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Einen größeren Überblick findet man hier.

Die Ausgaben von 1832, 1837 und 1862 ff.:

HAGEN S. 246 f. schreibt zur Druck- und Verlagsgeschichte.

Wahrscheinlich war damals die erste Ausgabe von 1815 noch nicht vergriffen. Ein Nachtrag zu dieser als „poetischer Nachlaß“ erschien im anderen Verlage erst 1832. Fünf Jahre später erst die sogenannten „sämmtliche Gedichte“, durch die die Frau v. Schenkendorf nicht befriedigt wurde. […] Von dieser Ausgabe hatte sich bis jetzt noch ein Rest von Exemplaren erhalten. […] Die Aufrechterhaltung eines Verlagsrechts war der Druck, der auf dem Andenken des gefeierten Sängers lastete. Als die erste Auflage 1836 verkauft war, fand sich ein neuer Verleger in Berlin in dem Besitzer einer „plastischen Kunstanstalt“. Die zweite Auflage empfahl sich vor der ersten nur durch weißeres Papier. Denn mit der Vermehrung war bei ihr auch eine Bereicherung an Druckfehlern verbunden. Mißliche Verhältnisse und ein langwieriges Krankenlager des Unternehmers waren Veranlassung, daß die noch nicht abgesetzten Exemplare aus seinen Händen in die eines anderen Buchhändlers in Berlin übergingen, um einen so geringen Preis, daß dieser seine Rechnung fand, wenn jährlich auch nur einzelne Exemplare verlangt wurden; er sparte deßhalb die Kosten, etwas zur Verbreitung zu thun. Die Gedichte wurden also in der Klausur gehalten und der Welt, deren Interesse nur durch Anregung wach zu erhalten ist, gleichsam entrückt. Der leidige Zustand und das damit verknüpfte Verbot, sie in angemessener Form den Freunden der Poesie wieder vorzuführen, wäre noch längere Zeit fortbestanden, wenn nicht der Geheime Regierungsrath Freiherr v. Stockhorn die Einleitung getroffen, um das, was Eigenthum des Cotta’schen Verlags gewesen, ihm zurückzugeben und so einem Schenkendorf die Vorzüge der deutschen Klassiker angedeihen zu lassen.

 

Ergänzen läßt sich:

Johann Georg Scheffner hatte bereits vor dem 1818-04-27 Karl von der Groeben gebeten, die Gedichte Max von Schenkendorfs zu sammeln, zumal „die Zeitläufte viel hässliche Risse in die Einnahme der Witwe gemacht, über die sie sich der Jungschen Frömmigkeit unerachtet nicht freuen wird.“

1819-05-06 schreibt Friedrich Lange im Namen der Witwe Max von Schenkendorfs an Senator Smidt und bittet um seine Unterstützung bei einer erweiterten Neuausgabe der Gedichte. Desgleichen fragte 1824-01-24 Ernst Moritz Arndt in Langes Auftrag nach bei dem Bonner Buchhändler Eduard Weber (geb. Magdeburg 17.10.1791, gest. Bonn 28.02.1868; durch Vermittelung Ernst Moritz Arndts seit 20.06.1818 selbständiger Sortimentsbuchhändler und Verleger zu Bonn, Fürstenstraße; 1869-01-01 kam seine <firman an Rudolph Weber, der Mathias Hochgürtel als Partner nahm, neuer Firmenname: Eduard Weber’s Buchh. („R. Weber & M. Hochgürtel“.))

Arndt schreibt:

„S. T. Regierungsrath Lange in Koblenz fragt mich, Ob Sie wohl geneigt wären, den Verlag von Schenkendorfs nachgelaß (!) Gedichten zu übernehmen? Und ich frage Sie hiedurch; und werde mir morgen Ihre Antwort ausbitten.

Diese Gedichte, welche Lange ausgewählt und geordnet hat, sind deswegen so spät nach des Verfaßers Tode fertig geworden, weil ein gr. Thl. (!) derselben in Handschriften bei Freunden, z. Thl. (!) in dem fernen Preußen und anderswo, nur übrig oder wenigstens von daher zu vergleichen war. Ich habe den vorigen Sommer einen guten Theil davon gelesen; und es sind zum Theil treffliche Sachen darunter: so daß ich glaube, daß bei den vielen Freunden, welche der Name des Seligen besitzt, die Sache gefahrlos seyn wird.

Von dem Verleger wird nichts verlangt als anständiger Druck, und Theilung des Gewinns, wenn dabei gewonnen wird. 6 Freiexempl. (!) f. (!) die Wittwe.

Das Ganze würde etwa 15-16 Bogen gedruckt machen, wenn so viel.

Ihr EMArndt.“

Am 1825-02-23 schreibt die Witwe Schenkendorfs aus Mannheim an Fouqué: „Vor ganz kurzer Zeit erhielt ich durch die Generalin Pfuel zwei Gedichte von einem theuren Freunde meines verklärten  Schenkendorfs, dessen äußre Erscheinung mir zwar nicht bekannt,  [der mir] aber durch die Liebe die ihn mit dem Verewigten verband,  lange nicht mehr fremd ist.“ Bei diesem unbekannten Freund dürfte es sich um Jean Baptiste Rousseau (1802-1867) handeln, der sich seit dem 1824-01-06 um eine neue Lyrikausgabe bemühte.

Henriette Wilhelmine Luise Amalie von Paalzow (geb. Wach; geb. Berlin 22.02. 1792, gest. ebd. 30.10.1847; ehel. 1816 Artil.-Major Carl Philipp von Paalzow, Scheidung 1821) schreibt am 1831-11-29:

„will ich ferner Ihnen eine Anfrage machen, die Sie vielleicht besser als Viele, und auch lieber beantworten.

Es fehlt nämlich ganz an Notizen aus dem Leben von Max vonSchenkendorf - eine bedeutende Sammlung seiner zerstreut gewesenen Gedichte ist jetzt verständig gesammelt, und soll mit einigen Notizen über sein jugendliches Leben an der Stirn sich gemeinnützig machen. Man glaubte mich im Besitz von Notizen über ihn, dies beruhte auf einem durch meinen Aufenthalt in Coblenz veranlaßten Irrthum. - Es konnte aber nicht fehlen, daß Sie als sein mir wohlbekannter Freund und Waffenbruder mir zunächst einfielen, und ich übernahm es, Ihnen Frage und Bitte darum zugleich vorzulegen.

Das Conversations-Lexicon enthält - Gott sei’s geklagt - Namen genug – aber nicht eine Andeutung des jugendlichen Helden, dessen Namen in Aller Deutschen Herzen lebt.

Also wo er geboren, wo möglich wer ihn gewiegt und ihm die ersten Lieder gesungen - denn wer darf läugnen, daß ihre Weisen durch das ganze leben klingen. Wo er später gelernt, geliebt und gelitten, wo gefochten und wo gestorben. Dies Letztere denke ich geschah just in Coblenz, an seinem Geburtstag - ich sah die Wittwe - sie ging ihn zu wecken und in das mit Blumen geschmückte Geburtstagszimmer zu führen, aber sein Festtag war schon angebrochen, er ließ sich nicht zurückführen. Ist es so?“

Am 1831-12-10 antwortet Fouqué:

„Holdselige Schwester, […] Hierbei, was ich über meinen herzlieben Max Schenkendorf zu sagen vermag. Wenden Sie es ganz nach Ihrem Wohlgefallen und Ermessen an. Ich wüßte es wohl lieber noch still bei Ihnen verwahrt, als in die Welt hinausgesendet; - in eine Welt, die mir jetzt noch weit mehr als ein Schauplatz für mein Schwerdt, oder allenfalls meinen wissenschaftlichen Schreibe=Griffel, als für meine Zither erscheint. Wie Gott will. Und Ihrem liebefrommen emporlauffenden Sinn wird Er das Beste ofenbaren. Historisches über Max vermag Obrist Graf Karl Gröben am Besten zu liefern. Und [..] er wird es gerne thun. Ich weiß darüber eben nicht mehr, als Jedermann: es müßte denn höchstens noch etwa eine kleine Nachlese [von Erinnerungen] aus seinem und meinem FeldzugsLeben im Jahre Dreizehn gelten."

Sie wurden dann aber doch „in die Welt hinausgesendet“ und erschienen in: Preußische Provinzial-Blätter Jg. 12, Königsberg 1834, S. 100-110. (Siehe Bd. 20 der von Christoph F. Lorenz hrsg. Werke Fouqués, II. Abteilung, 2018.) 

Die in Berlin 1829 gegründete und präsente Buchhandlung des Verlegers und Antiquars Gustav Eichlers (1801-1877), der Freund und Agent Rietschels, Sortimens- und Verlagsbuchhändler war zunächst erfolgreich, ging dann in Konkurs und wurde erworben von Carl Heinrich Wilhelm Besser (1809-1848) und weitergeführt unter dem Namen „Besser‘sche Buchhandlung Gegr. 1837“. Besser vereinigte damit sein 1835 in Hamburg gegründetes Geschäft. Ein Kauf- und Fusionsvertrag vom 1837-10-01 mit der Unterschrift von Wilhelm Besser und Wilhelm Thome hat sich erhalten.

Eichler besaß schon mit Sitz in Berlin und Wien eine „Kunstanstalt f. plastische Arbeiten u. Gypsgiesserei“ (bestand noch 1883) und war 1831 durch Hermann in Frankfurt vertreten als „Buch- u. Kunsthandlung sowie Kunstanstalt f. plastische Arbeiten u. Gypsgiesserei in Berlin. Gegr. 1831.“

1847 erwarb Wilhelm Ludwig Hertz (geb. Hamburg 26.06.1822, gest. Berlin 5.06.1901) von Wilhelm Besser (diese Berliner Sortiments-Buchhandlung.(Hertz war der er Sohn von Adelbert von Chamisso und Marianne Hertz (der jüdischen Ehefrau des jüdischen Apothekers Joseph Jacob Hertz. Nunmehr firmierte man unter der Bezeichnung „Bessersche Buchhandlung (W. Hertz)“.

 

Christina Rathgeber zeigt 2015 die Mitarbeit von Eichler und ein Martin Matthias Kampfmeyer/Kampffmeyer im Berliner „Hauptverein für christliche Erbauungsschriften in den Preußischen Staaten“ (gegr. 1816-10-21) bzw. der Preußischen Hauptbibelgesellschaft an. Julius Eduard Hitzig amtete hier und Eichler war Erzieher in seinem Hause.

Literatur:

O[tto]. A[ugust]. Schulz / [Bearb.:] Hermann Schulz: Allgemeines Adressbuch für den Deutschen Buchhandel … Leipzig 1870, S. 23 (Gips); S. 23S Verzeichnis (mit Zeichenerklärung), darin S. 59.

Rupp, Gerhard: Gustav Eichler (1801-1877), Berliner Freund und Kunsthändler des Bildhauers Ernst Rietschel. – In: Ernst Rietschel zum 200. Geburtstag . Aufsätze, Pulsnitz: Ernst-Rietschel-Kulturring 2004, S. 72-101, 147-148; zur Ausstellung v. 24.10.2004 bis 31.01.2005.

 

1832 erschien die durch Georg Philipps herausgegeben Ausgabe:

  Max von Schenkendorf’s / poetischer Nachlaß. / - / = / Berlin, / bei Gustav Eichler. / 1832.

Über verwandtschaftliche Verbindungen mit dem Hause Barkley gelang dann die Herausgabe der Gedichte Max von Schenkendorfs. Georg(e) Phillips wurde Herausgeber; andere Verbindungen verwiesen auf den Verlag:

Elisabeth Henriette Barkley (geb. Königsberg 12.02.1754, gest. ebd. 19.09.1788) ehel. 15.09.1770 George Hay (geb. House of Kirkland (East Wemyss) 26.09.1743, get. 1.10.1743. gest. Königsberg 1812); deren Tochter Eleonore Hay ehel. James Phillips; eines ihrer Kinder war George Phillips (geb. Königsberg 6.01.1804, gest. Aigen (Salzburg) 6.09.1872), der 1827 Charlotte Housselle (gest. 1865, konvertierte mit ihm zum Katholizismus 1828) und 1868 in Wien seine bisherige Wirtschafterin Veronica Dirr ehelichte.

„Vorrede.

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Im Jahre 1815 erschien zu Tübingen die erste Sammlung der Gedichte Max von Schenkendorf‘s. Die reiche Nachlese, welche hiermit dem Publikum übergeben wird, besteht aus solchen Gedichten, die entweder schon zerstreut an andern Orten gedruckt, oder, wie dieß bei dem größten Theile der Fall ist, im handschriftlichen Nachlasse des Verewigten enthalten waren. Weß Geistes aber dieser war, davon lebt noch jetzt die Kunde nicht bloß im Gedächtnisse seiner Freunde und nähern Bekannten, sondern, mit voller Ueberzeugung kann es gesagt werden, in dem besseren und besten Theile des Deutschen Volks. Darum ist hier aller lobpreisende Nachruf überflüßig; er hat sich selbst durch ein schönes Leben, dem die Gottesgabe ergrefender Dichtung verliehen war und durch einen christlichen Tod ein schöneres Denkmal gesetzt, als ihm hier er: richtet werden könnte. Was Tiefes und inniges, was Hohes und Hehres in ihm sich regte, es ist in diesen Liedern ausgesprochen, die verwandte Seelen um so freudig wehmüthiger berühren werden, weil in ihnen der letzte Ton

   IV  

aus einer Zeit erklingt, die dem Deutschen wohl in mannichfacher Hinsicht als eine heilige und große erscheinen mag; denn es war die Zeit der frommen und reinen Vorsätze, die der harte Druck der fremden Zwingherrschaft entstehen ließ. Die später folgenden bösen Nachtfröste, in denen so viele edle Blüthen erstarben und dann die schlimmen Tage, wo das Gemeine breit wuchernd zu verkünden schien: jetzt sey sein Reich gekommen, hat Gott, dessen Rath und Führung immer die besten sind, unsern Dichter nicht erleben lassen. Allein wie roh und fühllos auch die Masse an dem duftenden Strauße vorübergehen mag, den innige Verehrer des Entschlafenen hier auf dem litterarischen Markte ausstellen, - noch findet des Dichters rührend fromme Weise in vielen Herzen freundlichen Wiederhall und Vielen wird sein Lied zum Troste und zur Erhebung in einer Zeit gereichen, die der falschen Begeisterung mehr als der wahren Poesie zugewandt seyn dürfte. Wer sich aber daran jetzt oder künftig erquicken mag, gedenke in Liebe des Entschlafenen, dessen sinnige Liebe ihm diese Freude bereitet hat. Friede und Heil seinem Gedächtnisse!

Berlin, im September 1831.“

 „Gedruckt bei den Gebrüdern Unger.“ heißt es dort. – Auf Seite „223“ im Inhaltsverzeichnis folgt verdruckt Seite „324“ (Paginierungsfehler).

Die Gebrüder Unger, Carl Otto Ludwig Unger (1786-1853), Julius Friedrich Ferdinand Unger (1795-1862), hatten 1824 die Druckerei des Carl August Platen von dessen Witwe und Sohn Carl Wilhelm erworben. Sie führten die Druckerei zunächst unter dem Namen des Faktors Johann Georg Friedrich Kniestädt weiter, nahmen aber dann den Namen Gebrüder Unger an. Kniestädt blieb als Faktor bis 1839, worauf ihn Gustav Lange aus Brandenburg ablöste, er blieb bis 1854. Carl Johann Friedrich Unger (geb. 1824), der seit 1848 stiller Teilhaber gewesen war, trat nach dem Tode des Onkels 1853 an seine Stelle. Nach dem Tode seines Vaters 1862 führte er die Druckerei allein unter dem bisherigen Namen fort. – Vgl.: Potthast, August: Geschichte der Buchdruckerkunst zu Berlin im Umriß. Für den Verein Berliner-Buchdruckerei-Besitzer herausgegeben von Ernst Crous. Berlin: Selbstverlag 1926, S. 51, 82, 87, 106.

Es heißt dazu  in der JALZ, Bd. 2, Nr. 115, 1833-06, Sp. 433-444; Sp. 444:

„Trefflich ist von dem ungenannten Herausgeber (sollte es der wissenschaftlich gebildete Buchhändler Hr. Eichler selbst seyn? – ) das Wort J. Rückert’s vorangestellt: Das ist von Schenkendorf, der Max,“.

 

Am 1833-03-13 wurde diese Ausgabe so rezensiert:

„[…] Aber die Vorrede ist von Schenkendorf’s guten Freunden geschrieben, gute Freunde aber verfahren auch mit Gedichten äußerst milde und zart. Die Kritik aber darf sich dadurch nicht entwaffnen lassen. Unter diesen sämmtlichen Gedichten des Nachlasses Schenkendorf’s, wie sie hier in Masse vor uns liegen, ist auch kein einziges, was den Namen eines Gelungenen verdient; ganz schlecht und mißrathen ist freilich auch kein einziges; sie sind durch die Bank an Werth so ziemlich alle gleich. Wer eine neue Blumenlese aus der poetischen Literatur herausgeben wollte, würde aus diesen Beeten keine einzige Blüthe hineinverpflanzen; ja, diese Literatur wäre um nichts ärmer, wenn Schenkendorf gar nicht gedichtet hätte. Er ist ohne Zweifel ein biedrer, tapfrer frommer Mann gewesen; als einen solchen müssen wir ihn lieben und ehren; seine Gedichte aber sind nur Wortgeklingel und Reimereien in einer widerlich süßen, sentimentalen Manier; ¦ selbst im Versbau ist durchaus keine Mannichfaltigkeit vorhanden; alles geht im einfachen Schlendrian so fort, und ermüdet legt man das Buch bei Seite, wenn man nur einige wenige Gedichte gelesen hat.

 

Eine weitere Rezension:

Kritische Blätter der Börsen=Halle, Hamburg, Nr. 88 v. Mo 1832-03-05, S. 81, Sp. 3 bis S. 82, Spalte 3; Einleitung und Druck „Seinem ältesten Freunde / Karl Grafen von der Gröben / als er sich mit dem / Fräulein Selma von Dörnberg / vermählte / sang dieses Lied / Max von Schenkendorf / zur Johanniszeit 1816.“; nur für kleinen Leserkreis, da der Zeitgeschmack sich geändert hat.

 

Fünf Jahre später, 1837, erschien, „Gedruckt bei Julius Sittenfeld, / Burg-Straße No. 25.“ Die durch Lange bearbeitete Ausgabe. Das Kaysersche Bücherlexikon vermerkt dazu:  „Berlin 1837 (Thome)“ erschienen.

Max von Schenkendorf’s / sämmtliche Gedichte. / Erste vollständige Ausgabe. / Berlin, / bei Gustav Eichler. / 1837. 

Lange lobt S. V die  „von einem geliebten Jugendfreunde des Entschlafenen herrührende Darstellung“.

Dieser Freund ist Samuel (Ludwig Hermann) Friedländer (geb. Königsberg 29.08.1790, gest. Halle 10.12.1851). Friedländer bestätigt dies in seinen „Erinnerungen“ S. 2: „Fr[iedländer]. hat den Lebensabriß verfaßt, der Schenkendorfs ‚Sämtlichen Gedichten‘ (1837) vorgesetzt ist.“

Sein biographischer  Artikel findet sich ebenfalls in dem Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. Bd. 2: F-L. Leipzig: Brockhaus 1833, S. 110-112. In ebd. Bd. 4, S. VII ist als Mitarbeiter Friedländer in Halle genannt.

Zuvor war dieser Artikel über Max von Schenkendorf (mit leichten Änderungen in der Orthographie) erschienen in:

Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden. Bd. 4: S bis Z. Leipzig: Brockhaus 1834, S. 159-160.

Das Original lautet:

„Schenkendorf (Ferdinand Gottfried Max von) wurde den 11. Dec. 1784 in Tilsit geboren, in dessen Nåhe sein früher im Militairdienst gewesener Vater ein kleines Landgut besaß. Ungünstige Familienverhältnisse entfernten ihn, als er kaum die Schwelle des Jünglingsalters betreten, aus dem ålterlichen Hause, aber sie führten ihn glücklicherweise in das sogenannte preußische Oberland, welches die eigentliche Wiege seiner Bildung ward. Die freundliche Aufnahme, die er hier in den durch christliche Frömmigkeit und hohe Geistesbildung ausgezeichneten Kreisen der gräflichen Familien von Dohna fand, der Umgang mit den edelsten Frauen, der Aufenthalt in dem gemüthlichen Hause des Prediger Wedeke (nachmals Oberhofprediger und Professor zu Königsberg) und die Umgebung einer schönen Natur trugen unstreitig dazu bei, seinem Geiste schon frühe eine poetische, aber auch ernste Richtung zu geben, welche immer, trotz manchen Kreuz= und Quergången, zu welchen seine lebendige Phantasie ihn hinzog, trotz der heitern Laune, mit welcher er jeden Scherz gern auffaßte und weiter auszuspinnen suchte, sein schönes, bis zu seinem Ende bewahrtes Eigenthum blieb. Nachdem er noch einige Zeit auf der Universität Königsberg sich mit dem Studium der Kameralwissenschaften, vorzüglich unter Kraus, beschäftigt hatte, brachte er ein Jahr (1805) im Amte Waldau zu, um sich nach der damals bestehenden Anordnung praktisch mit der Landwirthschaft bekannt zu machen. Um diese Zeit lernte er seine nachherige Gattin, eine mit allen Reizen åußerer und innerer Schönheit und echt weiblicher Würde reich ausgestattete Frau kennen, und von dem ersten Augenblick dieser Bekanntschaft war das Glück seines Lebens entschieden. Er trat nun seinen Referendariendienst bei der Regierung zu Königsberg an, und verlebte hier im Genusse des Schönen und Guten eine äußerst glückliche Zeit. In der reizenden Gartenwohnung seiner Freundin, wo sein Herz die Fülle des Zarten und Süßen in sich sog, nahm er jede Gelegenheit wahr, die sinnigsten Feste mit reichen Ergüssen poetischer Begeisterung zu verherrlichen, im Kreise junger, strebender Freunde, deren poetischer Übermuth gegen alles Philisterthum ankämpfte, war er der heiterste Gast [S. 160:] und sein Humor ergötzlich und belebend für Alle; im Hause der Ältern, welche jetzt das nahgelegene Gut Nesselbeck bewohnten, übte er, trotz mancher harten Geduldprüfung, mit kindlicher Unterwürfigkeit die Pflichten des Sohnes. Einflußreich für seine geistige Entwickelung wurde die Freundschaft, welche einige hochgebildete, geistvolle Frauen in Königsberg ihm zuwendeten; daß Frau von Krüdener, die damals dem Irdischen noch nicht ganz entfremdet, mehr im Ruhme der romantischen Schriftstellerin als der Missionairin glänzte, auch eine große Anziehungskraft auf S. ausübte, ist begreiflich. Mit dieser merkwürdigen Frau begab sich seine Braut 1811 nach Karlsruhe; 1812 folgte S. nach und feierte dort am Altare die heißersehnte Verbindung. Im reinsten Genusse des ehelichen Glücks und im Umgange mit Jung-Stilling, Ewald und andern ausgezeichneten Männern wurden ihm hier halcyonische Tage zu Theil; als aber im folgenden Jahre der Freiheitskrieg Alles unter die Waffen rief, verließ er den kaum gegründeten Herd, und obwol ihm eine Lähmung des rechten Arms die Waffen selbst zu tragen nicht gestattete, so folgte er doch seinen tapfern Landsleuten ins Feld. Im Gefolge des damaligen Generalmajors von Röder, Brigadechefs der Reservecavalerie, nahm er, ohne eigentliche Anstellung, Theil an allen Beschwerden des Felddienstes, bald muthig im Feuer, bald seinen Freunden bei den Arbeiten des Generalstabes Hülfe leistend. Dieser großen und heiligen Zeit, die ihn mit Allem in Berührung brachte, was damals durch Geist, Muth und jede ritterliche Jugend den Glanz der siegreichen preußischen Waffen erhöhte, sind seine schönsten Lieder entsprossen. Nach beendigtem Kriege ward er Rath bei der Regierung zu Koblenz, aber nicht lange sollte derselben seine unermüdliche, erfolgreiche, von den besten Geschäftsmånnern gepriesene Thätigkeit gewidmet sein. Ein schon längst gehegtes Übel, das mit unerträglichen Kopfschmerzen und Brustbeklemmungen verbunden war, endete das jugendliche Leben unsers S. an seinem Geburtstage, den 11. Dec. 1817. Seinen Namen hat die Muse des Gesanges den Freunden deutscher Poesie theuer und unvergeßlich gemacht. Alles, was jene Zeit der allgemeinen Begeisterung so groß und denkwürdig machte, fand in seiner Seele den reinsten, vollsten Anklang, und in reinen trefflichen, tiefempfundenen ,‘Gedichten‘ (Stuttgart 1814) den bei aller Schlichtheit großartigsten Ausdruck. Ein 1832 in Berlin erschienener ,Poetischer Nachlaß‘ hat noch eine Fülle der schönsten und innigsten, namentlich religiösen Lieber ans Licht gebracht, und wird das Bild unsers S. im reinsten Farbenglanze der Nachwelt überliefern helfen. Aber wie herrlich er auch in seinen Gesängen erscheinen mag, sein ganzes reines und reiches Wesen ist darin nicht ausgeprägt. Welch einen unerschöpflich reichen Schatz von Liebe er in seinem kindlich-harmlosen Herzen trug, welche Treue und Anhänglichkeit an seine Freunde, welche Milde und unverfälschte Religiosität, und welchen Zorn gegen alles Schlechte, das wissen nur Die, die so glücklich waren, ihm im Leben nahe zu stehen.     (23)“

Lange fügt jetzt noch S. V bis VI an:

„das wissen nur Die, die so glücklich waren, ihm im Leben nahe zu stehen.

