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Marienburg / Malborg – Ein Beispiel von der Zerstörungssucht in Preußen.

 

Ein Beispiel von der Zerstörungssucht in Preußen.

 

Der Freimüthige, / oder / Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. / (Mit Kupfern und Musikblättern. /Herausgegeben / von / A. v. Kotzebue. / [Jg. 1] Berlin, / in Sanders Buchhandlung / 1803.[Heft:] August.Hundert ein und zwanzigstes bis hundert acht und dreißigstes Stück.)(Freitags) Nr. 136 (den 26sten August.) 1803.[Seite 541 bis 542, d. i. Seite 1-2 des Stückes][In der Rubrik:](I. Charakteristik von Städten und Ländern.)

 

Auszug aus einem unvollendetem Aufsatz:

[Anm.] = Anmerkung, hier nicht nummmeriert, aber unten in der Reihenfolge vorhanden.

 

„dixi et salvavi animam“ [Anm.] –

Neue Beiträge zu Max von Schenkendorfs (1783 – 1817)

Leben, Denken, Dichten

 

Ein trauriger Anblick

Auch eine Falschmeldung oder eine fehlgedeutete Information kann Dinge in Bewegung set-zen, die lange ruhten. Die Zeit muss dazu reif sein. So geschah es im Jahr 1803, als ein Zeitungsartikel erschien, der mit „F. v. Sch.“ unterzeichnet war.

Wohl seit der Angabe in den Preußischen Provinzial-Blättern des Jahres 1856 findet sich der Fehler, das „F“ als Friedrich zu lesen, obwohl nur Ferdinand zu lesen ist. [Anm.] Hagen zu verdanken ist auch die falsche Angabe für den Druckort „1803. Jahrgang 2. Nr. 32 vom 26. August. Beilage 3“ der Zeitschrift, denn es ist Hagens Beilage 3 gemeint.

Bereits in der von Johann Christoph Gottsched herausgegeben Zeitschrift „Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften und freyen Künste“ [Anm.] gibt Friedrich August Krubsacius [Anm.] ohne Namensnennung seine Beobachtungen aus dem Jahre 1745 wieder. Es ist „der traurige Anblick, eines wüsten und zu Grunde gehenden alten Schlosses“, den er für „eine bedaurenswürdige Sache“ hält.

Abb. 1: Beilage zu: „Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften“, 1749. Vorlage. J. D. Bahre zeichnete dies 1747.

Abb. 2: Kupfer nach Friedrich Frick in: „Gothaischer Hof Kalender zum Nutzen und Vergnügen auf das Jahr 1804.“ Gotha: Carl Wilhelm Ettinger (1803).Vgl. die Ankündigungen in Intelligenzblatt der Zeitung für die elegante Welt, Nr. 48 v. Sa 1803-10-29, S. 3, Sp. 1: „einige das berühmte preußische Schloß Marienburg betreffende Abbildun-gen“. – Neues Allgemeines Intelligenzblatt für Literatur und Kunst, Nr. 22 v. Sa 1803-11-05, Sp. 342: „nach Fricks großen Kupfern“.

Abb. 3: Kgl. Preuß. Ober-Bau-Departement (David Gilly Hrsg.): „Sammlung nützlicher Aufsätze und Nachrichten, die Baukunst betreffend. Für angehende Baumeister und Freunde der Architektur.“ Mit Kupfern. Jg. 1797. Bd. 2, Berlin: Johann Friedrich Hagen 1797, Titelvignette.

Zu diesem Kupfer der „Sammlung nützlicher Aufsätze“ meint der Rezensent [Anm.] der beiden Bände:

„Vielleicht ließen sich aber die Titelvignetten durch Darstellung geschmackvol-ler und nachahmungswürdiger Gegenstände der griechischen Architektur lehrreicher und nützlicher machen. Denn unser in seiner Verfeinerung fortschreitende Ge-schmack kann sich unmöglich an den Plumpheiten und grotesken Anlagen der Ar-chitektur unserer Urältern ergötzen. Und der geringe Gebrauch, der sich von diesen letztern in der romantischen Bauart machen läßt, ist unbedeutend; es möchte auch überhaupt gerathener seyn, dem Misbrauche derselben wieder entgegen zu arbeiten. – “ [Anm.]

1778 bereiste Johann Bernouilli das Land [Anm.] und spricht nach Wraxall, [Anm.] der die „neues-ten und besten Nachrichten, die man davon gedruckt findet“, geliefert hat, davon, dass das Schloss „zwar einige Veränderungen theils durch die Zeit, theils durch königliche Verordnung erlitten“ habe, jedoch „stehe der Hauptteil […] noch, wie er erbauet worden, und gebe eine deutliche Vorstellung von der Baukunst der damaligen Zeiten“. Bernouilli, der auch die Werke von Christoph Hartknoch [Anm.] und Abraham Hartwich [Anm.] erwähnt, schreibt über die “oberste Kapelle [… im] zierlichen Styl der gothischen Baukunst“ und die „nicht übel gearbeitete hölzerne Statüe der heil Jungfrau“ und bemerkt, dass Wraxall die „unterirdischen Werke“ nicht habe „sehen können, weil man jetzt nicht mehr ohne große Gefahr hinunter kommt.“

Wraxalls Beschreibung von „dem stolzen Sitze der deutschen Ordensritter“ [Anm.] war sicherlich auch Ludwig Franz Adolf Joseph von Baczko bekannt. Dieser veröffentlichte 1798 eine Probe kleiner Reisebeschreibungen [Anm.] zur Zeit der dort arbeitenden Martin Friedrich Rabe [Anm.] und Friedrich Frick und stellt lapidar fest:

„In seiner alten ehrwürdigen äussern Gestalt hat das ehemalige Residenz Schloß der Hochmeister, ebenfalls ein großes Werk der Baukunst, der Zeit, nicht aber der Hand der Ökonomen getrotzt.“

Ein Jahr später, 1799, geht Christian Gottlieb [Anm.] „im Durchfluge“ [Anm.] nach Marienburg (Zamek w Malborku) und bemerkt nur beiläufig:

„Außer dem alten kreuzritterlichen Schlosse, und einigen andern gut gebauten Bürgerhäusern, machen die übrigen Gebäude der Baukunde eben keine sonderliche Ehre, […].“

Ebenso macht es Nikolai Michailowitsch Karamsin, wenn er wie nebenbei bemerkt:

„Diese Stadt ist nur deswegen merkwürdig, weil vor Zeiten die Großmeister des deutschen Ordens auf dem hiesigen Schlosse residirten.“ [Anm.]

Am 6. Juli 1801 wurde mit der Anweisung der Gelder für die Zimmerarbeiten „das endgiltige To-desurteil über die herrlichen Gewölbe ausgesprochen“, „der Vandalismus der preußischen Fi-nanz=Köpfe“ [Anm.] schlug zu. Aus einem Bericht der Kammer vom 1802-09-06 ist zu erfahren, dass ein Flügel des Schlosses fertig umgebaut und die beiden anderen nun mit Fußböden belegt werden können. [Anm.]

Diese bisher in der Öffentlichkeit gezeigte Gleichgültigkeit gegen den Umbau [Anm.] schwindet jedoch langsam unter verklärten romantischen und nationalen Blickwinkeln, und Ludwig Franz Adolf Joseph von Baczko [Anm.] schreibt nun:

„Noch stehn – ein seltener Fall in Europa! – Gebäude, die vor einem halben Jahr-tausend errichtet wurden, die einen überraschenden Eindruck von Größe, Pracht und Schönheit geben, die von entfernten Sitten zeugen, und worin sich ein eigener Cha-rakter ausspricht. [… S. 402: …] Die ehmaligen Eroberer und Gebieter des itzigen Königreichs führten es auf; […]. […] und noch itzt erstaunt man über den Umfang derselben [Werke], über die dazu aufgewandten Kräfte, über die Sorgfalt neben der Verschwendung, über den Ton der Einfachheit, der stillen Größe, [Anm.] der kühnen Erhabenheit, neben den üppigen Zierarten, und den lieblichen Formen der feinsten Zartheit. – [… S. 408: …] Die untern Etagen und die mehrfachen Kellerreihen über einander in der Erde, sind itzt nicht mehr zu besuchen. Aber was noch steht, erregt Bewunderung, wegen der hohen Granitsäulen, der kühnen Wölbungen, der ge-schmackvollen und lieblichen Zieraten.“

Sicherlich auf diesen Artikel reagiert der Steuerrat (Gotthilf) August Kuhn im April 1803 in der-selben Zeitschrift, wenn er unter der Überschrift „Erinnerungen bei den Ruinen zu Marienburg.“ deutlich macht:

„und für Leser, […] ist es vielleicht nicht ohne Unterhaltung, das Große wieder in Erinnerung zu bringen, was einst der Deutsche an der Ostsee that.“ [Anm.]

Ein weiteres Beispiel für diesen Sinneswandel zeigt der Aufenthalt des königlichen Paars, Fried-rich Wilhelm III. und Königin Louise, das auf der Reise nach Memel war, um den Zaren kennen zu lernen, [Anm.] und zuvor vom 1802-06-03 bis 1802-06-04 in Schlobitten [Anm.] , „in diesem Feen-Ort.“ [Anm.] , der derzeit virtuell wiederentsteht, geweilt hatte. [Anm.] Auch der Freimaurer [Anm.] Karl Ludwig Alexander Dohna-Schlodien, der anlässlich dieses Besuchs 1803-06-03 für seine 294 Personen die Untertänigkeit aufhob, [Anm.] war bei seinem Vetter Friedrich Alexander anwesend, und dieser legte den Hoheiten die Zeichnungen Friedrich Fricks [Anm.] vor. Der König war davon so beeindruckt, daß eine Zeitung [Anm.] vermerken konnte:

„Hr. Kupferstecher Frick zu Berlin hat von dem Könige von Preußen, nach Ueberreichung des letzten Theils seiner Abbildungen des Marienburger Ordens-schlosses, ein sehr gnädiges Kabinetsschreiben erhalten, das ausser einem Geschenk von 60 Friedrichsd’or noch die Versicherung enthielt“ seine Pension zu erhöhen.

Ein anderes Blatt berichtet ausführlicher: [Anm.]

„Von Berlin befand sich der Kupferstecher Frick auf der Messe mit seinem herr-lichen Werke in 19 Aquatinta=Blättern. Sie enthalten die Ruinen des Ordenspallas-tes des Hochmeisters zu Marienburg, und liefern in diesen Ueberresten versunkener Größe die lehrreichsten Belege zur Geschichte der neugothischen Baukunst in einer neuen, von dem Künstler selbst dazu erfundenen, Aquatinta=Behandlung. Wer 6 Jahre seines frischesten Lebens nur einem einzigen Unternehmen widmen, viele Platten ganz verwerfen, und sich selbst nie genug thun kan, [sic] wie es offenbar der Fall mit dem Schöpfer dieser Blätter ist, die niemand ohne hohen Genuß [S. 1378:] anschauen kan, der verdient Aufmunterung, die ihm von seinem König zu Theil ward, auch von dem ganzen deutschen Publikum zu erhalten, das er durch ein sol-ches Werk von dem Vorwurf zu retten sucht, daß es nur noch Portraits, Land-schaftspinseleien und Kalenderküpferchen sehen und kaufen wolle.“

Kurz: es

„ist ein ächtes preussisches Nationalwerk, und zugleich in seiner Ausführung wahres Kunstwerk. Man kan nichts malerischers im Effekt, nichts imposanteres [sic] in den Massen und Lichtern sehen, als die Kapitelsäle, Gewölbe, Façaden und Cor-ridore dieser in jenem fernen Norden einzigen Ruine. Sie sind für die Geschichte der aus dem gothischen in die ältern italienischen Bauschulen übergebenden Baukunst wichtiger, als die meisten englischen Ruinen der Art, und werden in den Sammlun-gen der Kunst= und Bauliebhaber in und ausser Deutschland bald einen vorzügli-chen Rang einnehmen.“, denn er hat „durch eine ihm eigene Kombination mehrerer Aquatinta=Arten, sogar die verschiedenen Steinarten, Granit, Mauersteine, Bakstei-ne, und alle Glieder und Verzierungen auf ein ungemein täuschende und neue Weise hervorzuheben gewußt.“ [Anm.]

In dieser veränderten Situation, in der „diese herrlichen Blüthen des schönsten Geistes, so ver-fallen, gemißhandelt, geschändet dastehen“, [Anm.] denn „Zeit und Brand haben ihr so viel nicht an-haben können, als die Brechstange vermag.“ [Anm.] , da erscheint nun ein kurzer Aufsatz in einer neu gegründeten Zeitschrift [Anm.] , deren Herausgeber August von Kotzebue und Garlieb Helwig Merkel waren. Dieser Artikel erschien mit der Unterzeichnung „F. v. Sch.“ [Anm.] und der Verfasser hatte da-mit der preußischen Denkweise eine neue Richtung gegeben – vom Land der Prussen weg hin zum Ordensstaat – und sich damit seinen Zorn, seine Empörung von der Seele geschrieben.

 

               

Max von Schenkendorfs Text im Berliner „Freimüthigen“.

 

 

In der Öffentlichkeit gab es nur zwei schnelle Reaktionen darauf. Ohne Namensnennung, aber eindeutig zu identifizieren, macht Ernst Hennig [Anm.] eine Bemerkung zum „Mädchen von Marien-burg, die Kaiserin Katharina I.“, die als Magd bei dem Prediger Kluge [Anm.] in Marienburg gedient hatte.

Die andere erschien in der Beilage des „Freimüthigen“. Kriegsrat Rache, der Marienburger In-tendant, [Anm.] ergreift das Wort, um den Ruf seiner Behörde, der staatlichen Domänenverwaltung vor den Vorwürfen in Schutz zu nehmen. Er schließt mit einer vernichtenden persönlichen Beurtei-lung des Autors. Hätte Max von Schenkendorf Kenntnis davon gehabt, so wäre es sicherlich zu einer scharfen Reaktion gekommen. Rache schreibt u. a.: [Anm.] (Text Seite 139.)

Er hat die Ruinen des alten Schlosses nicht gesehen, als welche bis 1773 nur noch sichtbar waren. […] 1774 befahl Friedrich der Große, das so sehr verfallene Schloß zu Marienburg durch Anlegung einer Kaserne für das damals hier garnisonirende Gräflich von Krockowsche Infanterie=Regiment, aus denen Ruinen herzustellen […]. Hat man also damals das Schloß zerstört? Keinesweges. Es wurde wiederum aufgebauet. […] Die Intendantur will bauen, spricht derselbe. Ich erkläre daher, daß ich weder ehemals an dem Kasernenbau, noch jetzt an den Magazinbauten einigen Antheil habe. Die Intendantur steht dabei nicht in Verbindung, hat keine Lieferun-gen an Materialien, oder leistet sonst etwas dabei, […]. Alle diese Scenen sind außer meiner Sphäre, und hätte der Herr F. v. Sch – für nöthig erachtet, über die hiesige Intendantur nur einige nähere Nachrichten einzuziehen, so würde er sich gewiß überzeugt haben […]. […] Zur Nachricht für ihn sey es genug, hiermit noch zu be-merken, daß, in meiner Jugend, ich meinen akademischen Wandel vollendet, daß ich mit Ruhm und Ehre mehr als Einen Posten bekleidet, und daß ich seit acht Jah-ren allhier im Amte stehe. Es kann sich wohl ereignet haben, daß der Herr F. v. Sch – während seines hiesigen Aufenthalts, mit Personen der letztern Klasse, in Be-kanntschaft gerathen, und wenn dieselben die von ihm an sie gethane Anfragen nicht wissentlich haben beantworten können, so war es seine Pflicht, diejenigen Männer, dazu ich und andere gehören, und welche in sich Ehre und Rechtschaffen-heit fühlen, nicht, wie geschehen, so öffentlich anzutasten und zu verunglimpfen. Möchte doch der Herr F. v. Sch – auf seinen Wallfahrten künftighin mit mehrerer Vorsicht und Aufmerksamkeit wandeln!

Eine weitere Reaktion aus dem Januar 1804 stammt wohl aus der Feder eines Marienburger Verwaltungsbeamten, der sich unter der Sigle „T.“ verbirgt, [Anm.] und sie ist „für die Special-Topographie von Preußen sehr merkwürdig“ [Anm.] .

Wilhelm Ludwig Häbler, [Anm.] seit 1802 Prediger in Marienburg, hat sich öffentlich zu diesen Beiträgen nicht geäußert, aber seine Meinung war klar: Die Verwaltung selbst hat zu den Vorwürfen geschwiegen, „weil die Beschuldigungen buchstäblich Wort für Wort begründet waren“. [Anm.]

Sicherlich ebenso unbemerkt von der Öffentlichkeit gab es eine Entrüstung im preußischen Ministerium in Berlin, ausgelöst durch das „F. v. Sch.“ – Staatsminister Freiherr von Schrötter nahm den Text des „Freimüthigen“ am 1. September [Anm.] zur Kenntnis und vermutete den Freiherrn Hein-rich Theodor von Schön als Autor, fand es gar „hinterhältig“, denn er selbst hatte seit 1801 den Um-bau zu Kriegsmagazinen veranlaßt und dem Kriegsrat Dühring [Anm.] aus Marienwerder (Kwidzyn) die Aufsicht darüber übertragen. Von da an wurde [Anm.]

„Alles, was bis dahin Kaserne gewesen war, […], […] in Magazin umgewandelt und zu diesem Behufe sämmtliche Gewölbe, selbst die des Mittelschlosses eingeschla-gen.“

von Schön konnte jedoch die Vorwürfe entkräften, brachte aber den Minister zu einer Sinnes-änderung. [Anm.]

Schließlich befahl König Friedrich Wilhelm III. am 13. August 1804 in einer (heute nicht mehr existierenden) Kabinettsorder, „daß für die Erhaltung des Schlosses zu Marienburg, als eines so vor-züglichen Denkmals alter Baukunst, alle Sorge getragen werden solle.“

Durch diesen „zündenden Aufsatz“ [Anm.] war das Schloß Marienburg vor der Zerstörung be-wahrt. [Anm.]

Wer war der Autor?

Wer aber war nun der unbekannte Unterzeichner? [Anm.] Dieser selbst kam nie wieder auf sei-nen Leserbrief zu sprechen, denn die Zeitläufe verhinderten die schnelle Ausführung der königlichen Anordnung. Er wusste nicht, was er in die Wege geleitet hatte. – Erst 1817, nach den Befreiungskrie-gen, begannen die Restaurierungsarbeiten am Schloß der Hochmeister des Deutschen Ordens. [Anm.] von Schön erhielt damals den Ehrentitel „Burggraf von Marienburg“ von Friedrich Wilhelm IV. verlie-hen.

               

 

„Schloß Marienburg in Preußen.“

[Johann Jakob] Weber’s Volks-Kalender für das Jahr 1856. Leipzig: J. J. Weber (1855), Bd. 7, S. 77-82, hier S. 81. [Anm.]

Nur fünf Jahre nach dem Aufruf klagte man zwar im Dezember 1808:

„Es ist unglaublich, wie viele vortreffliche Kunstwerke noch jetzt, unter unsern Augen, verwüstet werden. Das prächtige Schloß des Deutschen Ordens zu Marien-burg, bekannt durch Frick’s Kupferwerk, ist seiner Herrlichkeit beraubt, und in ein Kornmagazin verwandelt worden; […].“ [Anm.]

Schenkendorfs klagender Appell wird nicht genannt. Jean-Philippe Graffenauer [Anm.] reiste in den Jahren von 1805 bis 1808 beruflich durch Deutschland. 1809 veröffentlichte er seine Erinnerun-gen, die 1811 übersetzt erschienen. [Anm.] Zwar wunderte er sich darüber, „daß dieser Monarch, der ein gründlicher Kenner und großer Beschützer der Kunst war, so wenig Achtung für dieß köstliche Monument der Architectur bewies. […] Kaum vermag man daher jetzt in diesem Schlosse die Spuren seines alten Glanzes wahrzunehmen. Im jetzigen Kriege haben die Franzosen hier ein Mili-tair=Hospital und ein Magazin angelegt.“ [Anm.] Kein Gedanke an eine Restauration der Burg findet sich hier. Ebenfalls 1809 lobt Friedrich Carl Gottlieb Duisburg (1736-1814) das alte Schloß, das „noch in seinen Ruinen ehrwürdig“ [Anm.] ist, ohne den Aufsatz zu erwähnen. – Johann Georg Jakob Schöler [Anm.] und Friedrich Förster [Anm.] nannten 1819 ebensowenig wie Johann Gustav Gottlieb Büsching 1823 [Anm.] Max von Schenkendorfs Namen. Der Rezensent von Schölers und Försters Schrift nennt, „da keine der beiden hier angezeigten Schriften seiner gedenkt“, als Retter der Marienburg den Mi-nister von Schön. [Anm.]

Der Danziger Theodor Friedrich Kniewel [Anm.] wußte 1818 zwar, daß der Schaden durch die „mannigfachen frühern Entstellungen und Entweihungen, der gefährlichste, nie zu ersetzende Scha-de in den Jahren 1802 und 1803 erfolgte“. Und er war sich sicher: „das fühlten alle Bessern und äu-ßerten es zum Theil auch unverhohlen“, aber er nennt Max von Schenkendorf nicht. 1824 fehlt die-ser Name ebenfalls bei Ludwig von Auer. [Anm.]

Der erste, der den Verfasser des Aufsatzes nannte scheint Joseph von Eichendorff gewesen zu sein. Durch seine Kontakte während seines Aufenthalts in Königsberg ist es ihm wohl gelungen, den Namen zu erfahren. [Anm.] Eichendorff stellt nahezu beiläufig fest, dass „dieses rücksichtslose Auswei-den mancherlei Gerede und Kopfschütteln veranlaßt“ hatte; „Erst im Jahre 1803 aber scheint ein scharfrügender, von Max von Schenkendorf verfaßter Aufsatz“ den Verantwortlichen „die Augen geöffnet zu haben.“

Ernst August Hagen [Anm.] verdanken wir die gesicherte Kenntnis des Autors. Er hatte noch Zu-griff auf den Nachlass und ist als Zeitgenosse durchaus glaubwürdig. [Anm.] Nicht in dem Vorwort zur Ausgabe der Gedichte 1862, sondern erst in der dort angekündigten Biographie, erschienen 1863, [Anm.] wird das Geheimnis [Anm.] gelüftet: Einen kurzen Hinweis hatte Hagen im Jahr 1857 in seinem Werk „Die Deutsche Kunst in unserem Jahrhundert“ [Anm.] gegeben

„62. Der Freimüthige berichtete am 26. August 1803 durch den Dichter v. Schen-kendorff über den Vandalismus innerhalb der Mauern des Hauptordenshauses Mari-enburg.“

Damit ist der Verfasser genannt: Es ist Max von Schenkendorf. [Anm.]

Im Jahr 1875 verdeutlicht Theodor von Schön in seinen „Papieren“ dies:

„Max von Schenkendorf lebte damals in der Nähe von Marienburg und er, empört über die Zerstörung, die er sah, schrieb diesen Aufsatz und schickte ihn in die Berliner Monatsschrift.“ [Anm.]

 

 

Anmerkungen:

 

 Schenkendorf an F. K. Köpke, Karlsruhe, Sa 1813-02-13; Archives Nationales, Paris F7-6574 (Doss. 2954); Text in: Baldensperger, F[ernand]: Quelques lettres inédits de Max von Schenkendorf (1813). – In: Revue Germanique 1, Paris 1905, H. 2, S. 171-178; ders.: Quelques lettres inédits de Max von Schenkendorf (1813); ebd. 3, 1907, H. 3, S. 310-312. – Czygan, Paul: Neue Beiträge zu Max von Schenkendorfs Leben, Denken, Dichten. Tl. 1-10: 1-7 in: Euphorion 13, 1906, S. 787-804, 14, 1907, S. 338-339, 577-587; 19, 1912, S. 198-229, 633-644, 756-757, 757-773; Tl. 8-10 in: Altpreußische Monats-schrift 54, 1917, 347-359, 55, 1918, S. 193-199 (= CZYGAN), hier S. 338-349, 577-587; vgl. Anm. 789. – Dixi …: ich habe gesprochen und meine Seele gerettet; vgl. Hesekiel 3, 19.

 H[agen]., A[ugust].: Bruchstücke aus einer Vorlesung über die Wiederherstellung mittelalterli-cher Bauwerke. – In: Preußische Provinzial-Blätter Bd. 10 (56), H. 6, Königsberg 1856, S. 456-461. – S. 458 in Anm. „**) Dieser nannte sich, eher er öffentlich als Dichter auftrat, nicht Max, sondern Fried-rich. Die Buchstaben wurden wohl als: Freiherr v. Schön gedeutet.“

 „Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften und freyen Künste. – Des VII. Bandes 1. Stück.“, Leipzig: Bernhard Christoph Breitkopf 1749-01, S. 68-77: „IV. Nachricht von einem preußi-schen Alterthume, dessen Anblick und Grundriß auf dem Titel dieses Stückes zu sehen ist.“

 Krubsacius geb. Dresden 2.03.1718; gest. ebd. 28.11.1789. – Zimmermann, Reinhard: Künstli-che Ruinen. Studien zu ihrer Bedeutung und Form. Wiesbaden: Reichert 1989, ISBN 3882264357, 9783882264357. = Diss. Marburg 1984; zu Krubsacius S. 216, 390; er wird hier als Autor benannt in Anm. 907. – Heinrich Keller: Nachrichten von allen in Dresden lebenden Künstlern. Gesammelt und hrsgg. Leipzig: Dykische Buchh. 1788; S. 93: unter Schutt begraben in Gottscheds Zeitschrift sind viele Texte von Krubsacius. – Autor ist Michael Christoph Hanow (auch Hanov, Hanovius; geb. Zamborst bei Neustettin (Samborsko), Pommern 12.12.1695, gest. Danzig 22.09.1773) Meteorologe, Historiker, Mag. phil. Prof. der Mathematik und ab 1717 Rektor des Akademischen Gymnasium Danzig. Quelle: Gottlieb Krause: Gottsched und Flottwell, die Begründer der Deutschen Gesellschaft in Königsberg: Festschrift zur Erinnerung an das 150 jährige Bestehen der Königlichen Deutschen Gesellschaft zu Königsberg in Preussen. Duncker & Humblot, 1893; wohl danach in Bernhard Schmid: Führer durch das Schloss Marienburg in Preussen, 2. Aufl., J. Springer, 1928, S. 90. – Siehe auch: Alfred Neumeyer: Die Erweckung der Gotik in der Deutschen Kunst des späten 18. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Vorge-schichte der Romantik. – In: Wilhelm Waetzoldt (Hrsg.): Repertorium für Kunstwissenschaft. Bd. 49 m. 43 Abb. Berlin u. Leipzig: Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2018, photomech. Nachdr. 1968; ISBN 311144239X, 9783111442396; S. 75-123, S. 85, Anm. 16 wird Krubsatius als Autor genannt. – Tes-dorpf, W[ilhelm].: Die Wiederherstellung der Marienburg. – In: Programm der Königin-Luise-Schule in Königsberg 1895.

 Allgemeine Literatur-Zeitung Nr. 388, v. Mi 1797-12-06, Sp. 601-607, hier Sp. 604-605.

 Vgl. dazu später: „A. B. Cr.“ [evtl. A. B. Cronbach] zum Graudenzer Schloß in dem „Intelligenz-blatt zu den Neuen Feuerbränden.“ Bd. 1, Nr. 24, Leipzig: Heinrich Gräff 1808, Sp. 188: „Als sich vor etwa 8 Jahren der Vandalismus der preußischen Finanz=Köpfe so bemächtigte, daß sie das schönste Denkmaal gothischer Baukunst in Preußen, ich meyne das so berühmte Schloß zu Marienburg, zer-stören wollten, und auch wirklich Magazine daraus gemacht, und ihm ein magazinmäßiges Ansehen gegeben haben, da schworen sie auch den herrlichen Graudenzer Schloß=Ruinen den Untergang.“

 Johann III. Bernouilli, 1744-1807. – Bernouilli, Johann: Reisen durch Bandenburg, Pommern, Preußen, Curland, Rußland und Pohlen, in den Jahren 1777 und 1778. Bd. 3: Reise von Danzig nach Königsberg, und von da nach Petersburg, im Jahr 1778. Leipzig: Caspar Fritsch 1779, S. 177 ff., hier S. 180 f.

 Nathaniel William Wraxall, 1751-1831. “Cursory Remarks Made in a Tour Through Some of the Northern Parts of Europe, Particularly Copenhagen, Stockholm, and Petersburgh. By N. Wraxall, Jun.” London: T. Cadell M.DCC.LXXV [1775]; S. 324 ff.: Letter XV; S. 333 ff.: “Marienbourg, Wednesday, 24th August, 1774.” [1774-08-24]; S. 336 f.: „The king of Prussia has so mutilated and altered this part, by converting it into caserns for his soldiery since he took possession of the town, that all it's original beauty is lost, and the antiquarian searches in vain for the genuine traces of the Teutonic magnifi-cence, amid modern bricks and mortar.” – „Bemerkungen auf einer Reise durch das nördliche Europa besonders zu Copenhagen, Stockholm und Petersburg gesammlet von Nathanael Wraxall. - Aus dem Englischen.“ Frankfurt und Leipzig: 1776 [1775; Verlag: Junius], S. 225-232: “Marienburg, Mittwoch den 24. Aug. 1774.“; , bes. S. 227-230.

 Christoph Hartknoch, 1644-1687. - „Alt- und Neues Preussen Oder Preussischer Historien Zwey Theile In derer erstem von deß Landes vorjähriger Gelegenheit und Nahmen wie auch der Völcker so darinnen vor dem Teutschen Orden gewohnet Uhrankunfft Lebens-Beschaffenheit Sprache Religion [...] und andere Sitten und Gewohnheiten: In dem andern aber von deß Teutschen Ordens Ursprung desselben wie auch der nachfolgenden Herrschafft vornehmsten Thaten und Kriegen Erbauung der Städte der itzigen Innwohner Uhrsprung Religion ... gehandelt wird. Auß vielen alten so wol als neu-en einheimischen als außwertigen Scribenten Privilegien und andern Documenten [...] Mit sonder-bahrem Fleiß zusammen getragen […]“, Frankfurt und Leipzig: Martin Hallervorden; Johann Andreae M DC LXXXIV [1684].

 Abraham Hartwich, 1663-1720. – „Hrn. Abraham Hartwichs, Weyland Pastoris zu Bährenhof, im Marienburgischen Werder, Geographisch-Historische Landes-Beschreibung derer dreyen im Pohl-nischen Preußen liegenden Werdern, als des Dantziger- Elbing- und Marienburgischen: Worinnen nach vorhergehender Geographischen Beschreibung dieser Länder, nach ihrem Nahmen, Situation, Eigenschafft, Gräntzen, Dorfschafften, Flüssen, Wäldern Thieren, Früchten und Gewächsen, mit mehrerm Von der Einwohner Beschaffenheit, Sprache, Sitten, Gebräuchen, Privilegien und Freyhei-ten, Religion und Gottesdienst, Kirchen und Schulen, Regierung und Regiments-Form, Gewerb und Hauswesen gehandelt wird; Mithin Die sonderbahre Kriegs-Zufälle, Brand- und Wasser-Schaden auch Tugend- und Laster-Händel angeführet werden. Alles aus bewährten Scribenten, wie auch aus Kir-chen-Büchern und andern bisher ungedruckten Documentis und der selbsteigeenen Erfahrung ge-treulich aufgesetzet. Nach dem Tode des Autoris aber, aus dessen eigenhändigen Manuscripto her-ausgegeben, und mit einer neuen und accuraten Land-Carte versehen.“ Königsberg: Christoph Gott-fried Eckart 1723, S. 404, passim.

  1. a. O. S. 230; bzw. S. 341: „this proud residence of the Teutonic knights”.

 Ludwig von Baczko: Reisen durch Preussen. -In: Jahrbücher der preußischen Monarchie unter der Regierung Friedrich Wilhelms des Dritten. Jg. 1798, Bd. 2, Berlin: Johann Friedrich Unger 1798, S. 374-388¸ hier S. 376. – Vgl.: Hirt [, Aloys; 1759-1837]: Ueber die verschiedenen Mosaikarten bei den Alten. [Vortrag v. 1801-03-19] – In: Sammlung der deutschen Abhandlungen, welche in der Königli-chen Akademie der Wissenschaften zu Berlin vorgelesen worden in den Jahren 1801 und 1802. Ber-lin: Georg Decker 1803, S. 137 ff.; im 5. Art, S. 147 zum Mosaik: „die Arbeit daran sehr grob“. Siehe auch A[loys]. Hirt: Die Baukunst nach den Grundsätzen der Alten. Berlin: Realschulbuchhandlung 1809, S. XII zu Frick/Gilly: „An einem Paar solcher Prachtwerke ist es genug.“

 Martin Friedrich Rabe (geb. Stendal 17.11.1775, gest. Berlin 17.10.1856), verh. mit Sophia Theodora geb. Frick.

 Christian Gottlieb: „Bemerkungen eines Reisenden über einen Theil von Ost= und Westpreu-ßen. – In Briefen an seinen Freund. – Berlin 1799. Bei Carl Ludwig Hartmann.“ S. 132.

 „Revision der Literatur in den drey letzten Quinquennien des achtzehnten Jahrhunderts in Er-gänzungsblättern Zur [sic] Allgemeinen Literatur-Zeitung dieses Zeitraums.“ 3. Jg., Bd. 1, Jena u. Leipzig: Zeitungseped., 1803, Nr. 58, Sp. 463-464, hier Sp. 464. – Vgl. „Allgemeiner Litterarischer An-zeiger.“ Nr. 135 v. Do 1800-08-28, Sp. 1326-1328

 „Briefe eines reisenden Russen. – von [sic] Karamsin. – Aus dem Russischen von Johann Rich-ter.“ Bd. 1, Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch 1802, S. 83. – Nikolai Michailowitsch Karamsin (geb. 1.12./12.12.1766, gest. 22.05./3.06.1826).

 „Intelligenzblatt zu den Neuen Feuerbränden.“ Bd. 1, Nr. 24 (Anm. 5).

 [Friedrich Wilhelm August] Marschall: Das hohe oder rechte Haus der Marienburg. Mit einer photographischen Abbildung der Marienburg und einem Grundriß derselben nebst Erläuterungen. Marienburg: L. Giesow 1877; S. 71. – Ebd. S. 68 ff. zur Situation um 1800. – Vgl. den Bericht von 1802-06 in Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Berlin, Nr. 103 v. 1819-12-25, S. (4), Sp. 2.

 Vgl. Hirt in Anm. 6.

 „Das alte Schloß des Deutschen Ordens zu Marienburg.“ [Im Inhaltverzeichnis angefügt:] „nach den Prospekten des Hrn. Frick, und der dazu gehörigen Beschreibung)." – In: Neue Berlinische Monatsschrift. Hrsg. v. [Johann Erich] Biester. Bd. 8. Julius bis Dezember 1802. Berlin u. Stettin: Nicolai 1802, H. 12, S. 401-418. – [Besonders S. 401 f., 406, 407-409, 411, 414 ff. zum Aufsatz Max von Schenkendorfs.] Vgl. Anm. 271. – 1804 reagiert „T.“ auf diesen Aufsatz Baczkos. – Siehe: „Allgemeine Geographische Ephemeriden.“ Bd. 11, 3. Stück, 1803-03, S. 512-513 im Abschnitt „112. Journalistik.“: „Im Decemberhefte 1802 der neuen Berliner Monatsschrift von Biester, steht S. 401 u. f. eine interes-sante Beschreibung des alten Schlosses des teutschen Ordens in Marienburg.“ – Vgl. Artur Dobry: 200 Jahre Restaurierung des Schlosses Marienburg. Ein Abriß der Problematik. – In: Zeitschrift f. d. Ge-schichte und Altertumskunde Ermlands. Hrsg. im Namen d. Histor. Vereins f. Ermland Bd. 49, Müns-ter 1999, S. 17-234, hier S. 219 f.

 Vgl. Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) in seiner 1755 bzw. in 2. Aufl. 1756 erschiene-nen Schrift „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauer-kunst“, 1756, S. 28; „eine edle Einfalt, und eine stille Grösse“; dto. S. 24, 28, 80, 126, 149.

 In: „Neue Berlinische Monatschrift.“ Bd. 9, Jan. bis Juni 1803, Berlin u. Stettin: Friedrich Nicolai 1803, H. 4, S. 283-295; hier S. 284; im Inhaltsverzeichnis: „Von Hrn. Kriegsrat Cuhn.“; evtl. Steuerrat (Gotthilf) August Kuhn (geb. Friedland 1752, gest. Jenku bei Danzig 4.08.1816; ehel. Dorothea Scholl). – Vgl. Anm. 271.

 Zum Aufenthalt in Königsberg siehe Zeitung für die elegante Welt Nr. 91 v. Sa 1802-07-31, Sp. 729-732.

 Krollmann, Chr[istian].: König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise in Schlobitten. – In: Oberländische Geschichtsblätter 3, Königsberg 1909, [= H. 9], H. 11, S. 37-49. – Hagen, Ernst August: „Max von Schenkendorf’s Leben, Denken und Dichten. Unter Mittheilungen aus seinem schriftstelle-rischen Nachlaß dargestellt von Dr. A. Hagen, Professor der Universität Königsberg. Berlin 1863, Ver-lag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. Decker)“ (= HAGEN) S. 8. – Lorck, Carl E[mil]. L[udwig]. von: Landschlösser und Gutshäuser in Ost- und Westpreußen (Mit 200 Abb.) Frank-furt a. M.: Weidlich 1965 (= 3. wesentl. erw. Aufl. von: Ostpreußische Herrenhäuser. Bauform und Kulturgehalt. = Deutsche Baukunst im Osten Bd. 3; 4. Aufl. ebd. 1972) S. 42 ff., 133 f. – (Dohna-Schlodien, Clara Burggräfin und Gräfin zu, geb. Gräfin zu Eulenburg-Gallingen:) Chronik des Hauses Dohna-Schlodien. Als Manuskript gedruckt. Berlin: Sittenfeld 1904. Chronik des Hauses Dohna-Schlodien. Als Handschrift gedruckt. Görlitz: Starke 1905, Tl. II, S. 19. – Hermanowski, Georg: Ost-preußen-Lexikon für alle, die Ostpreußen lieben mit 308 Illustrationen von Heinz Georg Podehl. (Mannheim:) Kraft (1980) = Deutsche Landschaften im Lexikon Bd. 3, S. 269 f. – Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen. Ein Handbuch der Heimatkunde. 2., neu bearb. Aufl. Mit 147 Abb. nach photogr. Aufn. u. 1 Tafel. Neudruck d. Ausgabe von 1912. Frankfurt a. M.: Weidlich 1978, S. 412.

 [Delbrück, Johann Friedrich Gottlieb:] Schuster, Georg (Hrsg.): Die Jugend des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und des Kaisers und Königs Wilhelm I. Tagebuchblätter ihres Erziehers Friedrich Delbrück (1800-1809). - I. Teil: (1800-1806). II. Teil: (1806-1808). III. Teil: (1808-1809). Berlin: Hofmann & Comp. 1907. = Monumenta Germaniae Paedagogica. begr. v. Karl Kehrbach. Hrsg. v. d. Gesellschaft f. dt. Erziehungs- u. Schulgeschichte. Bd. XXXVI; XXXVII; XL, Bd. 3, S. 242 (Juli 1809). – Vgl. zur Familie Dohna die Allgemeine Literatur-Zeitung Nr. 333 v. Mi 1804-11-21, Sp. 423 f.

 Krollmann, Chr[istian].: König Friedrich Wilhelm III. (Anm. 15) S. 38: 1802 König bei Dohna als Folge: 1803-0-03 Friedrich Alexander von Dohna erklärt seine Untertanen auf den Schlobittischen und Proekelwitzischen Güter für frei. – Siehe Wedeke: Bemerkungen (Anm. 257) Bd. 2, S. 71.

 Chronik des Hauses Dohna-Schlodien (Anm. 15) Tl. 2, S. 19.

 Krollmann, Chr[istian].: König Friedrich Wilhelm III. (Anm. 15) S. 38.

 Siehe [Johann Dominik Fiorillo (178-1821)]: Rezension des Werkes von Friedrich Frick und den Erläuterungen dazu; ein Werk, „das dem Deutschen [sic] Kunstfleiß ausgezeichnete Ehre macht.“ – In: Göttingische gelehrte Anzeigen, Göttingen: Heinrich Dieterich, Bd. 1, 26. Stück v. 1803-02-12, S. 249-257. – Vgl. Karl Hahn: „Meine Reisen durch einen Theil der preußischen Staaten, damalige Galli-zien, Schlesien, Mähren, Böhmen, Sachsen und Mecklenburg. – Für die Jugend.“ Bd. 2, Leipzig 1816, Elberfeld: Heinrich Büschler. – Karl Heinrich August Hahn, geb. Zeitz 16.01.1778, gest. Groß-Wanzleben 10.04.1854, 1805 ff. Erzieher des Prinzen Friedrich Wilhelm Heinrich Casimir Georg Carl Maximilian zu Solms-Braunfels, (geb. Triesdorf 30.12.1801, gest. Mödling 12.12.1868) Bd. 2, S. 18: das Werk, „welches damals dem Schlosse Marienburg Bekanntschaft unter den neuern gab, und sein Andenken auf die Nachwelt bringen wird.“; in seiner „Geschichte der zeichnenden Künste“, Bd. 2, Hannover: Hahn 1817, S. 234-235, Anm. d) nennt er sich als Autor der Rezension und verwendet ne-ben Frick noch Baczko und Wedeke; s. Anm. 24. – „Literarischer und artistischer Anzeiger. – Als Beila-ge zum Freymüthigen oder Ernst und Scherz 1804.“ Nr. III, S. (IX), Sp. 1: „Fricks meisterhafte Abbil-dungen“.

 „Intelligenzblatt der Allgem. Literatur-Zeitung“ (Bd. 2) Nr. 207 v. Mi 1802-11-10, Sp. 1669 f.

 Allgemeine Zeitung Nr. 341 v. Di 1802-12-07, Sp. 1377.

 Allgemeine Zeitung Nr. 312 v. Mo 1802-11-08, S. 1258. – Allgemeine Zeitung Nr. 224 v. Fr 1803-08-12, S. 893, Sp. 2: auf dieser Messe gab es kein ähnlich bedeutendes Werk wie das von Frick im letzten Jahr. – Vgl. Andreas Meinecke: Geschichte der preußischen Denkmalpflege 1815 bis 1860. M. e. Einleitung v. Wolfgang Neugebauer: Denkmalpflege und Kulturstaat. (Berlin:) Akademie (2013), = Acta Borussica, Neue Folge, 2. Reihe: Der preußische Kulturstaat in der politischen und sozialen Wirklichkeit, Bd. 4; S. 25, Anm. 77: „Das Betrachten des gotischen Bauwerks wurde zum religiösen Erlebnis.“

 J[ohann]. D[ominik]. Fiorillo: „Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland und den vereinigten Niederlanden,“ Bd. 2, Hannover: Hahn 1817, S. 251. – Vgl. Anm. 20. – Vgl. z. B.: Die Mu-sealisierung der Nation. Ein kulturpolitisches Gestaltungsmodell des 19. Jahrhunderts. Im Auftrag von Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Hrsg. v. Breuer, Constanze / Holtz, Bär-bel / Kahl, Paul. Berlin u. Boston: Walter de Gruyter (Oldenbourg) 2015. – Teil V: „Nation, Memorial, Architektur“; darin: Werquet, Jan: ‚Zwischen Preußen und Deutschland‘. Die Marienburg und der Kölner Dom als Orte nationaler Identitätsstiftung. (Darin der Abschnitt „Der Wandel der Rezeption des Kölner Doms und der Marienburg um 1800“.) – Eugen Kotte: Die Marienburg in Historiographie und Belletristik des 19. Jahrhunderts. – In: Ulrich Hucker/Eugen Kotte/Christine Vogel (Hrsg.): Die Marienburg. Vom Machtzentrum des Deutschen Ordens zum mitteleuropäischen Erinnerungsort. Paderborn: Schöningh 2013, S. 125-146, hier S. 130; Anm. 506 = „Freimüthige“; in Anm. 509 Max von Schenkendorf als “Friedrich Max“ bezeichnet.

 Wedeke: Bemerkungen (Anm. 257) Bd. 2, S. 144.

 „Intelligenzblatt der Allgem. Literatur-Zeitung“ (Bd. 2) Nr. 224 v. Sa 1802-12-04, Sp. 1801-1803: Kotzebue und Merkel zeigen neben dem Verleger Johann Daniel Sander (Sp. 1803) das Erscheinen des „Freymüthigen“ an.

 „Der Freimüthige, / oder / Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. / (Mit Kup-fern und Musikblättern. /Herausgegeben / von / A. v. Kotzebue. / [Jg. 1] Berlin, / in Sanders Buch-handlung / 1803. [Heft:] August. Hundert ein und zwanzigstes bis hundert acht und dreißigstes Stück.) (Freitags) Nr. 136 (den 26sten August.) 1803.“ – Im Inhaltsverzeichnis „Uebersicht des Inhalts.“ S. (III), Sp. 2, Zeile 19: „Ein Beispiel von der Zerstörungssucht in Preußen. 541.“ – Hefttitel: „Der Freimüthige, / oder / Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. / 1803. Nr. 136. / (Frei-tags) (den 26sten August.)“ Seite 541 bis 542, d. i. Seite 1-2 der Nummer. – In der Rubrik: „(I. Charak-teristik von Städten und Ländern.)“ – Diverse Nach- und Teildrucke sind vorhanden. Genannt seien nur: „Miscellen. Friedrich Max von Schenkendorf als Conservator der Marienburg.“ – In: Archiv für Kirchliche Baukunst und Kirchenschmuck, hrsg. v. Theodor Prüfer, 1. Jg., Berlin: Selbstverlag 1876, S. 56, Sp. 1-2: „dem wir die Inhibirung der unter dem Staats-Minister Freiherrn von Schrötter be-reits begonnenen gänzlichen Zerstörung der Marienburg zu verdanken haben:“ – Schmid, Bernhard: Die Denkmalpflege in Westpreußen 1804-1910. Danzig: A. W. Kafemann 1910 = Abhandlungen zur Landeskunde der Provinz Westpreussen H. 14. Max von Schenkendorf S. 3 ff. mit Auszug aus dem Aufsatz. – Riemenschneider, Hartmut: Joseph von Eichendorff und die Denkmalpflege – Zwischen Marienburg und Kölner Dom. Eine Skizze. – In: Eichendorffs Inkognito. Hrsg. v. Konrad Ehlich. Wies-baden: Harrassowitz 1997, S. 29-62, hier S. 52-54. = Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund. Hrsg. v. Johannes Hoffmann Bd. 22. – Vgl. Anm. 200.

 „Der Freimüthige,“ Nr. 138 v. Di 1803-08-30, S. 552: „Auszug eines Schreibens aus Schmauch in Preußisch=Holland in Ostpreußen.“; „Mein Vater, Kirchen= und Consistorialrath in Königsberg“.

 Hennig nach Prof. Christian Gabriel Fischer (1686-1751); Katharina II. (1729-1796; d. i. Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst). – Richtig sicher: Ernst Gljuck, d. i.: Ernst Glück, geb. Wettin 18.05.1654, gest. Moskau 5.05.1705. Vgl. Allgemeine Literatur-Zeitung, Bd. 1, Jan.-März, Nr. 56 v. Mi 1795-02-25, Sp. 447-448: „IV. Catharina I. Kaiserin von Rußland von schwedischer Herkunft übersetzt aus Shering Rosenhane’s Swea Rikes Konunga Längd (Stockholm 1789. gr. 4.)“, s. ebd. S. 138 f. Dies in der Rezension von: Thomas Heinrich Gadebusch: Materialien zur Geschichte und Statistik der Nordi-schen Staaten, besonders Schwedens. 1., 2. Stück, Berlin: Lange 1791-1792.

 In dem Subskribentenverzeichnis zu: J[ohann]. G[ottlieb]. Tielke: „Der Feldzug Sr. Durchl. des Herzogs von Würtemberg und Generalleutnants von Platen in Pommern, im Jahre 1761. – Nebst Fortsetzung der Untersuchung der Feldbefestigungs=Kunst nach ihren Grundsätzen und der Erfah-rung, mit Plans [sic]“, Freyberg: Barthel 1784 = „Beyträge zur Kriegs=Kunst und Geschichte der Krieges von 1756. bis 1763. mit Plans und Charten.“ Bd. 5, ist der Regimentsquartiermeister Rache nebst dem Stab des 5 Expl. subskribierenden Marienburger Regiments aufgeführt. – G[eorg]. F[riedrich]. Tem-pelhof (Übers. u. Hrsg.): „Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland zwischen dem Könige von Preußen und der Kaiserin Königin mit ihren Alliirten vom General [Henry Humphry Evans] Lloyd [1729-1783].“ Teil 1., Berlin: Johann Friedrich Unger 1783, S. X: Regimentsquartiermeister Rache beim Inf.-Rgt. v. Krockow.

 „Litterarischer und artistischer Anzeiger. Beilage zu dem Freimüthigen. – Achtzehntes Blatt.“ S. 72. – Dieses 18. Blatt ist Beilage zu Nr. 174 des „Freimüthigen“ v. Di 1803-11-02; nach dessen S. 696 angefügt.

 „Neue Berlinische Monatschrift.“ Bd. 1, „Jänner bis Junius 1804.“, Berlin und Stettin: Friedrich Nicolai 1804, S. 20-38: „Ueber das alte Schloß in Marienburg.“ Da im Text das Jahr 1772 genannt ist, scheiden sicherlich als Verfasser aus: August Ferdinand Triest, kgl. preuß. Reg.-Rat und kurmärk. Baudirektor zu Berlin, 1768-1831. – Ernst Alexander von Tettau (1776-1831), 1798 ff. Rat bei der Re-gierung in Marienwerder; evtl. auch Johann Wilhelm von Tevenar.– „Allgemeine Geographische Ephemeriden.“ Bd. 13, 2. Stück, 1804-02, S. 270: „- N. Berlinische Monatsschrift Januar 1804. S. 20 bis 38. Ueber das alte Schloß in Marienburg. Nachträge und Berichtigungen zu dem Aufsatz im Decem-ber-Hefte der N. Berl. Mon. Schr. 1802. (A. G. E. XI. B. S. 512) für die Special-Topographie von Preußen sehr merkwürdig. (Von den schönen Frikschen [sic] Prospekten dieses Schlosses findet man einige verkleinerte Copien mit einer kurzen Beschreibung in dem disjährigen [sic] Gothaischen Hofkalen-der).“ – Neudruck mit Anm.: Riemenschneider, Hartmut: Joseph von Eichendorff und die Denkmal-pflege (Anm. 27)

 „Allgemeine Geographische Ephemeriden.“ Bd. 13, 2. Stück, 1804-02, S. 270.

 Wilhelm Ludwig Häbler, 1794 Lehrer an der Marienburger Gelehrtenschule, seit 1802 2. ev. Prediger in ebd., geb. Königsberg 7.12.1768, gest. ebd. 29.12.1841; seine Tochter ehel. Bürgermeister Hüllmann ebd. – Siehe Anm. 35.

 Marschall: Das hohe oder rechte Haus der Marienburg (Anm. 10), S. 75 wird Nr. 136 des Frei-müthigen genannt ohne Hinweis auf den Verfasser. Schrötter verlangte eine Untersuchung; „Ob Bohlius [Johann Christian Bohlius, 1743-1810] und Dühring [1763-1807] diese Untersuchung wirklich noch angestellt, oder, da sie selbst am besten wußten, daß Alles, was in jenem Artikel ausgespro-chen, Wort für Wort auf Wahrheit beruhte, also dem Befehle des Ministers in Bezug auf eine öffentli-che Rechtfertigung nicht nachkommen konnten, diese von vornherein aufgegeben haben, geht aus den Akten nicht hervor. Häbler sagt hierüber kurz und bündig: ‚Diese kritische Nachricht ist in den Akten nicht vorhanden aus dem sehr einfachen Grunde, weil die Beschuldigungen buchstäblich Wort für Wort begründet waren; denn […].“

 Schmid, Bernhard: Oberpräsident von Schön und die Marienburg. Halle/Saale: Niemeyer 1940 = Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft. Geisteswissenschaftliche Klasse. 15./16. Jahr. H. 4 (1939/40), S. 166-272, S. 59-60 bzw. 223-224. Titel: „Minister Freiherr von Schroetter an Geh. Kabi-nettsrat NN., 1803, September 1.“

 Carl Ferdinand Dühring (1763-1806).

 Vgl. Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg. Marienburg: A. Bretschneider 1868, S. 206 f.; S. 207: „Die einstigen Hochmeisterwohnungen wurden zum Proviantamt eingerich-tet.“ – Karl Hahn: Meine Reisen (Anm. 20) Bd. 2, S. 17: „So verwandeln die Zeit und der Mensch das Herrliche, Schöne und Große; jene als Verkünderinn [sic] der Vergänglichkeit, dieser im ängstlichen Aufsuchen des Nutzens – wie der Maulwurf das Beet mit den schönsten Hiazynthen nach einem Re-genwurme durchwühlt.“

 Vgl. Raumer, Kurt v.: Schrötter und Schön. [Vortrag von 1940-11.] – In: Altpreußische For-schungen 18, 1941, H. 1, S. 117-155. S. 131, Anm. 42 zu Gillys Einfluss.

 Kaufmann, [Paul:] Der Dichter Max von Schenkendorf und die Rheinlande. – In: Kölnische Volkszeitung Nr. 656 v. 1929-09-18, S. 7.

 Vgl. z. B. Dobry, Artur: 200 Jahre Restaurierung des Schlosses Marienburg (Anm. 11).

 Marschall: Das hohe oder rechte Haus der Marienburg (Anm. 10) S. 75 nennt den Autor nicht. Vgl. Anm. 56.

 Karl Hahn: Meine Reisen (Anm. 20) Bd. 2, S. 25 ff. bestätigt noch die Zerstörungen; ebd. S. 35, 37.

 Ebd. S. 79, Sp. 2: zum Aufsatz Max von Schenkendorfs: „leider zu früh“ verstorben, „ein Sohn Preußens“.

 „Göttingische gelehrte Anzeigen unter der Aufsicht der königl. Gesellschaft der Wissenschaf-ten.“ 194. Stück v. 1808-12-03, S. 1930 in einer Rezension von Rudolph Zacharias Becker (Hrsg.): Holz-schnitte alter deutscher Meister in den Original-Platten gesammelt v. Hans Albrecht von Derschau, als ein Beytrag zur Kunstgeschichte hrsg. und mit einer Abhandlung über die Holzschneidekunst und deren Schicksale begleitet. Mit einem französischen Text zur Seite. 1. u. 2. Lieferung; Bd. 1-2, 363 Holzschnitte auf 123 Tafeln. Gotha: Becker 1808. = Gravures en bois des anciens maîtres allemands. – Siehe dazu [Karl August] Böttiger in: Zeitung für die elegante Welt Nr. 21 v. Mo 1809-01-30, Sp. 165-166, der Schenkendorf ebenfalls nicht nennt.

 Jean-Philippe Graffenauer (geb. Straßburg 27.06.1775, gest. ebd. 29.03. 1838) Militärarzt der Grande Armée von 1805 bis 1808, was ihm u. a. Gelegenheit zur Erforschung der damals noch wenig bekannten Natur der Ostseeküste gab. – In seinem 15. Brief aus Königsberg, 1807-07; S. 151 ff. bzw. in der franz. Ausgabe S. 162 ff.

 Lettres écrites en Allemagne, en Prusse et en Pologne, dans les années 1805, 6, 7 et 8; conte-nant: des recherches statistiques, historiques, littéraires, physiques et médicales; Avec des détails sur les monumens publics […]. Paris: Amand König und Straßburg 1809. – Deutsch: Meine Berufsreisen durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenaur, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. - Aus dem Französischen übersetzt. Chemnitz: Carl Maucke 1811..

 GRAFFENAUER: Reise S. 156, in der franz. Ausgabe S. 167.

 [Duisburg, Friedrich Carl Gottlieb:] Gemälde von Danzig, nebst Bemerkungen auf einer Reise von Danzig nach Königsberg.-Eine nothwendige Beilage zu der Skizze von Danzig. Berlin und Leipzig 1809, S. 176.

 Schöler, Johann Georg Jakob (1793-1865): Das Schloß Marienburg, ein Brief an den Herrn Hof-rath [Friedrich] Jacobs [1764-1847] in Gotha. Berlin: G[eorg]. [Ernst] Reimer 1819.

 „Das Schloß Marienburg in Westpreussen. Eine geschichtliche Darstellung.“ Berlin: Christiani 1819.

 Johann Gustav Gottlieb Büsching: Das Schlos [sic] der deutschen Ritter zu Marienburg. Berlin: Duncker und Humblot 1823.

 Ergänzungsblätter zur Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung Nr. 17, 1820, Sp. 133-135. – Dies als ergänzter Nachdruck im „Kunst=Blatt. [zum Morgenblatt für gebildete Stände] Nr. 2, v. Do 1820-01-06, S. 6 f.

 [Theodor Friedrich] Kniewel (1783-1859): Das Ritterschloß Marienburg in Westpreußen. (Bruchstücke aus der Beschreibung eines Festes, das am 30. April zur Feyer der Wiederherstellung dieses merkwürdigen Gebäudes an Ort und Stelle gegeben ward.) – In: Morgenblatt für gebildete Stände Nr. 189 v. Sa 1818-08-08, S. (753)-754; mit Fortsetzungen bis Nr. 195 v. Sa 1818-08-15, S. 779.

 [Ludwig Kasimir von Auer (1788-1837):] Kriegsgeschichtliche Denkwürdigkeiten des Ordens-Haupthauses und der Stadt Marienburg Westpreußen. Zum Besten des Wiederherstellungsbau’s der hochmeisterlichen Burg. Danzig: Wilhelm Theodor Lohde 1824.

 Joseph Freiherr v. Eichendorff: Die Wiederherstellung des Schlosses der deutschen Ordensrit-ter zu Marienburg. Mit einem Grundriß der alten Marienburg. Berlin: Alexander Duncker in Comm. 1844, S. 80: „ein scharfrügender, von Max von Schenkendorf verfaßter Aufsatz“; mit Nennung der Nr. des Freimüthigen. – Vgl. Riemen, Alfred: Der Deutsche Orden in Eichendorffs Sicht. – In: Beiträge zur Geschichte des Deutschen Ordens Bd. 2 hrsg. v. Udo Arnold. Marburg: Elwert 1993, S. 151-182. = Quellen und Studien zur Geschichte des deutschen Ordens. Bd. 49 = Veröffentlichungen der Interna-tionalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens Bd. 5 hrsg. v. Udo Arnold; und passim.

 Ernst August Hagen geb. Königsberg 12.04.1797, gest. ebd. 15.02.1880.

 Noch 1886 heißt es in dem Aufsatz von I[gnaz]. Jastrow: Die Marienburg. Ein ostdeutsches Denkmal. – In: Nord und Süd. Eine deutsche Monatsschrift hrsg. v. Paul Lindau, Breslau: S. Schottla-ender 1886, Bd. 39, S. 166-182, S. 172 in Anm. *): „Er gilt wenigstens als Verfasser des Artikels“.

 Gedichte 1862, S. XIX: Tagesreisen führten ihn „nach Marienburg“; 1863, S. 13 f.; S. 131: „wir besitzen aus dieser Zeit einen bemerkenswerthen Aufsatz von seiner Feder“.

  1. Hagen (Hrsg.): Neue Preußische Provinzial=Blätter. Bd. 11, Jan.-Juni, Königsberg: Tag & Koch 1851, S. 7: „aber ein Aufsatz Max von Schenkendorfs brachte mitten im Abbruch selbst die Büreaucratie auf den Weg der Reaktion.“ – W[ilhelm]. Lübke: Acht Tage in Preußen. – In: F(riedrich). Eggers (Red.): Deutsches Kunstblatt, Jg. 8, Nr. 18 v. 1856-05-01, S. 151-155; hier S. 152, Sp. 1: „Max von Schenkendorf erhob zuerst seine Stimme zum Schutze der ehrwürdigen Ueberreste“. – Max Ro-senheyn: Die Marienburg, das Haupthaus der deutschen Ordens=Ritter. Für Besucher derselben be-schrieben. Leipzig: J. J. Weber 1858, S. 32: Wiederaufbau durch Max von Schenkendorf „im J. 1806“ angeregt. Vgl. Anm. 42.

 Hagen, [Ernst] A[ugust].: Die Deutsche Kunst in unserem Jahrhundert. – Eine Reihe von Vorle-sungen mit erläuternden Beischriften. Tl. 1. Berlin: Heinrich Schindler 1857, S. 275 „Beischriften.“ hier Nr. 62, 21 Zeilen des Textes folgen.

 Zur Schreibweise des Namens vgl. Mertens, Erich: Die Familien von Schencken-dorff/Schenkendorf. Ein Beitrag zur Geschichte des Dichters Max von Schenkendorf. (Zu dessen 200. Geburtstag am 11. Dezember 1983.) – In: Altpreußische Geschlechterkunde. Blätter des Vereins für Familienforschung in Ost-und Westpreußen. Neue Folge. 31. Jg., 1983, Bd. 14, S. 245-276; ders.: Die Familien von Schenckendorff/Schenkendorf. Ergänzungen und Neues aus der Sammlung König und dem Gerlach-Archiv. Die Stammbücher des Dichters von 1805 bis 1813 und von 1813 bis 1817. –In: ebd. NF 37. Jg., 1989, Bd. 19, S. 273-283. – Anm. 61.

 (Schön, Hermann Theodor von:) Aus den Papieren des Ministers und Burggrafen von Marien-burg Theodor von Schön. Tl. 1-3 (Bd. 1-6) Halle a/S.: Lippert’sche Buchhandlung (Max Niemeyer). Berlin: Franz Duncker. Berlin. Verlag von Leonhard Simion. 1875-1883, Bd. 1 Halle/Saale: Lippert (Max Niemeyer) 1875, S. 53. – Carl Diesch in (Warda, Arthur [ab Bd. 4,2:] und Carl Diesch (Hrsg.):) Briefe an und von Johann George Scheffner. München u. Leipzig: Duncker & Humblot 1916-1938, Bd. 5, S. 227: „Die große Veröffentlichung seines Nachlasses [...] ist höchst anfechtbar und erweist dem Andenken des trotz mancher Schattenseiten sehr verdienstvollen Mannes einen schlechten Dienst.“

 

 

OAMDG

Zweiter Theatereklat 1811

Max von Schenkendorf und Henriette Hendel-Schütz

 

Erst August Hagen informiert über dies und den Eklat nur kurz, wenn er schreibt:

„Die Zahl der [Me: aus dem „Blumenkranz“]ausgeschiedenen Mitglieder ergänzte sich nicht durch neue. – Das stimmte niemand so trüb als Schenkendorf, trüber, als wenn er auf seinen Arm blickte, den er in einer schwarz= seidenen Binde trug. Daß zu den Abtrünnigen auch die Hendel=Schütz gehörte, hätte er leichter verwunden, wenn nicht eine ärgerliche Szene vorangegangen wäre, eine eigentliche Szene, da sie sich im Theater im Oktober 1811 begab. Ihr Gatte, der Professor Schütz, war ein trauriger Schauspiel=Direktor und noch trauriger Schauspieler, der in der letzten Rolle, die er unter Bezeigung des Mißfallens gab, sich durch sein Benehmen gröblich gegen das Publikum verging. Schenkendorf war unglücklicher Weise zugegen, als Sturm und Aufruhr gegen den unbesonnenen losbrach. Aus Rücksicht für seine Gattin, die er als Künstlerin schätzte, nahm er Partei und wollte der zornigen Menge Ruhe gebieten. Das gelang ihm nicht, und dadurch, daß er eine schlimme Sache verfocht, verdarb er es mit Mehreren, die in näherem oder entfernterem Umgang mit ihm standen und ihm bis dahin geneigt gewesen waren. Die Hendel=Schütz und das durch ihren Einfluß inniger gewordene Verhältniß mit J. M. [Me: d. i. Johanna Motherby] gab Grund zu einer Entfremdung, die Schenkendorf schmerzlich empfinden mußte. Von der Familie Wedeke, deren liebreiche Begegnung ihn zu unvergeßlichem Dank verpflichtete, ward er nun kühler aufgenommen. Man legte es ihm übel aus, daß er nach Barckley‘s Tode die Hinterbliebenen wie vordem besuchte. Man erging sich in Vermuthungen, ob es der Mutter oder der Tochter gelte. Jene war zehn Jahre älter als er und diese zehn Jahre jünger; wenn bei der einen die Schönheit keine Kränkung durch Alter und Trauer erfahren hatte, so war die andere eben zu einer blühenden Jungfrau herangereift.“ – Zuvor, im Jahr 1860, an einem anderen Ort, schreibt Hagen: „durch die Huldigung, die Schenkendorf der unglücklich verheiratheten Hendel-Schütz angedeihen ließ“, lenkte er die Öffentlichkeit von seiner Liebe zur späteren Gattin ab.

 

Johann Paul Friedrich Czygan (1853-1920) meinte 1917:  „Unsere Studenten spielten damals eine große Rolle im Theater. Sie waren die Herren, die die entscheidende Meinung hatten; sie nahmen sich alles Mögliche heraus. Der damalige Theaterdirektor, Professor Schütz, verstand das Publikum nicht zu behandeln, während seine Frau, die Schauspielerin Hendel-Schütz sehr beliebt war. Die lauten Kundgebungen der Studenten veranlaßten Schenkendorf für die Gattin des Direktors offen einzutreten und bei einer Vorstellung den Studenten ‚Ruhe‘ zu gebieten; da hatte er es aber mit einem Teil des Publikums verdorben. Der Polizei-Präsident griff schließlich ein und veröffentlichte eine Verordnung, wonach die Ruhestörer im Theater festgenommen werden sollten. Das alles verleidete ihm den Aufenthalt in Königsberg und er entschloß sich nun, da seine Behörde auch aufgelöst wurde, fortzugehen.“

 

Bereits im Jahr 1810 hatte August von Kotzebue in der „Biene“ eine Forderung von Jean Nicolas Servandoni d’Hannetaire aufgenommen und dessen Text frei übersetzt:  

„Es wäre zu wünschen, daß in jedem Theater eine eigene Polizey für das Geräusch eingeführt würde. [...] Ferner würden, bey der vorgeschlagenen Polizey, die jungen Aesthetiker etwas leiser tadeln, die Kavallerieofficiere etwas leiser auftreten, all das Völkchen, welches nur ins Theater läuft, um zu sehen und gesehen zu werden“.

 

Dieses Ereignis des zweiten Eklats ist eingebettet in die Theatergeschichte Königsberg, die zum Verständnis heranzuziehen ist.

 

Mit dem Tod von Steinberg am 1811-01-31 bildete sich eine Administration aus Regierungsrat Müller [s. u.], Oberforstmeister Jester, Dr. Tortilovius, Dekorateur Czermack, Fleischer, Büttner, Strödel und Wolschowsky; Ehrenmitglieder waren Polizeipräsident von Stein, Stadtrat Glagau, Kriminalrat Brand, Kanonikus von Lange, Kommerzienrat Prin und Negotiant Deetz.

 

Im April 1811 las man: „Die Administration des Theaters besteht aus Geschäftsmännern, Kaufleuten und Schauspielern. Fast jedes Mitglied des Theaters erhält ein Benefiz: diese, meistens Opern, rauben alle Zeit des Einstudirens und ruiniren die Kasse.“

 

„Noch vor der Ankunft von Hr. und Mad. Schütz hatte die Comité den Herrn Actionärs des neuen Schauspielhauses, mit dem Hr. Schauspiel=Director Huray in Danzig, wegen Übernahme der Direction und Miethe des Theaters, Unterhandlungen angeknüpft, welche sie jetzt aber abbrach und Hrn. Schütz Anträge deshalb machte, der auch wirklich am kam.“ – Daniel Hüray, der Vater von Clemenz Hubert Wenceslaus Hüray, übernahm erst 1816 die Theaterleitung. [Daniel Hüray, geb. 1760 in Berlin, gest. spätestens am 28.02.1826 in Bromberg; Autobiographie Königsberg 1801.]

 

1811-05-30          (Premiere) als Donna Isabella in der „Braut von Messina“ – Auch als Isabella in Holbergs „Don Ranudo“ und als Untersteuereinehmerin in Kotzebues 2Die deutschen Kleinstädter“.

1811-06-04          als „Maria Stuart“. – Siehe 1811-06-17.

1811-06-06          als Mad. Fresen d. j. in Ifflands „Der Fremde“.

1811-06-08          als Benefiz für sie: als Cephise in Stolls „Scherz und Ernst ein Lustspiel in einem Akt“, als Rosa in der Oper in einem Akt  „Zwei Worte, oder die Herberge im Wald“, Musik von d’Alayrac [auch als Rosina im „Bauern und Juristen“, und Margarethe in Ifflands „Hagestolzen“: „mit rauschendem Beifall wurde diese Künstlerinn belohnt, und am Ende des Stückes einstimmig hervorgerufen. Das Haus war übrigens von Zuschauern auch gedrängt voll.“1811-06-08          In „Scherz und Ernst“ von Stoll spielte Friedrich Carl Julius Schütz „mit vieler Anstrengung“.

1811-06-12          als Medea: „Das Ganze gewährte einen angenehmen Genuß.“

 

Kaum war die Schauspielerin Ende Mai in Königsberg angekommen, trat sie am 1811-06-04 in „Maria Stuart“ auf und Max von Schenkendorf korrespondierte mit ihr. Am 1811-06-12 schreibt er „A Madame Madame Schuetz“ ein Gedicht „Bei Übersendung der Werke des Hanns Sachs“, die er ihr anscheinend auslieh. Schenkendorf war nämlich Besitzer der sog. Kemptener Werkausgabe des Hans Sachs, wie HAGEN zu entnehmen ist.  

Das Publikum war begeistert von der Darbietung der „Maria Stuart“, und am 1811-06-17 erschien in einer Königsberger Zeitung die

„Bescheidene Bitte

an die Künstlerinn Madame Schütz.

Ein inniger Genuß wurde uns zu Theil, da

Sie verehrte Künstlerinn die Maria Stuart ga=

ben. Diesen Genuß uns noch einmal als

Maria zu verschaffen, ist die bescheidene

Bitte von

          mehreren Theater=Freunden.“

Der Rezensent schwärmte von dieser Aufführung:

„Besonders über den letzten Akt haben wir keine Worte wie sie uns entzückte. Wahrlich, mehr überirrdisch, als sie es war kann nichts Irrdisches seyn.“

 

 

1811-06-21          für die Opfer des Stadtbrandes in Klingemanns „Columbus“; wenig Publikum, „obgleich Mad. Schütz eine Rede gehalten hat“.

1811-06-22          als Untersteuereinnehmerin Staar in den „Kleinstädtern“.

1811-06-27           als Phädra; „Ihr Gatte […] spielte, traurig genug als Theramen und Marinelle figurirte“

1811-06-29          als Gräfin Orsina, in „Emilia Galotti“; „gewährte reinen, vollen Genuß“.

1811-07-01          als Merope; „wahr und rührend schön durch Gesichtsausdruck und körperliche Bewegung überhaupt.“; „unübertroffen“; mit selbstentworfener Kleidung

1811-07-05          als Aline; als Benefiz für Frau Schwarz; „Uns leitet keine Gewinnsucht – daher unser unpartheiisches Urtheil über das Spiel der Mad. Schütz. Jeder wird gewiß mit uns darin einverstanden seyn, daß Mad. Schütz keine Rolle verderben wird. Der beste Moment war für uns heute, da Aline den St. Phar erblickt, das langsame Wegnehmen des Schleiers, die Freude als sie ihn erkennt, dies alles war vortrefflich. Im zweiten Ackte tanzte Thekla Schütz zwar sehr niedlich, nur etwas lange. – „Nur im zweiten Ackte genügte uns Mad. Schütz nicht, obgleich einige vorlaute Herren ihr unzeitiges Applaudissement nicht unterdrücken konnten. Lächerlich kam uns das Aufschlagen des Fußes vor, ja noch mehr, wir fanden es für ganz unschicklich. Einige Herren die neben uns standen lachten über dieses Ausschlagen sehr lange, und machten mit Recht spöttische Bemerkungen.“

1811-07-07          als Rosette im „Jurist und Bauer“ und Rosa in den „zwei Worten“.

1811-07-08          Hr. Schütz spielte als Gast den Cleant in Scherz und Ernst, und den Hofrath in den Hagestolzen.

1811-07-18          als Baronin Ummer in Kotzebues Die Beichte“; „äußerst schön“

1811-07-04          zur allerhöchsten Geburtstagsfeyer Seiner Maj. des Königs, als Merope, worin Hr. Director Schütz den Polyphont spielte, und ein ganz neues, nach Angabe von Mad. Schütz verfertigtes, antikes Costüm auf die Bühne gebracht wurde

1811-07-05          Friedrich Carl Julius Schütz tritt die Direction an; Schauspieler wie Johann Philipp Samuel Schmidt sahen darin eine Chance, ein Engagement zu erhalten. – Andere werden entlassen. Herr Stroedel, Herr und Madame Mosewius, Herr und Madame Spangler vom Stettiner Theater und Herr und Madame Anschütz vom Nürnberger Theater kommen dann später wieder; vgl. 1812-05.

1811-07-07          als Octavia.

1811-07-12          gab Mad. Schütz ihre pantomimischen Darstellungen.

1811-07-14          gab Mad. Schütz ihre pantomimischen Darstellungen

1811-07-14          Friedrich Carl Julius Schütz übertrug Hrn. Fleischer die Regie des Schauspiels und Hrn. Weiß die Regie der Oper

1811-07-15          Friedrich Carl Julius Schütz macht dem Publikum bekannt, daß er die Leitung des Theaters übernommen habe, jedoch bis zur Vollendung seiner neuen Organisation desselben, die Gesellschaft für ihre Rechnung fortspielen lassen werde.  

1811-07-22          Friedrich Carl Julius Schütz als Bürgermeister Staar in den Kleinstädtern.

1811-07-27          Friedrich Carl Julius Schütz als Theramen in Phädra

1811-07-29          Friedrich Carl Julius Schütz als Marinelli in Emilia Galotti.

 

 

1811-08-22          Die Zeitung für die elegante Welt, Nr. 167 v. Do 1811-08-22, Sp. 1336 berichtet:

„Korrespondenz und Notizen.

Aus Königsberg in Preußen.

Seit dem Absterben des Herrn Schauspiel=Direktor Steinberg   befand sich unser Theater in einer kläglichen Lage. Die Schauspieler spielten für ihre eigene Rechnung, und das Ganze ging einen Schneckengang. Das Haus war immer leer und mußte schon an einem Sonntage geschlossen werden, weil sich nur sechs Menschen im Parterre befanden. Dem Publiko kann man unmöglich die Schuld davon beimessen, sondern die Schauspieler haben es sich selbst zuzuschreiben, theils weil sie schlechte Stücke gaben, theils weil sie diese schlecht spielten. Die Herren Weiß, Büttner und Pauly sind die besten Schauspieler bei unserer Bühne. Mad. Schmidt ist die vorzüglichste Sängerin unsers Theaters, und wird sehr oft hervorgerufen. Ihre Hauptrollen sind: Fanchon, Aline und Hulda. Mad. Wolschowsky ist in dem Fache der Mütter sehr brauchbar. Eine Dem. Toskani von Danziger Theater ist hier engagirt, und findet und verdient keinen Beifall. Mad. Schwarz, welche sich einige Zeit bei dem Elbinger Theater aufhielt, ist zu unseren Leidwesen auch zurückgekehrt. Schon wollten die Schauspieler auseinander gehen, als Mad. Schütz hier ankam und einige Gastrollen gab. Am meisten gefiel sie als Maria Stuart.   Zum Benefiz der Mad. Schütz wurde gegeben: Scherz und Ernst, darauf die we[#] Worte, und zum Beschluß die beiden letzten Akte aus dem Hagestolzen. Das Haus war an diesem Abende zum Erdrücken voll. Wahrscheinlich weil die Neugierde die meisten herbeigezogen hatte, denn auf dem Zettel stand: Hr. Schütz werde im ersten Stücke den Cleant, und im letzten den Hofrath Reinhold geben. Wie Hr. Schütz dazu kam, sich als Schauspieler bei uns zu produciren, weiß ich nicht; nur soviel weiß ich, daß Hr. Schütz nicht mehr die Bühne betreten sollte, wenn er vernünftig handeln will. Mad. Schütz gab auch die Aline und – gefiel nicht. Gieich die erste Arie aus a moll konnte sie nicht singen, und bei den übrigen Singpartien half Mad. Schwarz. Nie werden wir Mad. Bethmann, als Aline, vergessen.  

Was werden Sie aber m. Fr. dazu sagen, daß Mad. Schütz die Direktion des Theaters (unter sehr billigen Bedingungen) übernimmt? Sie werden sich gewiß darüber freuen, daß die Königsberger endlich ein gutes Theater=Personale erhalten werden, denn wie man sagt, so wird Mad. Schütz zwei Sängerinnen, einen Bassisten (ich glaube Hrn. Sehring, welcher schon längst als braver Sänger bekannt ist) und einen ersten Liebhaber in Opern engagiren. Ballette sollen auch gegeben werden. – Nun die Zeit wird es lehren, was daraus werden wird, und ich werde gewiß auch nicht verabsäumen, Ihnen jeden Monat hinlängliche Nachricht zu geben.“

 

 

1811-08-29          Max von Schenkendorf schreibt an NN, den er zum Tee bittet, da Friedländers Geburtstag sei, Henriette Barkley ist anderweitig geladen. Vielleicht ist hier das Ehepaar Schütz angesprochen.

1811-09-10          Während des Konzertes von Karl Möser: „Mad. Schütz deklamirte zwei Legenden, von A. W. Schlegel und Göthe, mit der ihr eigenen Anmuth.“ – Schlegels „St. Lucas“. – Der Freimüthige Nr. 36 v. Mo 1810-02-19, S. 144, Sp. 1: „Sie declamirte St. Lucas von Schlegel, St. Peter von Göthe, und Hanns und Verene, von Hebel“ (aus den alemannischen Gedichten). – Ob sie auch Texte von Heinrich von Kleist darbot, ist noch zu erforschen. Am 1811-04-26, einen Tag nach ihrer Aufführung aus der „Penthesilea“, hatte Kleist einen Brief an Hendel-Schütz geschrieben.  

1811-09-20          erstmals (bis 1811-10-23) unter der Direktion von Schütz die „Jungfrau von Orleans“; besonders Kostüme sind aufwändig; Ehepaar Mosewius und Familie Lanz werden von ihr als entbehrlich betrachtet; Die Familien Motherby, Müller und Schwinck sowie andere überzeugte sie zu Abonnements; Jesters Stücke werden aufgeführt (z. B. der „Müßiggänger“ nach Picard). – „sie zu einer Unart das erste Beispiel gab, die bei den fremden Schauspielern zur herrschenden Sitte geworden, nämlich aus verwandtschaftlicher Rücksicht einen unbrauchbaren Anhang mit auf die Bühne zu führen und ihm das Gastrecht mitgenießen zu lassen.“; vor allem den Gatten Schütz.

1811-09-20          Erstmals unter der Direktion von Friedrich Carl Julius Schütz wird die „Jungfrau von Orleans“ gegeben.

 

 

Im September 1811 publiziert eine Freundin in Königsberg

An

Madame Schütz.

Der Winterblumen, die man Dir gewunden,

Bedarf es nicht, seit als Johanna Du

Den ewig grünen Kranz des Künstlerruhms ge=

          funden.

                    Caroline v. L.“

Man vergleiche 1812-01 das Gedicht von Gotthard Tielemann.

 

 

Max von Schenkendorf schreibt am 1811-09-20 an F. K. J. Schütz aus Königsberg. Er bittet,ihm eine Rolle aus dem Lustspiel ‘Hab ich nicht recht’ zum Lesen zu überlassen, wenn die Rollen schon ausgeschrieben seien.

 

 

1811-10          Kotzebues „Deodata“; Beginn der Streitigkeiten mit Schütz, weil man befürchtete, dass die Oper dem Schauspiel nachgestellt werde; Schütz soll sich geweigert haben, im Stück „Die Schachmaschine“ aufzutreten.

1811-10          Kotzebues Des Esel Schatten; man zischte und lachte Schütz aus, der sich ans Publikum wendet: „Und hiermit lege ich euch Eseln ewiges Stillschweigen auf.“; im Tumult kam s zu Schlägereien; Fleischer fragt nach den Wünschen des Publikums: nie mehr das Ehepaar, nur Madame Schütz allein auf der Bühne

1811-10-01          Jeannette von Gotter; „Herr Professor Schütz verdient daher Dank, dass er dieses Lustspiel aus unverdienter Vergessenheit hervorzog, und uns durch die Darstellung desselben Vergnügen gewährte. Mad. Schütz als Gräfinn stellte ihre Rolle mit bewundernswerther Kunst dar.“

1811-10-02          Ariadne auf Naxos von Brandes, Musik von Benda; „In der Rolle der Ariadne entwickelte Mad. Schütz vor unsern Augen eine Kunstfülle, die überall frohes Erstaunen erregte. Eine solche Künstlerinn unser nennen zu können, ist ein Stolz, der gerecht ist ist ein Gut, um welches gewiß viele andere Städte uns mit Recht beneiden Können. Als sie den fürchterlichen Sprung vom Felsen that, wurde auch dem Unerschrockensten bange.“

1811-10-23          Friedrich Carl Julius Schütz  als St. Val in Fanchon

1811-10-24          GehStA Berlin, XX. HA Rep.2, Tit. 21, Nr. 20, Bd. 1, Bl. 8-10, Nr. 11: Unruhe im Theater, wobei der Professor Schütz die Niederlegung der Theater-Direktion dem Publikum eröffnet, Bericht vom 1811-10-24.  

1811-10-24          Schauspieler Nordau debütiert in Fanchon dank Ifflands Empfehlung an Herrn Schütz.

1811-10-25          Schauspieler Nordau schreibt an Iffland betr. Henriette Hendel-Schütz

1811-11          Reise der Frau von Krüdener von Riga nach Königsberg.

1811-11-29          „Maria Stuart“, Abschiedsvorstellung.

1811-12          Mit der Bianca della Porta und der Isabella in der Braut von Messina beschloß Mad. Sch. ihre hiesigen Darstellungen.)

1811-12-01          als Gräfin Margarethe im Löwenherz (zu Pferde)

1811-12-03          Publikandum zum Verhalten im Theater. Siehe 1811-12-30.

1812 erfährt man durch eine auswärtige Zeitung:

„ – Aus Veranlassung einiger in dem Schauspielhause zu Königsberg vorgefallenen Störungen bei den Vorstellungen, hat die dasige Polizei verordnet, daß jede öffentliche Rede vor der Bühne ans Publikum erst der Censur vorgelegt werden soll, bei 5 bis 50 Thlr. und noch härterer Strafe, eben so wird das Extemporiren untersagt. Bei Erwiederung vermeinter, vom Publikum erfahrner Beleidigungen, durch wirkliche oder symbolische Zusätze, soll der Schauspieler mit Arrest bestraft werden. – Dagegen wird aber auch das Publikum angewiesen, imöffentlichen Urtheile über Handlungen der Kunst bei dem Gegenstande stehen zu bleiben, und keine Ruhestörungen zu veranlassen. Da aber das Hervorrufen der Acteurs bei getheilter Stimmung des Publikums unvermeidliche Unruhen erregen würde, so ist es vorläufig untersagt; auch darf kein Schauspieler bei Geld oder Gefängniß=Strafe darauf Rücksicht nehmen.“

1812-07 (!)          Ein rückblickender Zeitungsbericht dazu lautet: „Mad. Schütz trat vor ihrer Abreise nach Russland noch in einigen Rollen auf. Am 29sten Nov. [1811-11-29] als Maria Stuart. man warf Gedichte ins Parterre und aufs Theater, und bat sie, hier zu bleiben; die Gemüther waren aber zu sehr erbittert: es fand keine Einigung statt. Dem 1sten Dec. [1811-12-01] zeigte sie sich als Gräfin Margarethe im . Löwenherz (zu Pferde.) Es entstand wieder Unruhe. Die Polizey sah sichh genöthigt, das Extemporiren, Pfeifen, Zischen und Hervorrufen zu untersagen. Mit der Bianca della Porta und der Isabella in der Braut von Messina beschloß Mad. Sch. ihre hiesigen Darstellungen. – Am 20sten Dec. [1811-12-20] debütirte Mad. Ansschütz v. nürnb. Theater, durch Mad. Schütz in die Stelle der Mad. Mosewius als erste Sängerin verschrieben, kurz vor ihrer Entbindung, als Camilla.“

1811-12-06          Isabella in der „Braut von Messina“ letzte Vorstellung.

1811-12-07          Schütz legt die Direktion förmlich nieder.

1811-12-20          „debütirte Mad. Ansschütz v. nürnb. Theater, durch Mad. Schütz in die Stelle der Mad. Mosewius als erste Sängerin verschrieben, kurz vor ihrer Entbindung, als Camilla.“

1811-12-21          Schütz und Hendel-Schütz verlassen Königsberg; nicht nach Breslau, sondern nach St. Petersburg über Tapiau, Tilsit (1811-12-26) und Riga reist man. (nach Memel).

 

 

Regierungsrat Müller trug sich als einziger aus Königsberg in die „Blumenlese“ (S. 218) der Hendel-Schütz ein als diese abreiste; angebunden war ein Bild des Theatergebäudes.  

„Trauert Hallen, klaget Bogen!

Fort ist eure Priesterin“

          Königsberg.          Müller *).“

 

 

1811-12-22          Henriette Hendel-Schütz schreibt aus Tapiau an Johanna Motherby. Sie schreibt: Tapiau, d. 22sten December 1811. / Gestern Morgen beim Abschied bin ich noch einmal im ganzen Theater herumge- ¦ gangen, - wie ich oft diesen Sommer that, noch eine schön durchwachte Nacht, an Ihrem stillen Teich, in Ihrer lieben Gesellschaft - und habe meinen luft’gen Hallen, meinen edlen Logen Valet gegeben. Drei kleine Teppiche von dem großen grünen gemacht, habe ich mitgenommen, zur Erinnerung der schönen Gefühle, die ich oft auf diesem Teppich empfangen und gegeben - auf ihm begann ich meine Bahn in Königsberg und endete sie - und wenn ich so auf diesem sanften Grün erst die heiligen Muttergefühle Meropens,   oder Isabellens   in meinem Gefühl erzeugte, und wie ich so am Geburtstage des Königs meine antiken Gestalten, in blaue und rothe und weiße Gewänder gehüllt darüber hinwandeln sah, so war mir der grüne Boden das Bild der hoffnungsreichen Erde, auf der tausend bunte liebliche Blumen für meine Kunst und meine Freundschaft und Liebe für Sie mir aufblühten! Doch das ist vorbei, hinunter ging die Sonne jener Tage, und   dem Narrenkönig gehört nun ein für allemal die Welt!!! Wir kamen gestern Abend um vier Uhr hier an, der Gemahl und Thekla recht wohl, ich aber so übel und matt, daß ich zeitig ins Bett eilte, die Nacht aber und heute früh befand ich mich so schlecht, daß wir nicht weiter reisen konnten, sondern heut hier bleiben mußten. … Eben jetzt, da ich schreibe, um fünf Uhr, versammelt sich über mir die schaulustige Menge, es muß sehr schön sein, denn sie trampeln fast so arg, als wenn in Königsberg Herr Pumpernickel sie begeistert.“

1811-12-30          Das Publikandum vom 1811-12-03 wird in neuer Fassung publiziert, da der eigentliche grund Königsberg verlassen hat.

 

 

„Königl. Preuß. Staats= Krieges= und Friedens=Zeitungen. / Im Verlage der Hartungschen Hof=Buchdruckerei. / Nro. 1.“ Königsberg 1812-01-02, S. 5, Sp. 1:

„PUBLICANDUM.

Da diejenigen Verhältnisse, welche das vorläufige Verbot des öffentlichen Hervorrufens der Schauspieler als polizeiliche Maaßregel nothwendig machten, nunmehro gänzlich beseitigt, und die frühere Theater=Unruhen völlig beigelegt sind, so wird die in den § 8. des Publicandi vom 3ten December d. J. enthaltene Bestimmung wieder aufgehoben, und bleib das Hervorrufen der Schauspieler und Schauspielerinnen als öffentliche Beifalls=Bezeugung nach wie vor freigelassen. Nur versteht es sich von selbst, daß bei solchen Gelegenheiten alle unanständige Stöhrungen sorgfältig vermieden werden müssen. Die übrigen in dem Pubikando vom 3ten December d. J. enthaltenen polizeilichen Bestimmungen bleiben übrigens in voller Kraft, und werden aber sowohl dem Publiko als den Schauspielern ur genauesten Befolgung in Erinnerung gebracht.

Königsberg, den 30stem December 1811.

Königl. Preuß. Gouvernement und Polizei=Präsidium der Haupt= und Residenzstadt Königsberg.

  1. Zieten. v. Stein.

 

 

1812-01          befindet sich das Ehepaar in Riga. Sie spielte hier u. a. Medea, Octavia und Margarethe in den Hagestolzen. Gotthard Tielemann verfaßt ihr zu Eren den „Nachruf an Madame Hendel-Schütz. Auf Veranlassung ihrer pantomimischen Darstellungen“. Nach einem Zitat aus Schillers „Wallenstein“ (Schwer ist die Kunst …) fragt er einleitend: „Wer lieh dir dieses seelenvolle Spiel, / Die Hoheit aus olympischen Gefilden, / Der Grazien bezauberndes Gefühl, / Ein Feenreich uns schöpferisch zu bilden?“, um sie dann in ihren einzelnen rollen zu charakterisieren. – Vgl. 1811-09 das Gedicht.

1812-01-11          Schenkendorf schreibt an Henriette Hendel-Schütz - Königsberg, 11. Januar 1812

1812-02-12          Des Ehepaar Schütz befindet sich in St. Petersburg.

1812-05          Fleischer und Weiss holten verabschiedete Mitglieder wieder zurück; vgl.  

 

Aber im Mai 1812 war es den Schauspielern Fleischer und Weiss gelungen, Fortschritte zu machen, kostendeckend zu arbeiten. „Da nun beyde Herren nicht zu verkennende Beweise ablegten, dass sie sich der Bühne mit Ernst annähmen, da sie gute Stücke auswählten, und diese mit Anstand gaben: so fanden sie, besonders an Sonntagen, ein volles Haus und die Gagen wurden stets bezahlt. Ob nun ein Theater ohne eigentliche Direction, unter der Regie zweyer Mitglieder, für die länge bestehn könne – dieses Problem wird uns die Zeit lösen.“ Die beiden Direktoren holten ebenfalls verabschiedete Mitglieder wieder zurück, was die Qualität erhöhte.

 

 

Quellen:

 

„Korrespondenz und Notizen.

Aus Königsberg in Preußen.  

Ich theile Ihnen hier einiges über unsere musikalischen Unterhaltungen mit.  

  1. Konzerte einheimischer Virtuosen. Wenn ich nicht irre, so gingen dem, am 17ten März im neuen Schauspielhause gegebenen, Konzert des Hrn, und der Mad. Schmidt – Mitglieder unserer Bühne – zwei Konzerte voraus, wovon das eine der Herr Musikus Lindenberg, das andere Hr. Schauspieler Blum gab. – Die Piecen des Schmidtschen Konzerts, die von einer glücklichen Wahl zeugten und wirklich in der Executirung trefflich waren, setze ich Ihnen her: 1) Ouvertüre aus Sophonisbe von Pär; 2) Arie aus Aeneas von Righini, gesungen von Madame Schmidt (sehr brav). 3) Der Ritter von Toggenburg, deklamirt von Dem. Toskani (sie gefiel nicht). 4) Terzett, gesungen aus Achilles von Pär, von Mad. Mosevius, Mad. Schmidt und Hrn. Schmidt. 5) Simphonie Konzertante von Pleyel. 6) Der Taucher von Schiller, deklamirt von Hrn. Anschütz (gefiel außerordentlich). 7) Quintett von Mozart, gesungen von den Damen Mosevius und Schmidt, und den Herren Weiß, Blum u. Schmidt gefiel am meisten). 8) Variationen auf der Violine, gespielt von Hrn. Ritzler (mit Ausdruck und Fertigkeit). Den 7ten April gab der Privat-Singlehrer Hr. Antonio Cartellieri im Saale des Kneiphofschen Junkerhofes ein Konzert, das mehrere Male ausgesetzt gewesen war. Der hauptinhalt desselben war folgender: 1) große Szene mit Chor und obligatem Horn aus der Oper Corradino von Morlachi. 2) Duett aus der Oper: die Vestalin von Spontini (gut). 3) Favorit0Quartett zur Oper: Palmer von Weber. 4) Duett aus der Oper: die Danaiden von Morlachi (noch besser als das vorige). 5) Ein hier noch unbekanntes komisches Duett von Cimarosa. – Die Ausführung des ganzen Konzerts fiel nicht ganz zur Zufriedenheit der anwesenden Musikkenner aus, weil das Fortepiano einen Ton tiefer, als die übrigen Instrumente, gestimmt war. Dieser Umstand veranlaßte überhaupt einen hitzigen Streit in der Hartungschen Zeitung zwischen zwei allgemein geschätzten Männern, dem Hrn. Musikdirektor Riel und dem Hrn. Musiklehrer Dorn, (dem Dirigenten jenes Konzertes). Das einzige Unangenheme bei diesem öffentlichen Streite war nur, daß mehrere Personen kompromittirt wurden. Er endigte aber mit einer – von uns längst gewünschten – völligen Versöhnung zwischen bei den Theilen und sie läßt uns auch hoffen, daß nun beide Männer ihre Singinstitute zu künftigem Winter vereinigen und uns, gemeinschaftlich, manchen herrlichen Genuß bereiten werden.

Am 5ten Mai verschaffte uns Hr. Musikus Thiem – erster Violonist im Orchester – eine neue musikalische Unterhaltung. Auch er bewährte in der Wahl der Musikstücke als einsichtsvoller Kenner, so wie überhaupt die Ausführung [Sp. 1088:] des Ganzen den spielenden Personen viel Ehre machte. 1) Ouvertüre aus Lodolska von Cherubini. a) Arie aus den Sylphen (Robert (Saul Ascher) soll Verf. des Textes seyn) - gesungen von Mad. Schmidt. 3) Violinkonzert von Rode, gespielt von Hrn. Thiem (verdient vorzügliche Erwähnung). 4) Gedicht an das Vaterland von Fleischer (s. Hertha; Berlin, bei Diterici), deklamirt von Hrn. Anschütz. 5) Ouvertüre mit vierzehn obligaten Instrumenten befriedigte die mit Recht erregte Erwartung). 6) Sonate für das Forte piano, gespielt von einem vierzehnjährigen (hoffnungsvollen) Dilettanten. 7) Der Peter in der Fremde von Grübel in Nürnberger Mundart, deklamirt von Hrn. Anschütz (die Stimmen waren getheilt). 8) Polonaise von Elsner, gespielt von einem 13jährigen Dilettanten.

Am 23sten Mai. – Konzert des Violoncellisten Hrn. Neumann. Die rühmlichste Auszeichnung verdient ein Violoncellkonzert von Romberg, von Hrn. N. selbst gespielt. dann: eine von Hrn. Schauspieldirektor Weiß gesungene Scena buffa von Salieri und das, von einem braven Dilettanten, gespielte Fortepianokonzert von Mozart.

Den 26sten Mai hörten wir in der deutsch-reformirten. Kirche eine Kirchenmusik von Karl Fasch durch den Organisten Hrn. Jensen aufführen. Die Singstimmen waren durch junge Dilettanten und Dilettantinnen – Zöglinge und Freunde Herrn Jensen's – (und von denen sich in Zukunft, besonders von einem Fräulein v. Schulz viel Gutes und Schönes erwarten läßt) – das Orchester aber schwach besetzt. Der eigentlichen Kirchenmusik von Fasch gingen noch die jedes Mal mit einem Zwischenspiel auf der Orgel abwechselten. 2) An Gott: ‚Anbetung durchwalle‘ &.. 2) Die Fahrt des Lebens und 3) das Grab von Salis (letzteres zum Gedächtniß des 19ten Julius, beide von Herrn Jensens eigener Komposition. 4) Trauerchor von Reichard (dasselbe ging sehr gut). 5) Trost am Grabe: ‚Der Säemann säet den Samen.‘

  1. Konzerte ausländischer Virtuosen. Von ausländischen durchreisenden Virtuosen sahen wir folgende drei in diesem Jahr bei uns. Erstens: Im Monat Dezember den sächsischen Kammersänger Herrn Apel, der ein Konzert bei nicht vollem Hause gab und der mit seiner kräftigen Baßstimme unter andern auch die Are: ‚Ach, Laura! wann wird endlich &.‘ sang. Zweitens: (wenn ich nicht irre, im Monat April) den jungen 23jährigen Herrn Mühlenfeldt, der sich nur kaum drei Tage aufhielt und in seinem Spiel auch hier viel Beifall einärntet. Endlich. drittens: gab dem 19ten Mai Herr H. G. Lentz, ehemaliger Musiklehrer im Fortepiane und Komposition Sr. König. Hoheit, des Prinzen Ludwig Ferdinand von Preußen, von Warschau kommend, im Junkerhofe ein Konzert. Ich hebe auch hier m. Fr. das Merkwürdigste für Sie aus: Konzert für das Fortepiano und das neue Instrument, Ditanaclasis genannt, komponirt und gespielt von Herrn Lenz; ferner ebenfalls von ihm: Konzert für‘s Fortepiano und doppelten Ditanaclasis, und 3) Fantasie durch alle Theile des Kontrapunkts auf der Ditanaclasis, um dieses Instrument (welches überhaupt nur die Hälfte des Raums von einem Flügelfortepiano einnimmt) in seiner ganzen Kraft zu zeigen. – Das schätzenswerthe Talent dieses Mannes fand würdigen Beifall.

Dieses sind die Nachrichten, die ich Ihnen von unsere diesjährigen Konzerten mittheilen kann. Bevor ich aber diesen Gegenstand verlasse, muß ich doch noch der musikalischen Vorlesungen unsers braven Musikdirektors Hiller erwähnen. Er hat seine Vorlesungen über den Generalbaß, dem Wunsche mehrerer Musikfreunde gemäß, im Monat April begonnen und will selbige innerhalb fünf bis sechstehalb Monaten beendigen. Das Honorar ist 1 Frd‘or und er erfreut sich ziemlich vieler Zuhörer. Möge dieser verdienstvolle Mann uns noch lange erhalten werden.“

 

 

Rückblickend heißt es 1812-08-06 an anderer Stelle:

„Königsberg in Preußen.

Die berühmte Virtuosin der Mimik und Schauspielkunst Mad. Schütz, vormalige Hendel, hat auf ihrer Kunstreise in Begleitung ihres Gatten des Hn. Prof. Schütz, die sie über Altenburg, Gotha, Magdeburg, Berlin, Frankfurt an der Oder, Stettin, Danzig, nach Königsberg in Preussen geführt hat, überall den ausgezeichnetesten Beyfall gefunden. Sie waren willens ihre Reise nach Russland fortzusetzen; bleiben aber nun in Königsberg, wo Hr. Prof. Schütz den ehrenvollen Anträgen der Actionnäre des schnen Schauspielhauses sich gefügt, und die Direction des dasigen Residenztheaters übernommen hat. Seine lange Bekanntschaft mit den vornehmsten deutschen Theatern, seine vielseitigen dramaturgischen Kenntnisse, und seine eignen Talente in der theatralischen Darstellung, verbunden mit den längst bewunderten Talenten seiner Gattin, lassen mit Grunde erwarten, dass die zweyte Haupt- und Residenzstade der preußischen Monarchie ein Theater erhalten werde, wie es der glückliche Verein so vieler vortrefflichen Männer in höhern Staatsämtern, einer mit ausgezeichneten Gelehrten besetzten Universität, eines weisen und aufgeklärten Magistrats, einer höchstansehnlichen und cultivirten Kaufmannschaft in seiner Mitte zu haben verdient, und welches auch nur in sehr wenig Städten mit solcher Kraft unterstützt, und mit so viel Geschmack genossen werden kann, als in Königsberg in Preußen.“

 

Umfangreich berichtet ein Almanach über die Tätigkeit des Ehepaars:

„Im May und Juny gab Mad. Schütz, vormalige Hendel, folgende Gastrollen: am 30 May die Donna Isabella in der Braut von Messina, am 4 Juni Maria Stuart, am 6 Mad. Fresen d. j. im Fremden, am 8 [S. 301:] Cephise in Scherz und Ernst, Rosa in den zwei Worten, und Margarethe in den Hagestolzen, am 22 die Untersteuereinnehmerin Staar in den Kleinstädtern, am 27 Phädra, am 29 Gräfin Orsina, in Emilia Galotti; 1 July Merope. Hr. Schütz spielte als Gast am 8 den Cleant in Scherz und Ernst, und den Hofrath in den Hagestolzen, am 22 den Bürgermeister Staar in den Kleinstädtern, am 27 den Theramen in Phädra, und am 29 den Marinelli in Emilia Galotti.

Noch vor der Ankunft von Hr. und Mad. Schütz hatte die Comité den Herrn Actionärs des neuen Schauspielhauses, mit dem Hr. Schauspiel=Director Huray in Danzig, wegen Übernahme der Direction und Miethe des Theaters, Unterhandlungen angeknüpft, welche sie jetzt aber abbrach und Hrn. Schütz Anträge deshalb machte, der auch wirklich am 5 July die Direction antrat, worauf die seither bestandene Administration sogleich auseinander ging. In einer Ankündigung vom 15 July machte Hr. Director Schütz dem Publikum bekannt, daß er die Leitung des Theaters übernommen habe, jedoch bis zur Vollendung seiner neuen Organisa= [S. 302:] tion desselben, die Gesellschaft für ihre Rechnung fortspielen lassen werde. Mad. Schütz gab indessen noch folgende Gastrollen: am 5ten July Aline, am 7 Rosette im Jurist und Bauer und Rosa in den zwei Worten, am 18 die Baronin Ummer in der Beichte, am 4 August, zur allerhöchsten Geburtstagsfeyer Seiner Maj. des Königs, Merope, worin Hr. Director Schütz den Polyphont spielte, und ein ganz neues, nach Angabe von Mad. Schütz verfertigtes, antikes Costüm auf die Bühne gebracht wurde, und am 7 Octavia. Am 12 und 14 August gab Mad. Schütz ihre pantomimischen Darstellungen. Hr. Director Schütz übertrug Hrn. Fleischer die Regie des Schauspiels und Hrn, Weiß die Regie der Oper; engagirte Hr. Spangler vom Stettiner Theater als Tanzmeister, und Hr. von Bogdansty aus Königsberg als Fechtmeister für das Theater; zugleich auch noch mehrere neue noch nicht eingetroffene Mitglieder für das Schauspiel und die Oper, wogegen die Herrn Strödel, Mosewius und Lanz entlassen wurden. Über die neue Theaterorganisation wird vom Hr. Director Schütz eine eigene Schrift in Druck erscheinen, und die [S. 303:] Bühne unter seiner Direction im September mit der hier noch nie gegebenen Darstellung der Jungfrau von Orleans eröffnet werden.“

 

 

Umfangreich berichtet der Korrespondent nach Berlin

Sp. 806 f.: „Die Gastrollen der berühmten Mad. Schütz schafften der Bühne im Sommer noch einige leidliche Einnahmen. Als Sängerin zeigte sich Mad. Schütz in Aline (v. Beron) und in zwey Worte (wenn man anders diese stumme Rolle zu den Singrollen rechnen will.) Im Melodrama Medea v. G. Benda (vielleicht ihre beste Rolle9 entfaltete sie ihr Kunst als Schauspielerin. – Das Theater wäre nun sicher aufgelöset worden, zumal, da die fürchterliche Feuersbrunst am 14 Juny, welche einen bedeutenden Theil der Stadt Königsberg, mit ihm die ansehnlichsten Waarenmagazine verheerte, die Nahrungslosigkeit und das Elend der [Sp. 807:] Einwohner vermehrte und bedeutende Familien um ihr Vermögen brachte. Allein Hr. Dr. Schütz, der Gatte der genannten Künstlerin, welcher auch als Schauspieler aufgetreten war, zeigte an, dass er die Direction des Theaters von  Michael [1811-09-15] an übernehmen werdde, und dass ihn dazu theils die gute Aufnahme des Publicums, theils die vortreffliche Einrichtung des Theater-Gebäudes, das an Schönheit und Zweckmässigkeit seines gleichen suche, bewogen habe u. s. w. Bis Michael spielten die  Schauspieler für ihre eigne Rechnung unter der Regie des Hrn. Fleischer und Weiss. Mad. Schütz gab zwey pantomimische Darstellungen und ein Declamatorium. Um Michael eröffnete Hr. Direct. Schütz das Theater. Mehrere gute Mitglieder wurden entlassen, oder nicht engagirt, (Hr. und Mad. Lanz, Hr. Emter, Hr. trödel, ein beliebter Veteran in komischen Rollen, dessen Fach hr. Direct. Schütz übernahm, Hr. und Mad. Mosevius, die Krone unserer Oper, welche eine Reise nach Berlin machten.) Das erste bedeutende Stück war Schillers Jungfrau von Orleans. (Es wurde mit Pracht und Anstand gegeben; Mad. Schütz spielte die Johanna. Hr. D. Sch. hatte, um dem Publicum zu zeigen, dass nicht Gewinnsucht ihn leite, die Preise der Plätze nicht erhöht, in der Erwartung, durch ein öfters volles Haus die Kosten zu gewinnen: allein die Hoffnung täuschte, und schon bey der 2ten und 3ten Darstellung des Stücks war es bedeutend leer. Hr. Direct. Schütz, der den König übernommen hatte, sah sich genöthigt, vor der 2ten Aufführung eine Rede zu halten: ‚Er habe in Erfahrung gebracht, dass eine ungerechte Kritik ihn angreifen wolle. Er masse sich nicht an, ein grosser Schauspieler zu seyn, habe aber die Rolle des Königs übernehmen müssen, weil vor der Hand noch kein Anderer für die Rolle hier sey Er werde in Zukunft nur im komischen Fache spielen, zu welchem er sich Anlage zutraue. Man habe auch seine Gattin getadelt, dass sie, wenn Geräusche entstehe, inne halte, dies geschahe aber nur aus Achtung gegen das Publicum, damit es nichts verlöre. Er habe die Direction übernommen, weil er in seiner Gattin eine der grössten Künstlerinnen besitze, nicht aus Gewinnsucht, denn das Schickal seiner Vorgänger habe erwiesen, [Sp. 807:] dass die Entreprise dieses Theaters nicht gewinn bringend sey, und er könne die Direction auch gleich niederlegen‘ u. s. w. – Obwohl Hr. D. Sch. sehr gute Stücke auswählte, und Mad. Schütz sehr fleissig spielte, (sie trat im musik. Fache noch in dem Melodrama Ariadne v. G. Benda und in Salomo’s Urtheil als Sena auf) so  war doch der Besuch des Theaters so gering, dass die beste Einnahme an Wochentagen, wie man sagt, in 10 Thalern über die Kosten bestand. Selbst die Heruntersetzung der Preise für die Logen und gesperrten Sitze half nicht. Am 13ten Octobr. [1811-10-13] wurde zur Erstenmale gegeben: Deodata, (das Gespenst) v. Hrn. v. Kotzebue, mit Musik von B. A. Weber. Hr. Dir. Schütz zeigte an, ‚dass der bedeutende Kostenaufwand zu diesem Stück ihn nöthige, für die erste Vorstellung die Preise zu erhöhen. Gern hätte er dies unterlassen, allein die kosten für die Jungfrau wären noch nicht einmal zur Hälfte gedeckt, und diejenigen Stücke, welche Herz und Verstand beschäftigen, und in welchen es vorzüglich auf Schauspielkunst ankomme, würden nicht in dem Maasse unterstützt, dass dadurch der Aufwand für die beliebten Spectakelstücke, welche sich durch sichh selbst selten bezahlt machten, mitgewonnen werden könne.‘ Deodata, welche Berlin bezaubert hatte, gefiel hier nicht, welches wohl an der Darstellung lag. Die Ballets, ein wichtiger Theil des Ganzen, fehlten; die Chöre, woraus fast nur die Musik besteht: nun – die Chöre gingen, wie gewöhnlich! Die obligate Harfe war durch ein verstimmtes Pianoforte ersetzt, und der Feuerregen am Ende fiel aus Mangel eines Theatermeisters schlecht aus. im 3ten act ging gar ein Gebäude übers Theater, welches von der einrichtung der Maschinerie keinen vortheilhaften Begriff giebt. Bey den folgenden Vorstellungen ging manches besser; der 3te Act musste aber in der Mitte getheilt werden. Hr. Schütz wurde nun in der hiesigen Zeitung befragt, warum er das Publicum auf eine solche seltsame Weise zum Besuch des Theaters ermuntre, und nicht lieber das Personale (vorzügl. für die Oper,) verbessere: denn je mehr uns die unübertrefflichen Darstellungen seiner Gattin entzückte, je auffallender zeigten sie den Abstand derselben gegen das übrige [Sp. 809:] Personale u. s. w. (Dieser Vorwurf scheint Ref, in zwiefacher Hinsicht ungerecht. Denn 1) war es bekannt, dass hr. Schütz mehrer Mitglieder erwarte: Hrn. und Mad. Becker, Hr. und Mad. Anschütz u. a. 2) verdiente das ganze Personale diese Verachtung nicht, es hat allerdings mehrere recht brave Mitglieder, und dass das Ganze sich verschlechtert hatte, lag daran, dass kein Kopf an der Spitze stand. Der Schauspieler J. Lange sagt in seiner Selbstbiographie (Wien 1808.9 sehr wahr: ‚Wol fand ich (im nördlichen Deutschland) Schaubühnen, auf denen ich manchen vorzüglichen Schauspieler sah, aber selten mehr als einen, und die Leitung  des Ganzen nirgends gut, wo sie nicht von einem, und einem guten Kopfe geführt wurde.‘) Hr. Schütz vertheidigte sich dagegen in einem etwas höhnischen Tone, fragte: ob der Tadler ein Taschenspielerstückchen kenne, Schauspieler in einem Nu einige 100 Meilen weit ‚herzublasen;‘ ob man Jemand zwingen könne, nach Königsb. in Pr. zu kommen; (diesen Ausdruck fand man sehr beleidigend;) ob man ihm ‚ein berühmteres Mitglied der Bühne, als seine Frau, in oder ausserhalb Deutschlands, nennen könne? (dies fand man wieder sehr anmassend,) u. s. w. Er wiederholte seine, in der angeführten Rede, gemachten Aeusserungen: dass, wenn es ihm nicht gelänge, das Theater zu verbessern, er die Direction niederlegen werde, indem er vortheilhafte bürgerliche Verhältnisse aufgeopfert habe, u. s. w. Hr. Schütz, der in mehreren komischen Rollen nicht sonderlich gefallen hatte, trat nun am 21sten Octobr. [1811-10-21] als Bürgermeister in des Esels schatten auf. Man pfiff bey seynem Erscheinen, einige angesehene Männer aber stellten die Ruhe wieder her. Die Sache wäre damit vielleicht abgemacht gewesen: allein mehrere behaupten, Hr. