Jung-Stilling zu den Juden

 
Vgl.  Mehnert, Gottfried: Juden in Jung-Stillings Leben und literarischem Werk.- In: Jahrbuch der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung. Bd.64, 2013. Darmstadt u. Kassel: Selbstverlag 2013, S. 208-236 (m. 2 Abb.).

Ein umfangreicher Text Jung-Stillings aus dem Jahr 1814 ist nebst kleineren Texten unter diesem Link abgedruckt.
  

Bereits 1782 schreibt Jung-Stilling: 

 

Vielleicht ist der folgende Text eine Reaktion Jung-Stillings auf einen Angriff auf die Juden, der drei Monate zuvor in einer (wohl auch von ihm gelesenen) Zeitschrift erschienen war. In einem mit „Heimersberg in der obern Pfalz den 26. März 1782.“ unterzeichneten Aufsatz liest man nämlich: „Also ist aus bis erwehnten Ursachen (obwohl ich noch viele anzuführen wüste) genugsam erprobet, daß die Juden einem Staate schädlich, und nicht nützlich sind; daher wäre meines Erachtens das Beste, wenn man die Judenschaft nun bis auf ein? und andere zur Erfüllung der Worten Christi, daß sie bis zu Ende der Welt bleiben sollen, succeßive absterben ließe, und daß denenselben das vielfältige Heurathem verbothen, die Handelschaft aufgehoben, und denselben unterdessen, bis sie auf eine geringe Anzahl ausgerottet sind, gnädigst anbefohlen wurde, folgende Handthierungen zu erlernen, als: Glaßmacher,  Hammerschmid, Hufschmid, Maurer, Nagelschmidt, Perückenmacher, Petschierstecher, Schlosser, Schreiner, Wagner, und Zimmerleute & denn bey andern Handwerken, als Schneider Schuster und Weber & ist ihnen schon nicht zu trauen.“

 
 
"Die Juden sind noch immer Abrahams Nachkommen, ob sie gleich jezt in Ungnade bey Gott sind. Wenn ein reicher Herr einen Sohn hat, der ihm ungehorsam wird, und ihn sein Vater verläßt, so bleibt er doch immer der Sohn des reichen Herrren, und es kommt nur darauf an, daß sich der Sohn bekehrt, und wieder zu seinem Vater geht, und nun fromm und brav ist, so nimmt ihn sein Vater gern wieder an. Leset das Gleichniß vom verlohrnen Sohn, welches der Herr Jesus Luk. 15, V. 11 bis 12. erzählt, so werdet ihrs finden [Lk 15, 11 f.], denn das bedeutet auch die Juden, die sind der verlohrne Sohn. Darum müßt ihr die Juden lieb haben, und sie ja nicht drücken und verachten, denn sie sind Gottes Kinder, und Gott hat ihrem Vater, dem Abraham versprochen, daß seine Nachkommen, die Juden, das gelobte Land zu ewigen Zeiten besizen sollen; haben sie sich nun versündiget, daß sie Gott eine Zeitlang aus ihrem Lande verstossen hat, so wird er sich doch wieder über sie erbarmen, sie werden sich wieder bekehren, und dann gewiß wieder in ihr Land kommen. Darum hütet euch, daß ihr den Juden kein Unrecht thut, Gott wird’s sonst gewiß an euch rächen, er wird alle diejenigen strafen, die sich an seinen Kindern versündigen."
 
 
 

Hier findet sich ein weiterer Text aus dem Jahr 1788. 

Das Jüdische Volk, welches unter allen Nationen des Erdbodens zerstreut lebt, ist besonders wegen der Uebervortheilung und des Betrugs im Handel berüchtigt; es ist wahr, diese arme Nachkommen Israels sind durch ihr achtzehnhundertjähriges Exilium so weit herabgekommen, daß sehr viele unter ihnen nicht mehr wissen was links oder rechts ist, und also um so weniger strafbar sind. Was sollen aber auch diese arme Menschen anfangen, wovon sollen sie leben? – Man versagt ihnen die Rechte der Menschheit, oder man erschwert sie ihnen wenigstens; da sie nun eben so gut Adams=Kinder sind wie wir, was Wunder also wenn sie durch das Recht der Selbsterhaltung gedrungen, sich so gut nähren als sie können? Ein Jude ist immer weniger strafbar als ein Christ, wenn beyde Betrüger von einerley Art sind.
Es ist freylich ein schweres Verhängniß Gottes, daß die Juden allenthalben unter dem Druck und der Verfolgung anderer Völker seufzen müssen; allein das wird ihre Frohnvögte nie entschuldigen. Wehe dem der sich an diesem verwaisten Saamen Abrahams vergreift! – Im Gegentheil ist es eine der edelsten Arten der Wohlthätigkeit, wenn man den Juden ihr elend erleichtert; daher soll sich der Regent mit Liebe, aber auch mit groser Vorsicht ihrer annehmen.
Ich sage mit groser Vorsichtigkeit; denn es ist eine der wichtigsten und unerkannten Regeln in der Regierungskunst, daß man Freyheit und Aufklärung in gleichem Grade gehen lassen müsse: so lang ein Volk noch rohe Sitten hat, so lang misbraucht es seine Freyheit eben so gut, wie ein unerzogener wilder Knabe, den man für mündig erklären wollte. Würde man also den Juden auf einmal die ganze bürgerliche Freyheit der Christen einräumen, so würde der gröste Theil diese Freyheit misbrauchen, sie würden alle ihre Intriguen, ihre eingesogene und angebohrne Grundsäzze, die uns jezt schon so lästig sind, in unsere Verfassung mit herüber bringen, und uns also sehr schädlich und beschwerlich werden. Beyspiel der älteren und neueren Zeit beweisen, wie oft dieses Volk den Staaten zur Last, und gar gefährlich geworden ist.
Wenn die Freyheit mit der Aufklärung in gleichem Schritt gehen soll, so wäre also das erste, daß man die Juden aufzuklären suchen müste; allein ist das auch möglich? Ich glaube nicht: diese Nation hängt mit unerschütterliche Festigkeit an den Mosaischen Gesezzen, und den alten Gebräuchen, welche ihr ihre Lehrer aufgebürdet haben. Alles ist bey ihr Religion, was sehr oft bey uns blos Polizey ist, sie aufklären hieß also sie bekehren; wie schwer aber dieses bey einem Volke halte, das im Druck lebt und wegen seiner Religion leidet, ist bekannt.
Zudem ist dies Volk unter allen Nationen zerstreut; wenn auch ein oder anderer Regent sich ihrer annimmt, so wirds doch nie dahin kommen, daß sich alle Fürsten zu ihrer Aufklärung vereinigen, und so lang das nicht geschieht, so lang würkt ihr Gemeingeist durch die ganze Masse; denkt auch hie und da einer edel, so würkt er doch nie aufs Ganze; wie hartnäckig die Juden auf ihrer Denkungsart beharren, das beweisen die vielfältigen Beyspiele der Bekehrten; sie bleiben auch nach der Taufe noch immer Juden. Wenn einmal ihre Weissagungen in Erfüllung gehen, wenn einmal ein neuer Moses unter ihnen aufsteht der Einfluß aufs Ganze hat, dann wird dies Volk mit allen seinen Kräften, die ganz unverkennbar sind, noch einmal eine grose Rolle spielen.
Bis dahin soll also die Polizey dies Volk mit Weisheit regieren: man kan ihnen Freyheiten einräumen, aber so bald man merkt, daß sie gemisbraucht werden, so muß man sie wieder einschränken; überhaupt muß man ihnen aber mit Liebe begegnen, leutselig im Umgang gegen sie seyn, sie nicht schmähen oder verspotten, sondern sie wie Brüder behandeln, die jezt in der Ungnade ihres Vaters stehen, der doch noch immer Vater bleibt, und sie einmal aus allen vier Winden sammeln, und in das Land führen will, das er ihren Vätern geschworen hat. Ist das mehr als zweytausendjährige prophetische Orakel, daß Israel unter alle Völker zerstreut werden sollte, so bestimmt eingetroffen, so wird auch dieses eintreffen.
Doch nicht etwa die Juden allein sinds, die so betrüglich und gefährlich im Handel und Wandel sind, wir haben gnug Unbeschnittene an Herzen und Ohren unter uns selbst, die um so viel gefährlicher sind, […]
 
 

Man vgl. auch unter Schopenhauer.

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