung auf und schreibt: „Beziehung auf bestimmten Zweck, in Unternehmungen, Anordnungen und Einrichtungen – scheint Zug in Wilhelms Fürstencharakter zu seyn. Wenn Hessens Flor sein Zweck ist, so läßt sich die Klage auswandernder Fremdlinge über ihn begreifen.“ – Die Zeitgenossen sind sich sicher: „Wer aber glaubt, daß Wilhelm irgend eine für das gemeine Wohl wichtige Unternehmung aufgeben könne, der kennt nicht das mindeste von dem Hauptzug seines großen, unermüdeten Geistes“.

Der schon zitierte Korrespondent des „Journal von und für Deutschland“ bringt unter dem 1786-05-10 „Neuigkeiten aus Marburg.“: „Unsere sieben neue Professoren Baldinger, Michaelis, Stegmann, Mönch, Brühl und Tiedemann sind nunmehr wirklich angekommen“, arbeiten wie Michael Conrad Curtius (1724-1802) und übergeben Johannes Bairhoffer [Bayrhoffer, 1777-1795] bzw. später Johann Konrad Christian Krieger (1747-1825) ihre Arbeiten zum Druck. Kurz: „Marburg kann sich in der That glücklich preisen, jetzt in allen Fächern so berühmte als würdige, oder hofnungsvolle Männer zu besitzen“.

Ähnlich formuliert das „Journal von und für Deutschland“: „[...] Marburg kann sich in der That glücklich preisen, jetzt in allen Fächern so berühmte als würdige, oder hofnungsvolle Männer zu besitzen, von denen die Namen eines Endemann, von Selchow, Baldinger, Curtius, Stegmann, Tiedemann, allein hinreichend wären eine hohe Schule zu zieren. So lange der rühmliche Eifer, mit dem Wilhelm die Sache Marburgs, so wie die Sache Hessens überhaupt, übernommen hat, nicht erkaltet, so lange kann es nicht fehlen, daß diese von der Natur und tausend andern Umständen so sehr begünstigte Universität eine der blühendsten und gesegnetesten in Deutschland werde. [...]“

Bereits im Jahr 1785 hatte Johann Georg Heinzmann (1757-1802) Marburgs Vorzüge vorgestellt: „Da Marburg mitten zwischen Frankfurt und Kassel liegt, also mit Ober- und Niederdeutschland, auch noch weiter, auf der einen Seite durch Karlshaven mit Bremen durch Koblenz, auf der andern mit den Niederlanden Verbindung hat, Wetzlar, Hanau, Mainz, Dillenburg, Fulda , die Freyabtey Arnsburg und mehrere Höfe von Fürsten und Grafen um solches herum sich befinden, so gewährt auch dieß Studirenden sowohl, als wie den Eingebornen manche zum Theil beträchtliche Vortheile uud Bequemlichkeiten.“

Aber „Noch war Marburg die hohe Schule nicht“, so urteilt der Reisende im „Journal von und für Deutschland“, „Marburg muß – wenn es im philosophischen und historischen Fach noch Männer und die medicinischen Anstalten, wie in Cassel erhält, – gedeihen. Denn eine lachende Gegend, eine gesunde Luft, ein dienstfertiger Bürger, Menge und Wohlfeile der Lebensmittel und Gesellschaften für den Jüngling – die nicht wie in Göttingen Audienz oder Cour sind, verspricht ihm alles.“

Derselbe Reisende im „Journal von und für Deutschland“ meint: „Marburg ist in seiner romantischen Lage nach am Lahnfluß, ein schon natürlicher Parnaß. Der schönen Aussicht aus den Häusern an der Höhe verzeiht mans, daß sie größtentheils schlecht sind, doch besser als in Gießen – das einen Platz, beßre Universitätsgebäude und eine Straße ausgenommen, immer wie eine Landstadt aussieht.“ Karl Gottlob Samuel Heun (1771-1854, als Pseudonym: Heinrich Clauren) schloß sich 1792 dieser Sicht an und ergänzte:  „man [hat] eine freye Aussicht in das romantische Lahnthal.“