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Die obige, aus dem Conversations=Lexicon der neuesten Zeit und Literatur (Leipzig 1834) entlehnte, von einem geliebten Jugendfreunde des Entschlafenen herrührende Darstellung möge bei dieser von einem andern Freunde Schenkendorf‘s besorgten Ausgabe seiner sämmtlichen Gedichte als erklärende Einleitung gelten; sie wird hoffentlich hinreichen, den Lesern das eigenthümliche Leben begreiflicher

VI

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zu machen, welches sich in diesen Gedichten abspiegelt und dem Dichter auch nach seinem Tode durch ganz Deutschland so viele Herzen gewonnen hat. Die am Schluß beigefügten Erläuterungen rühren größtentheils noch von Schenkendorf selbst her und haben die Absicht, einzelne, den großen Zeitbegebenheiten entfernter liegende Beziehungen verständlicher zu machen.

Als Anhang sind dieser Sammlung die ‚Sternblumen‘ beigefügt worden, welche zuerst im Jahre 1812 als Manuscript für Freunde gedruckt wurden und seitdem vielen ‚einfältigen Christen‘ zur Erbauung und Erquickung gereicht haben. Diese sinnigen Gedichte sind das Werk einer bereits im Jahre 1809 zu Königsberg gestorbenen hochbegabten Frau, welche auf Schenkendorf‘s geistige Bildung einen bedeutenden Einfluß übte; sie werden daher hier wohl an ihrer rechten Stelle und den Freunden unsere Dichters eine erfreuliche Zugabe sein.

         Berlin im April 1837.“

 Buchdruckerei Julius Sittenfeld (geb. 1801, gest. vor 1880), Berlin, gegr. 1832, wurde 1875-10-01 übernommen von Otto Loewenstein für den 1815 gegründeten Carl Heymanns Verlag übernommen (für 1877 liegt ein gedruckter gemeinsamer Tätigkeitsbericht der beiden Verlage vor). – Vgl.: Julius Sittenfeld. Buchdruckerei … Berlin 1890, S. 51 ff.

Der Buchhändler Wilhelm Carl Heinrich Thome war 1844 Sekretär der „St. Johannis- Loge zur Beständigkeit“ in Berlin (Nachweis der Grossen Landesloge, Berlin 1845, S. 54) und schied 1867 aus dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig aus (Börsenblatt Nr. 167 v. Mo 1867-07-22, S. 1810).

Die Gattin Max von Schenkendorfs schreibt an NN im Oktober 1837 (HAGEN S. 246):

„Es ist jetzt eine neue vollständige Auflage der Gedichte im Druck erschienen. Neues ist freilich nicht hinzugekommen, außer dem Vermächtniß einer mir sehr theuern Freundin: „Die Sternblumen“. Ich bin mit dem Druck nicht ganz zufrieden; es sind viele Druckfehler darin. Manches ist weggelassen, was mir sehr lieb ist.“

 

Eine Rezension findet sich in:

Der Adler. Eine literarische Zugabe zu den süddeutschen Blättern für Leben und Kunst, hrsgg. v. Friedrich Mayer, Nr. 4 v. 1837-07-15, S. 15, Sp. 2 bis S. 16, Sp. 1: Rez. Von „Dr. R.“; nur für kleinen Kreis, welcher Mann verläßt schon seine Gattin, um in den Krieg zu ziehen.

Repertorium der gesammten deutschen Literatur Bd. 14, Leipzig: Brockhaus 1837, [= H. 1, 1837-10-30, Nr. XX, S. 92;] S. 684, Nr. 5689; angezeigt von „27.“: Neuer Abdruck, Berlin: Thome: [1762] Max von Schenkendorf's sämmtliche Gedichte. Erste vollständ. Ausgabe. Berlin, Eichler. 1837. XII u. 394 S. 8. (2 Thlr.)

 

1838 rezensiert diese Ausgabe Guido Görres, der als Autor durch eine Aussage Georg von Jochners bestätigt wird.

Zur Ausgabe von 1832 meint der Rezensent noch:

„Nicht den weitesten Kreis von Lesern dürften diese Lieder erwarten“, denn „Der Geschmack der Zeit wendet sich von einer so anspruchlosen Gabe mit einer Gleichgültigkeit ab“.

Jedoch: Die Zeiten ändern sich – immer.

Der Cottasche Verlag warb zur Neuauflage 1862 mit den Worten:

„Es ist nichts zufälliges oder gemachtes, wenn man die Sangesgeister aus der Zeit der Freiheitskriege heute wieder auferstehen läßt. Vieles Heutige ist damaligen Zuständen so auf ein Haar ähnlich, daß man den Parallelen gar nicht ausweichen kann; - und gottlob auch der Haß gegen undeutsches und deutschfeindliches Wesen hat noch nicht die Kraft verloren, der Glaube an eine Erhebung gegen die Herrsch= und Ländergier, die seit alter Zeit immer gute Beute in Deutschland erkannte, ist nicht aus der Mode. Aber Stärkung thut dem patriotischen Haß und Glauben noth, denn das Geschlecht der Gegenwart hat sich in vielen Stücken blenden und bethören lassen durch die verlockende Sprache des Feindes. Und diese Stärkung – wer könnte sie zündender vollbringen als derjenige der Freiheitssänger der vor allen durch unversöhnlichen Zorn gegen den Vaterlandsfeind, durch unverlierbares Vertrauen auf Wiederbringung deutscher Kraft und Hoheit sich kennzeichnet? In Max von Schenkendorf sind Leben, Liebe, Gott und Vaterland unzertrennliche Begriffe, seine Religion ist patriotisch, und sein Patriotismus ist religiös. Die Glorie des ‚deutschen Kaiserthums‘ ist ihm der Krystallisationspunkt aller nationalen Würde, alles nationalen Glücks; er ist von Geburt wie von Herzen ein treuer Preuße; aber das engere Vaterland ist ihm nur dadurch schön und herrlich daß er es nicht anders denken kann, und denken will, als eins mit dem was ihm Deutschland als Gesammtmacht und Gesammtehre ist. Ein solcher Sänger wird sich einer Zeit, wie die unsrige von selbst empfehlen, und es wird uns der Beweis erspart seyn daß die Schenkendorf’schen Lieder durch eigenes Gewicht den Weg in Tausende deutscher Herzen noch heute und noch lange zu finden fähig seyen.“

Bereits am 1857-12-03 hatte Varnhagen in seinem Tagebuch notiert: „Dann geht der General Graf von der Groeben fort, der sich sehr freundlich bezeigt, und gern hört, daß mich ihm einen Mann zuweisen will, der die Gedichte von Schenkendorf neu herausgeben wird. [...]“.

So erscheint dann die Ausgabe von Hagen im Jahr 1862, wozu die Dokumente sich in Marbach (s. u.) befinden.

Elsa von Klein vergleicht in ihrer Dissertation S. 30-35 die Lesarten in den 21 herangezogenen Werkausgaben. S. 35 resümiert sie, dass zwischen den drucken in Zeitschriften und der Ausgabe von 1815 – wahrscheinlich durch undeutliche Erinnerung – bedeutende textliche Unterschiede bestehen. Die Ausgabe von 1837 beruht auf denen von 1815 und 1832, und erst Hagen ist „verdienstvoll“ in den Ausgaben von 1862 und 1871 (die Ausgabe von 1878 kennt sie nicht), wenn er auch Änderungen vornimmt.

„Max von Schenkendorf’s / Gedichte. / Dritte Auflage. / Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen / herausgegeben / von / Dr. A. Hagen, Professor der Universität zu Königsberg. / Stuttgart. / Cotta’scher Verlag. / 1862.“ – S. (I)-XXII und (1)-548; (1)-492 Text; S. 493-510 Anhang, S. (511)-548 Erläuterungen.

„Gedichte / von / Max von Schenkendorf. / Vierte Auflage. / Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen / herausgegeben / von / Dr. A. Hagen, / Professor der Universität zu Königsberg. / - / Stuttgart. / Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. / 1871.“ – S. (I)-XXII und (1)-287; (1)-237 Text; S. 238-259 Anhang, S. (260)-287 Erläuterungen.

„Gedichte / von / Max von Schenkendorf. / Fünfte Auflage. / Mit einem Lebensabriß und Erläuterungen / herausgegeben / von / August Hagen. / – / Stuttgart. / Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. / 1878.“ – S. (I)-XX und (1)-237; (1)-237 Text; S. 238-259 Anhang, S. (260)-287 Erläuterungen.

Nicht leicht macht es HAGEN bei der Identifizierung des „v. Stockhorn“, wenn er auf die Übergabe der Rechte an den Verlag von Cotta hinweist.

HAGEN S. 239, 245: „Die Personen, mit denen Schenkendorf in Umgang stand, sind, […] General=Lieutenant v. Stockhorn, dessen Sohn Geh. Regierungsrath v. Stockhorn.“, S. 247: „wenn nicht der Geheime Regierungsrath Freiherr v. Stockhorn die Einleitung getroffen, um das, was Eigenthum des Cotta’schen Verlags gewesen, ihm zurückzugeben“, S. 251: „Geh. Regierungsrath Freiherr v. Stockhorn in Carlsruhe“.

In Betracht kommen

Karl (Ludwig Wilhelm Christian Heinrich Franz) Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Kirchberg/Hohenlohe 05.09.1773, gest. Mannheim 08.09.1843 (n. A. 7.09.; Guntersblum (Rheinhessen)) als (seit 1814) Generalleutnant; ehel.: 13.07.1811 Elisabethe Auguste Margarethe Gräfin von Leiningen-Heidesheim-Falkenburg in Guntersblum (18.09.1790).

Dieser scheidet aus, der der Ehe keine Söhne sondern 3 Töchter entstammen.

Anders ist es bei:

Joseph Ernst Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Stuttgart 17.03.1754, gest. Karlsruhe 28.08.1834; trat 1781 als Leutnant in die Dienste des Markgrafen Karl Friedrich von Baden. 1808 Generalmajor; ehel. 17.02.1791 Christiane Euphrosina von Sponeck; 8 Kinder.

Sohn:

Joseph Ernst Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Stuttgart 20.01.1794, gest. 20.02.1876; ghz. bad. Kammerherr und geh. Regierungsrat; ehel. 29.07.1824 Freifrau Wilhelmine von Watter.

Dessen Sohn (neben Hermann Joseph Carl Friedrich Julius Wilhelm (geb. Durlach 6.06.1825) und 3 Töchtern).

Joseph Ernsts (1794-1876) Bruder:

Karl Friedrich Freiherr von Stockhorn-Starein, geb. Karlsruhe 5.03.1804, gest. Freiburg i. Br. 9.11.1873; ghz. bad. Kammerherr und Hofgerichtsrat zu Rastatt, zeitweise Abgeordneter der zweiten Kammer des Landtags; ehel. 9.08.1834 Freifrau Maria von Fischer.

 

DLA Marbach

Das Archiv verwahrt keine Handschriften des Dichters Max von Schenkendorf (eine Unterschrift).

Es lassen sich dort aber Dokumente nachweisen, die aus der Stiftung der Stuttgarter Zeitung, dem Cotta-Archiv, stammen. Das sind Druckverträge mit Henriette von Schenkendorf und deren Tochter Jettchen von Heineken, insgesamt etwa 100 Seiten.

  • 11 Briefe und 1 Brieffragment Hagens mit Antwortkonzepten von Cotta, 1861 bis 1878
  • 20 Briefe v. Stockhorns und Antwortkopien und ein Brief Hagens
  • Honorarquittungen Henriette von Heinekens geb. Barklay, 1862, mit einem Begleitbrief v. Stockhorns
  • Vertrag zwischen v. Stockhorn und Hagen
  • Verlagsabrechnungen von Cotta und Kampfmeyer [Buchhändler (Johann Georg Eusebius) Theodor (ev.; geb. Berlin 14.08.1821, gest. 6.07.1888) ehel. (Marie Emilie) Bertha Kampffmeyer, geborene Schmidt (21.121828-5.01.1879)]

 

Nachlaß Ernst August Hagens.

Elf Briefe Ernst August Hagens und ein Brieffragment betr. der Ausgabe von 1862; Antwortkopien Cottas von 1861 bis 1878; Honorarquittungen der Stieftochter Henriette von Heineken (1862), Begleitbrief Stockhorns; 20 Briefe des Freiherrn von Stockhorn; Verträge Stockhorns mit Hagen; die Vollmacht der Henriette v. Heinecken für Cotta und Hagen, ein Papier über die Verlagsübernahme von Cotta von Kampfmeyer. Etwa 100 Seiten.

Alle Antworten Cottas könnten anhand der Antwortkopierbücher Cottas festgestellt werden.

 

 

Schenkendorf-Heinersdorf 

Ralf Klausnitzer macht 1998 auf die NS-Rassenlehre und die in dieser Zeit veröffentlichten Stammbäume aufmerksam, die „Die Rezeption der deutschen literarischen Romantik im Dritten Reich“ unterstützen. Dazu zählt die von Eduard Grigoleit bearbeitete „Ahnentafel des Freiheitsdichters Max von Schenkendorf“ (1943). Grigoleit verweist auf die „Collectio Koenig“, die er benutzt. Im „Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland“ von Otto Titian von Hefner (Bd. 2, 1863, S. 130, Sp. 1-2, Bd. 3, 1865, S. 310, Sp. 2, S. 312, Sp. 1-2) wurde ebenfalls auf diese Quelle Bezug genommen.

 

Es handelt sich bei den in der Collection Genannten um folgende Personen:

 

König, Anton Balthasar (geb. Berlin 13.12.1753, gest. ebd. 14.01.1814) Collectio genealogica Koenigiana; ehem SPKB, jetzt Krakau, Inhalt verzeichnet in: Deutscher Herold 6, 1875 bis 11, 1880; nach TRANSFELD: Quelle S. 9.

 

Köhne, Karl Bernhard Wilhelm (gest. 27.05.1860): “Collectio genealogica ex dono Koehnii”; ehem. SPKB, jetzt Krakau. Inhalt verzeichnet bei a) VjSchrift Wappen-, Siegel- und Familienkunde 27, 1899, S. 263-286; b) Ahnenerbe 1928, H. 6, S. ?; nach TRANSFELD: Quelle S. 10.

 

Friedrich Wilhelm Ockel (1763-1833). – Karl Friedrich Ballhorn, Kammergerichtsrat und Pupillenrat, 1742-1813.

 

Die Collectio Koenig:

Ehem.: "Ex / Bibliothek. Regia / Berolinensi.", jetzt in Krakau.

 

Rückenschild des Bandes: "Collectio / genealogica / Koenigiana / 83 / Schach - Scheurich". Vorsatzseite: "Ms. geneal. Fol. 83."; das Inhaltsverzeichnis ebd. nennt v. Schenckendorff unter der lfd. Nr. "20. v. Schenkendorf (Heinersdorf)".

Ziemlich am Ende des Bandes ein grün-blaues Vorsatzpapier mit der Aufschrift: "Ad. Genealogiam derer von Scheckendorff". Danach folgt eine Sammlung von Zettel, Schautafeln, Zeichnungen zum Wappen, Buchausrissen (z. B. Lausitzissche Monatsschrift 1793, S. 297 [„IV. Kurze historisch topographische Beschreibung von Rennersdorf. (*)2 – In: Lausitzer Monatsschrift 1793, H. 11, 1793-11, S. 290-297; S. 297: „Wilhelm Heynersdorf 1480.“]) und von Briefen; insgesamt etwa 41 unpaginierte Blätter, etwa 82 Seiten.

Die folgenden Briefe dürften alle an den Johanniter-Ordensrat König gerichtet sein! Die erwähnten Schreiben usw. sind alle hier vorhanden.

 

  1. Ein Brief Carl Gottlob von Schenckendorffs, Oberst-Lieutenant, Schönau bei Zielentzig, 1796-02-27. Darin heißt es u. a.: "Nun aber wünschte ich wohl, zum Besten meines Sohnes und Tochter den Stambaum in Ordnung zu bringen, und für den Sohn gerne, auf 32 Ahnen. Zu 16 Ahnen, wird es wenig Schwierigkeiten finden. Zu 32 aber, <ko> habe ich nicht erfahren können, waß und wo mein Ur=älter Vater gewesen; auch nicht, wo mein Älter Vater George Albrecht geboren worden."
  2. Ein Brief desselben Berlin, 16.02.1796. Er ist verh. mit einer v. Dörnberg, die "in den Vollbürtigen Stifts Lehden alß Chanoines aufgenommen." (des Johanniter bzw. Deutschen Ordens <?>). Er war an 32 Ahnen interessiert, um seinen Sohn im Domstift zu Brandenburg und Minden unterzubringen. In dem Brief heißt es weiter: "so viel, dieß ist auch gewiß, daß keine Polnische, und noch weniger eine Französische Familie <...> in meinem Stambaum vorkommen." Er verspricht, seine genealog. Sammlung von Schönau aus an den Ordens-Rat zu senden, was er dann unter dem 26.02.1796 auch tat. Welche Unterlagen der Sammlung es sind, ist nicht ersichtlich.
  3. Derselbe an den "Geheimer Secretair" Herrn König in Berlin; Berlin, 13.02.1796. Es heißt u.a.: "Ich wünschte für meinen Sohn einen Stammbaum anfertigen zu lassen, um ihn in ein Vollbürtiges Dom-Stift zu bringen"; er selbst bezeichnet sich als Probst zu St. Walburg.
  4. Ein Brief Hardenbergs vom 1803-05-25 aus Berlin an König; er fragt nach genealog. Bescheinigungen für einen Herrn von Adeleben. Dieser Brief ist auf der Rückseite als Konzept für genealog. Notizen zu v. Schenkendorf genutzt. Friedrich Wilhelm v. S. ist der Sohn des Carl Gottlob v. S.
  5. Ein gesiegeltes Schreiben mit Gebührenmarke 6 Groschen an ORat König: "Von Gottes Gnaden Friedrich Wilhelm König von Preußen / Unsern gehörigen Gruß zuvor. Hochgeehrter Rath. Lieber Getreuer / Unter Zufertigung der von dem Justiz Director Ockel zu Cremmen mittelst Bericht vom 25. Januar c: in der von Schenckendorffschen Vormundschafts Sache, bei 2tens eingereichten Ahnentafel, der von Schenckendorffschen Familie, nebst den dazu gehörigen Nachrichten, erwarten Wir endlich den Stammbaum dergestalt zu vervollständigen, daß er unbedenklich zur Aufnahme in den Orden oder Nachweisung der Stiftsfähigkeit gebracht werden kann. <...> Berlin den 7. Februar 1804. Königl. Preuß. Churmärk. Pupillen Collegium     Ballhorn". – Vgl. dazu Max von Schenkendorf: Warnungsanzeige von Wannovius im Königsberger Intelligenz-Zettel, 1804.
  6. Eine Abschrift des Nobilitationspatentes "für die beyden natürlichen Söhne des gewesenen Justitz-Raths von Schenckendorff, Johann Friedrich und Carl Wilhelm mit Beybringung des adlichen Namens von Heinersdorff", Berlin, 20.11.1782 folgt hier auf drei Seiten. Ebd. am Fuße die Notiz: Johann Friedrich: gest. Heinersdorf, im Sommer 1816, Carl Wilhelm: gest. Möstchen 1822-06-24.

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Zedlitz-Neukirch und Hellbach verweisen in ihren Artikeln zu Max von Schenkendorf auf:

              "A. Schrenckendorff" :

“D. D. E. A. / Ut. / Orationem. / De. Nobilitate. Gentis. / Quam. / Et. Gentis. Et. Mentis. Nobilitate. / Florentiss. Juvenis. / Christianus. / Gottlieb Reichbrod / [sic] / A. Schrenckendorff. IN. Pesterwitz. / Ad: Illustre. Collegium. / Quod. Tubingae. Celebratur. / Concessurus. / Cras. / Finitis. Sacr. Antemerid. / Habebit. / EiqV. Gratias. / Benefactoribus. Suis. Quas. Debet. / AdJiciet. / Patroni. Promotores. Fautores: / Benevole. Auscultare. / Ne. Graventur. / Ea. / Qua. Par. Est. / Observantia. / Omnes. Singulos. Eorum. / Invitatum. It. / Gymnasii. Freiberg. / Rector. / ----------- / Excudente. Beuthero.“ – Unterz.: „M. Michael Schirmerus. / Gymnasii Patr. Rector.“

 

 

Zweiter Theatereklat 1811

Max von Schenkendorf und Henriette Hendel-Schütz

 

Erst August Hagen informiert über dies und den Eklat nur kurz, wenn er schreibt:

„Die Zahl der [Me: aus dem „Blumenkranz“]ausgeschiedenen Mitglieder ergänzte sich nicht durch neue. – Das stimmte niemand so trüb als Schenkendorf, trüber, als wenn er auf seinen Arm blickte, den er in einer schwarz= seidenen Binde trug. Daß zu den Abtrünnigen auch die Hendel=Schütz gehörte, hätte er leichter verwunden, wenn nicht eine ärgerliche Szene vorangegangen wäre, eine eigentliche Szene, da sie sich im Theater im Oktober 1811 begab. Ihr Gatte, der Professor Schütz, war ein trauriger Schauspiel=Direktor und noch trauriger Schauspieler, der in der letzten Rolle, die er unter Bezeigung des Mißfallens gab, sich durch sein Benehmen gröblich gegen das Publikum verging. Schenkendorf war unglücklicher Weise zugegen, als Sturm und Aufruhr gegen den unbesonnenen losbrach. Aus Rücksicht für seine Gattin, die er als Künstlerin schätzte, nahm er Partei und wollte der zornigen Menge Ruhe gebieten. Das gelang ihm nicht, und dadurch, daß er eine schlimme Sache verfocht, verdarb er es mit Mehreren, die in näherem oder entfernterem Umgang mit ihm standen und ihm bis dahin geneigt gewesen waren. Die Hendel=Schütz und das durch ihren Einfluß inniger gewordene Verhältniß mit J. M. [Me: d. i. Johanna Motherby] gab Grund zu einer Entfremdung, die Schenkendorf schmerzlich empfinden mußte. Von der Familie Wedeke, deren liebreiche Begegnung ihn zu unvergeßlichem Dank verpflichtete, ward er nun kühler aufgenommen. Man legte es ihm übel aus, daß er nach Barckley‘s Tode die Hinterbliebenen wie vordem besuchte. Man erging sich in Vermuthungen, ob es der Mutter oder der Tochter gelte. Jene war zehn Jahre älter als er und diese zehn Jahre jünger; wenn bei der einen die Schönheit keine Kränkung durch Alter und Trauer erfahren hatte, so war die andere eben zu einer blühenden Jungfrau herangereift.“ – Zuvor, im Jahr 1860, an einem anderen Ort, schreibt Hagen: „durch die Huldigung, die Schenkendorf der unglücklich verheiratheten Hendel-Schütz angedeihen ließ“, lenkte er die Öffentlichkeit von seiner Liebe zur späteren Gattin ab.

 

Johann Paul Friedrich Czygan (1853-1920) meinte 1917:  „Unsere Studenten spielten damals eine große Rolle im Theater. Sie waren die Herren, die die entscheidende Meinung hatten; sie nahmen sich alles Mögliche heraus. Der damalige Theaterdirektor, Professor Schütz, verstand das Publikum nicht zu behandeln, während seine Frau, die Schauspielerin Hendel-Schütz sehr beliebt war. Die lauten Kundgebungen der Studenten veranlaßten Schenkendorf für die Gattin des Direktors offen einzutreten und bei einer Vorstellung den Studenten ‚Ruhe‘ zu gebieten; da hatte er es aber mit einem Teil des Publikums verdorben. Der Polizei-Präsident griff schließlich ein und veröffentlichte eine Verordnung, wonach die Ruhestörer im Theater festgenommen werden sollten. Das alles verleidete ihm den Aufenthalt in Königsberg und er entschloß sich nun, da seine Behörde auch aufgelöst wurde, fortzugehen.“

 

Bereits im Jahr 1810 hatte August von Kotzebue in der „Biene“ eine Forderung von Jean Nicolas Servandoni d’Hannetaire aufgenommen und dessen Text frei übersetzt:  

„Es wäre zu wünschen, daß in jedem Theater eine eigene Polizey für das Geräusch eingeführt würde. [...] Ferner würden, bey der vorgeschlagenen Polizey, die jungen Aesthetiker etwas leiser tadeln, die Kavallerieofficiere etwas leiser auftreten, all das Völkchen, welches nur ins Theater läuft, um zu sehen und gesehen zu werden“.

 

Dieses Ereignis des zweiten Eklats ist eingebettet in die Theatergeschichte Königsberg, die zum Verständnis heranzuziehen ist.

 

Mit dem Tod von Steinberg am 1811-01-31 bildete sich eine Administration aus Regierungsrat Müller [s. u.], Oberforstmeister Jester, Dr. Tortilovius, Dekorateur Czermack, Fleischer, Büttner, Strödel und Wolschowsky; Ehrenmitglieder waren Polizeipräsident von Stein, Stadtrat Glagau, Kriminalrat Brand, Kanonikus von Lange, Kommerzienrat Prin und Negotiant Deetz.

 

Im April 1811 las man: „Die Administration des Theaters besteht aus Geschäftsmännern, Kaufleuten und Schauspielern. Fast jedes Mitglied des Theaters erhält ein Benefiz: diese, meistens Opern, rauben alle Zeit des Einstudirens und ruiniren die Kasse.“

 

„Noch vor der Ankunft von Hr. und Mad. Schütz hatte die Comité den Herrn Actionärs des neuen Schauspielhauses, mit dem Hr. Schauspiel=Director Huray in Danzig, wegen Übernahme der Direction und Miethe des Theaters, Unterhandlungen angeknüpft, welche sie jetzt aber abbrach und Hrn. Schütz Anträge deshalb machte, der auch wirklich am kam.“ – Daniel Hüray, der Vater von Clemenz Hubert Wenceslaus Hüray, übernahm erst 1816 die Theaterleitung. [Daniel Hüray, geb. 1760 in Berlin, gest. spätestens am 28.02.1826 in Bromberg; Autobiographie Königsberg 1801.]