Der Reichtum des Landgrafen, den die „Mannheimer Zeitung Num. IV. Montag, den 9. Wintermonat (Jän.) 1786“ in der Korrespondenznachricht „Aus dem Hessischen“ bestätigte, gab ihm die Möglichkeit, entsprechend anzuwerben; dieselbe Zeitung vermerkt: „Mehrer unserer hiesigen Gelehrten sind mit Vermehrung ihres Gehalts als Lehrer dahin ernannt.“

Wilhelm IX. hatte Erfolg:  „Dadurch hob sich die Zahl der Studirenden in Kurzem beträchtlich, so daß in dem einen Jahre 1786 150 neu angekommene Studirende, worunter drei Grafen, sechs Edelleute und 29 Mediziner waren, eingeschrieben wurden.“

Rückblickend schreibt Philipp Losch in seiner „Geschichte des Kurfürstentums Hessen 1803 bis 1866“ zum geistigen Leben in Marburg bzw. Hessen, das: „wenig entwickelt“ war. Losch schreibt ebd.: „Unter den damaligen Marburger Lehrkräften hatten wenigstens die Namen der Theologen Wachler und Justi, des Philosophen Tennemann, des Botanikers Mönch, des klassischen Philologen Creuzer, des Anatomen Tiedemann, des Gynäkologen Stein, des originellen Mediziners Baldinger und des frommen Kameralisten Jung=Stilling mehr als bloß lokale Bedeutung, Doch vermochte die kleine Universität gerade die besten Lehrer meistens nicht dauernd an sich zu fesseln. Creuzer, Tiedemann und Jung=Stilling, der in Marburg besonders als Staaroperateur gefeiert war, gingen nach Heidelberg, wohin ihnen später auch der Jurist und Paläograph Ulrich Friedrich Kopp folgte, der bis dahin Geheimer Kabinetsrat [sic] in Cassel gewesen war.“.

Zu den für Marburg gewünschten Professoren zählte auch Nathanael Gottfried Leske geb. Muskau 22.10.1752, n. A. 1751, 1757; gest. Marburg 25.11.1786; imm. Leipzig 19.05.1769; dessen Witwe später in Heidelberg 1804 (Georg) Friedrich Creuzer ehelichte.

 

Die „Neue Leipziger Gelehrte Zeitungen XCV Stück.“ zeigen an, daß „Unser Herr Professor Leske“ nach Marburg berufen wurde und nennt nur das Gehalt. Informierter gibt sich die „Allgemeine Literatur-Zeitung“, wenn sie schreibt: „Herr Professor Leske in Leipzig ist von dem regierenden Landgrafen von Hessencassel, als ordentlicher Professor der Kameralwissenschaften und der Oekonomie, mit einem jährlichen Gehalt von 1200 Rthlr., einer Pension von 300 Rthlr. Für seine Gattin, wenn diese ihn überleben sollte, mit Sitz und Stimme im akademischen Senat, und einem ansehnlichen Aequivalent der Reisekosten nach Marburg berufen worden. Zugleich genießt er alle Jura realia und personalia [dingliche und persönliche Sachenrechte] der dortigen Professoren. Es stehet zu vermuthen, daß Herr Professor Leske diesem Rufe folgen werde.“ Diese Vermutung bestätigt die Zeitung dann in „Allgemeine Literatur-Zeitung“: Leske hat den „Ruf nach Marburg angenommen und wird zu Ende des Octobers dahin abgehen.“ - zum Vergleich: Selchow erhielt 2500 Rthlr, Baldinger 2000, Robert senior 650.

Wie sicher der Wechsel war, zeigt diese Meldung: Am 1786-09-29 wird In der „Anzeige der Leipziger ökonomischen Societät in der Michaelismesse 1786“ berichtet, dass Nathanael Gottfried Leske aus Leipzig nach Marburg geht. Er lässt seine Mineraliensammlung durch Herrn Johann Carl Schlipalius (1751-1813)] katalogisieren, denn die Leipziger Gesellschaft übernimmt sie als Geschenk. Heute wird Leskes Naturalienkabinett im National Museum of Ireland aufbewahrt.

Nathanael Gottfried Leske reiste am 1786-11-07 aus Leipzig ab, um dem Ruf nach Marburg zu folgen. Eine knappe Darstellung der Folge geben die Gothaische gelehrte Zeitungen mit ihrem Bericht aus „Marburg. Der zu uns berufene Hr. Professor Leske ist auf seiner Reise hierher unglücklich gewesen. Sein Wagen schmiß um, und er blieb über eine Stunde im Schnee liegen. Er kam sehr krank hierher, und starb den dritten Tag nach seiner Ankunft den 25sten November zum allgemeinen Bedauern, im 35sten Jahre seines Alters. Den 26. November ist er secirt worden. Nach seinem Engagement soll die Wittwe 400 Rthlr. Pension erhalten.“

 

Umfangreicher informieren:

(Christian Philipp Gabriel Löper/Loeper:) „Etwas / zur / Lebensgeschichte / des Herrn / Nathanael Gottfried Leske / Professor der Kameralwissenschaft und / Oekonomie zu Marburg, u. s. w. / von C. P. G. L. / - / Leipzig, 1787. / In der Joh. Gottfr. Müllerschen Buchhandlung.“; auch als: Löper, C[hristian]. P[hilipp]. G[abriel].: „Etwas zur Lebensgeschichte des bisherigen Herausgebers dieses Magazins“ [Nathanael Gottfried Leske.] – In: Leipziger Magazin zur Naturgeschichte [sic] und Oekonomie [Hefttitel], 4. Stück 1786, [= Leipziger Magazin zur Naturkunde und Oekonomie, hrsgg. v. Nathanael Gottfried Leske, 4. Stück, Leipzig: Johann Gottfried Müller 1786, S. 504-520. – Teilnachdruck: Johann Heinrich Voigt (Hrsg.): Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte, Bd. 15, H. 1, Gotha: Carl Wilhelm Ettinger 1788, S. 178-186. -- AdB Bd. 72, 1. Stück, 1787, S. 305: „Bey dem neulich gemeldeten Absterben des Herrn Professors Leske in Marburg, ist nicht beygefügt worden, daß er einigen, wie wohl geringen, Antheil an der deutschen Bibliothek gehabt hat.“ – Die „Jenaische gelehrte Zeitungen“ zeigen 1786 S. 784 an: „Am 25. Nov. starb zu Marburg Hr Prof. Nathanael Gottfried Leske, wohin er am 18. vorher, bereits äusserst entkräftet, über Leipzig und Kassel gekommen war, im 35. J. seines ruhmvollen Alters.“ – ALZ 1786 Sp. 643 zeigen den Tod an; er war Mitarbeiter der JALZ, die auf das Repertorium für 1786 verweist; diese Information auch in ALZ 1800, Sp. 927. – Samuel Baur: Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil. Leipzig: Voß 1803, S. 369. (Bd. 1-7, 1803-1821.)

 

Nach dem Tode Leskes am 1786-11-25 in Marburg vor seiner Einführung als ordentlicher Professor der Finanzwissenschaft und Philosophie ist diese Stelle wieder vakant und ein Nachfolger muss gefunden werden.

In Göttingen war Johann Beckmann (1739-1811) an Berufungen interessiert, damit es durch Bleibeverhandlungen zur Steigerung seines Gehalts kommen konnte. „1782 wollte ihn der Landgraf von Hessen-Kassel als Kammerrat an seinem Hof holen; 1784 interessierte sich der Kurfürst von Mainz für ihn, und zwei Jahr später [1786] lockte die Universität Marburg mit einem sehr günstigen Angebot.“ (Kaufhold, Karl Heinrich: Johann Beckmann und Göttingen.

 

Beckmann nahm die Berufung nicht an, und so war das Ergebnis die Wahl Jung-Stillings. Wiederum war er nur zweite Wahl, denn bereits im Juni 1784 scheiterte eine Berufung (an unbekannten Gründen):

 

Georg Adolph Succow/Suckow (1751-1813), der älteste Lehrer an der Kameral Hohen Schule in Lautern, begann mit Jung-Stilling Verhandlungen mit einer Kameral-Fakultät an einem nicht bekannten Ort. „Es war eine fixe Besoldung von1000 fl., 8 Ohm Wein, freies Holz, Deputat-Getreide und dergl. in Aussicht gestellt, ein ‚brillanter‘ Antrag, wie Succow sich in einem Schreiben an Hofrat Medicus ausspricht. In eben diesem Briefe schreibt Succow: ‚Herr Professor Jung wird Ihnen vielleicht etwas davon melden; inzwischen beruht alles auf der Erklärung von mir, inwieferne ich auf einen förmlichen Ruf zu kommen gesonnen sei, da Jung nicht ohne mich berufen werden wird …. Da man Celebrität wünscht, ist uns völlige Postfreyheit anerboten … Herr Jung kann nicht viel darinnen beendigen, da es auf meiner Erklärung beruht.’“ (Müller, Emil: Zur Geschichte des höheren Schulwesens.)

 

Unklar ist bei dem folgenden Text, ob er sich auf uns unbekannte Bemühungen Jung-Stillings, über seine Beziehungen zu Friedrich Karl von Moser in Mannheim – so wie sie Leske zu Balldinger hatte – in Marburg frühzeitig sich ins Berufungsspiel zu bringen, oder ob es sich um ein eigenes Anliegen Mosers handelt.

Jung-Stilling erhält Montag, den 1786-05-22, einen von Friedrich Karl von Moser (1723-1798) in Mannheim geschriebenen Brief. Hier liest man: „Mannheim den 22. May 1786. […] Von Kassel habe ich in der bewußten Sache eine auf dem Schnitt vergoldete, eigenhändige Antwort vom Landgrafen bekommen, worin aber das Ja und Nein auf den Schluß des Ordenskapitels ausgesetzt wird. Wann solches gehalten wird, weiß ich nicht, wohl aber so viel, daß ich nun auf dem Stein, worauf ich sitze, noch länger warten muß. Täglich harre ich Sein!“

 

Als Nachfolger Leskes wird nun also Jung-Stilling berufen.

 

Johann Gottlieb Stegmann (1725-1795), für das Jahr 1786 an die erste Stelle der Professoren der Philosophischen Fakultät gesetzt (Hochfuerstl. Hessen-Casselischer Staats- und Adreß-Calender auf das Jahr 1786), schreibt vor dem 1786-12-06 an Jung-Stilling.

 

In den Marburger Universitätsakten findet sich erst unter dem 1787-01-30 eine Notiz: Nach dem Absterben des Leske soll dessen Stelle neu besetzt werden: „entschlossen, dieses u der Person der zu Heidelberg stehenden Professoris Dr. Jung bewürken zu lassen; So ergehet, zu Erreichung dieser Unserer vorsorglichen Absicht der gnädigste Befehl hierdurch an Euch, von eben bemeldeten Dr. Jung, als Professor der Oeconomie- Cameral- und Finanz Wissenschaften mit einem jährlichen Gehalt von zwölf hundert Rthl, sodann der Versicherung für dessen etwaige künftige Wittib, ante eine Gnaden Pension von jährlich Ein Hundert Rthl und zu seiner Reise nach Marburg bewilligte Zwey hundert Rthl. ohnverlangt zu vociren“.

Die „Numero 35. / - / Allgemeine / Literatur-Zeitung / Freytags, den 9ten Februar 1787.“ [1787-02-09] berichtet sogleich: „Hr. Prof. Jung in Heidelberg, ist als Professor mit 1200 Rthlrn schwer Geld Gehalt und mit der Versicherung einer Pension von 200 Rthlrn für seine Witwe nach Marburg gerufen worden.“ Verkürzt findet sich dies in „Jenaische gelehrte Anzeigen“, 17. Stück: „Hr Prof. Jung zu Heidelberg geht, als Professor der Oekonomie, mit einem sehr ansehnlichen Gehalte, nach Marburg.“ 

Landgraf Wilhelm IX. fertigt am 1787-02-20 in Kassel ein Reskript zur Berufung und Bestallung Jungs an die Universität in Marburg. Seine Verpflichtung ist darauf vollzogen. - Jung-Stilling werden 200 Thaler für den Umzug von Heidelberg nach Marburg zugestanden; dies gilt zugleich als Zahlungsbefehl). Am gleichen Tag wird in Kassel ein sog. Versicherungs-Rescript verfügt, daß seine evtl. Witwe eine jährliche Pension von 100 Thalern erhält. Ebenfalls an diesem Tag wird in Kassel ein Besoldungsrescript für Jung-Stilling ausgefertigt, 1200 Thaler, vom 2. Quartal des Jahres an.

 

Jung-Stillings alter Arbeitgeber verzeichnet diesen Abgang 1789 in der „Geschichte der Churpfälzischen Staatswirthschafts hohen Schule und der physikalisch=ökonomischen Gesellschaft bis zu Ende des Jahres 1788.“ in den „Vorlesungen“ mit  den Worten: „Bei den Lehrern der Staatswirthschafts Hohen Schule selbst ereignete sich eine große Veränderung, da zwei, die den Grund derselben legen halfen, und bisher ihre Zierde waren, anderwärtigen Ruf angenommen haben. Der erste derselben war Herr Hofrath Schmid, der in seinem Vaterlande bei der Carls Hohen Schule zu Stuttgard angestellt wurde, der zweitere Herr Hofrath Jung, der einem an ihn ergangenem Rufe nach Marburg folgte. Der erste erhielt seine Entlassung den 29ten Sept. 1786, der zweite den 17ten Febr. 1787. Beide Lehrstellen wurden jedes Mal zu gleicher Zeit, in welcher die Entlassung erfolgte, mit anderen Männern besezt.“ [Erb und Gatterer.]

 

Jung-Stilling – „Die Vorsehung war von jeher mein Führer.“ – sah in dieser Berufung wiederum „eine Veranstaltung der Vorsehung“ und erinnert sich dankbar rückblickend im „Der Christliche Menschenfreund in Erzählungen für Bürger und Bauern […] Viertes Heft. […] 1807“: „Unter allen göttlichen Bewahrungen die ich erfahren habe, sind auch folgende zwo sehr merkwürdig: ich war vom Herbste im Jahr 1778 an, bis in den Herbst 1784. Professor der Cameralwisenschaften in Lautern in der Pfalz: im Jahr 1784. wurde die hohe Schule von Lautern nach Heidelberg verlegt, wir Professoren zogen also dahin. Anno 1786. im Herbst, kamen allerhand wichtige Umstände zusammen,die mich veranlaßten, einen sehr vortheilhaften Beruf als Professor der Staatswirthschaft auf der Universität nach Marburg in Hessen anzunehmen, ich zog also im Frühjahr 1787. dahin. Wenige Jahre nachher brach der schreckliche Revolutions=Krieg aus, in welchem die Pfalz jenseits dem Rhein, also auch Lautern an Frankreich kam, und die ganze Pfalz, besonders Mannheim und Heidelberg sehr geängstigt wurden. Die Professoren in Heidelberg geriethen in grosse Verlegenheit, sie bekamen einige Jahre keine Besoldung: wie unglücklich wäre ich gewesen, wenn ich da geblieben wäre, indem ich kein eigenes Vermögen habe! – In Marburg hingegen war ich wohl versorgt, und lebte dort sechzehn und ein halbes Jahr in Ruhe und Frieden.“

 

 

Fortsetzung 1787 bis 1803 hier.

Degenfeld (Schreibweise differiert: Schomburg, Schonburg oder statt u ein e; auch -d/t oder -dt)

 

In der Lebensgeschichte Jung-Stillings kommen die Degenfelds S. 455, 693 und 741 vor, ohne dass Lebensdaten genannt werden. Dies soll hier nachgetragen werden. Es handelt sich bei diesen Studenten um

Maximilian Johann Christoph (geb. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-16, n. A. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-19, gest. Ardusat, Rumänien, 1816-09-14)

und

Hans (Johannes) Philipp Christoph von Degenfeld-Schonburg, geb. 26.11.1773, gest. 22.12.1842.

 

Degenfeld oder Stolberg ? Spielt hier Jung-Stilling mit Erinnerungen?  (Oder Alexander Baron von Podmaniczky, in dessen Stammbuch sich Jung-Stilling eintrug und der 1781 abreiste.)

Urania / für / Kopf und Herz, / herausgegeben / von / J. L. Ewald., darin 1. Bd., 1. Stück, S. 32-44: „Gotthard und seine Söhne. / Eine wahre Geschichte.“

 

In Marburg werden am 1787-10-23 die Schützlinge Kroebers („Raschmann“) immatrikuliert – und mit ihnen ein Degenfels. Er dürfte es auch sein, der 1788 – wie Jung-Stilling – die Gedichte Engelschalls subskribierte: „Hr. Graf von Degenfeld=Schomburg dermalen zu Marburg.“ So lautet der Eintrag in der, dem alphabetisch geordnetem Verzeichnis der gewöhnlichen Unterzeichner vorausgehenden Liste der Adligen. In dieser Liste findet sich dann „Jung, Hofrath und Professor zu Marb.“ 

Jung-Stilling war es gewohnt, mit seinen Studenten Exkursionen vorzunehmen. Vielleicht unternahmen diese auch eigenverantwortlich Ausflüge, denn als „Fremde, so in die Stadt gekommen.“ werden am 1789-10-28 die folgenden registriert: durch das Barfüßertor betreten die „Hrn. Grafen von Stollberg und Hr. Graf von Degenfeld, k[ommen]. v[on]. Gießen, kehren allhier ein.“ Marburg. 

In seinem Notizbuch hatte Jung-Stilling unter dem 1789-03-06 notiert: „Freyt. [ag] den 6 sten / Heut kam der Graf Hans von Degenfeld sein Bruder brachte ihn, er ist der jüngere Bruder“

Gustav Adolf Benrath gibt dazu nur die Anmerkung: „Die beiden Brüder wurden Taufpaten eines Sohnes Jung-Stillings (geb. 11.5.1790), vgl. Lebensgeschichte, S. 693.“; dazu unten unter 1790-05-11.

Nur einen Tag später, am 1789-03-07, vermerkt Jung-Stilling im Notizbuch: „Samstag den 7 ten März / Diesen Abend speiste ich in einer grosen Gesellschaft bey den Grafen Stollberg und Degenfeld“.

Zwischen dem Hochschullehrer und seinen (adligen) Studenten bestand also ein gutes Verhältnis. Als dann am 1790-05-11 die Geburt des neunten Kindes (des fünften/sechsten aus zweiter Ehe) erleben durfte, kam die Frage nach Paten für den Knaben „Maximilian Franz Hans Carl Christian Albrecht“ auf. Im Notizbuch vermerkt Jung-Stilling für die Taufe am 1790-05-23: „seine Taufpathen waren Prof. Coing, die beyden Grafen vonn [sic] Degenfeld Max und Hans, die Grafen August Christian und Carl von Stollberg Rosla, der Graf Taube, Hofrath Kröber, der Geheime Rath Rieß und mein Schwager Hohbach“. Leider verstarb das Kind bereits in Marburg 1791-03-15 

Kröber verließ bald darauf mit seinen Zöglingen Marburg (vgl. LG S. 469 f.); er ließ dies alle Marburger wissen durch eine (wiederholte) „Anzeige. Da die Herren Grafen zu Stolberg, Herr Graf von Degenfeld=Schomburg und ich in 5 bis 6 Wochen von hier abreisen; so bitte ich Jeden, der eine noch nicht eingegebene Forderung an uns und unsere Bediente hat, sich binnen acht Tagen bey mir zu melden. Marburg, den 26ten August 1790. Kröber.“

Gerhard Schwinge meint, dass dieser Weggang Jung-Stilling den Weg zum Volksschriftsteller „durch den Fortfall des gefährlich freisinnigen Einflusses“ ermöglichte.

Ein Student Degenfeld blieb Jung-Stilling: In seinem am 1791-01-15 erstellten „Verzeichnis der Studirenden, welche Staatswirthschaftliche Collegia besuchen. Sommer-Cours 1790. - WinterCours von 1790 in 1791. Marburg d. 15ten Jenner 1791. Jung.“ Findet sich „Graf Von Degenfeld [aus] Schwaben“, der eigentlich Jura studiert, aber als „Staatswirtschaftliche Collegia die sie hören.“ angibt „Landwirthschaft“.

 

Nicht zu identifizieren ist der Degenfeld, der am 1792-06-08 von Kassel kam, durch das Elisabethtor Marburg betritt und bei Jung-Stilling logiert.

 

1814 kann dann Max von Schenkendorf dienstliche Beziehungen zu Degenfeld gehabt haben; siehe „Verordnungen für den im General=Gouvernement Frankfurt zu bildenden Landsturm.“ Nr. 1: § 1-22, Frankfurt 1814-01-08; Nr. 2: Dienstvorschrift für die Schutzdeputationen, § 1-15, Frankfurt 1814-01-14 (Gen.-Gouv. Frankfurt und Fürstentum Ysenburg); Nr. 3: Ihme wird Bevollmächtigter, dto. Graf Degenfeld-Schomburg, Frankfurt 1814-01-18; Nr. 4: betr. Mainz und die Banner, Frankfurt 1814-03-02; Nr. 5: Verordnung über die Uebung und weitere Ausbildung des Landsturms im General=Gouvernement frankfurt.“

 

Zusätzliche Notizen: 

Graf August Christoph von Degenfeld-Schonburg (geb. 21.05.1730, n. A. 21.03., gest. Eybach 17.04.1814), wurde Oberst in württ. Diensten. Er ließ von 1785 bis 1788 die Kirche in Ramholz neu errichten und erließ 1800 eine zweite Schulordnung in Ramholz. August Christoph heiratete 18.10.1755 Elisabeth Louise Fhn. Phil. Wilhelmine von Racknitz auf Pernegg (geb. 21.11.1732, gest. 11.06.1757) und am 3.08.1762 in zweiter Ehe die Freiin Friederike Helene Elisabeth von Riedesel zu Eisenbach (geb. Höllrich 14.08.1742, gest. Eybach 3.08.1811), Tochter von Johann Volprecht Riedesel zu Eisenbach; sechs Kinder.  [Kapff S. 59 ff.] – Vgl.: Neues Genealogisches Reichs- und Staats-Handbuch: auf das Jahr MDCCLXXXV. [1785] Frankfurt a. M.: Varrentrapp und Wenner 1785, S. 23 f. – Joh]ann]. Fried[rich]. August Kazner: Leben Friederichs von Schomberg oder Schoenburg. Bd. 2. Zusätze und Beilagen. Mannheim: C. F. Schwan und D. G. Götz 1789; der Band ist den vier Söhnen August Christoph von Degenfeld-Schonburgs gewidmet. – M[agister]. F[ranz]. G[ottfried]. Kapff [1799-1865]: Christoph Martin Freiherr von Degenfeld, venetianischer General-Gouverneur von Dalmatien und Albanien. Nebst einer kurzen Geschichte der Familie Degenfeld. Nach schriftlichen Quellen bearbeitet. Ulm: Ernst Rühling 1844. – Hof- und Staats-Handbuch des Großherzogthums Baden 1834, Karlsruhe 1833, S. 141, 507; und weitere Jg.

 

Sohn a):

Maximilian Johann Christoph (geb. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-16, n. A. Eybach, Geislingen an der Steige, 1766-06-19, gest. Ardusat, Rumänien, 1816-09-14), wurde kaiserlicher Kämmerer und Reichshofrat; ehel. Anna Gräfin Teleky von Speck (; Kinder bei Kapff S. 60 genannt). – „Johann Christoph Maximilian oder Johann Philipp Christoph Gf. von Degenfeld-Schonburg, stud.“ Trägt sich in das Stammbuch des Philipp Ludwig Scheuermann, aus Kleinbockenheim, stud. jur., später Hofkammerrat, ein (vgl. https://raa.gf-franken.de/de/suche-nach-stammbuechern.html?permaLink=1787_scheuermann). – Susanne Gmoser: Chronologische Liste der Reichshofräte nach Oswald von Gschließer. Wien 2014 (vgl. http://reichshofratsakten.de/wp-content/uploads/2016/11/Reichshofr%C3%A4tePdf_%C3%9Cberschriften.pdf): „1784-1789 Studium an den Universitäten Göttingen, Marburg und Leipzig; Praktikum beim Reichskammergericht; Hof- und Appellationsgerichsrat in Mainz; 1790 Begleitung der kurböhmischenWahlbotschaft zur Kaiserwahl nach Frankfurt; 1791 Rat bei der vorderösterreichischen Regierung und Kammer in Freiburg sowie beim österreichischen Appellationsgericht in Freiburg.“; Ernennung/Vereidigung „1798 10 14 Verleihung / 1799 02 26 Introduktion“. – Matrikel Marburg: S. 419, Nr. 128: Johannes Christopherus Maximilian von Degenfeld-Schonburg imm. Marburg 1787-10-23, zuvor in Leipzig. – Johann Stephan Pütter: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen. Bd. 2, Göttingen: Vandenhoek 1788, S. 20 in der Anm.: „1784. Apr. 30. Johann Christoph Maximilian Graf von Degenfeld=Schonburg aus Schwaben“ [1784-04-30].  – Johann Daniel Schulze: Abriß einer Geschichte der Leipziger Universität im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts nebst Rückblicken auf die früheren Zeiten -Aus handschriftlichen und gedruckten Nachrichten, Nebst einer vorausgeschickten Abhandlung über die Frage: Hat Sachsen im 18ten Jahrhundert an Denkfreiheit gewonnen? von Karl Adolph Cäsar. Neue ... Ausgabe. Leipzig: J. C. Hinrichs 1810, S. 73. (Max und Hans.)

 

 

Sohn b)

Friedrich Christoph von Degenfeld-Schonburg (geb. Stuttgart 30.09.1769, gest. Ramholz (Schlüchtern) 9.02.1848); mit 16 Jahren Soldat und 1788-90 im Feldzug gegen die Türken; später kaiserlich österreichischer Generalmajor und Kämmerer; von 1831 bis 1833 Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung. Degenfeld erhielt mit 15 Jahren eine Unterleutnantstelle im Kürassier-Regiment Anspach. Zur Zeit der Koalitionskriege war er bereits Rittmeister. 1796 wurde er Adjutant des Feldmarschalls Dagobert Sigmund von Wurmser. 1799 diente er als Major bei den Jägern zu Pferde und kämpfte in Italien. Im Gefecht bei Bosco am 24. Oktober 1799 nahm er mit Auszeichnung teil und wurde zum Oberstleutnant befördert. Das Ordenskapitel des Militär-Maria-Theresien-Ordens erkannte ihm für seine Verdienste das Ritterkreuz zu. Verheiratet 1797-11 mit Luise Charlotte von Erbach-Erbach.

 

Sohn c)

Gustav Eugen Friedrich Christoph von Degenfeld-Schonburg (1764-01-20, gest. Heilbronn 1807-06-05 (Fenstersturz); ehel. Marianne von Berlichingen; k. k. Kürass.-Prem.-Ltnt.

 

Sohn d)

Hans (Johannes) Philipp Christoph von Degenfeld-Schonburg, geb. 26.11.1773, gest. 22.12.1842; STAHR: Sippenbuch Nr. 10712: Graf Hans v. Degenfeld-Schonberg [sic], ref., geb. um 1775, konf. 1789, privat; imm. Marburg 9.03.1789. – Friedrich Saalfeld: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte … Bd. 3, Hannover: Helwing 1820, S. 24 f.: „180) 1792. Dez. 8. Hans Philipp Christoph Graf von Degenfeld Schonburg aus Schwaben.“ – Johann Daniel Schulze: Abriß einer Geschichte der Leipziger Universität im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts nebst Rückblicken auf die früheren Zeiten -Aus handschriftlichen und gedruckten Nachrichten, Nebst einer vorausgeschickten Abhandlung über die Frage: Hat Sachsen im 18ten Jahrhundert an Denkfreiheit gewonnen? von Karl Adolph Cäsar. Neue ... Ausgabe. Leipzig: J. C. Hinrichs 1810, S. 73. (Max und Hans.).

 

Sohn e)

Maximilian Friedrich Christoph Martin von Degenfeld-Schonburg, geb. 1797, ehel. 1. Charlotte von Dürkheim-Montmartin, gest. 1832; ehel. 2. Auguste von Normann-Ehrenfels; 5 Söhne.

 

Sohn f)

Ferdinand Christoph, geb. 1802, k. württ. Kammerherr, Gesandter und Minister, itter mehrerer Orden.

 

Tochter a):

Dorothea Luise Marianne von Degenfeld-Schonburg (12.03.1765–1827) 1786 den späteren preußischen Generalmajor Christian Karl zu Erbach-Fürstenau.

 

Tochter b)

 Sophie Henriette von Degenfeld-Schonburg (22.12.1776–1847) heiratete 1797 den preußischen Oberpräsidenten Friedrich zu Solms-Laubach.

 

Weitere Kinder:

 

Eugen Christoph Friedrich Robert, 14.08.1756 bis 6.05.1757.

Maria, 25. Bis 26.05.1755.

Elisabeth Eleonoore, geb. 13.07.1778, gest. 3.09.1782.

Susanna Juliane, 20.09.1771, gest. …

 

 

Freiherr Ferdinand von Degenfeld war Forstmeister in Karlsruhe. Ein Friedrich von Türckheim (1780-1850), Präsident des Augsburger Konsistoriums in Straßburg ehel. 1813 Friederike von Degenfeld-Schonburg (geb. 1796).

 

Unterkategorien

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.