 

1811-05-30          (Premiere) als Donna Isabella in der „Braut von Messina“ – Auch als Isabella in Holbergs „Don Ranudo“ und als Untersteuereinehmerin in Kotzebues 2Die deutschen Kleinstädter“.

1811-06-04          als „Maria Stuart“. – Siehe 1811-06-17.

1811-06-06          als Mad. Fresen d. j. in Ifflands „Der Fremde“.

1811-06-08          als Benefiz für sie: als Cephise in Stolls „Scherz und Ernst ein Lustspiel in einem Akt“, als Rosa in der Oper in einem Akt  „Zwei Worte, oder die Herberge im Wald“, Musik von d’Alayrac [auch als Rosina im „Bauern und Juristen“, und Margarethe in Ifflands „Hagestolzen“: „mit rauschendem Beifall wurde diese Künstlerinn belohnt, und am Ende des Stückes einstimmig hervorgerufen. Das Haus war übrigens von Zuschauern auch gedrängt voll.“1811-06-08          In „Scherz und Ernst“ von Stoll spielte Friedrich Carl Julius Schütz „mit vieler Anstrengung“.

1811-06-12          als Medea: „Das Ganze gewährte einen angenehmen Genuß.“

 

Kaum war die Schauspielerin Ende Mai in Königsberg angekommen, trat sie am 1811-06-04 in „Maria Stuart“ auf und Max von Schenkendorf korrespondierte mit ihr. Am 1811-06-12 schreibt er „A Madame Madame Schuetz“ ein Gedicht „Bei Übersendung der Werke des Hanns Sachs“, die er ihr anscheinend auslieh. Schenkendorf war nämlich Besitzer der sog. Kemptener Werkausgabe des Hans Sachs, wie HAGEN zu entnehmen ist.  

Das Publikum war begeistert von der Darbietung der „Maria Stuart“, und am 1811-06-17 erschien in einer Königsberger Zeitung die

„Bescheidene Bitte

an die Künstlerinn Madame Schütz.

Ein inniger Genuß wurde uns zu Theil, da

Sie verehrte Künstlerinn die Maria Stuart ga=

ben. Diesen Genuß uns noch einmal als

Maria zu verschaffen, ist die bescheidene

Bitte von

          mehreren Theater=Freunden.“

Der Rezensent schwärmte von dieser Aufführung:

„Besonders über den letzten Akt haben wir keine Worte wie sie uns entzückte. Wahrlich, mehr überirrdisch, als sie es war kann nichts Irrdisches seyn.“

 

 

1811-06-21          für die Opfer des Stadtbrandes in Klingemanns „Columbus“; wenig Publikum, „obgleich Mad. Schütz eine Rede gehalten hat“.

1811-06-22          als Untersteuereinnehmerin Staar in den „Kleinstädtern“.

1811-06-27           als Phädra; „Ihr Gatte […] spielte, traurig genug als Theramen und Marinelle figurirte“

1811-06-29          als Gräfin Orsina, in „Emilia Galotti“; „gewährte reinen, vollen Genuß“.

1811-07-01          als Merope; „wahr und rührend schön durch Gesichtsausdruck und körperliche Bewegung überhaupt.“; „unübertroffen“; mit selbstentworfener Kleidung

1811-07-05          als Aline; als Benefiz für Frau Schwarz; „Uns leitet keine Gewinnsucht – daher unser unpartheiisches Urtheil über das Spiel der Mad. Schütz. Jeder wird gewiß mit uns darin einverstanden seyn, daß Mad. Schütz keine Rolle verderben wird. Der beste Moment war für uns heute, da Aline den St. Phar erblickt, das langsame Wegnehmen des Schleiers, die Freude als sie ihn erkennt, dies alles war vortrefflich. Im zweiten Ackte tanzte Thekla Schütz zwar sehr niedlich, nur etwas lange. – „Nur im zweiten Ackte genügte uns Mad. Schütz nicht, obgleich einige vorlaute Herren ihr unzeitiges Applaudissement nicht unterdrücken konnten. Lächerlich kam uns das Aufschlagen des Fußes vor, ja noch mehr, wir fanden es für ganz unschicklich. Einige Herren die neben uns standen lachten über dieses Ausschlagen sehr lange, und machten mit Recht spöttische Bemerkungen.“

1811-07-07          als Rosette im „Jurist und Bauer“ und Rosa in den „zwei Worten“.

1811-07-08          Hr. Schütz spielte als Gast den Cleant in Scherz und Ernst, und den Hofrath in den Hagestolzen.

1811-07-18          als Baronin Ummer in Kotzebues Die Beichte“; „äußerst schön“

1811-07-04          zur allerhöchsten Geburtstagsfeyer Seiner Maj. des Königs, als Merope, worin Hr. Director Schütz den Polyphont spielte, und ein ganz neues, nach Angabe von Mad. Schütz verfertigtes, antikes Costüm auf die Bühne gebracht wurde

1811-07-05          Friedrich Carl Julius Schütz tritt die Direction an; Schauspieler wie Johann Philipp Samuel Schmidt sahen darin eine Chance, ein Engagement zu erhalten. – Andere werden entlassen. Herr Stroedel, Herr und Madame Mosewius, Herr und Madame Spangler vom Stettiner Theater und Herr und Madame Anschütz vom Nürnberger Theater kommen dann später wieder; vgl. 1812-05.

1811-07-07          als Octavia.

1811-07-12          gab Mad. Schütz ihre pantomimischen Darstellungen.

1811-07-14          gab Mad. Schütz ihre pantomimischen Darstellungen

1811-07-14          Friedrich Carl Julius Schütz übertrug Hrn. Fleischer die Regie des Schauspiels und Hrn. Weiß die Regie der Oper

1811-07-15          Friedrich Carl Julius Schütz macht dem Publikum bekannt, daß er die Leitung des Theaters übernommen habe, jedoch bis zur Vollendung seiner neuen Organisation desselben, die Gesellschaft für ihre Rechnung fortspielen lassen werde.  

1811-07-22          Friedrich Carl Julius Schütz als Bürgermeister Staar in den Kleinstädtern.

1811-07-27          Friedrich Carl Julius Schütz als Theramen in Phädra

1811-07-29          Friedrich Carl Julius Schütz als Marinelli in Emilia Galotti.

 

 

1811-08-22          Die Zeitung für die elegante Welt, Nr. 167 v. Do 1811-08-22, Sp. 1336 berichtet:

„Korrespondenz und Notizen.

Aus Königsberg in Preußen.

Seit dem Absterben des Herrn Schauspiel=Direktor Steinberg   befand sich unser Theater in einer kläglichen Lage. Die Schauspieler spielten für ihre eigene Rechnung, und das Ganze ging einen Schneckengang. Das Haus war immer leer und mußte schon an einem Sonntage geschlossen werden, weil sich nur sechs Menschen im Parterre befanden. Dem Publiko kann man unmöglich die Schuld davon beimessen, sondern die Schauspieler haben es sich selbst zuzuschreiben, theils weil sie schlechte Stücke gaben, theils weil sie diese schlecht spielten. Die Herren Weiß, Büttner und Pauly sind die besten Schauspieler bei unserer Bühne. Mad. Schmidt ist die vorzüglichste Sängerin unsers Theaters, und wird sehr oft hervorgerufen. Ihre Hauptrollen sind: Fanchon, Aline und Hulda. Mad. Wolschowsky ist in dem Fache der Mütter sehr brauchbar. Eine Dem. Toskani von Danziger Theater ist hier engagirt, und findet und verdient keinen Beifall. Mad. Schwarz, welche sich einige Zeit bei dem Elbinger Theater aufhielt, ist zu unseren Leidwesen auch zurückgekehrt. Schon wollten die Schauspieler auseinander gehen, als Mad. Schütz hier ankam und einige Gastrollen gab. Am meisten gefiel sie als Maria Stuart.   Zum Benefiz der Mad. Schütz wurde gegeben: Scherz und Ernst, darauf die we[#] Worte, und zum Beschluß die beiden letzten Akte aus dem Hagestolzen. Das Haus war an diesem Abende zum Erdrücken voll. Wahrscheinlich weil die Neugierde die meisten herbeigezogen hatte, denn auf dem Zettel stand: Hr. Schütz werde im ersten Stücke den Cleant, und im letzten den Hofrath Reinhold geben. Wie Hr. Schütz dazu kam, sich als Schauspieler bei uns zu produciren, weiß ich nicht; nur soviel weiß ich, daß Hr. Schütz nicht mehr die Bühne betreten sollte, wenn er vernünftig handeln will. Mad. Schütz gab auch die Aline und – gefiel nicht. Gieich die erste Arie aus a moll konnte sie nicht singen, und bei den übrigen Singpartien half Mad. Schwarz. Nie werden wir Mad. Bethmann, als Aline, vergessen.  

Was werden Sie aber m. Fr. dazu sagen, daß Mad. Schütz die Direktion des Theaters (unter sehr billigen Bedingungen) übernimmt? Sie werden sich gewiß darüber freuen, daß die Königsberger endlich ein gutes Theater=Personale erhalten werden, denn wie man sagt, so wird Mad. Schütz zwei Sängerinnen, einen Bassisten (ich glaube Hrn. Sehring, welcher schon längst als braver Sänger bekannt ist) und einen ersten Liebhaber in Opern engagiren. Ballette sollen auch gegeben werden. – Nun die Zeit wird es lehren, was daraus werden wird, und ich werde gewiß auch nicht verabsäumen, Ihnen jeden Monat hinlängliche Nachricht zu geben.“

 

 

1811-08-29          Max von Schenkendorf schreibt an NN, den er zum Tee bittet, da Friedländers Geburtstag sei, Henriette Barkley ist anderweitig geladen. Vielleicht ist hier das Ehepaar Schütz angesprochen.

1811-09-10          Während des Konzertes von Karl Möser: „Mad. Schütz deklamirte zwei Legenden, von A. W. Schlegel und Göthe, mit der ihr eigenen Anmuth.“ – Schlegels „St. Lucas“. – Der Freimüthige Nr. 36 v. Mo 1810-02-19, S. 144, Sp. 1: „Sie declamirte St. Lucas von Schlegel, St. Peter von Göthe, und Hanns und Verene, von Hebel“ (aus den alemannischen Gedichten). – Ob sie auch Texte von Heinrich von Kleist darbot, ist noch zu erforschen. Am 1811-04-26, einen Tag nach ihrer Aufführung aus der „Penthesilea“, hatte Kleist einen Brief an Hendel-Schütz geschrieben.  

1811-09-20          erstmals (bis 1811-10-23) unter der Direktion von Schütz die „Jungfrau von Orleans“; besonders Kostüme sind aufwändig; Ehepaar Mosewius und Familie Lanz werden von ihr als entbehrlich betrachtet; Die Familien Motherby, Müller und Schwinck sowie andere überzeugte sie zu Abonnements; Jesters Stücke werden aufgeführt (z. B. der „Müßiggänger“ nach Picard). – „sie zu einer Unart das erste Beispiel gab, die bei den fremden Schauspielern zur herrschenden Sitte geworden, nämlich aus verwandtschaftlicher Rücksicht einen unbrauchbaren Anhang mit auf die Bühne zu führen und ihm das Gastrecht mitgenießen zu lassen.“; vor allem den Gatten Schütz.

1811-09-20          Erstmals unter der Direktion von Friedrich Carl Julius Schütz wird die „Jungfrau von Orleans“ gegeben.

 

 

Im September 1811 publiziert eine Freundin in Königsberg

An

Madame Schütz.

Der Winterblumen, die man Dir gewunden,

Bedarf es nicht, seit als Johanna Du

Den ewig grünen Kranz des Künstlerruhms ge=

          funden.

                    Caroline v. L.“

Man vergleiche 1812-01 das Gedicht von Gotthard Tielemann.

 

 

Max von Schenkendorf schreibt am 1811-09-20 an F. K. J. Schütz aus Königsberg. Er bittet,ihm eine Rolle aus dem Lustspiel ‘Hab ich nicht recht’ zum Lesen zu überlassen, wenn die Rollen schon ausgeschrieben seien.

 

 

1811-10          Kotzebues „Deodata“; Beginn der Streitigkeiten mit Schütz, weil man befürchtete, dass die Oper dem Schauspiel nachgestellt werde; Schütz soll sich geweigert haben, im Stück „Die Schachmaschine“ aufzutreten.

1811-10          Kotzebues Des Esel Schatten; man zischte und lachte Schütz aus, der sich ans Publikum wendet: „Und hiermit lege ich euch Eseln ewiges Stillschweigen auf.“; im Tumult kam s zu Schlägereien; Fleischer fragt nach den Wünschen des Publikums: nie mehr das Ehepaar, nur Madame Schütz allein auf der Bühne

1811-10-01          Jeannette von Gotter; „Herr Professor Schütz verdient daher Dank, dass er dieses Lustspiel aus unverdienter Vergessenheit hervorzog, und uns durch die Darstellung desselben Vergnügen gewährte. Mad. Schütz als Gräfinn stellte ihre Rolle mit bewundernswerther Kunst dar.“

1811-10-02          Ariadne auf Naxos von Brandes, Musik von Benda; „In der Rolle der Ariadne entwickelte Mad. Schütz vor unsern Augen eine Kunstfülle, die überall frohes Erstaunen erregte. Eine solche Künstlerinn unser nennen zu können, ist ein Stolz, der gerecht ist ist ein Gut, um welches gewiß viele andere Städte uns mit Recht beneiden Können. Als sie den fürchterlichen Sprung vom Felsen that, wurde auch dem Unerschrockensten bange.“

1811-10-23          Friedrich Carl Julius Schütz  als St. Val in Fanchon

1811-10-24          GehStA Berlin, XX. HA Rep.2, Tit. 21, Nr. 20, Bd. 1, Bl. 8-10, Nr. 11: Unruhe im Theater, wobei der Professor Schütz die Niederlegung der Theater-Direktion dem Publikum eröffnet, Bericht vom 1811-10-24.  

1811-10-24          Schauspieler Nordau debütiert in Fanchon dank Ifflands Empfehlung an Herrn Schütz.

1811-10-25          Schauspieler Nordau schreibt an Iffland betr. Henriette Hendel-Schütz

1811-11          Reise der Frau von Krüdener von Riga nach Königsberg.

1811-11-29          „Maria Stuart“, Abschiedsvorstellung.

1811-12          Mit der Bianca della Porta und der Isabella in der Braut von Messina beschloß Mad. Sch. ihre hiesigen Darstellungen.)

1811-12-01          als Gräfin Margarethe im Löwenherz (zu Pferde)

1811-12-03          Publikandum zum Verhalten im Theater. Siehe 1811-12-30.

1812 erfährt man durch eine auswärtige Zeitung:

„ – Aus Veranlassung einiger in dem Schauspielhause zu Königsberg vorgefallenen Störungen bei den Vorstellungen, hat die dasige Polizei verordnet, daß jede öffentliche Rede vor der Bühne ans Publikum erst der Censur vorgelegt werden soll, bei 5 bis 50 Thlr. und noch härterer Strafe, eben so wird das Extemporiren untersagt. Bei Erwiederung vermeinter, vom Publikum erfahrner Beleidigungen, durch wirkliche oder symbolische Zusätze, soll der Schauspieler mit Arrest bestraft werden. – Dagegen wird aber auch das Publikum angewiesen, imöffentlichen Urtheile über Handlungen der Kunst bei dem Gegenstande stehen zu bleiben, und keine Ruhestörungen zu veranlassen. Da aber das Hervorrufen der Acteurs bei getheilter Stimmung des Publikums unvermeidliche Unruhen erregen würde, so ist es vorläufig untersagt; auch darf kein Schauspieler bei Geld oder Gefängniß=Strafe darauf Rücksicht nehmen.“

1812-07 (!)          Ein rückblickender Zeitungsbericht dazu lautet: „Mad. Schütz trat vor ihrer Abreise nach Russland noch in einigen Rollen auf. Am 29sten Nov. [1811-11-29] als Maria Stuart. man warf Gedichte ins Parterre und aufs Theater, und bat sie, hier zu bleiben; die Gemüther waren aber zu sehr erbittert: es fand keine Einigung statt. Dem 1sten Dec. [1811-12-01] zeigte sie sich als Gräfin Margarethe im . Löwenherz (zu Pferde.) Es entstand wieder Unruhe. Die Polizey sah sichh genöthigt, das Extemporiren, Pfeifen, Zischen und Hervorrufen zu untersagen. Mit der Bianca della Porta und der Isabella in der Braut von Messina beschloß Mad. Sch. ihre hiesigen Darstellungen. – Am 20sten Dec. [1811-12-20] debütirte Mad. Ansschütz v. nürnb. Theater, durch Mad. Schütz in die Stelle der Mad. Mosewius als erste Sängerin verschrieben, kurz vor ihrer Entbindung, als Camilla.“

1811-12-06          Isabella in der „Braut von Messina“ letzte Vorstellung.

1811-12-07          Schütz legt die Direktion förmlich nieder.

1811-12-20          „debütirte Mad. Ansschütz v. nürnb. Theater, durch Mad. Schütz in die Stelle der Mad. Mosewius als erste Sängerin verschrieben, kurz vor ihrer Entbindung, als Camilla.“

1811-12-21          Schütz und Hendel-Schütz verlassen Königsberg; nicht nach Breslau, sondern nach St. Petersburg über Tapiau, Tilsit (1811-12-26) und Riga reist man. (nach Memel).

 

 

Regierungsrat Müller trug sich als einziger aus Königsberg in die „Blumenlese“ (S. 218) der Hendel-Schütz ein als diese abreiste; angebunden war ein Bild des Theatergebäudes.  

„Trauert Hallen, klaget Bogen!

Fort ist eure Priesterin“

          Königsberg.          Müller *).“

 

 

1811-12-22          Henriette Hendel-Schütz schreibt aus Tapiau an Johanna Motherby. Sie schreibt: Tapiau, d. 22sten December 1811. / Gestern Morgen beim Abschied bin ich noch einmal im ganzen Theater herumge- ¦ gangen, - wie ich oft diesen Sommer that, noch eine schön durchwachte Nacht, an Ihrem stillen Teich, in Ihrer lieben Gesellschaft - und habe meinen luft’gen Hallen, meinen edlen Logen Valet gegeben. Drei kleine Teppiche von dem großen grünen gemacht, habe ich mitgenommen, zur Erinnerung der schönen Gefühle, die ich oft auf diesem Teppich empfangen und gegeben - auf ihm begann ich meine Bahn in Königsberg und endete sie - und wenn ich so auf diesem sanften Grün erst die heiligen Muttergefühle Meropens,   oder Isabellens   in meinem Gefühl erzeugte, und wie ich so am Geburtstage des Königs meine antiken Gestalten, in blaue und rothe und weiße Gewänder gehüllt darüber hinwandeln sah, so war mir der grüne Boden das Bild der hoffnungsreichen Erde, auf der tausend bunte liebliche Blumen für meine Kunst und meine Freundschaft und Liebe für Sie mir aufblühten! Doch das ist vorbei, hinunter ging die Sonne jener Tage, und   dem Narrenkönig gehört nun ein für allemal die Welt!!! Wir kamen gestern Abend um vier Uhr hier an, der Gemahl und Thekla recht wohl, ich aber so übel und matt, daß ich zeitig ins Bett eilte, die Nacht aber und heute früh befand ich mich so schlecht, daß wir nicht weiter reisen konnten, sondern heut hier bleiben mußten. … Eben jetzt, da ich schreibe, um fünf Uhr, versammelt sich über mir die schaulustige Menge, es muß sehr schön sein, denn sie trampeln fast so arg, als wenn in Königsberg Herr Pumpernickel sie begeistert.“

1811-12-30          Das Publikandum vom 1811-12-03 wird in neuer Fassung publiziert, da der eigentliche grund Königsberg verlassen hat.

 

 

„Königl. Preuß. Staats= Krieges= und Friedens=Zeitungen. / Im Verlage der Hartungschen Hof=Buchdruckerei. / Nro. 1.“ Königsberg 1812-01-02, S. 5, Sp. 1:

„PUBLICANDUM.

Da diejenigen Verhältnisse, welche das vorläufige Verbot des öffentlichen Hervorrufens der Schauspieler als polizeiliche Maaßregel nothwendig machten, nunmehro gänzlich beseitigt, und die frühere Theater=Unruhen völlig beigelegt sind, so wird die in den § 8. des Publicandi vom 3ten December d. J. enthaltene Bestimmung wieder aufgehoben, und bleib das Hervorrufen der Schauspieler und Schauspielerinnen als öffentliche Beifalls=Bezeugung nach wie vor freigelassen. Nur versteht es sich von selbst, daß bei solchen Gelegenheiten alle unanständige Stöhrungen sorgfältig vermieden werden müssen. Die übrigen in dem Pubikando vom 3ten December d. J. enthaltenen polizeilichen Bestimmungen bleiben übrigens in voller Kraft, und werden aber sowohl dem Publiko als den Schauspielern ur genauesten Befolgung in Erinnerung gebracht.

Königsberg, den 30stem December 1811.

Königl. Preuß. Gouvernement und Polizei=Präsidium der Haupt= und Residenzstadt Königsberg.

  1. Zieten. v. Stein.

 

 

1812-01          befindet sich das Ehepaar in Riga. Sie spielte hier u. a. Medea, Octavia und Margarethe in den Hagestolzen. Gotthard Tielemann verfaßt ihr zu Eren den „Nachruf an Madame Hendel-Schütz. Auf Veranlassung ihrer pantomimischen Darstellungen“. Nach einem Zitat aus Schillers „Wallenstein“ (Schwer ist die Kunst …) fragt er einleitend: „Wer lieh dir dieses seelenvolle Spiel, / Die Hoheit aus olympischen Gefilden, / Der Grazien bezauberndes Gefühl, / Ein Feenreich uns schöpferisch zu bilden?“, um sie dann in ihren einzelnen rollen zu charakterisieren. – Vgl. 1811-09 das Gedicht.

1812-01-11          Schenkendorf schreibt an Henriette Hendel-Schütz - Königsberg, 11. Januar 1812

1812-02-12          Des Ehepaar Schütz befindet sich in St. Petersburg.

1812-05          Fleischer und Weiss holten verabschiedete Mitglieder wieder zurück; vgl.  

 

Aber im Mai 1812 war es den Schauspielern Fleischer und Weiss gelungen, Fortschritte zu machen, kostendeckend zu arbeiten. „Da nun beyde Herren nicht zu verkennende Beweise ablegten, dass sie sich der Bühne mit Ernst annähmen, da sie gute Stücke auswählten, und diese mit Anstand gaben: so fanden sie, besonders an Sonntagen, ein volles Haus und die Gagen wurden stets bezahlt. Ob nun ein Theater ohne eigentliche Direction, unter der Regie zweyer Mitglieder, für die länge bestehn könne – dieses Problem wird uns die Zeit lösen.“ Die beiden Direktoren holten ebenfalls verabschiedete Mitglieder wieder zurück, was die Qualität erhöhte.

 

 

Quellen:

 

„Korrespondenz und Notizen.

Aus Königsberg in Preußen.  

Ich theile Ihnen hier einiges über unsere musikalischen Unterhaltungen mit.  

  1. Konzerte einheimischer Virtuosen. Wenn ich nicht irre, so gingen dem, am 17ten März im neuen Schauspielhause gegebenen, Konzert des Hrn, und der Mad. Schmidt – Mitglieder unserer Bühne – zwei Konzerte voraus, wovon das eine der Herr Musikus Lindenberg, das andere Hr. Schauspieler Blum gab. – Die Piecen des Schmidtschen Konzerts, die von einer glücklichen Wahl zeugten und wirklich in der Executirung trefflich waren, setze ich Ihnen her: 1) Ouvertüre aus Sophonisbe von Pär; 2) Arie aus Aeneas von Righini, gesungen von Madame Schmidt (sehr brav). 3) Der Ritter von Toggenburg, deklamirt von Dem. Toskani (sie gefiel nicht). 4) Terzett, gesungen aus Achilles von Pär, von Mad. Mosevius, Mad. Schmidt und Hrn. Schmidt. 5) Simphonie Konzertante von Pleyel. 6) Der Taucher von Schiller, deklamirt von Hrn. Anschütz (gefiel außerordentlich). 7) Quintett von Mozart, gesungen von den Damen Mosevius und Schmidt, und den Herren Weiß, Blum u. Schmidt gefiel am meisten). 8) Variationen auf der Violine, gespielt von Hrn. Ritzler (mit Ausdruck und Fertigkeit). Den 7ten April gab der Privat-Singlehrer Hr. Antonio Cartellieri im Saale des Kneiphofschen Junkerhofes ein Konzert, das mehrere Male ausgesetzt gewesen war. Der hauptinhalt desselben war folgender: 1) große Szene mit Chor und obligatem Horn aus der Oper Corradino von Morlachi. 2) Duett aus der Oper: die Vestalin von Spontini (gut). 3) Favorit0Quartett zur Oper: Palmer von Weber. 4) Duett aus der Oper: die Danaiden von Morlachi (noch besser als das vorige). 5) Ein hier noch unbekanntes komisches Duett von Cimarosa. – Die Ausführung des ganzen Konzerts fiel nicht ganz zur Zufriedenheit der anwesenden Musikkenner aus, weil das Fortepiano einen Ton tiefer, als die übrigen Instrumente, gestimmt war. Dieser Umstand veranlaßte überhaupt einen hitzigen Streit in der Hartungschen Zeitung zwischen zwei allgemein geschätzten Männern, dem Hrn. Musikdirektor Riel und dem Hrn. Musiklehrer Dorn, (dem Dirigenten jenes Konzertes). Das einzige Unangenheme bei diesem öffentlichen Streite war nur, daß mehrere Personen kompromittirt wurden. Er endigte aber mit einer – von uns längst gewünschten – völligen Versöhnung zwischen bei den Theilen und sie läßt uns auch hoffen, daß nun beide Männer ihre Singinstitute zu künftigem Winter vereinigen und uns, gemeinschaftlich, manchen herrlichen Genuß bereiten werden.

Am 5ten Mai verschaffte uns Hr. Musikus Thiem – erster Violonist im Orchester – eine neue musikalische Unterhaltung. Auch er bewährte in der Wahl der Musikstücke als einsichtsvoller Kenner, so wie überhaupt die Ausführung [Sp. 1088:] des Ganzen den spielenden Personen viel Ehre machte. 1) Ouvertüre aus Lodolska von Cherubini. a) Arie aus den Sylphen (Robert (Saul Ascher) soll Verf. des Textes seyn) - gesungen von Mad. Schmidt. 3) Violinkonzert von Rode, gespielt von Hrn. Thiem (verdient vorzügliche Erwähnung). 4) Gedicht an das Vaterland von Fleischer (s. Hertha; Berlin, bei Diterici), deklamirt von Hrn. Anschütz. 5) Ouvertüre mit vierzehn obligaten Instrumenten befriedigte die mit Recht erregte Erwartung). 6) Sonate für das Forte piano, gespielt von einem vierzehnjährigen (hoffnungsvollen) Dilettanten. 7) Der Peter in der Fremde von Grübel in Nürnberger Mundart, deklamirt von Hrn. Anschütz (die Stimmen waren getheilt). 8) Polonaise von Elsner, gespielt von einem 13jährigen Dilettanten.

Am 23sten Mai. – Konzert des Violoncellisten Hrn. Neumann. Die rühmlichste Auszeichnung verdient ein Violoncellkonzert von Romberg, von Hrn. N. selbst gespielt. dann: eine von Hrn. Schauspieldirektor Weiß gesungene Scena buffa von Salieri und das, von einem braven Dilettanten, gespielte Fortepianokonzert von Mozart.

Den 26sten Mai hörten wir in der deutsch-reformirten. Kirche eine Kirchenmusik von Karl Fasch durch den Organisten Hrn. Jensen aufführen. Die Singstimmen waren durch junge Dilettanten und Dilettantinnen – Zöglinge und Freunde Herrn Jensen's – (und von denen sich in Zukunft, besonders von einem Fräulein v. Schulz viel Gutes und Schönes erwarten läßt) – das Orchester aber schwach besetzt. Der eigentlichen Kirchenmusik von Fasch gingen noch die jedes Mal mit einem Zwischenspiel auf der Orgel abwechselten. 2) An Gott: ‚Anbetung durchwalle‘ &.. 2) Die Fahrt des Lebens und 3) das Grab von Salis (letzteres zum Gedächtniß des 19ten Julius, beide von Herrn Jensens eigener Komposition. 4) Trauerchor von Reichard (dasselbe ging sehr gut). 5) Trost am Grabe: ‚Der Säemann säet den Samen.‘

  1. Konzerte ausländischer Virtuosen. Von ausländischen durchreisenden Virtuosen sahen wir folgende drei in diesem Jahr bei uns. Erstens: Im Monat Dezember den sächsischen Kammersänger Herrn Apel, der ein Konzert bei nicht vollem Hause gab und der mit seiner kräftigen Baßstimme unter andern auch die Are: ‚Ach, Laura! wann wird endlich &.‘ sang. Zweitens: (wenn ich nicht irre, im Monat April) den jungen 23jährigen Herrn Mühlenfeldt, der sich nur kaum drei Tage aufhielt und in seinem Spiel auch hier viel Beifall einärntet. Endlich. drittens: gab dem 19ten Mai Herr H. G. Lentz, ehemaliger Musiklehrer im Fortepiane und Komposition Sr. König. Hoheit, des Prinzen Ludwig Ferdinand von Preußen, von Warschau kommend, im Junkerhofe ein Konzert. Ich hebe auch hier m. Fr. das Merkwürdigste für Sie aus: Konzert für das Fortepiano und das neue Instrument, Ditanaclasis genannt, komponirt und gespielt von Herrn Lenz; ferner ebenfalls von ihm: Konzert für‘s Fortepiano und doppelten Ditanaclasis, und 3) Fantasie durch alle Theile des Kontrapunkts auf der Ditanaclasis, um dieses Instrument (welches überhaupt nur die Hälfte des Raums von einem Flügelfortepiano einnimmt) in seiner ganzen Kraft zu zeigen. – Das schätzenswerthe Talent dieses Mannes fand würdigen Beifall.

Dieses sind die Nachrichten, die ich Ihnen von unsere diesjährigen Konzerten mittheilen kann. Bevor ich aber diesen Gegenstand verlasse, muß ich doch noch der musikalischen Vorlesungen unsers braven Musikdirektors Hiller erwähnen. Er hat seine Vorlesungen über den Generalbaß, dem Wunsche mehrerer Musikfreunde gemäß, im Monat April begonnen und will selbige innerhalb fünf bis sechstehalb Monaten beendigen. Das Honorar ist 1 Frd‘or und er erfreut sich ziemlich vieler Zuhörer. Möge dieser verdienstvolle Mann uns noch lange erhalten werden.“

 

 

Rückblickend heißt es 1812-08-06 an anderer Stelle:

„Königsberg in Preußen.

Die berühmte Virtuosin der Mimik und Schauspielkunst Mad. Schütz, vormalige Hendel, hat auf ihrer Kunstreise in Begleitung ihres Gatten des Hn. Prof. Schütz, die sie über Altenburg, Gotha, Magdeburg, Berlin, Frankfurt an der Oder, Stettin, Danzig, nach Königsberg in Preussen geführt hat, überall den ausgezeichnetesten Beyfall gefunden. Sie waren willens ihre Reise nach Russland fortzusetzen; bleiben aber nun in Königsberg, wo Hr. Prof. Schütz den ehrenvollen Anträgen der Actionnäre des schnen Schauspielhauses sich gefügt, und die Direction des dasigen Residenztheaters übernommen hat. Seine lange Bekanntschaft mit den vornehmsten deutschen Theatern, seine vielseitigen dramaturgischen Kenntnisse, und seine eignen Talente in der theatralischen Darstellung, verbunden mit den längst bewunderten Talenten seiner Gattin, lassen mit Grunde erwarten, dass die zweyte Haupt- und Residenzstade der preußischen Monarchie ein Theater erhalten werde, wie es der glückliche Verein so vieler vortrefflichen Männer in höhern Staatsämtern, einer mit ausgezeichneten Gelehrten besetzten Universität, eines weisen und aufgeklärten Magistrats, einer höchstansehnlichen und cultivirten Kaufmannschaft in seiner Mitte zu haben verdient, und welches auch nur in sehr wenig Städten mit solcher Kraft unterstützt, und mit so viel Geschmack genossen werden kann, als in Königsberg in Preußen.“

 

Umfangreich berichtet ein Almanach über die Tätigkeit des Ehepaars:

„Im May und Juny gab Mad. Schütz, vormalige Hendel, folgende Gastrollen: am 30 May die Donna Isabella in der Braut von Messina, am 4 Juni Maria Stuart, am 6 Mad. Fresen d. j. im Fremden, am 8 [S. 301:] Cephise in Scherz und Ernst, Rosa in den zwei Worten, und Margarethe in den Hagestolzen, am 22 die Untersteuereinnehmerin Staar in den Kleinstädtern, am 27 Phädra, am 29 Gräfin Orsina, in Emilia Galotti; 1 July Merope. Hr. Schütz spielte als Gast am 8 den Cleant in Scherz und Ernst, und den Hofrath in den Hagestolzen, am 22 den Bürgermeister Staar in den Kleinstädtern, am 27 den Theramen in Phädra, und am 29 den Marinelli in Emilia Galotti.

Noch vor der Ankunft von Hr. und Mad. Schütz hatte die Comité den Herrn Actionärs des neuen Schauspielhauses, mit dem Hr. Schauspiel=Director Huray in Danzig, wegen Übernahme der Direction und Miethe des Theaters, Unterhandlungen angeknüpft, welche sie jetzt aber abbrach und Hrn. Schütz Anträge deshalb machte, der auch wirklich am 5 July die Direction antrat, worauf die seither bestandene Administration sogleich auseinander ging. In einer Ankündigung vom 15 July machte Hr. Director Schütz dem Publikum bekannt, daß er die Leitung des Theaters übernommen habe, jedoch bis zur Vollendung seiner neuen Organisa= [S. 302:] tion desselben, die Gesellschaft für ihre Rechnung fortspielen lassen werde. Mad. Schütz gab indessen noch folgende Gastrollen: am 5ten July Aline, am 7 Rosette im Jurist und Bauer und Rosa in den zwei Worten, am 18 die Baronin Ummer in der Beichte, am 4 August, zur allerhöchsten Geburtstagsfeyer Seiner Maj. des Königs, Merope, worin Hr. Director Schütz den Polyphont spielte, und ein ganz neues, nach Angabe von Mad. Schütz verfertigtes, antikes Costüm auf die Bühne gebracht wurde, und am 7 Octavia. Am 12 und 14 August gab Mad. Schütz ihre pantomimischen Darstellungen. Hr. Director Schütz übertrug Hrn. Fleischer die Regie des Schauspiels und Hrn, Weiß die Regie der Oper; engagirte Hr. Spangler vom Stettiner Theater als Tanzmeister, und Hr. von Bogdansty aus Königsberg als Fechtmeister für das Theater; zugleich auch noch mehrere neue noch nicht eingetroffene Mitglieder für das Schauspiel und die Oper, wogegen die Herrn Strödel, Mosewius und Lanz entlassen wurden. Über die neue Theaterorganisation wird vom Hr. Director Schütz eine eigene Schrift in Druck erscheinen, und die [S. 303:] Bühne unter seiner Direction im September mit der hier noch nie gegebenen Darstellung der Jungfrau von Orleans eröffnet werden.“

 

 

Umfangreich berichtet der Korrespondent nach Berlin

Sp. 806 f.: „Die Gastrollen der berühmten Mad. Schütz schafften der Bühne im Sommer noch einige leidliche Einnahmen. Als Sängerin zeigte sich Mad. Schütz in Aline (v. Beron) und in zwey Worte (wenn man anders diese stumme Rolle zu den Singrollen rechnen will.) Im Melodrama Medea v. G. Benda (vielleicht ihre beste Rolle9 entfaltete sie ihr Kunst als Schauspielerin. – Das Theater wäre nun sicher aufgelöset worden, zumal, da die fürchterliche Feuersbrunst am 14 Juny, welche einen bedeutenden Theil der Stadt Königsberg, mit ihm die ansehnlichsten Waarenmagazine verheerte, die Nahrungslosigkeit und das Elend der [Sp. 807:] Einwohner vermehrte und bedeutende Familien um ihr Vermögen brachte. Allein Hr. Dr. Schütz, der Gatte der genannten Künstlerin, welcher auch als Schauspieler aufgetreten war, zeigte an, dass er die Direction des Theaters von  Michael [1811-09-15] an übernehmen werdde, und dass ihn dazu theils die gute Aufnahme des Publicums, theils die vortreffliche Einrichtung des Theater-Gebäudes, das an Schönheit und Zweckmässigkeit seines gleichen suche, bewogen habe u. s. w. Bis Michael spielten die  Schauspieler für ihre eigne Rechnung unter der Regie des Hrn. Fleischer und Weiss. Mad. Schütz gab zwey pantomimische Darstellungen und ein Declamatorium. Um Michael eröffnete Hr. Direct. Schütz das Theater. Mehrere gute Mitglieder wurden entlassen, oder nicht engagirt, (Hr. und Mad. Lanz, Hr. Emter, Hr. trödel, ein beliebter Veteran in komischen Rollen, dessen Fach hr. Direct. Schütz übernahm, Hr. und Mad. Mosevius, die Krone unserer Oper, welche eine Reise nach Berlin machten.) Das erste bedeutende Stück war Schillers Jungfrau von Orleans. (Es wurde mit Pracht und Anstand gegeben; Mad. Schütz spielte die Johanna. Hr. D. Sch. hatte, um dem Publicum zu zeigen, dass nicht Gewinnsucht ihn leite, die Preise der Plätze nicht erhöht, in der Erwartung, durch ein öfters volles Haus die Kosten zu gewinnen: allein die Hoffnung täuschte, und schon bey der 2ten und 3ten Darstellung des Stücks war es bedeutend leer. Hr. Direct. Schütz, der den König übernommen hatte, sah sich genöthigt, vor der 2ten Aufführung eine Rede zu halten: ‚Er habe in Erfahrung gebracht, dass eine ungerechte Kritik ihn angreifen wolle. Er masse sich nicht an, ein grosser Schauspieler zu seyn, habe aber die Rolle des Königs übernehmen müssen, weil vor der Hand noch kein Anderer für die Rolle hier sey Er werde in Zukunft nur im komischen Fache spielen, zu welchem er sich Anlage zutraue. Man habe auch seine Gattin getadelt, dass sie, wenn Geräusche entstehe, inne halte, dies geschahe aber nur aus Achtung gegen das Publicum, damit es nichts verlöre. Er habe die Direction übernommen, weil er in seiner Gattin eine der grössten Künstlerinnen besitze, nicht aus Gewinnsucht, denn das Schickal seiner Vorgänger habe erwiesen, [Sp. 807:] dass die Entreprise dieses Theaters nicht gewinn bringend sey, und er könne die Direction auch gleich niederlegen‘ u. s. w. – Obwohl Hr. D. Sch. sehr gute Stücke auswählte, und Mad. Schütz sehr fleissig spielte, (sie trat im musik. Fache noch in dem Melodrama Ariadne v. G. Benda und in Salomo’s Urtheil als Sena auf) so  war doch der Besuch des Theaters so gering, dass die beste Einnahme an Wochentagen, wie man sagt, in 10 Thalern über die Kosten bestand. Selbst die Heruntersetzung der Preise für die Logen und gesperrten Sitze half nicht. Am 13ten Octobr. [1811-10-13] wurde zur Erstenmale gegeben: Deodata, (das Gespenst) v. Hrn. v. Kotzebue, mit Musik von B. A. Weber. Hr. Dir. Schütz zeigte an, ‚dass der bedeutende Kostenaufwand zu diesem Stück ihn nöthige, für die erste Vorstellung die Preise zu erhöhen. Gern hätte er dies unterlassen, allein die kosten für die Jungfrau wären noch nicht einmal zur Hälfte gedeckt, und diejenigen Stücke, welche Herz und Verstand beschäftigen, und in welchen es vorzüglich auf Schauspielkunst ankomme, würden nicht in dem Maasse unterstützt, dass dadurch der Aufwand für die beliebten Spectakelstücke, welche sich durch sichh selbst selten bezahlt machten, mitgewonnen werden könne.‘ Deodata, welche Berlin bezaubert hatte, gefiel hier nicht, welches wohl an der Darstellung lag. Die Ballets, ein wichtiger Theil des Ganzen, fehlten; die Chöre, woraus fast nur die Musik besteht: nun – die Chöre gingen, wie gewöhnlich! Die obligate Harfe war durch ein verstimmtes Pianoforte ersetzt, und der Feuerregen am Ende fiel aus Mangel eines Theatermeisters schlecht aus. im 3ten act ging gar ein Gebäude übers Theater, welches von der einrichtung der Maschinerie keinen vortheilhaften Begriff giebt. Bey den folgenden Vorstellungen ging manches besser; der 3te Act musste aber in der Mitte getheilt werden. Hr. Schütz wurde nun in der hiesigen Zeitung befragt, warum er das Publicum auf eine solche seltsame Weise zum Besuch des Theaters ermuntre, und nicht lieber das Personale (vorzügl. für die Oper,) verbessere: denn je mehr uns die unübertrefflichen Darstellungen seiner Gattin entzückte, je auffallender zeigten sie den Abstand derselben gegen das übrige [Sp. 809:] Personale u. s. w. (Dieser Vorwurf scheint Ref, in zwiefacher Hinsicht ungerecht. Denn 1) war es bekannt, dass hr. Schütz mehrer Mitglieder erwarte: Hrn. und Mad. Becker, Hr. und Mad. Anschütz u. a. 2) verdiente das ganze Personale diese Verachtung nicht, es hat allerdings mehrere recht brave Mitglieder, und dass das Ganze sich verschlechtert hatte, lag daran, dass kein Kopf an der Spitze stand. Der Schauspieler J. Lange sagt in seiner Selbstbiographie (Wien 1808.9 sehr wahr: ‚Wol fand ich (im nördlichen Deutschland) Schaubühnen, auf denen ich manchen vorzüglichen Schauspieler sah, aber selten mehr als einen, und die Leitung  des Ganzen nirgends gut, wo sie nicht von einem, und einem guten Kopfe geführt wurde.‘) Hr. Schütz vertheidigte sich dagegen in einem etwas höhnischen Tone, fragte: ob der Tadler ein Taschenspielerstückchen kenne, Schauspieler in einem Nu einige 100 Meilen weit ‚herzublasen;‘ ob man Jemand zwingen könne, nach Königsb. in Pr. zu kommen; (diesen Ausdruck fand man sehr beleidigend;) ob man ihm ‚ein berühmteres Mitglied der Bühne, als seine Frau, in oder ausserhalb Deutschlands, nennen könne? (dies fand man wieder sehr anmassend,) u. s. w. Er wiederholte seine, in der angeführten Rede, gemachten Aeusserungen: dass, wenn es ihm nicht gelänge, das Theater zu verbessern, er die Direction niederlegen werde, indem er vortheilhafte bürgerliche Verhältnisse aufgeopfert habe, u. s. w. Hr. Schütz, der in mehreren komischen Rollen nicht sonderlich gefallen hatte, trat nun am 21sten Octobr. [1811-10-21] als Bürgermeister in des Esels schatten auf. Man pfiff bey seynem Erscheinen, einige angesehene Männer aber stellten die Ruhe wieder her. Die Sache wäre damit vielleicht abgemacht gewesen: allein mehrere behaupten, Hr. Schütz habe beym Schlusse des Stücks Zusätze gemacht, von zur Ruhe gebrachten Eseln gesprochen, und aufs Parterre gedeutet. Dem sey, wie ihm wolle: am 25sten [1811-10-25] war die Schachmaschine angekündigt; Hr. Sch. wollte den Grafen Balken spielen. Die Wachen waren verdoppelt, das Haus sehr voll. Der erste Act ging ruhig vorüber; als aber im 2ten Graf Balken erschien, fand ein ärgerlicher Auftritt statt. Es wurde gepfiffen und zwar von der Majorität des Parterre. Es war ein [S. 811:] entsetzlicher Lärm; man schlug sich u. s. w. Hr. Sch. sah sich genöthigt, abzugehen. Hr. Fleischer kam vor, und fragte, was man verlange. ‚Abbitte!‘ schrie Alles. Der Lärm dauerte bis 8 Uhr. hr. Sch. erschien endlich und erklärte: ‚er lege die Direction nieder.‘ Nun ertönte ein sehr lautes Bravo! und das Publicum musste nach Hause gehen. Man sagt, Hr. Sch. habe auch an öffentlichen Orten sichh über die bildung des hiesigen Publicums, vorzüglich des Handelsstandes, sehr nachtheilig geäussert, und dadurch die Katastrophe veranlasst. Jetzt wird die ganze Sache vor der Polizey verhandelt, indem mehrere bedeutende Männer noch immer auf öffentl. Abbitte bestehen sollen. So hat des Esels Schatten einen neuen, seltsamen Prozess erzeugt. In eine, hiesigen Blatte wurde gefragt, wo denn Krähwinkel liege? und Hr. Schütz  im Namen des ‚gebildeten Publicums gebeten, die Direction zu behalten. Dass er das nicht thun werde, war wol voraus zu sehen. mad. Schütz ist krank. – Wer hier recht oder unrecht hat? Non nostrum est, tantas componere lites.

Es liegt nicht an uns, solche Streitigkeiten beizulegen. – Publius Vergilius Maro: Bucolica, ecl.3; Palaemon, 105 ff. – Klamer Schmidt (Hrsg.): Klopstock und seine Freunde. Briefwechsel der Familie Klopstock unter sich und zwischen dieser Familie, Gleim, Schmidt, Fanny, Meta und anderen Freunden. Aus Gleims brieflichem Nachlasse, Bd. 2. Halberstadt 1810; S. 298, Nr. CXLIII, Gleim an Klopstock 1796-03-14.

Aber Ref. glaubt: Iliacos intra muros peccatur et extra.

Es wird innerhalb und außerhalb der Mauern von Ilium (Troja) gesündigt. – Quintus Flaccus Horaz: Episteln I, 2.

Sie werden über diesen Vorfall Darstellungen in allen Blättern lesen. Einige werden Hrn. Schütz, andre da Publicum verdammen. Ich habe mich begnügt, Ihnen die Facta unentstellt mitzutheilen, ohne für oder gegen Jemand Parthey zu nehmen – ein Verfahren, das ich immer beobachtet habe. Für den Augenblick ist vielleicht eine solche Darstellung weniger interessant, als die mit vollen Backen ausgeblasenen Lobsprüche oder ärgerliche Pasquille in gewissen andern Blättern; dafür behält aber die ruhige Erzählung noch einen Werth, wenn jene Aufsätze durch den Erfolg längst in iht Nichts zurückgekehrt sind. – Was nun aus unsrer Bühne werden soll, das wissen die Götter. Vor  der Hand spielen die Mitglieder unter der Regie der Hrn. Fleischer und Weiss. Hr. Schütz, der im Novembr. nach Russland abgehen will, zahlt bis zu seinem Abgange die Gage. Er soll bey der Entreprise des Theaters, die etwa 5 Wochen währte, 3000 Thlr. eingebüsst haben. – Unsrer Bühne wird wenigstens keine andre den Vorzug streitig machen können, in wenigen Jahren die meisten Revolutionen [Sp. 811:] erlebt zu haben, und wenn es wahr ist, dass ein hiesiger gelehrter die Aufschrift an unserm alten Comödienhause (Aman alterna Camoenae)

„Es lieben die Musen den Wechsel“, Vergil: Eklogen III, 59 (Palaemon; „Amant alterna Camenae.“); Camena (Plural Camenae) eine den griechischen Nymphen vergleichbare römische Quellgottheit. – Vgl.: Immanuel Johann Gerhard Scheller [1735-1803] / Georg Heinrich Lünemann: Lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handlexicon vornehmlich für Schulen. Erster oder lateinisch-deutscher Theil, Bd. 1, Leipzig: Caspar Fritsch 1807, S. 193, Sp. 1: „Camena (Cämoena)“, die Muse, Gedicht oder Lied, nach Livius und Horatius.

einmal übersetzte: Die Musen lieben die Abwechselung: so hat aus ihm wahrlich ein prophetischer Geist gesprochen. (Einäscherung des alten Hauses. Darstellungen in einem kleinen Saale. Wiederaufbau des Hauses. Theilung der Gesellschaft zwischen Danzig und Königsberg. Banquerot des Hrn. Steinberg. Theateradministraion. bau des neuen Hauses. Einäscherung desselben. Spiel im alten Hause. Direction des Hrn Schwarz. Wiederaufbau des neuen Hauses. Zwistigkeiten des Hrn. Schwarz mit der Comité. Entreprise des Hrn. Heckert. Versöhnung mit Hrn. Schwarz. Abgang desselben. Direct. des Hrn. Steinberg. Tod und Banquerot desselben. Theater-Administration. Vereinigte Gesellschaft. Direction des Hrn. Schütz. Dessen Abgang. Vereinigte Gesellschaft. Alles in einem Zeitraum von etwa 14 Jahren!)

Am 24sten Octobr. debütirte Hr. Nordau (v. Breslauer Theater) als Eduard in Fanchon. Seine Stimme ist ein guter Bariton, dem freylich noch Bildung fehlt. Vor hohen Tenorrollen sollte er sich hüten; sein Falset ist mit den Brusttönen nicht gehörig ausgeglichen. Seine Figur empfiehlt ihn; er fand mässigen Beyfall. Der von Hrn. Schütz engagirte Ballettmeister, Herr Spangler

Wahrscheinlich das Schauspieler-Ehepaar Johann Samuel Spangler und der Sängerin Karoline Spangler geb. Feige.

aus Stettin, trat auch in einigen Rollen als Schauspieler auf. Am 27sten gab man das Hausgesinde, Singspiel mit Musik von Fischer. Es fand durch das brave Spiel des Hrn. Weiss, als Lorenz, Beyfall.

Von Concerten kann ich Ihnen auch nicht viel Bedeutendes melden. Hr. Musik-Director Riel feyerte den Todtag der unvergesslichen Königin durch eine Cantate, von Hrn. v. Arnim gedichtet, und von Hrn. G. Abr. Schneider componirt, die in der Schlosskirche aufgeführt wurde. Weder Text, noch Composition, noch Ausfüh- [Sp. 812:] rung erhielten Beyfall. – Ein 11jähriger Knabe, Wolfram,

Joseph Wolfram, geb. Mährisch-Neustadt 11.01.1798, gest. ? – Gustav Schilling (Hrsg.): Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicons der Tonkunst. Supplement-Band. Stuttgart: Franz Heinrich Köhler 1842, S. 441-443. – Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 58, Wien 1889, S. 25 ff.

aus Wien, gab zwey Concerte, in denen er die Flöte blies, aber nicht ausgezeichnet. Der talentvolle Concertm., Hr. Möser, erfreute uns bey seiner durchreise von St. Petersburg nach Berlin durch zwey Concerte, in welchen wir sein treffliches Spiel auf der  Violin bewunderten. Im 2ten dieser Concerte declamirte Mad. Schütz zwey Legenden von Göthe und A. W. Schlegel. Am 4. October führte Hr. Mus. Dir. Riel mit seinem Singinstitute die Chöre aus der Athalia von J. A. P. Schulz aus, kam aber kaum auf die Kosten. Am 19ten gab der Stud., Hr. Rohleder, ein Concert vor einem sehr kleinen Auditorium, und zeigte sich wieder als braven Klavierspieler. -Ein stehendes Winterconcert haben wir Armen wieder nicht zu hoffen. Der Mangel eines solchen in einer grossen Stadt ist immer ein sicherer Maasstab für den schlechten Zustand der Kunst daselbst. Der Verf. eines Aufsatzes über die hiesige Musik in No. 72 der berliner politischen Zeitung (!)

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Sicherlich die „Vossische Zeitung“ oder die „Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“; der Jg. 1811 konnte nicht nachgewiesen werden.

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ist andrer Meinung. Nach ihm stet’s hier um die Musik sehr gut. Er gesteht aber selbst, nicht gründlich zu Werke zu gehen, ‚da es heutigen Tages nicht zum guten Ton gehöre, ein Ding bis auf den Grund zu erschöpfen‘ (!) Was thut man auch mit der Gründlichkeit! Bücklinge und Protectionsgesuche – das ist die Hauptsache, und siehe da, wer die macht, der macht alles – alles gut.

Der talentvolle 9jährige Samuel Klaage, dessen ich im 23sten St. dieser Zeit. als eines aufkeimenden, seltenen, musikalischen Talents erwähnte, ist durch ein Nervenfieber der Kunst, und seiner, auf ihn ihre Hoffnungen gründenden Familie entrissen worden. Solche zarte Blüten entfalten sich im Norden schwerlich. – “

 

Ein Korrespondent aus Königsberg publizierte seinen folgenden Text in mehreren überregionalen Zeitungen:

„Theater=Sturm.

Der Schauspiel=Direktor Schüz beantwortete eine Anfrage in der Königsberger Zeitung, warum er bloß auf Spektakel=Stücke Kosten verwende, und dagegen eine Vermehrung seiner Bühne vernachläßige, mit den Worten: ihn könne, bei der entschiedenen Unabhängigkeit seiner Verhältnisse, nichts in der Wellt hindern, die Direktion auf der Stelle wieder niederzulegen, so bald ihm seine gute Absicht, hier eine Bühne zu begründen, die, ihres schönen Lokals würdig, sich durch solche Darstellungen, wie die Jungfrau von Orleans, Merope, Oktavia, Jeannette, Medea, Ariadne & gewesen sind, mit allem Recht zu einer der ersten rechnen kann, verleidet werden sollte! – Dieß geschah. Am 21. Okt. [1811-10-21] ward Schüz, als Bürgermeister in des Esels=Schatten, gleich beim Auftreten, wahrscheinlich von der Parthey des anonymen fragers, mit Pfeifen empfangen. Dadurch fühlte sich Schüz veranlaßt, am 23., [1811-10-23] vor dem Anfangen des Schauspiels, hervor zu treten, und ernstlich zu erklären, daß er jede Mißhandlung, von Seiten auch nur einer Parthei im Publikum, für eine Aufforderung ansehen werde, die Direktion niederzulegen. Während seiner Rede ward er häufig durch Gelächter, Pfeiden, Klatschen und Bravorufen unterbrochen. Das Stück begann, und der erste Aufzug ward glücklich zu Ende gespielt, so auch die drei ersten Auftritte des 2ten Aufzuges; als aber Schüz als Graf auftrat, so nahm das Bravorufen, Klatschen und Pfeifen, so sehr überhand, daß man ihn nicht zu Worte kommen ließ, und eine Parthei wollte die andere zum Schweigen bringen. Er trat ab. Nach mehrern Unterhandlungen fiel der Vorhang. am 28. darauf [1811-10-28] machte Schüz dem Publikum schriftlich bekannt, daß er die Direktion niedergelegt habe, und Königsberg zu Ende des Novembers verlassen werde.“

 

 

 

Nachzutragen ist noch, was Hagen 1863 in den Zusammenhang mit der Studentenzeit des Dichters stellt, von dem er zuvor schrieb: „Als die Hendel-Schütz auf dem Theater in Königsberg durch ihre mimischen Darstellungen entzückte, ließ sie [Me: die Mutter Max von Schenkendorfs] eine große Nische herrichten, damit hier Aehnliches versucht würde.“  

 

So verwundert es nicht, dass Jettchen Barcklay auch später noch Schleiertänze aufführte.

 

 

 

 

Literatur:

Allgemeines Theater-Lexikon Bd. 4, 1841, S. 213-215

Heinrichs, A. (Hrsg.): Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1850, 14. Jg., Berlin 1850-01-012, Selbstverlag, S. 60-63

 

 

Marienburg / Malborg – Ein Beispiel von der Zerstörungssucht in Preußen.

 

Ein Beispiel von der Zerstörungssucht in Preußen.

 

Der Freimüthige, / oder / Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. / (Mit Kupfern und Musikblättern. /Herausgegeben / von / A. v. Kotzebue. / [Jg. 1] Berlin, / in Sanders Buchhandlung / 1803.[Heft:] August.Hundert ein und zwanzigstes bis hundert acht und dreißigstes Stück.)(Freitags) Nr. 136 (den 26sten August.) 1803.[Seite 541 bis 542, d. i. Seite 1-2 des Stückes][In der Rubrik:](I. Charakteristik von Städten und Ländern.)

Siehe mit dem Textnachdruck

Hartmut Riemenschneider: Joseph von Eichendorff und die Denkmalpflege – Zwischen Marienburg und Kölner Dom. Eine Skizze. – In: Eichendorffs Inkognito. Hrsg. v. Konrad Ehlich. Wiesbaden: Harrassowitz 1997 (ISBN 3-447-03996-5. ISSN 0179-6356.) S. 29-62. = Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund. Hrsg. v. Johannes Hoffmann Bd. 22. 

 

Auszug aus einem unvollendetem Aufsatz:

[Anm.] = Anmerkung, hier nicht nummmeriert, aber unten in der Reihenfolge vorhanden.

 

„dixi et salvavi animam“ [Anm.] –

Neue Beiträge zu Max von Schenkendorfs (1783 – 1817)

Leben, Denken, Dichten

 

Ein trauriger Anblick

Auch eine Falschmeldung oder eine fehlgedeutete Information kann Dinge in Bewegung set-zen, die lange ruhten. Die Zeit muss dazu reif sein. So geschah es im Jahr 1803, als ein Zeitungsartikel erschien, der mit „F. v. Sch.“ unterzeichnet war.

Wohl seit der Angabe in den Preußischen Provinzial-Blättern des Jahres 1856 findet sich der Fehler, das „F“ als Friedrich zu lesen, obwohl nur Ferdinand zu lesen ist. [Anm.] Hagen zu verdanken ist auch die falsche Angabe für den Druckort „1803. Jahrgang 2. Nr. 32 vom 26. August. Beilage 3“ der Zeitschrift, denn es ist Hagens Beilage 3 gemeint.

Bereits in der von Johann Christoph Gottsched herausgegeben Zeitschrift „Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften und freyen Künste“ [Anm.] gibt Friedrich August Krubsacius [Anm.] ohne Namensnennung seine Beobachtungen aus dem Jahre 1745 wieder. Es ist „der traurige Anblick, eines wüsten und zu Grunde gehenden alten Schlosses“, den er für „eine bedaurenswürdige Sache“ hält.

Abb. 1: Beilage zu: „Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften“, 1749. Vorlage. J. D. Bahre zeichnete dies 1747.

Abb. 2: Kupfer nach Friedrich Frick in: „Gothaischer Hof Kalender zum Nutzen und Vergnügen auf das Jahr 1804.“ Gotha: Carl Wilhelm Ettinger (1803).Vgl. die Ankündigungen in Intelligenzblatt der Zeitung für die elegante Welt, Nr. 48 v. Sa 1803-10-29, S. 3, Sp. 1: „einige das berühmte preußische Schloß Marienburg betreffende Abbildun-gen“. – Neues Allgemeines Intelligenzblatt für Literatur und Kunst, Nr. 22 v. Sa 1803-11-05, Sp. 342: „nach Fricks großen Kupfern“.

Abb. 3: Kgl. Preuß. Ober-Bau-Departement (David Gilly Hrsg.): „Sammlung nützlicher Aufsätze und Nachrichten, die Baukunst betreffend. Für angehende Baumeister und Freunde der Architektur.“ Mit Kupfern. Jg. 1797. Bd. 2, Berlin: Johann Friedrich Hagen 1797, Titelvignette.

Zu diesem Kupfer der „Sammlung nützlicher Aufsätze“ meint der Rezensent [Anm.] der beiden Bände:

„Vielleicht ließen sich aber die Titelvignetten durch Darstellung geschmackvol-ler und nachahmungswürdiger Gegenstände der griechischen Architektur lehrreicher und nützlicher machen. Denn unser in seiner Verfeinerung fortschreitende Ge-schmack kann sich unmöglich an den Plumpheiten und grotesken Anlagen der Ar-chitektur unserer Urältern ergötzen. Und der geringe Gebrauch, der sich von diesen letztern in der romantischen Bauart machen läßt, ist unbedeutend; es möchte auch überhaupt gerathener seyn, dem Misbrauche derselben wieder entgegen zu arbeiten. – “ [Anm.]

1778 bereiste Johann Bernouilli das Land [Anm.] und spricht nach Wraxall, [Anm.] der die „neues-ten und besten Nachrichten, die man davon gedruckt findet“, geliefert hat, davon, dass das Schloss „zwar einige Veränderungen theils durch die Zeit, theils durch königliche Verordnung erlitten“ habe, jedoch „stehe der Hauptteil […] noch, wie er erbauet worden, und gebe eine deutliche Vorstellung von der Baukunst der damaligen Zeiten“. Bernouilli, der auch die Werke von Christoph Hartknoch [Anm.] und Abraham Hartwich [Anm.] erwähnt, schreibt über die “oberste Kapelle [… im] zierlichen Styl der gothischen Baukunst“ und die „nicht übel gearbeitete hölzerne Statüe der heil Jungfrau“ und bemerkt, dass Wraxall die „unterirdischen Werke“ nicht habe „sehen können, weil man jetzt nicht mehr ohne große Gefahr hinunter kommt.“

Wraxalls Beschreibung von „dem stolzen Sitze der deutschen Ordensritter“ [Anm.] war sicherlich auch Ludwig Franz Adolf Joseph von Baczko bekannt. Dieser veröffentlichte 1798 eine Probe kleiner Reisebeschreibungen [Anm.] zur Zeit der dort arbeitenden Martin Friedrich Rabe [Anm.] und Friedrich Frick und stellt lapidar fest:

„In seiner alten ehrwürdigen äussern Gestalt hat das ehemalige Residenz Schloß der Hochmeister, ebenfalls ein großes Werk der Baukunst, der Zeit, nicht aber der Hand der Ökonomen getrotzt.“

Ein Jahr später, 1799, geht Christian Gottlieb [Anm.] „im Durchfluge“ [Anm.] nach Marienburg (Zamek w Malborku) und bemerkt nur beiläufig:

„Außer dem alten kreuzritterlichen Schlosse, und einigen andern gut gebauten Bürgerhäusern, machen die übrigen Gebäude der Baukunde eben keine sonderliche Ehre, […].“

Ebenso macht es Nikolai Michailowitsch Karamsin, wenn er wie nebenbei bemerkt:

„Diese Stadt ist nur deswegen merkwürdig, weil vor Zeiten die Großmeister des deutschen Ordens auf dem hiesigen Schlosse residirten.“ [Anm.]

Am 6. Juli 1801 wurde mit der Anweisung der Gelder für die Zimmerarbeiten „das endgiltige To-desurteil über die herrlichen Gewölbe ausgesprochen“, „der Vandalismus der preußischen Fi-nanz=Köpfe“ [Anm.] schlug zu. Aus einem Bericht der Kammer vom 1802-09-06 ist zu erfahren, dass ein Flügel des Schlosses fertig umgebaut und die beiden anderen nun mit Fußböden belegt werden können. [Anm.]

Diese bisher in der Öffentlichkeit gezeigte Gleichgültigkeit gegen den Umbau [Anm.] schwindet jedoch langsam unter verklärten romantischen und nationalen Blickwinkeln, und Ludwig Franz Adolf Joseph von Baczko [Anm.] schreibt nun:

„Noch stehn – ein seltener Fall in Europa! – Gebäude, die vor einem halben Jahr-tausend errichtet wurden, die einen überraschenden Eindruck von Größe, Pracht und Schönheit geben, die von entfernten Sitten zeugen, und worin sich ein eigener Cha-rakter ausspricht. [… S. 402: …] Die ehmaligen Eroberer und Gebieter des itzigen Königreichs führten es auf; […]. […] und noch itzt erstaunt man über den Umfang derselben [Werke], über die dazu aufgewandten Kräfte, über die Sorgfalt neben der Verschwendung, über den Ton der Einfachheit, der stillen Größe, [Anm.] der kühnen Erhabenheit, neben den üppigen Zierarten, und den lieblichen Formen der feinsten Zartheit. – [… S. 408: …] Die untern Etagen und die mehrfachen Kellerreihen über einander in der Erde, sind itzt nicht mehr zu besuchen. Aber was noch steht, erregt Bewunderung, wegen der hohen Granitsäulen, der kühnen Wölbungen, der ge-schmackvollen und lieblichen Zieraten.“

Sicherlich auf diesen Artikel reagiert der Steuerrat (Gotthilf) August Kuhn im April 1803 in der-selben Zeitschrift, wenn er unter der Überschrift „Erinnerungen bei den Ruinen zu Marienburg.“ deutlich macht:

„und für Leser, […] ist es vielleicht nicht ohne Unterhaltung, das Große wieder in Erinnerung zu bringen, was einst der Deutsche an der Ostsee that.“ [Anm.]

Ein weiteres Beispiel für diesen Sinneswandel zeigt der Aufenthalt des königlichen Paars, Fried-rich Wilhelm III. und Königin Louise, das auf der Reise nach Memel war, um den Zaren kennen zu lernen, [Anm.] und zuvor vom 1802-06-03 bis 1802-06-04 in Schlobitten [Anm.] , „in diesem Feen-Ort.“ [Anm.] , der derzeit virtuell wiederentsteht, geweilt hatte. [Anm.] Auch der Freimaurer [Anm.] Karl Ludwig Alexander Dohna-Schlodien, der anlässlich dieses Besuchs 1803-06-03 für seine 294 Personen die Untertänigkeit aufhob, [Anm.] war bei seinem Vetter Friedrich Alexander anwesend, und dieser legte den Hoheiten die Zeichnungen Friedrich Fricks [Anm.] vor. Der König war davon so beeindruckt, daß eine Zeitung [Anm.] vermerken konnte:

„Hr. Kupferstecher Frick zu Berlin hat von dem Könige von Preußen, nach Ueberreichung des letzten Theils seiner Abbildungen des Marienburger Ordens-schlosses, ein sehr gnädiges Kabinetsschreiben erhalten, das ausser einem Geschenk von 60 Friedrichsd’or noch die Versicherung enthielt“ seine Pension zu erhöhen.

Ein anderes Blatt berichtet ausführlicher: [Anm.]

„Von Berlin befand sich der Kupferstecher Frick auf der Messe mit seinem herr-lichen Werke in 19 Aquatinta=Blättern. Sie enthalten die Ruinen des Ordenspallas-tes des Hochmeisters zu Marienburg, und liefern in diesen Ueberresten versunkener Größe die lehrreichsten Belege zur Geschichte der neugothischen Baukunst in einer neuen, von dem Künstler selbst dazu erfundenen, Aquatinta=Behandlung. Wer 6 Jahre seines frischesten Lebens nur einem einzigen Unternehmen widmen, viele Platten ganz verwerfen, und sich selbst nie genug thun kan, [sic] wie es offenbar der Fall mit dem Schöpfer dieser Blätter ist, die niemand ohne hohen Genuß [S. 1378:] anschauen kan, der verdient Aufmunterung, die ihm von seinem König zu Theil ward, auch von dem ganzen deutschen Publikum zu erhalten, das er durch ein sol-ches Werk von dem Vorwurf zu retten sucht, daß es nur noch Portraits, Land-schaftspinseleien und Kalenderküpferchen sehen und kaufen wolle.“

Kurz: es

„ist ein ächtes preussisches Nationalwerk, und zugleich in seiner Ausführung wahres Kunstwerk. Man kan nichts malerischers im Effekt, nichts imposanteres [sic] in den Massen und Lichtern sehen, als die Kapitelsäle, Gewölbe, Façaden und Cor-ridore dieser in jenem fernen Norden einzigen Ruine. Sie sind für die Geschichte der aus dem gothischen in die ältern italienischen Bauschulen übergebenden Baukunst wichtiger, als die meisten englischen Ruinen der Art, und werden in den Sammlun-gen der Kunst= und Bauliebhaber in und ausser Deutschland bald einen vorzügli-chen Rang einnehmen.“, denn er hat „durch eine ihm eigene Kombination mehrerer Aquatinta=Arten, sogar die verschiedenen Steinarten, Granit, Mauersteine, Bakstei-ne, und alle Glieder und Verzierungen auf ein ungemein täuschende und neue Weise hervorzuheben gewußt.“ [Anm.]

In dieser veränderten Situation, in der „diese herrlichen Blüthen des schönsten Geistes, so ver-fallen, gemißhandelt, geschändet dastehen“, [Anm.] denn „Zeit und Brand haben ihr so viel nicht an-haben können, als die Brechstange vermag.“ [Anm.] , da erscheint nun ein kurzer Aufsatz in einer neu gegründeten Zeitschrift [Anm.] , deren Herausgeber August von Kotzebue und Garlieb Helwig Merkel waren. Dieser Artikel erschien mit der Unterzeichnung „F. v. Sch.“ [Anm.] und der Verfasser hatte da-mit der preußischen Denkweise eine neue Richtung gegeben – vom Land der Prussen weg hin zum Ordensstaat – und sich damit seinen Zorn, seine Empörung von der Seele geschrieben.

 

               

Max von Schenkendorfs Text im Berliner „Freimüthigen“.

 

 

In der Öffentlichkeit gab es nur zwei schnelle Reaktionen darauf. Ohne Namensnennung, aber eindeutig zu identifizieren, macht Ernst Hennig [Anm.] eine Bemerkung zum „Mädchen von Marien-burg, die Kaiserin Katharina I.“, die als Magd bei dem Prediger Kluge [Anm.] in Marienburg gedient hatte.

Die andere erschien in der Beilage des „Freimüthigen“. Kriegsrat Rache, der Marienburger In-tendant, [Anm.] ergreift das Wort, um den Ruf seiner Behörde, der staatlichen Domänenverwaltung vor den Vorwürfen in Schutz zu nehmen. Er schließt mit einer vernichtenden persönlichen Beurtei-lung des Autors. Hätte Max von Schenkendorf Kenntnis davon gehabt, so wäre es sicherlich zu einer scharfen Reaktion gekommen. Rache schreibt u. a.: [Anm.] (Text Seite 139.)

Er hat die Ruinen des alten Schlosses nicht gesehen, als welche bis 1773 nur noch sichtbar waren. […] 1774 befahl Friedrich der Große, das so sehr verfallene Schloß zu Marienburg durch Anlegung einer Kaserne für das damals hier garnisonirende Gräflich von Krockowsche Infanterie=Regiment, aus denen Ruinen herzustellen […]. Hat man also damals das Schloß zerstört? Keinesweges. Es wurde wiederum aufgebauet. […] Die Intendantur will bauen, spricht derselbe. Ich erkläre daher, daß ich weder ehemals an dem Kasernenbau, noch jetzt an den Magazinbauten einigen Antheil habe. Die Intendantur steht dabei nicht in Verbindung, hat keine Lieferun-gen an Materialien, oder leistet sonst etwas dabei, […]. Alle diese Scenen sind außer meiner Sphäre, und hätte der Herr F. v. Sch – für nöthig erachtet, über die hiesige Intendantur nur einige nähere Nachrichten einzuziehen, so würde er sich gewiß überzeugt haben […]. […] Zur Nachricht für ihn sey es genug, hiermit noch zu be-merken, daß, in meiner Jugend, ich meinen akademischen Wandel vollendet, daß ich mit Ruhm und Ehre mehr als Einen Posten bekleidet, und daß ich seit acht Jah-ren allhier im Amte stehe. Es kann sich wohl ereignet haben, daß der Herr F. v. Sch – während seines hiesigen Aufenthalts, mit Personen der letztern Klasse, in Be-kanntschaft gerathen, und wenn dieselben die von ihm an sie gethane Anfragen nicht wissentlich haben beantworten können, so war es seine Pflicht, diejenigen Männer, dazu ich und andere gehören, und welche in sich Ehre und Rechtschaffen-heit fühlen, nicht, wie geschehen, so öffentlich anzutasten und zu verunglimpfen. Möchte doch der Herr F. v. Sch – auf seinen Wallfahrten künftighin mit mehrerer Vorsicht und Aufmerksamkeit wandeln!

Eine weitere Reaktion aus dem Januar 1804 stammt wohl aus der Feder eines Marienburger Verwaltungsbeamten, der sich unter der Sigle „T.“ verbirgt, [Anm.] und sie ist „für die Special-Topographie von Preußen sehr merkwürdig“ [Anm.] .

Wilhelm Ludwig Häbler, [Anm.] seit 1802 Prediger in Marienburg, hat sich öffentlich zu diesen Beiträgen nicht geäußert, aber seine Meinung war klar: Die Verwaltung selbst hat zu den Vorwürfen geschwiegen, „weil die Beschuldigungen buchstäblich Wort für Wort begründet waren“. [Anm.]

Sicherlich ebenso unbemerkt von der Öffentlichkeit gab es eine Entrüstung im preußischen Ministerium in Berlin, ausgelöst durch das „F. v. Sch.“ – Staatsminister Freiherr von Schrötter nahm den Text des „Freimüthigen“ am 1. September [Anm.] zur Kenntnis und vermutete den Freiherrn Hein-rich Theodor von Schön als Autor, fand es gar „hinterhältig“, denn er selbst hatte seit 1801 den Um-bau zu Kriegsmagazinen veranlaßt und dem Kriegsrat Dühring [Anm.] aus Marienwerder (Kwidzyn) die Aufsicht darüber übertragen. Von da an wurde [Anm.]

„Alles, was bis dahin Kaserne gewesen war, […], […] in Magazin umgewandelt und zu diesem Behufe sämmtliche Gewölbe, selbst die des Mittelschlosses eingeschla-gen.“

von Schön konnte jedoch die Vorwürfe entkräften, brachte aber den Minister zu einer Sinnes-änderung. [Anm.]

Schließlich befahl König Friedrich Wilhelm III. am 13. August 1804 in einer (heute nicht mehr existierenden) Kabinettsorder, „daß für die Erhaltung des Schlosses zu Marienburg, als eines so vor-züglichen Denkmals alter Baukunst, alle Sorge getragen werden solle.“

Durch diesen „zündenden Aufsatz“ [Anm.] war das Schloß Marienburg vor der Zerstörung be-wahrt. [Anm.]

Wer war der Autor?

Wer aber war nun der unbekannte Unterzeichner? [Anm.] Dieser selbst kam nie wieder auf sei-nen Leserbrief zu sprechen, denn die Zeitläufe verhinderten die schnelle Ausführung der königlichen Anordnung. Er wusste nicht, was er in die Wege geleitet hatte. – Erst 1817, nach den Befreiungskrie-gen, begannen die Restaurierungsarbeiten am Schloß der Hochmeister des Deutschen Ordens. [Anm.] von Schön erhielt damals den Ehrentitel „Burggraf von Marienburg“ von Friedrich Wilhelm IV. verlie-hen.

               

 

„Schloß Marienburg in Preußen.“

[Johann Jakob] Weber’s Volks-Kalender für das Jahr 1856. Leipzig: J. J. Weber (1855), Bd. 7, S. 77-82, hier S. 81. [Anm.]

Nur fünf Jahre nach dem Aufruf klagte man zwar im Dezember 1808:

„Es ist unglaublich, wie viele vortreffliche Kunstwerke noch jetzt, unter unsern Augen, verwüstet werden. Das prächtige Schloß des Deutschen Ordens zu Marien-burg, bekannt durch Frick’s Kupferwerk, ist seiner Herrlichkeit beraubt, und in ein Kornmagazin verwandelt worden; […].“ [Anm.]

Schenkendorfs klagender Appell wird nicht genannt. Jean-Philippe Graffenauer [Anm.] reiste in den Jahren von 1805 bis 1808 beruflich durch Deutschland. 1809 veröffentlichte er seine Erinnerun-gen, die 1811 übersetzt erschienen. [Anm.] Zwar wunderte er sich darüber, „daß dieser Monarch, der ein gründlicher Kenner und großer Beschützer der Kunst war, so wenig Achtung für dieß köstliche Monument der Architectur bewies. […] Kaum vermag man daher jetzt in diesem Schlosse die Spuren seines alten Glanzes wahrzunehmen. Im jetzigen Kriege haben die Franzosen hier ein Mili-tair=Hospital und ein Magazin angelegt.“ [Anm.] Kein Gedanke an eine Restauration der Burg findet sich hier. Ebenfalls 1809 lobt Friedrich Carl Gottlieb Duisburg (1736-1814) das alte Schloß, das „noch in seinen Ruinen ehrwürdig“ [Anm.] ist, ohne den Aufsatz zu erwähnen. – Johann Georg Jakob Schöler [Anm.] und Friedrich Förster [Anm.] nannten 1819 ebensowenig wie Johann Gustav Gottlieb Büsching 1823 [Anm.] Max von Schenkendorfs Namen. Der Rezensent von Schölers und Försters Schrift nennt, „da keine der beiden hier angezeigten Schriften seiner gedenkt“, als Retter der Marienburg den Mi-nister von Schön. [Anm.]

Der Danziger Theodor Friedrich Kniewel [Anm.] wußte 1818 zwar, daß der Schaden durch die „mannigfachen frühern Entstellungen und Entweihungen, der gefährlichste, nie zu ersetzende Scha-de in den Jahren 1802 und 1803 erfolgte“. Und er war sich sicher: „das fühlten alle Bessern und äu-ßerten es zum Theil auch unverhohlen“, aber er nennt Max von Schenkendorf nicht. 1824 fehlt die-ser Name ebenfalls bei Ludwig von Auer. [Anm.]

Der erste, der den Verfasser des Aufsatzes nannte scheint Joseph von Eichendorff gewesen zu sein. Durch seine Kontakte während seines Aufenthalts in Königsberg ist es ihm wohl gelungen, den Namen zu erfahren. [Anm.] Eichendorff stellt nahezu beiläufig fest, dass „dieses rücksichtslose Auswei-den mancherlei Gerede und Kopfschütteln veranlaßt“ hatte; „Erst im Jahre 1803 aber scheint ein scharfrügender, von Max von Schenkendorf verfaßter Aufsatz“ den Verantwortlichen „die Augen geöffnet zu haben.“

Ernst August Hagen [Anm.] verdanken wir die gesicherte Kenntnis des Autors. Er hatte noch Zu-griff auf den Nachlass und ist als Zeitgenosse durchaus glaubwürdig. [Anm.] Nicht in dem Vorwort zur Ausgabe der Gedichte 1862, sondern erst in der dort angekündigten Biographie, erschienen 1863, [Anm.] wird das Geheimnis [Anm.] gelüftet: Einen kurzen Hinweis hatte Hagen im Jahr 1857 in seinem Werk „Die Deutsche Kunst in unserem Jahrhundert“ [Anm.] gegeben

„62. Der Freimüthige berichtete am 26. August 1803 durch den Dichter v. Schen-kendorff über den Vandalismus innerhalb der Mauern des Hauptordenshauses Mari-enburg.“

Damit ist der Verfasser genannt: Es ist Max von Schenkendorf. [Anm.]

Im Jahr 1875 verdeutlicht Theodor von Schön in seinen „Papieren“ dies:

„Max von Schenkendorf lebte damals in der Nähe von Marienburg und er, empört über die Zerstörung, die er sah, schrieb diesen Aufsatz und schickte ihn in die Berliner Monatsschrift.“ [Anm.]

 

 

Anmerkungen:

 

 Schenkendorf an F. K. Köpke, Karlsruhe, Sa 1813-02-13; Archives Nationales, Paris F7-6574 (Doss. 2954); Text in: Baldensperger, F[ernand]: Quelques lettres inédits de Max von Schenkendorf (1813). – In: Revue Germanique 1, Paris 1905, H. 2, S. 171-178; ders.: Quelques lettres inédits de Max von Schenkendorf (1813); ebd. 3, 1907, H. 3, S. 310-312. – Czygan, Paul: Neue Beiträge zu Max von Schenkendorfs Leben, Denken, Dichten. Tl. 1-10: 1-7 in: Euphorion 13, 1906, S. 787-804, 14, 1907, S. 338-339, 577-587; 19, 1912, S. 198-229, 633-644, 756-757, 757-773; Tl. 8-10 in: Altpreußische Monats-schrift 54, 1917, 347-359, 55, 1918, S. 193-199 (= CZYGAN), hier S. 338-349, 577-587; vgl. Anm. 789. – Dixi …: ich habe gesprochen und meine Seele gerettet; vgl. Hesekiel 3, 19.

 H[agen]., A[ugust].: Bruchstücke aus einer Vorlesung über die Wiederherstellung mittelalterli-cher Bauwerke. – In: Preußische Provinzial-Blätter Bd. 10 (56), H. 6, Königsberg 1856, S. 456-461. – S. 458 in Anm. „**) Dieser nannte sich, eher er öffentlich als Dichter auftrat, nicht Max, sondern Fried-rich. Die Buchstaben wurden wohl als: Freiherr v. Schön gedeutet.“

 „Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften und freyen Künste. – Des VII. Bandes 1. Stück.“, Leipzig: Bernhard Christoph Breitkopf 1749-01, S. 68-77: „IV. Nachricht von einem preußi-schen Alterthume, dessen Anblick und Grundriß auf dem Titel dieses Stückes zu sehen ist.“

 Krubsacius geb. Dresden 2.03.1718; gest. ebd. 28.11.1789. – Zimmermann, Reinhard: Künstli-che Ruinen. Studien zu ihrer Bedeutung und Form. Wiesbaden: Reichert 1989, ISBN 3882264357, 9783882264357. = Diss. Marburg 1984; zu Krubsacius S. 216, 390; er wird hier als Autor benannt in Anm. 907. – Heinrich Keller: Nachrichten von allen in Dresden lebenden Künstlern. Gesammelt und hrsgg. Leipzig: Dykische Buchh. 1788; S. 93: unter Schutt begraben in Gottscheds Zeitschrift sind viele Texte von Krubsacius. – Autor ist Michael Christoph Hanow (auch Hanov, Hanovius; geb. Zamborst bei Neustettin (Samborsko), Pommern 12.12.1695, gest. Danzig 22.09.1773) Meteorologe, Historiker, Mag. phil. Prof. der Mathematik und ab 1717 Rektor des Akademischen Gymnasium Danzig. Quelle: Gottlieb Krause: Gottsched und Flottwell, die Begründer der Deutschen Gesellschaft in Königsberg: Festschrift zur Erinnerung an das 150 jährige Bestehen der Königlichen Deutschen Gesellschaft zu Königsberg in Preussen. Duncker & Humblot, 1893; wohl danach in Bernhard Schmid: Führer durch das Schloss Marienburg in Preussen, 2. Aufl., J. Springer, 1928, S. 90. – Siehe auch: Alfred Neumeyer: Die Erweckung der Gotik in der Deutschen Kunst des späten 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Vorge-schichte der Romantik. – In: Wilhelm Waetzoldt (Hrsg.): Repertorium für Kunstwissenschaft. Bd. 49 m. 43 Abb. Berlin u. Leipzig: Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2018, photomech. Nachdr. 1968; ISBN 311144239X, 9783111442396; S. 75-123, S. 85, Anm. 16 wird Krubsatius als Autor genannt. – Tes-dorpf, W[ilhelm].: Die Wiederherstellung der Marienburg. – In: Programm der Königin-Luise-Schule in Königsberg 1895.

 Allgemeine Literatur-Zeitung Nr. 388, v. Mi 1797-12-06, Sp. 601-607, hier Sp. 604-605.

 Vgl. dazu später: „A. B. Cr.“ [evtl. A. B. Cronbach] zum Graudenzer Schloß in dem „Intelligenz-blatt zu den Neuen Feuerbränden.“ Bd. 1, Nr. 24, Leipzig: Heinrich Gräff 1808, Sp. 188: „Als sich vor etwa 8 Jahren der Vandalismus der preußischen Finanz=Köpfe so bemächtigte, daß sie das schönste Denkmaal gothischer Baukunst in Preußen, ich meyne das so berühmte Schloß zu Marienburg, zer-stören wollten, und auch wirklich Magazine daraus gemacht, und ihm ein magazinmäßiges Ansehen gegeben haben, da schworen sie auch den herrlichen Graudenzer Schloß=Ruinen den Untergang.“

 Johann III. Bernouilli, 1744-1807. – Bernouilli, Johann: Reisen durch Bandenburg, Pommern, Preußen, Curland, Rußland und Pohlen, in den Jahren 1777 und 1778. Bd. 3: Reise von Danzig nach Königsberg, und von da nach Petersburg, im Jahr 1778. Leipzig: Caspar Fritsch 1779, S. 177 ff., hier S. 180 f.

 Nathaniel William Wraxall, 1751-1831. “Cursory Remarks Made in a Tour Through Some of the Northern Parts of Europe, Particularly Copenhagen, Stockholm, and Petersburgh. By N. Wraxall, Jun.” London: T. Cadell M.DCC.LXXV [1775]; S. 324 ff.: Letter XV; S. 333 ff.: “Marienbourg, Wednesday, 24th August, 1774.” [1774-08-24]; S. 336 f.: „The king of Prussia has so mutilated and altered this part, by converting it into caserns for his soldiery since he took possession of the town, that all it's original beauty is lost, and the antiquarian searches in vain for the genuine traces of the Teutonic magnifi-cence, amid modern bricks and mortar.” – „Bemerkungen auf einer Reise durch das nördliche Europa besonders zu Copenhagen, Stockholm und Petersburg gesammlet von Nathanael Wraxall. - Aus dem Englischen.“ Frankfurt und Leipzig: 1776 [1775; Verlag: Junius], S. 225-232: “Marienburg, Mittwoch den 24. Aug. 1774.“; , bes. S. 227-230.

 Christoph Hartknoch, 1644-1687. - „Alt- und Neues Preussen Oder Preussischer Historien Zwey Theile In derer erstem von deß Landes vorjähriger Gelegenheit und Nahmen wie auch der Völcker so darinnen vor dem Teutschen Orden gewohnet Uhrankunfft Lebens-Beschaffenheit Sprache Religion [...] und andere Sitten und Gewohnheiten: In dem andern aber von deß Teutschen Ordens Ursprung desselben wie auch der nachfolgenden Herrschafft vornehmsten Thaten und Kriegen Erbauung der Städte der itzigen Innwohner Uhrsprung Religion ... gehandelt wird. Auß vielen alten so wol als neu-en einheimischen als außwertigen Scribenten Privilegien und andern Documenten [...] Mit sonder-bahrem Fleiß zusammen getragen […]“, Frankfurt und Leipzig: Martin Hallervorden; Johann Andreae M DC LXXXIV [1684].

 Abraham Hartwich, 1663-1720. – „Hrn. Abraham Hartwichs, Weyland Pastoris zu Bährenhof, im Marienburgischen Werder, Geographisch-Historische Landes-Beschreibung derer dreyen im Pohl-nischen Preußen liegenden Werdern, als des Dantziger- Elbing- und Marienburgischen: Worinnen nach vorhergehender Geographischen Beschreibung dieser Länder, nach ihrem Nahmen, Situation, Eigenschafft, Gräntzen, Dorfschafften, Flüssen, Wäldern Thieren, Früchten und Gewächsen, mit mehrerm Von der Einwohner Beschaffenheit, Sprache, Sitten, Gebräuchen, Privilegien und Freyhei-ten, Religion und Gottesdienst, Kirchen und Schulen, Regierung und Regiments-Form, Gewerb und Hauswesen gehandelt wird; Mithin Die sonderbahre Kriegs-Zufälle, Brand- und Wasser-Schaden auch Tugend- und Laster-Händel angeführet werden. Alles aus bewährten Scribenten, wie auch aus Kir-chen-Büchern und andern bisher ungedruckten Documentis und der selbsteigeenen Erfahrung ge-treulich aufgesetzet. Nach dem Tode des Autoris aber, aus dessen eigenhändigen Manuscripto her-ausgegeben, und mit einer neuen und accuraten Land-Carte versehen.“ Königsberg: Christoph Gott-fried Eckart 1723, S. 404, passim.

  1. a. O. S. 230; bzw. S. 341: „this proud residence of the Teutonic knights”.

 Ludwig von Baczko: Reisen durch Preussen. -In: Jahrbücher der preußischen Monarchie unter der Regierung Friedrich Wilhelms des Dritten. Jg. 1798, Bd. 2, Berlin: Johann Friedrich Unger 1798, S. 374-388¸ hier S. 376. – Vgl.: Hirt [, Aloys; 1759-1837]: Ueber die verschiedenen Mosaikarten bei den Alten. [Vortrag v. 1801-03-19] – In: Sammlung der deutschen Abhandlungen, welche in der Königli-chen Akademie der Wissenschaften zu Berlin vorgelesen worden in den Jahren 1801 und 1802. Ber-lin: Georg Decker 1803, S. 137 ff.; im 5. Art, S. 147 zum Mosaik: „die Arbeit daran sehr grob“. Siehe auch A[loys]. Hirt: Die Baukunst nach den Grundsätzen der Alten. Berlin: Realschulbuchhandlung 1809, S. XII zu Frick/Gilly: „An einem Paar solcher Prachtwerke ist es genug.“

 Martin Friedrich Rabe (geb. Stendal 17.11.1775, gest. Berlin 17.10.1856), verh. mit Sophia Theodora geb. Frick.

 Christian Gottlieb: „Bemerkungen eines Reisenden über einen Theil von Ost= und Westpreu-ßen. – In Briefen an seinen Freund. – Berlin 1799. Bei Carl Ludwig Hartmann.“ S. 132.

 „Revision der Literatur in den drey letzten Quinquennien des achtzehnten Jahrhunderts in Er-gänzungsblättern Zur [sic] Allgemeinen Literatur-Zeitung dieses Zeitraums.“ 3. Jg., Bd. 1, Jena u. Leipzig: Zeitungseped., 1803, Nr. 58, Sp. 463-464, hier Sp. 464. – Vgl. „Allgemeiner Litterarischer An-zeiger.“ Nr. 135 v. Do 1800-08-28, Sp. 1326-1328

 „Briefe eines reisenden Russen. – von [sic] Karamsin. – Aus dem Russischen von Johann Rich-ter.“ Bd. 1, Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch 1802, S. 83. – Nikolai Michailowitsch Karamsin (geb. 1.12./12.12.1766, gest. 22.05./3.06.1826).

 „Intelligenzblatt zu den Neuen Feuerbränden.“ Bd. 1, Nr. 24 (Anm. 5).

 [Friedrich Wilhelm August] Marschall: Das hohe oder rechte Haus der Marienburg. Mit einer photographischen Abbildung der Marienburg und einem Grundriß derselben nebst Erläuterungen. Marienburg: L. Giesow 1877; S. 71. – Ebd. S. 68 ff. zur Situation um 1800. – Vgl. den Bericht von 1802-06 in Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Berlin, Nr. 103 v. 1819-12-25, S. (4), Sp. 2.

 Vgl. Hirt in Anm. 6.

 „Das alte Schloß des Deutschen Ordens zu Marienburg.“ [Im Inhaltverzeichnis angefügt:] „nach den Prospekten des Hrn. Frick, und der dazu gehörigen Beschreibung)." – In: Neue Berlinische Monatsschrift. Hrsg. v. [Johann Erich] Biester. Bd. 8. Julius bis Dezember 1802. Berlin u. Stettin: Nicolai 1802, H. 12, S. 401-418. – [Besonders S. 401 f., 406, 407-409, 411, 414 ff. zum Aufsatz Max von Schenkendorfs.] Vgl. Anm. 271. – 1804 reagiert „T.“ auf diesen Aufsatz Baczkos. – Siehe: „Allgemeine Geographische Ephemeriden.“ Bd. 11, 3. Stück, 1803-03, S. 512-513 im Abschnitt „112. Journalistik.“: „Im Decemberhefte 1802 der neuen Berliner Monatsschrift von Biester, steht S. 401 u. f. eine interes-sante Beschreibung des alten Schlosses des teutschen Ordens in Marienburg.“ – Vgl. Artur Dobry: 200 Jahre Restaurierung des Schlosses Marienburg. Ein Abriß der Problematik. – In: Zeitschrift f. d. Ge-schichte und Altertumskunde Ermlands. Hrsg. im Namen d. Histor. Vereins f. Ermland Bd. 49, Müns-ter 1999, S. 17-234, hier S. 219 f.

 Vgl. Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) in seiner 1755 bzw. in 2. Aufl. 1756 erschiene-nen Schrift „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauer-kunst“, 1756, S. 28; „eine edle Einfalt, und eine stille Grösse“; dto. S. 24, 28, 80, 126, 149.

 In: „Neue Berlinische Monatschrift.“ Bd. 9, Jan. bis Juni 1803, Berlin u. Stettin: Friedrich Nicolai 1803, H. 4, S. 283-295; hier S. 284; im Inhaltsverzeichnis: „Von Hrn. Kriegsrat Cuhn.“; evtl. Steuerrat (Gotthilf) August Kuhn (geb. Friedland 1752, gest. Jenku bei Danzig 4.08.1816; ehel. Dorothea Scholl). – Vgl. Anm. 271.

 Zum Aufenthalt in Königsberg siehe Zeitung für die elegante Welt Nr. 91 v. Sa 1802-07-31, Sp. 729-732.

 Krollmann, Chr[istian].: König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise in Schlobitten. – In: Oberländische Geschichtsblätter 3, Königsberg 1909, [= H. 9], H. 11, S. 37-49. – Hagen, Ernst August: „Max von Schenkendorf’s Leben, Denken und Dichten. Unter Mittheilungen aus seinem schriftstelle-rischen Nachlaß dargestellt von Dr. A. Hagen, Professor der Universität Königsberg. Berlin 1863, Ver-lag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. Decker)“ (= HAGEN) S. 8. – Lorck, Carl E[mil]. L[udwig]. von: Landschlösser und Gutshäuser in Ost- und Westpreußen (Mit 200 Abb.) Frank-furt a. M.: Weidlich 1965 (= 3. wesentl. erw. Aufl. von: Ostpreußische Herrenhäuser. Bauform und Kulturgehalt. = Deutsche Baukunst im Osten Bd. 3; 4. Aufl. ebd. 1972) S. 42 ff., 133 f. – (Dohna-Schlodien, Clara Burggräfin und Gräfin zu, geb. Gräfin zu Eulenburg-Gallingen:) Chronik des Hauses Dohna-Schlodien. Als Manuskript gedruckt. Berlin: Sittenfeld 1904. Chronik des Hauses Dohna-Schlodien. Als Handschrift gedruckt. Görlitz: Starke 1905, Tl. II, S. 19. – Hermanowski, Georg: Ost-preußen-Lexikon für alle, die Ostpreußen lieben mit 308 Illustrationen von Heinz Georg Podehl. (Mannheim:) Kraft (1980) = Deutsche Landschaften im Lexikon Bd. 3, S. 269 f. – Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen. Ein Handbuch der Heimatkunde. 2., neu bearb. Aufl. Mit 147 Abb. nach photogr. Aufn. u. 1 Tafel. Neudruck d. Ausgabe von 1912. Frankfurt a. M.: Weidlich 1978, S. 412.

 [Delbrück, Johann Friedrich Gottlieb:] Schuster, Georg (Hrsg.): Die Jugend des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und des Kaisers und Königs Wilhelm I. Tagebuchblätter ihres Erziehers Friedrich Delbrück (1800-1809). - I. Teil: (1800-1806). II. Teil: (1806-1808). III. Teil: (1808-1809). Berlin: Hofmann & Comp. 1907. = Monumenta Germaniae Paedagogica. begr. v. Karl Kehrbach. Hrsg. v. d. Gesellschaft f. dt. Erziehungs- u. Schulgeschichte. Bd. XXXVI; XXXVII; XL, Bd. 3, S. 242 (Juli 1809). – Vgl. zur Familie Dohna die Allgemeine Literatur-Zeitung Nr. 333 v. Mi 1804-11-21, Sp. 423 f.

 Krollmann, Chr[istian].: König Friedrich Wilhelm III. (Anm. 15) S. 38: 1802 König bei Dohna als Folge: 1803-0-03 Friedrich Alexander von Dohna erklärt seine Untertanen auf den Schlobittischen und Proekelwitzischen Güter für frei. – Siehe Wedeke: Bemerkungen (Anm. 257) Bd. 2, S. 71.

 Chronik des Hauses Dohna-Schlodien (Anm. 15) Tl. 2, S. 19.

 Krollmann, Chr[istian].: König Friedrich Wilhelm III. (Anm. 15) S. 38.

 Siehe [Johann Dominik Fiorillo (178-1821)]: Rezension des Werkes von Friedrich Frick und den Erläuterungen dazu; ein Werk, „das dem Deutschen [sic] Kunstfleiß ausgezeichnete Ehre macht.“ – In: Göttingische gelehrte Anzeigen, Göttingen: Heinrich Dieterich, Bd. 1, 26. Stück v. 1803-02-12, S. 249-257. – Vgl. Karl Hahn: „Meine Reisen durch einen Theil der preußischen Staaten, damalige Galli-zien, Schlesien, Mähren, Böhmen, Sachsen und Mecklenburg. – Für die Jugend.“ Bd. 2, Leipzig 1816, Elberfeld: Heinrich Büschler. – Karl Heinrich August Hahn, geb. Zeitz 16.01.1778, gest. Groß-Wanzleben 10.04.1854, 1805 ff. Erzieher des Prinzen Friedrich Wilhelm Heinrich Casimir Georg Carl Maximilian zu Solms-Braunfels, (geb. Triesdorf 30.12.1801, gest. Mödling 12.12.1868) Bd. 2, S. 18: das Werk, „welches damals dem Schlosse Marienburg Bekanntschaft unter den neuern gab, und sein Andenken auf die Nachwelt bringen wird.“; in seiner „Geschichte der zeichnenden Künste“, Bd. 2, Hannover: Hahn 1817, S. 234-235, Anm. d) nennt er sich als Autor der Rezension und verwendet ne-ben Frick noch Baczko und Wedeke; s. Anm. 24. – „Literarischer und artistischer Anzeiger. – Als Beila-ge zum Freymüthigen oder Ernst und Scherz 1804.“ Nr. III, S. (IX), Sp. 1: „Fricks meisterhafte Abbil-dungen“.

 „Intelligenzblatt der Allgem. Literatur-Zeitung“ (Bd. 2) Nr. 207 v. Mi 1802-11-10, Sp. 1669 f.

 Allgemeine Zeitung Nr. 341 v. Di 1802-12-07, Sp. 1377.

 Allgemeine Zeitung Nr. 312 v. Mo 1802-11-08, S. 1258. – Allgemeine Zeitung Nr. 224 v. Fr 1803-08-12, S. 893, Sp. 2: auf dieser Messe gab es kein ähnlich bedeutendes Werk wie das von Frick im letzten Jahr. – Vgl. Andreas Meinecke: Geschichte der preußischen Denkmalpflege 1815 bis 1860. M. e. Einleitung v. Wolfgang Neugebauer: Denkmalpflege und Kulturstaat. (Berlin:) Akademie (2013), = Acta Borussica, Neue Folge, 2. Reihe: Der preußische Kulturstaat in der politischen und sozialen Wirklichkeit, Bd. 4; S. 25, Anm. 77: „Das Betrachten des gotischen Bauwerks wurde zum religiösen Erlebnis.“

 J[ohann]. D[ominik]. Fiorillo: „Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland und den vereinigten Niederlanden,“ Bd. 2, Hannover: Hahn 1817, S. 251. – Vgl. Anm. 20. – Vgl. z. B.: Die Mu-sealisierung der Nation. Ein kulturpolitisches Gestaltungsmodell des 19. Jahrhunderts. Im Auftrag von Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Hrsg. v. Breuer, Constanze / Holtz, Bär-bel / Kahl, Paul. Berlin u. Boston: Walter de Gruyter (Oldenbourg) 2015. – Teil V: „Nation, Memorial, Architektur“; darin: Werquet, Jan: ‚Zwischen Preußen und Deutschland‘. Die Marienburg und der Kölner Dom als Orte nationaler Identitätsstiftung. (Darin der Abschnitt „Der Wandel der Rezeption des Kölner Doms und der Marienburg um 1800“.) – Eugen Kotte: Die Marienburg in Historiographie und Belletristik des 19. Jahrhunderts. – In: Ulrich Hucker/Eugen Kotte/Christine Vogel (Hrsg.): Die Marienburg. Vom Machtzentrum des Deutschen Ordens zum mitteleuropäischen Erinnerungsort. Paderborn: Schöningh 2013, S. 125-146, hier S. 130; Anm. 506 = „Freimüthige“; in Anm. 509 Max von Schenkendorf als “Friedrich Max“ bezeichnet.

 Wedeke: Bemerkungen (Anm. 257) Bd. 2, S. 144.

 „Intelligenzblatt der Allgem. Literatur-Zeitung“ (Bd. 2) Nr. 224 v. Sa 1802-12-04, Sp. 1801-1803: Kotzebue und Merkel zeigen neben dem Verleger Johann Daniel Sander (Sp. 1803) das Erscheinen des „Freymüthigen“ an.

 „Der Freimüthige, / oder / Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. / (Mit Kup-fern und Musikblättern. /Herausgegeben / von / A. v. Kotzebue. / [Jg. 1] Berlin, / in Sanders Buch-handlung / 1803. [Heft:] August. Hundert ein und zwanzigstes bis hundert acht und dreißigstes Stück.) (Freitags) Nr. 136 (den 26sten August.) 1803.“ – Im Inhaltsverzeichnis „Uebersicht des Inhalts.“ S. (III), Sp. 2, Zeile 19: „Ein Beispiel von der Zerstörungssucht in Preußen. 541.“ – Hefttitel: „Der Freimüthige, / oder / Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. / 1803. Nr. 136. / (Frei-tags) (den 26sten August.)“ Seite 541 bis 542, d. i. Seite 1-2 der Nummer. – In der Rubrik: „(I. Charak-teristik von Städten und Ländern.)“ – Diverse Nach- und Teildrucke sind vorhanden. Genannt seien nur: „Miscellen. Friedrich Max von Schenkendorf als Conservator der Marienburg.“ – In: Archiv für Kirchliche Baukunst und Kirchenschmuck, hrsg. v. Theodor Prüfer, 1. Jg., Berlin: Selbstverlag 1876, S. 56, Sp. 1-2: „dem wir die Inhibirung der unter dem Staats-Minister Freiherrn von Schrötter be-reits begonnenen gänzlichen Zerstörung der Marienburg zu verdanken haben:“ – Schmid, Bernhard: Die Denkmalpflege in Westpreußen 1804-1910. Danzig: A. W. Kafemann 1910 = Abhandlungen zur Landeskunde der Provinz Westpreussen H. 14. Max von Schenkendorf S. 3 ff. mit Auszug aus dem Aufsatz. – Riemenschneider, Hartmut: Joseph von Eichendorff und die Denkmalpflege – Zwischen Marienburg und Kölner Dom. Eine Skizze. – In: Eichendorffs Inkognito. Hrsg. v. Konrad Ehlich. Wies-baden: Harrassowitz 1997, S. 29-62, hier S. 52-54. = Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund. Hrsg. v. Johannes Hoffmann Bd. 22. – Vgl. Anm. 200.

 „Der Freimüthige,“ Nr. 138 v. Di 1803-08-30, S. 552: „Auszug eines Schreibens aus Schmauch in Preußisch=Holland in Ostpreußen.“; „Mein Vater, Kirchen= und Consistorialrath in Königsberg“.

 Hennig nach Prof. Christian Gabriel Fischer (1686-1751); Katharina II. (1729-1796; d. i. Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst). – Richtig sicher: Ernst Gljuck, d. i.: Ernst Glück, geb. Wettin 18.05.1654, gest. Moskau 5.05.1705. Vgl. Allgemeine Literatur-Zeitung, Bd. 1, Jan.-März, Nr. 56 v. Mi 1795-02-25, Sp. 447-448: „IV. Catharina I. Kaiserin von Rußland von schwedischer Herkunft übersetzt aus Shering Rosenhane’s Swea Rikes Konunga Längd (Stockholm 1789. gr. 4.)“, s. ebd. S. 138 f. Dies in der Rezension von: Thomas Heinrich Gadebusch: Materialien zur Geschichte und Statistik der Nordi-schen Staaten, besonders Schwedens. 1., 2. Stück, Berlin: Lange 1791-1792.

 In dem Subskribentenverzeichnis zu: J[ohann]. G[ottlieb]. Tielke: „Der Feldzug Sr. Durchl. des Herzogs von Würtemberg und Generalleutnants von Platen in Pommern, im Jahre 1761. – Nebst Fortsetzung der Untersuchung der Feldbefestigungs=Kunst nach ihren Grundsätzen und der Erfah-rung, mit Plans [sic]“, Freyberg: Barthel 1784 = „Beyträge zur Kriegs=Kunst und Geschichte der Krieges von 1756. bis 1763. mit Plans und Charten.“ Bd. 5, ist der Regimentsquartiermeister Rache nebst dem Stab des 5 Expl. subskribierenden Marienburger Regiments aufgeführt. – G[eorg]. F[riedrich]. Tem-pelhof (Übers. u. Hrsg.): „Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland zwischen dem Könige von Preußen und der Kaiserin Königin mit ihren Alliirten vom General [Henry Humphry Evans] Lloyd [1729-1783].“ Teil 1., Berlin: Johann Friedrich Unger 1783, S. X: Regimentsquartiermeister Rache beim Inf.-Rgt. v. Krockow.

 „Litterarischer und artistischer Anzeiger. Beilage zu dem Freimüthigen. – Achtzehntes Blatt.“ S. 72. – Dieses 18. Blatt ist Beilage zu Nr. 174 des „Freimüthigen“ v. Di 1803-11-02; nach dessen S. 696 angefügt.

 „Neue Berlinische Monatschrift.“ Bd. 1, „Jänner bis Junius 1804.“, Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai 1804, S. 20-38: „Ueber das alte Schloß in Marienburg.“ Da im Text das Jahr 1772 genannt ist, scheiden sicherlich als Verfasser aus: August Ferdinand Triest, kgl. preuß. Reg.-Rat und kurmärk. Baudirektor zu Berlin, 1768-1831. – Ernst Alexander von Tettau (1776-1831), 1798 ff. Rat bei der Re-gierung in Marienwerder; evtl. auch Johann Wilhelm von Tevenar.– „Allgemeine Geographische Ephemeriden.“ Bd. 13, 2. Stück, 1804-02, S. 270: „- N. Berlinische Monatsschrift Januar 1804. S. 20 bis 38. Ueber das alte Schloß in Marienburg. Nachträge und Berichtigungen zu dem Aufsatz im Decem-ber-Hefte der N. Berl. Mon. Schr. 1802. (A. G. E. XI. B. S. 512) für die Special-Topographie von Preußen sehr merkwürdig. (Von den schönen Frikschen [sic] Prospekten dieses Schlosses findet man einige verkleinerte Copien mit einer kurzen Beschreibung in dem disjährigen [sic] Gothaischen Hofkalen-der).“ – Neudruck mit Anm.: Riemenschneider, Hartmut: Joseph von Eichendorff und die Denkmal-pflege (Anm. 27)

 „Allgemeine Geographische Ephemeriden.“ Bd. 13, 2. Stück, 1804-02, S. 270.

 Wilhelm Ludwig Häbler, 1794 Lehrer an der Marienburger Gelehrtenschule, seit 1802 2. ev. Prediger in ebd., geb. Königsberg 7.12.1768, gest. ebd. 29.12.1841; seine Tochter ehel. Bürgermeister Hüllmann ebd. – Siehe Anm. 35.

 Marschall: Das hohe oder rechte Haus der Marienburg (Anm. 10), S. 75 wird Nr. 136 des Frei-müthigen genannt ohne Hinweis auf den Verfasser. Schrötter verlangte eine Untersuchung; „Ob Bohlius [Johann Christian Bohlius, 1743-1810] und Dühring [1763-1807] diese Untersuchung wirklich noch angestellt, oder, da sie selbst am besten wußten, daß Alles, was in jenem Artikel ausgespro-chen, Wort für Wort auf Wahrheit beruhte, also dem Befehle des Ministers in Bezug auf eine öffentli-che Rechtfertigung nicht nachkommen konnten, diese von vornherein aufgegeben haben, geht aus den Akten nicht hervor. Häbler sagt hierüber kurz und bündig: ‚Diese kritische Nachricht ist in den Akten nicht vorhanden aus dem sehr einfachen Grunde, weil die Beschuldigungen buchstäblich Wort für Wort begründet waren; denn […].“

 Schmid, Bernhard: Oberpräsident von Schön und die Marienburg. Halle/Saale: Niemeyer 1940 = Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft. Geisteswissenschaftliche Klasse. 15./16. Jahr. H. 4 (1939/40), S. 166-272, S. 59-60 bzw. 223-224. Titel: „Minister Freiherr von Schroetter an Geh. Kabi-nettsrat NN., 1803, September 1.“

 Carl Ferdinand Dühring (1763-1806).

 Vgl. Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg. Marienburg: A. Bretschneider 1868, S. 206 f.; S. 207: „Die einstigen Hochmeisterwohnungen wurden zum Proviantamt eingerich-tet.“ – Karl Hahn: Meine Reisen (Anm. 20) Bd. 2, S. 17: „So verwandeln die Zeit und der Mensch das Herrliche, Schöne und Große; jene als Verkünderinn [sic] der Vergänglichkeit, dieser im ängstlichen Aufsuchen des Nutzens – wie der Maulwurf das Beet mit den schönsten Hiazynthen nach einem Re-genwurme durchwühlt.“

 Vgl. Raumer, Kurt v.: Schrötter und Schön. [Vortrag von 1940-11.] – In: Altpreußische For-schungen 18, 1941, H. 1, S. 117-155. S. 131, Anm. 42 zu Gillys Einfluss.

 Kaufmann, [Paul:] Der Dichter Max von Schenkendorf und die Rheinlande. – In: Kölnische Volkszeitung Nr. 656 v. 1929-09-18, S. 7.

 Vgl. z. B. Dobry, Artur: 200 Jahre Restaurierung des Schlosses Marienburg (Anm. 11).

 Marschall: Das hohe oder rechte Haus der Marienburg (Anm. 10) S. 75 nennt den Autor nicht. Vgl. Anm. 56.

 Karl Hahn: Meine Reisen (Anm. 20) Bd. 2, S. 25 ff. bestätigt noch die Zerstörungen; ebd. S. 35, 37.

 Ebd. S. 79, Sp. 2: zum Aufsatz Max von Schenkendorfs: „leider zu früh“ verstorben, „ein Sohn Preußens“.

 „Göttingische gelehrte Anzeigen unter der Aufsicht der königl. Gesellschaft der Wissenschaf-ten.“ 194. Stück v. 1808-12-03, S. 1930 in einer Rezension von Rudolph Zacharias Becker (Hrsg.): Holz-schnitte alter deutscher Meister in den Original-Platten gesammelt v. Hans Albrecht von Derschau, als ein Beytrag zur Kunstgeschichte hrsg. und mit einer Abhandlung über die Holzschneidekunst und deren Schicksale begleitet. Mit einem französischen Text zur Seite. 1. u. 2. Lieferung; Bd. 1-2, 363 Holzschnitte auf 123 Tafeln. Gotha: Becker 1808. = Gravures en bois des anciens maîtres allemands. – Siehe dazu [Karl August] Böttiger in: Zeitung für die elegante Welt Nr. 21 v. Mo 1809-01-30, Sp. 165-166, der Schenkendorf ebenfalls nicht nennt.

 Jean-Philippe Graffenauer (geb. Straßburg 27.06.1775, gest. ebd. 29.03. 1838) Militärarzt der Grande Armée von 1805 bis 1808, was ihm u. a. Gelegenheit zur Erforschung der damals noch wenig bekannten Natur der Ostseeküste gab. – In seinem 15. Brief aus Königsberg, 1807-07; S. 151 ff. bzw. in der franz. Ausgabe S. 162 ff.

 Lettres écrites en Allemagne, en Prusse et en Pologne, dans les années 1805, 6, 7 et 8; conte-nant: des recherches statistiques, historiques, littéraires, physiques et médicales; Avec des détails sur les monumens publics […]. Paris: Amand König und Straßburg 1809. – Deutsch: Meine Berufsreisen durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenaur, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. - Aus dem Französischen übersetzt. Chemnitz: Carl Maucke 1811..

 GRAFFENAUER: Reise S. 156, in der franz. Ausgabe S. 167.

 [Duisburg, Friedrich Carl Gottlieb:] Gemälde von Danzig, nebst Bemerkungen auf einer Reise von Danzig nach Königsberg.-Eine nothwendige Beilage zu der Skizze von Danzig. Berlin und Leipzig 1809, S. 176.

 Schöler, Johann Georg Jakob (1793-1865): Das Schloß Marienburg, ein Brief an den Herrn Hof-rath [Friedrich] Jacobs [1764-1847] in Gotha. Berlin: G[eorg]. [Ernst] Reimer 1819.

 „Das Schloß Marienburg in Westpreussen. Eine geschichtliche Darstellung.“ Berlin: Christiani 1819.

 Johann Gustav Gottlieb Büsching: Das Schlos [sic] der deutschen Ritter zu Marienburg. Berlin: Duncker und Humblot 1823.

 Ergänzungsblätter zur Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung Nr. 17, 1820, Sp. 133-135. – Dies als ergänzter Nachdruck im „Kunst=Blatt. [zum Morgenblatt für gebildete Stände] Nr. 2, v. Do 1820-01-06, S. 6 f.

 [Theodor Friedrich] Kniewel (1783-1859): Das Ritterschloß Marienburg in Westpreußen. (Bruchstücke aus der Beschreibung eines Festes, das am 30. April zur Feyer der Wiederherstellung dieses merkwürdigen Gebäudes an Ort und Stelle gegeben ward.) – In: Morgenblatt für gebildete Stände Nr. 189 v. Sa 1818-08-08, S. (753)-754; mit Fortsetzungen bis Nr. 195 v. Sa 1818-08-15, S. 779.

 [Ludwig Kasimir von Auer (1788-1837):] Kriegsgeschichtliche Denkwürdigkeiten des Ordens-Haupthauses und der Stadt Marienburg Westpreußen. Zum Besten des Wiederherstellungsbau’s der hochmeisterlichen Burg. Danzig: Wilhelm Theodor Lohde 1824.

 Joseph Freiherr v. Eichendorff: Die Wiederherstellung des Schlosses der deutschen Ordensrit-ter zu Marienburg. Mit einem Grundriß der alten Marienburg. Berlin: Alexander Duncker in Comm. 1844, S. 80: „ein scharfrügender, von Max von Schenkendorf verfaßter Aufsatz“; mit Nennung der Nr. des Freimüthigen. – Vgl. Riemen, Alfred: Der Deutsche Orden in Eichendorffs Sicht. – In: Beiträge zur Geschichte des Deutschen Ordens Bd. 2 hrsg. v. Udo Arnold. Marburg: Elwert 1993, S. 151-182. = Quellen und Studien zur Geschichte des deutschen Ordens. Bd. 49 = Veröffentlichungen der Interna-tionalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens Bd. 5 hrsg. v. Udo Arnold; und passim.

 Ernst August Hagen geb. Königsberg 12.04.1797, gest. ebd. 15.02.1880.

 Noch 1886 heißt es in dem Aufsatz von I[gnaz]. Jastrow: Die Marienburg. Ein ostdeutsches Denkmal. – In: Nord und Süd. Eine deutsche Monatsschrift hrsg. v. Paul Lindau, Breslau: S. Schottla-ender 1886, Bd. 39, S. 166-182, S. 172 in Anm. *): „Er gilt wenigstens als Verfasser des Artikels“.

 Gedichte 1862, S. XIX: Tagesreisen führten ihn „nach Marienburg“; 1863, S. 13 f.; S. 131: „wir besitzen aus dieser Zeit einen bemerkenswerthen Aufsatz von seiner Feder“.

  1. Hagen (Hrsg.): Neue Preußische Provinzial=Blätter. Bd. 11, Jan.-Juni, Königsberg: Tag & Koch 1851, S. 7: „aber ein Aufsatz Max von Schenkendorfs brachte mitten im Abbruch selbst die Büreaucratie auf den Weg der Reaktion.“ – W[ilhelm]. Lübke: Acht Tage in Preußen. – In: F(riedrich). Eggers (Red.): Deutsches Kunstblatt, Jg. 8, Nr. 18 v. 1856-05-01, S. 151-155; hier S. 152, Sp. 1: „Max von Schenkendorf erhob zuerst seine Stimme zum Schutze der ehrwürdigen Ueberreste“. – Max Ro-senheyn: Die Marienburg, das Haupthaus der deutschen Ordens=Ritter. Für Besucher derselben be-schrieben. Leipzig: J. J. Weber 1858, S. 32: Wiederaufbau durch Max von Schenkendorf „im J. 1806“ angeregt. Vgl. Anm. 42.

 Hagen, [Ernst] A[ugust].: Die Deutsche Kunst in unserem Jahrhundert. – Eine Reihe von Vorle-sungen mit erläuternden Beischriften. Tl. 1. Berlin: Heinrich Schindler 1857, S. 275 „Beischriften.“ hier Nr. 62, 21 Zeilen des Textes folgen.

 Zur Schreibweise des Namens vgl. Mertens, Erich: Die Familien von Schencken-dorff/Schenkendorf. Ein Beitrag zur Geschichte des Dichters Max von Schenkendorf. (Zu dessen 200. Geburtstag am 11. Dezember 1983.) – In: Altpreußische Geschlechterkunde. Blätter des Vereins für Familienforschung in Ost-und Westpreußen. Neue Folge. 31. Jg., 1983, Bd. 14, S. 245-276; ders.: Die Familien von Schenckendorff/Schenkendorf. Ergänzungen und Neues aus der Sammlung König und dem Gerlach-Archiv. Die Stammbücher des Dichters von 1805 bis 1813 und von 1813 bis 1817. –In: ebd. NF 37. Jg., 1989, Bd. 19, S. 273-283. – Anm. 61.

 (Schön, Hermann Theodor von:) Aus den Papieren des Ministers und Burggrafen von Marien-burg Theodor von Schön. Tl. 1-3 (Bd. 1-6) Halle a/S.: Lippert’sche Buchhandlung (Max Niemeyer). Berlin: Franz Duncker. Berlin. Verlag von Leonhard Simion. 1875-1883, Bd. 1 Halle/Saale: Lippert (Max Niemeyer) 1875, S. 53. – Carl Diesch in (Warda, Arthur [ab Bd. 4,2:] und Carl Diesch (Hrsg.):) Briefe an und von Johann George Scheffner. München u. Leipzig: Duncker & Humblot 1916-1938, Bd. 5, S. 227: „Die große Veröffentlichung seines Nachlasses [...] ist höchst anfechtbar und erweist dem Andenken des trotz mancher Schattenseiten sehr verdienstvollen Mannes einen schlechten Dienst.“

 

 

OAMDG

Erster Theatereklat 1809

Max von Schenkendorf und Friederike Bethmann-Unzelmann

 

Ernst August Hagen, der Biograph Max von Schenkendorfs, gibt nur Kenntnis von einem Theatereklat in dessen Leben – vielleicht aus Rücksicht, vielleicht aus Unkenntnis. Er berichtet nur von dem Henriette Hendel-Schütz und deren Gatten betreffenden Streit im Jahr 1811 und erwähnt den Zwist, die Schauspielerin Friederike Bethmann-Unzelmann betreffend, nicht. Letzterer fand im Jahr 1809 in Königsberg statt und trug vielleicht zu der kurznervigen Reaktion der Schauspielerin in Berlin bei, an der nun Max von Schenkendorf nicht beteiligt war, der aber auch im Ausland Aufmerksamkeit erregte.

 

Der erste Theaterstreit im Jahr 1809 ist – wie auch der zweite – durch Friedrich August von Stägemann überliefert. Allem Anschein nach ist es Elsa von Klein, die 1908 erstmals auf diese Quelle zugriff, indem sie den durch Franz Rühl publizierten Nachlass Stägemanns benutzte.

 

Stägemann schreibt am 1809-05-19 an seine Frau aus Königsberg:

„Madame Bethmann hat hier einigen Verdruss, weil ihr Mann nicht gefällt, obgleich er besser spielt, als unsre Rosciusse. Man erzählte gestern (doch habe ich sie selbst darüber nicht gesprochen), dass sie durch ein anonymes Schreiben gewarnt worden sei, nicht in der Fanchon aufzutreten; einige behaupteten, Madame Ritzler habe ihr solche Warnung freundschaftlichst erteilt, andre, der Herr v. Schenkendorf sie dadurch kränken wollen, der sich aus Kunsthochmut oder Albernheit als ihren Gegner aufwirft.“

 

Dies ist der Hinweis, der verklausuliert in den Journalen der Zeit vorkommt. – Das persönliche Verhältnis Stägemanns zu der Schauspielerin, das hier anklingt, wird in einem anderen Text deutlicher. Dies ist dann die Stelle, die den Eklat zeigt, an dem Max von Schenkendorf nicht beteiligt war.

Am 1809-12-22 schreibt Stägemann wieder an seine Gattin:

„Ich bin am 19. des Abends um 5 Uhr hier wohlbehalten und gesund angekommen. […] Man vergißt darüber (Me: Über die Rückkehr des Hofes nach Berlin) den Scandal, den Madame Bethmann im Schauspielhause gegeben hat. Sie hatte bis gestern Haus-Arrest. Noch habe ich sie nicht besucht.

Die Geschichte wirst Du längst wissen, da sie doch auch wohl nach K. geschrieben seyn wird. [....] Bei Madame Bethmann bin ich heut Vormittag noch gewesen und habe ihr den Leviten gelesen. Die Polizei-Wache war noch bei ihr, verliess sie aber während meiner Anwesenheit, worüber ihr kleiner Sohn, der mit dem Polizei-Bedienten grosse Freundschaft geschlossen hatte, die bittersten Thränen vergoss. Es ist wohl nicht zu besorgen, dass sie von hier fortgehen wird, doch ist die Sache allerdings noch nicht regulirt und immer eine verdriessliche Musik.“

 

Zunächst zum Skandal in Königsberg

 Bereits Ende März freute man sich in Königsberg auf das Gastspiel der Berliner Künstler. „Madame Bethmanns Ankunft wird sehnlich erwartet. Schon seit einigen Tagen ist keine Loge mehr zu haben.“ schreibt Stägemann und vermutete, wie die Zeitungen ebenfalls schrieben, dass die Reise über Riga bis nach St. Petersburg gehen sollte.

Anfang Juni berichtet die „Zeitung für die elegante Welt“: „Mit Sehnsucht erwarten wir die Ankunft der Madame Bethmann, die hier einige Gastrollen geben wird, worunter man die Phädra, Orsina, Maria Stuart, Fanchon, Aline, die Unvermählte und den Pagen nannte. Sie ist bereits erschienen, und ich werde nächstens das Nähere hierüber benachrichtigen.“

Am 1809-04-08 reisen die Eheleute Bethmann nach Königsberg; den Mai und Juni verbringen sie dort. Engagiert waren sie ab 1809-04-20 für 15 Gastrollen, u. a. in „Maria Stuart“, für Rollen in Racines „Phädra“ in einer Übersetzung von Friedrich Schiller und als „Isabella“ in der „Braut von Messina“.

Am 22. Juni schreibt das „Morgenblatt für gebildete Stände“: „Madame Bethmann hat in Königsberg schon mehrere Gastrollen gegeben, und einen ungetheilten Beyfall erhalten. Weniger gefällt Hr. Bethmann; darüber schreyen einige Berliner, andre sagen: Es kann nicht anders seyn! Herr B. ist ein braver Schauspieler, aber kein großer Künstler. / Sobald Mad. Bethmann zurückgekehrt ist, wird, der Sage nach, Iffland selbst nach Königsberg reisen.“

Am 16. Juni berichtet die „Zeitung für die elegante Welt“ umfangreich und geht sicherlich – leicht versteckt – auf Max von Schenkendorf ein:

Korrespondenz und Notizen.

Aus Königsberg.

Mad. Bethmann hat den Ciclus ihrer Darstellungen geendet. Es waren Orsina, Josephine, in Armuth und Edelsinn; Phädra; Aline zweimal; Maria Stuart; Nina, Baronin Ammer; Eulalie Meinau; Elise, im Räthsel; Fürstin in Elise Valberg; Minna von Barnhelm; die Unvermählte; Baronin in stille Wasser sind tief; Johanna von Montfauçon; Fanchon wurde, weil Madame Bethmann krank war, von Mad. Ritzler gegeben. Herr Bethmann gab van den Husen, in Armuth und Edelsinn; Hippolyt in Phädra; Birken im Intermezzo; Mortimer; Knecht in Das war ich; Werther, in der beschämten Eifersucht; Baron, in der Beichte; Karl, im Räthsel; Loring in den Unvermählten; Wieburg, in stille Wasser sind tief; Philipp, in Johanna von Montfauçon. Mad. Bethmann trat wie eine fremdartige Erscheinung unter die Menschen, und das Urtheil über sie mußte also sehr verschieden ausfallen. Staunen erregte sie in ihrer ersten Rolle der Orsina; aber dieses Ergreifen eines Gesichtspunktes für eine ganze Rolle, und in diesem großen echt künstlerischen Sinne sie ausführen, alle kleinere Zwischenwirkungen verschmähend, welche so oft der Hobel sind, die den Schauspielern die Namen groß, unerreichlich erwarben, das, darf man sagen, war zu neu, zu unerlebt, als daß die Zuschauer mit sich einig werden konnten. Ihre gleich darauf folgende Rolle Josephine, in Armuth und Edelsinn, brachte sie schon der allgemeinen Faßlichkeit näher, aber ihrer Darstellung der Phädra war es bestimmt, die Zuschauer auf den Standpunkt zu führen, auf welchem sie stehen mußten, um eine Künstlerin, wie Mad. Bethmann, beurtheilen zu können. Das, dann freilich nicht entscheidende, Urtheil eines Einzelnen über diese Phädra klang zu sonderbar, als daß es nicht angeführt werden sollte, sey es auch nur als Beitrag zur Geschichte des Sonderbaren. Dieser Herr nämlich meinte: Mad. Bethmann habe die Phädra nichts minder als richtig gegeben. Sie habe auch nicht die leiseste Annäherung an die französischen Tragiker, deren Bühne diese Phädra entnommen sey, gezeigt, habe die Rolle zu deutsch gegeben und also ihren Charakter verfehlt, welches bei ihres Gatten Hippolyt nicht der Fall gewesen sey. Da gegen aber sagte der Kritiker des Theaters in der Morgenzeitung: – – ,denn schwerlich möchte je eine französische Künstlerin auch nur die leiseste Ahnung von diesen Eindringen in das Innere, von diesem Hinabsteigen in die heiligste Tiefe des Herzens, von diesem allgewaltigen mächtigen Eingreifen des Einen und Allen gehabt haben, als Mad. Bethmann.‘ Und dieses letzte Urtheil wird jeder unter schreiben, welcher französische Theater und Mad. Bethmann sah. Das ‚sie habe die Rolle zu deutsch gegeben‘ möchte also mit andern Worten wohl sagen: Mad. Bethmann, gab die Phädra menschlich, da jene eine Art von Parade mit ihr treiben. Aline gehörte unter das Vollendetste, was je von einer Künstlerin geleistet wurde, der zweite Aufzug besonders, war eine schöpferische Darstellung, und durch die Phädra nun auf die echt künstlerische Darstellungsweise der Mad. Bethmann vorbereitet und empfänglich gemacht, ward selbst die Masse der Zuschauer zur Begeisterung erhoben. Mad. Bethmann ward vorgerufen, und sprach folgende Worte: ,Ihr Beifall allein war im Stande, die Furcht zu überwinden, die ich hatte vor einem so gebildeten Publikum aufzutreten.‘ Maria Stuart, ihr erstes Benefize, erhielt das Publikum in der erhabenen Stimmung, trotz dem daß durch Weglassen verschiedener Stellen hie und da eine Lücke in dem Gedichte selbst, fühlbar wurde. Wenn auch im Ausdrucke zu hart, so doch in der Hauptsache richtig ist die Bemerkung des Kritikers in der Morgenzeitung über diese willkührlichen Auslassungen: das heißt Rollen spielen, aber nicht Stücke geben. Eben so möchte es zu tadeln seyn, daß die beiden Berliner Künstler mit den Jamben zu frei umgehen, und sie durch entweder ausgelassene, oder eingeschaltete Silben zur Prose umwandeln, ein Verfahren, welches wohl auf keine Weise gebilligt werden kann. In Nina effektuirte Mad. Bethmann nicht in dem Grade mehr wie einst Mad. Unzelmann, aber sollte die Schuld nicht mehr an den Zuschauern, als an ihr liegen? Ich meine doch –für diese stillern sanften Empfindungen möchten wir durch das Getriebe der Zeit abgestumpft worden seyn. In der Baronin Anmer, in Kotzebue‘s Beichte, wirkte Mad. Bethmann am wenigsten. Mad. Kühne –noch immer ist sie im warmen Andenken derer, die einst ihr Talent entzückte –hatte die Rolle zuerst gespielt, und wenn Raisonnement über Darstellungen gilt, darum den Preis über Mad. Bethmann errungen, daß sie die Empfindlichkeit über die Vergehung ihres Gemahls, als ein Abgemachtes betrachtete mit sich einig war, und nun nur die feine, aber sicher treffende weibliche Rache prädominiren ließ, da sich in das Spiel der Mad. Bethmann noch zuviel gekränkte Weiblichkeit mischte. Eulalie Meinau ward hier nie, und vielleicht nirgends in der Vollendung gegeben, als von Mad. Bethmann, und so gut Meinau auch besetzt war, so konnte ich den Wunsch doch nicht unterdrücken, das Mad. Bethmann entweder vor neun Jahren hier gewesen wäre, oder daß Hr. Porsch aus Riga, welcher damals den Meinau als Gast gab, jetzt mit ihr zusammen getroffen hätte. Es wär‘ ein einziger Genuß gewesen. Elise, im Räthsel, ward von ihr mit der liebenswürdigsten Laune gegeben. Die Fürstin, in Elise Valberg, bewährte jenen Ausspruch des französischen Dramaturgen, daß der Schauspieler, welcher fürstliche Personen darstellen will, auf den Armen der Königinnen gewiegt seyn muß. Eine würdigere Repräsentantin hat diese Fürstin noch nie gefunden; besonders waren es die Auftritte zwischen ihr und Elisen, ihr und dem Fürsten, welche jedes Gemüth zur innigsten Theilnahme erhoben. Auch war das ganze Personale des Stückes heute in einer so schönen Zusammenstimmung, daß dieser Abend unter die genußreichsten gehört, welche uns je wurden. Vorzügliche Anerkennung verdienten Hr. Schwarz als Amtshauptmann, und Dem. Sehring als Elise. Die Unvermählte, welche früher von Mad. Schwarz sehr brav dargestellt war, gewann durch Mad. Bethmann neue, glänzende, ergreifende Seiten, welche Mad. Schwarz sich anzueignen nicht vergessen wird. Johanna von Montfauçon, das zweite Benefize des Künstlerpaares, gewährte uns wieder das Vergnügen, eine anerkannt große, und eine minder bekannte brave Künstlerin in der Hauptrolle vergleichen zu können. Hr. Bethmann bewirkte die erwartete Sensation nicht. Seine Körperhaltung, seine Armbewegungen, welche, wie der Kritiker in der Morgenzeitung bemerkt, andern jungen Künstlern als Muster zur Nachahmung aufgestellt werden könnten, entschädigten nicht genug für das an ihm vermißte biegsame Organ, für eine Art Manier in der Deklamation, welche unangenehmen Eindruck hervorbrachte. L – i.“

Der Korrespondent „M. † Z.“ der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ berichtet (rückblickend) umfangreich über das kulturelle Leben in Königsberg. Im Juli schreibt er:

„Mad. Bethmann aus Berlin hat hier einige Vorstellungen gegeben: die ersten bey übervollem, die letzten bey mässig besetztem Hause. Unser Publikum hat bald genug. Dass sie, ohne Sängerinn zu seyn, kleine Singrollen mit unbeschreiblicher Zartheit vorträgt, und darin mancher Bravoursängerin den Rang abläuft, ist ja bekannt.“ 

und später, im September, heißt es:

„Mad . Bethmann gab uns von Singrollen Nina , Aline und Fanchon, die beyden letzten zweymal. Einige erkannten ihr in Aline, ich ihr aber in Fanchon den Preis zu. Durch Mad. B. wurde es mir erst klar , wie die kleine niedliche Fanchon das werden konnte, was sie geworden ist: das Schooskind des Berliner Publikums.“

Anfang August las man bereits in der „Zeitung für die elegante Welt“:

„Aus Königsberg. Mad. Bethmann und ihr Gatte gaben außer den schon genannten Gastdarstellungen noch Hamlet und Ophelia; Baronin und Karl in der Lästerschule und Wiederholungen des Räthsels, die Fanchon und Phädra. Mad. Bethmann entfernte sich mit Achtung und Liebe von dem hiesigen Publikum, dem ihr Andenken unvergeßlich bleiben wird.

Hr. Schwarz, welcher in Folge seiner Zwistigkeiten mit der Comitee des neuen Theaterbaues die Direktion des Theaters niederlegen wollte, hat sich zur Freude des Publikums wieder an die Spitze des Theaters gestellt. Das Publikum hatte bei der Darstellung der Fanchon, Zettel aufs Theater geworfen, welche den Wunsch ausdrückten, daß Hr. Schwarz hier bleiben und dem Theater ferner vorstehen möge. Mad. Bethmann, als Fanchon hervorgerufen, erfüllte die Bitte mehrerer Stimmen aus Parterre und Logen, daß sie diesen Zettel ablesen möge, und einstimmig ertönte laut: bleiben Sie bei uns. Die Comitee endlich fand sich mit Hrn. Heckert, welcher bis jetzt ein kleines wanderndes Völkchen Thaliens und Melpomenens in den winzigen Städten herumkutschirt hatte, und von der Comitee zum Direktor unsers Theaters bestimmt war, ab, zahlte ihm eine Entschädigung unter ergriff von neuem den Pilgerstab.“

 

Dieselbe Zeitung meldet am 18. Juli rückblickend: „Herr und Mad. Bethmann sind von ihrer Reise nach Königsberg zurückgekommen, und am 3ten dieses in der Phädra zum ersten Male wieder aufgetreten.“

Das „Morgenblatt“ hatte bereits am 15. Juli gemeldet: „Berlin, 1 Juli. Hr. und Mad. Bethmann sind von ihrer Reise nach Königsberg, wo sie eine Reihe von Gastrollen gaben, zurückgekehrt.“

Wiederum ist es die „Zeitung für die elegante Welt“, die aus Berlin unter dem 1809-07-04 meldet:

„Herr und Mad. Bethmann sind von ihrer Reise nach Königsberg zurückgekommen, und am3ten dieses in der Phädra zum ersten Male wieder aufgetreten, Mad. Bethmann entwickelte als Phädra die ihr so ganz zu Gebote stehende hohe tragische Kunst, und riß alles zur Bewunderung hin. Hr. Bethmann als Hippolyt erwarb sich durch sein wahres richtiges Spiel lauten Beifall. Eben so durchdacht gab Herr Mattausch den Theseus, und Mad. Schrök die Aricia.“

Mehr ist über dieses Ereignis bisher nicht bekannt.

 

Der Skandal in Berlin

Nun zu dem, was Stägemann am 1809-12-22 an seine Gattin geschrieben hatte. Da das Ereignis sich so spät im Jahr ereignete, erfolgte die Berichterstattung zumeist im Jahr 1810.

 

Die „Zeitung für die elegante Welt“ verzichtet im Januar 1810 auf eine eigene Berichterstattung und verweist auf eine andere Quelle:

„In den neuesten Blättern des Morgenblattes ist eine weitläuftige Correspondenznachricht über den Vorfall, den die Mad. Bethmann durch ihr Betragen auf der hiesigen Bühne, veranlaßt hat. In diesem Streit haben alle Parteien Unrecht, sowohl die Antagonisten als die Freunde der Mad. Bethmann und ihrer Tochter der Dem. Unzelmann, am meisten aber wohl Mad. Bethmann selbst.“

Das „Morgenblatt für gebildete Stände“ hatte in seiner Nr. 310 vom Donnerstag, dem 1809-12-28 geschrieben.

„Korrespodenz=Nachrichten.

Berlin.

„ – Sie werden sich erinnern, daß man seit einiger Zeit in öffentlichen Blättern viel von der Partheilichkeit redete, in welche das hiesige Schauspielbesuchende Publikum versunken zu seyn scheint, daß die Protekteurs einer oder der andern jungen Schauspielerinn mit den Beschützern einer andern zuweilen in offner Fehde sich befinden, daß man vor einiger Zeit die Demois. Herbst, welche uns Gastrollen gab, verdientermaßen lobte, während die Anhänger der Demois. Schick sie sehr mittelmäßig fanden, und sich Anspielungen auf ihren Namen erlaubte, welche der letztern schmeicheln mußten, indem sie die erstere kränkten. Demois. Schick war – im Gegensatze des Herbstes – der Frühling. In der lebhaften Ueberzeugung, daß Demois. Schick nichts gethan hat, sich eine solche Parthey zu schaffen, erwähne ich dieses Umstandes (aus dem sich scheinbar das Folgende entwickelte) nur, um sie der Katastrophe näher zu führen. Jene kleinen Ereignisse waren vorübergegangen, ohne irgend ein merkwürdiges Resultat erzeugt, ohne die äußersten Gränzen des Schicklichen überschritten zu haben; was ihnen aber folgte, war Anstandverletzend, und führte zu Auftritten, die in ihrer Natur keine Spur von Erfreulichem offenbaren, und von denen der feingebildete Weltmann nur mit Trauer sich abwenden kann. Zur Sache.

Demois. Minna Unzelmann hat seit ihrer Erscheinung auf unsrer Bühne nie ein großes Talent für Gesang oder Darstellungskunst beurkundet; ihr Spiel ließ kalt, ihr Gesang befriedigte nicht; dennoch erhielt sie manche bedeutende Rolle. das alles wäre unter andern Umständen jedoch ohen folgen geblieben, hätten nicht die Freunde der ausgezeichneten Künstlerinn, Mad. Bethmann, ihrer Mutter, durch öftere Beyfallsbezeugungen die Direktion glauben machen wollen, das Publikum sey mit der Tochter der verehrten Mutter ganz zufrieden, und wünsche sie stets thätig zu sehen. (Auch hier wird gern zugegeben, daß weder Mad. Bethmann, noch Demois. Unzelmann das Streben ihrer Freunde veranlaßten, aber dieses Streben war unverkennbar). die Direktion nahm wirklich Rücksicht darauf, und Demois. Unzelmann erschien oft in Partieen, für welche – besonders in der Oper – ihre Fähigkeit nicht ausreichte. Wie konnte das aber von den Beschützern anderer weiblicher Mitglieder des Theaters ruhig geduldet werden? Der Direktion Vorstellungen dagegen zu machen wagte man nicht, da man Kenntniß von dem freundschaftlichen Verhältnisse Ifflands zu Herrn und Mad. Bethmann hatte. Man beschloß also, seine Meinung kurz und gut öffentlich auszusprechen. Demois. Unzelmann sang den Pagen in Figaros Hochzeit, und sang ihn nicht gut, aber ihre Beschützer klatschten ihr Beyfall. Das enragirte die Gegner vollends, und die Beyfallsbezeugungen wurden durch Unzufriedenheitsäußerungen überstimmt. Die Folge war der Unmuth der Mad. Bethmann, welche nur den Haß der Widersacher, nicht aber das geringe Talent der Tochter sah. Sie entschloß sich, die Tochter nicht mehr eine Bühne betreten zu lassen, wo man diese nicht mit Achtung behandelte. Vielleicht war dieser Entschluß die Stimme einer Ahnung, vielleicht aber auch die Geburt eines Vorurtheiles. Ist denn ein kleiner theil der Versammlung vor einer Bühne das Publikum? Gehören Zischende und Pochende zum bessern Publikum, worauf der ächte Künstler nur achtet? Mußte Mad. Bethmann nicht sehen, daß man so eigentlich nicht ihre Tochter mißhandeln, sondern nur die Widersacher bekämpfen wollt? Aber Mad. Bethmann reflektirte nicht so.

Ihr Entschluß, die Tochter von der hiesigen Bühne zu entfernen, ward von den Bitten ihrer Gönner und Freunde vernichtet, und Demois. Unzelmann trat am 17 Dec. in der Isell im Sargines (der Lieblingsoper der Berliner), wieder auf.

Einige Tage früher hörte man an allen öffentlichen Orten von dem Plane der Bethmannschen Parthey, daß Demois. Unzelmann bey ihrer ersten Erscheinung applaudirend bewillkommt werden sollte. Ein neuer Hauch in die stillglimmende Flamme der Unzufriedenheit auf der andern Seite.

‚Wenn ihr applaudirt wird, so werden wir zischen und pochen,‘ hieß es; dabey blieb es, und so geschah es.

Das erste Auftreten der Demois. Unzelmann ward durch Beyfallsäußerungen bezeichnet, aber unmittelbar darauf folgte lebhaftes Gezische; doch, das ging ohne bedeutenden Erfolg vorüber; nur die arme junge Schauspielerin wurde sichtbar verlegen. Die Auftritte glitten fort; jetzt sang die Unzelmann eine Arie. So wie diese endete, erscholl Bravoruf und lauter Beyfall, aber gleichzeitig entstand ein anhaltendes Zischen und Pochen, der Kampf der beyden Parteyen. Wer hätte nicht gewünscht, daß der Augenblick, wie seine Brüder, ohne Folgen geblieben wäre; aber leider war es nicht so. Eine merkwürdige Scene reihte sich ihm an.

Mad. Bethmann, welche in der Oper unbeschäftigt, und in eine Gesellschaft gebeten war, hatte einige Augenblicke früher Anwandlungen von einer gewissen Angst gefühlt, den Cirkel verlassen, und sich auf die Bühne begeben. So eben war sie hier angekommen, als sich der lärm im Parterre erhob. Sie weiß, wem das Mißfallen gilt. Sie sieht (nach ihrer Ansich) ihre Tochter mißhandelt; die mütterliche Liebe, ihre Angst, die Reizbarkeit ihrer Nerven, alles stürmt in diesem Augenblick auf sie ein, und führt si zu einem Vergessen aller übrigen Rücksichten. Plötzlich stürzt sie hinter den Coulissen hervor auf die Bühne, sagt mit großer Heftigkeit, daß sie sich zu sehr beleidigt fühle, als daß sie es verschmerzen könne, und daß weder sie noch ihre Tochter jemals diese Bühne wieder betreten würden. So eilt sie zurück. ihre Tochter mit sich fortführend.

In einem Theile der Versicherung hielt sie Wort. Demois. Unzelmann erschien an dem Abende nicht wieder, du Sargines mußte ohne Iselle ausgeführt werden.

Am folgenden Tage erfuhr man, daß der Policey=Präsident Gruner der Mad. B. habe Arrest in der Hausvogtey geben wollen, um dem erzürnten Publikum Genugthuung zu gewähren, daß aber dann, als er ein ärztliches Zeugniß über den krankhaften Zustand, worin sie verfallen war, erhalten hatte, er sie blos zum Hausarreste verurtheilt habe. Am Abende dieses Tages wurde Fridolin gegeben, worin Demois. Maas die Gräfinn – sonst eine Rolle der Mad. Bethmann, darstellte. Man applaudirte ihr lange und lebhaft, um diesen Ersatz zu billigen. Nach dem Schlusse des Stückes forderte man für den folgenden Tag eine Vorstellung von Macbeth. Iffland selbst trat vor, verkündigte, daß Mad. Bethmann im Arreste sey, und folglich vor der Hand nicht activ seyn könne, daß aber die verlangte Vorstellung seyn solle, sobald eine andre Schauspielerinn die Lady Macbeth einstudirt habe.

Dies ist eine treue, leidenschaftlose Darstellung des unangenehmen Vorfalles, an den man sich nur mit Unmuth erinnern kann.

Ich enthalte mich jedes weitern Urtheiles darüber; das gebildete Publikum richte! Einundzwanzig Jahre hindurch hat Mad. B. uns die herrlichsten Kunstgenüsse bereitet. Ach, ein Augenblick hat die Erinnerung an das durch diese Reihe von Jahren uns geschenkte Vergnügen grausam vergiftet.

 – r – “

 

Die „Zeitung für die elegante Welt“ hätte auch auf den Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ verweisen können. Pointierter als im „Morgenblatt“ heißt es hier:

„Am lezten Sonntage waren wir in unserm Nationaltheater Zeugen einer auffallenden Scene. Die junge Schauspielerin, Minna Unzelmann, erhielt vom Publikum wiederholte Beweise des Mißfallens; ihre Mutter, die berühmte Künstlerin, Madame Bethmann, nahm das so übel, daß sie, ohne bei der Vorstellung beschäftigt, und ohne anständig gekleidet zu seyn, leidenschaftlich auf das Theater stürzte, den Gang der Vorstellung unterbrach, der Versammlung versicherte, daß sie und ihre Tochter diese niemals wieder betreten würden, und das junge Mädchen mit sich wegführte, so daß das Stük ohne dasselbe beendigt werden mußte. Madame Bethmann erhielt sogleich Hausarrest. Die Sache wird bei der Anwesenheit des Hofes bald entschieden werden. Das Publikum fühlt sich sehr beleidigt.“

Ebenfalls muß wiederum Stägemann zu Wort kommen der am 2. Januar an seine Gattin schreibt:

„[…] Herr Ifland, der mich heut besuchte, machte mir davon eine lebendige Beschreibung. Nach Beendigung des der Feierlichkeit angepassten Vorspiels hatte der König ihn in die Loge rufen lassen und ihm verbindlich gedankt. Er versicherte mich, so gerührt gewesen zu seyn, dass er nicht ein Wort habe antworten können, sondern wie ein todter Hund weggegangen wäre. Ich tröstete ihn damit, dass dies erstaunt viel gewesen wäre, denn ich wäre (als ein todter Hund) liegen geblieben. Nach Vollendung des Schauspiels hatte das Publikum Herrn Ifland herausgerufen; er hatte dieses benutzt (wahrscheinlich hatte man es auch so verabredet), das Publicum an die Geschichte mit Madame Bethmann zu erinnern, wozu ihm der Titel seines Vorspiels: der Verein, die Hand bot. Kaum hatte er diese Sache aufs Tapet gebracht, wurde laut geklatscht; nach einigen Worten von ihm ward Madame Bethmann gerufen, statt derer Herr Bethmann erschien (weil sie nicht gegenwärtig war), dessen Entschuldigungen sehr beklatscht wurden. Kurz, diese fatale Geschichte ist so gut als beendigt und Madame Bethmann wird morgen wieder als Lady Macbeth auftreten. Sie wollte mir gestern Abend Gesellschaft leisten, da sie gehört hatte, dass ich krank sei, ich verbat es jedoch aus Gewissenhaftigkeit, und weil wir zusammen doch 88 Jahr alt sind.“ 

Die „Allgemeine Zeitung“ trägt dann, drei Tage vor dem „Morgenblatt“, nach: „Die Schauspielerin, Madame Bethmann, hat am 27. d. [Me = 1809-12-27] vor der Vorstellung des Macbeth im Schauspielhause öffentlich wegen ihrer Uebereilung Abbitte geleistet.“ Sie entschuldigte alles mit ihren Muttergefühlen und, so meint das „Morgenblatt“, Iffland dies vorbereitet hatte.

Damit scheint die Berichterstattung über diesen Theatereklat in Deutschland beendet zu sei.

Die ausländischen Korrespondenten in Berlin ließen sich dieses Ereignis jedoch auch nicht entgehen.

Am 1810-01-12 rückt das „Journal de l’Empire“ die Nachricht ein:

« PRUSSE.

Berlin, 24 Décembre.

Dimanche dernier, il s'est passé sur le théâtre national, une scène fort extraordinaire. Le public en masse siffloit mademoiselle Unzelmann, qui débutoit dans le rôle de Minna de Barnhelm. Tout-à-coup, Mad. Bethmann, mère de la jeune personne, s’élança, assez peu vêtue, sur la scène; et après avoir déclaré en termes très-énergiques, que ni elle ni sa fille ne paroîtroient jamais devant un public aussi injuste , elle prit la débutante par la main et l’emmena hors du théâtre. La pièce ne fut pas achevée. Le public se trouva très-offensé. On assure que madame Bethmann a eu les arrêts chez elle. Ainsi, il paroît que les acteurs, avoient interprété trop en leur faveur l’ordonnance de police qui défend de siffler les artistes d’un talent reconnu, ou peut être les parties intéressées n'avoient- -elles pas encore eu l’occasion de reconnoître les talens de mademoiselle Uzelmann. » [sic ; Unzelmann]

 

Jean Gabriel Peltier (1760-1825) gibt im Februar 1810 einen kleinen Einblick ins Geschehene in seiner in London erscheinenden Zeitschrift „L‘Ambigu, ou Variétés littéraires et politiques“ in der Rubrik  

„Anecdotes Étrangeres. […]

Il s’est passé sur le théâtre de Berlin, une scene fort extraordinaire. Le public en masse siffait Mademoiselle Unzelmann, qui débutait dans le rôle de Minna de Earnhelm [sic ; Barnhelm]. Tout-à-coup Mad. Bethmann, mere de la jeune personne, s’élanca, assez peu vêtue, sur la scene; et après avoir déclaré en termes très-énergiques, que ni elle, ni sa fille, ne paraîtraient jamais devant un public aussi injuste, elle prit la débutante par la main et l'emmena hors du théâtre. La piece ne fut pas achevée. Le public se trouva très-offensé. On assure que Madame Bethmann a eu les arrêts chez elle. Ainsi, il paraît que [S. 345 :] les acteurs avaient interprété trop en leur faveur l’ordonnance de police qui défend de siffler les artistes d’un talent reconnu, on peut-être les parties intéressées n’avaient-elles pas encore eu l'occasion de reconnaître les talents de Mademoiselle Unzelmann. »

 

Erst im April des Jahres hat der schwedische Augenzeuge die Gelegenheit zur Publikation seines Erlebens. Das „Journal för Litteraturen och Theatern. Lördagen den 7 April 1810.“ bringt

„Theater=Nyheter.

En af Berlins berömdaste Aktriser, Fru Bethmann har icke långesedan haft erregd med Publiken hwars anledning och förlopp warit följande:

Fru Bethmanns dotter Minna Unzelmann har några år wisat sig på Berlinska Theatern, utan att hwarken åga owanligt bifall eller gifwa rått stora förhoppningar om sig. Litmål spelte hon wißa roller rått artigt. Med fången wille det icke lockas så wål, och hårtill bidrog mycket hennes naturliga timidité. Emedlertid wisade Publiken henne det öfwerseende och till och med den uppmuntran, som åro nodwändiga för rådda nybegynnare, emedan det eliest aldrig skall blifwa någon ting af dem. I slus ter af fórledet år blei Mozarts Figaro på nytt inofwad. Mamse Unzelmann sick Cherubins roll, och di uppkom en kabal. En wiß Herre, som var en stor beundrare af en annan Aktris, tog några af sitt parti till hjelp, och deßa yttrade sict stora mißuöje. Fru Bethmann som kände werkeliga orsaken, låt sin dotter vå en kort tid icke wica sig på Theatern. Den 17 Dec. gafs Sargines. M:rell Unzelsmann hade deruti den unga Bondflickans lilla naiva roll. Hon sjöng ester wanligleren, och ofwannåmda Herrar yttrade sitt mißhag. Nu glómde Fru Bethmann sig. Hon war på Spektalet i stu husliga klädsel, gick fram med häftighet, förde sin dotter dort of theatern, och förklarade högt inför Publiken, att hon kände djupt hwad man tillfogade henne och hennes dotter, och att ingendera skulle nånsinmer wisa sig. Pjesen flutades utan denna rollen. Det war söndag, och då år en alldeles fårskilt Publik på spektaklet; den wißte icke huru den skulle uppföra sig, men så mycket estertrydligare del tog den werksamme Polis=Presidenten deruti. Han befallte genast att låta arrestera båda Aktriserna; blott på twenue låkares attester, hwar af Presidenten sjelf stickade den ena, mildrades befallningen till hus arrest: Efter några dagar åstundade Publiken Macbeth. Iffland steg fram och förklarade att den Aktris som spelade Lady Macbeth hade hus arrest och war dessutom sjuk. Publiken gaf sig tillfreds. Den 25 December uppfördes till strande af det Kongl. Parets antomst, ett litet stycke kalladt Föreningen, som man såger år af Iffland. Efter [S. 328:] deß slut hade Hofwet, som till en del kommit dit ifrån Operan, begiswit sig hort. Hårpå gafs ve båda wånnerna af Beaumarchais. Efter flutade spektakel framkallades Iffland. Han kom Jhland sina tacksågelser blandade han Bethmannska saken, i det ban sade, att wid alla nu warande glada händelser störde endasi denna hans glådje, han önskade att Publiken wille förlåta en Angrande, ett allt för harstigt uttaldt ord. Man swarade med bifall. Nu framtrådde Hr. Bethmann med honom wid handen. Denne bad i sin hustrus namn att man skulle förlåta en hånförande Moders=Kånsla som förglömt sig, och åberopade sig det er åringa nit hans hustru wisat för Berlinska theatern. Man säger att Fru Bethmann hårpå wåndt sig till Drottningen med bön och önskan att åter så spela. Drottningen skall emediertid hafwa förklarat att hon måste försona sig med Publiken. I stället för ett annat annonceradt stycke afficherades d. 27 Dec. Macbeth. Redan klockan 3 infunno sig åstårdare, och trångseln war så stark som wid Skådespels Husets oppnande 1801. Efter en kort Ouverture uppdrogs rideaun. Fru Bethmain framkom swartklådd. Hon blef emottagen med allmäuna handklappningar. Hon talte några ord med mycken rörelse, undskyllade sin glömska emot Publiken med den wåckia Moders=kånflan, od lofwade att fördubbia sina krafter. Nu flutades den afdrutna Ouverturen, representationen började och fru Bethmann höll ord: Hon fördubblade sina frafter.“

 

OAMDG

 

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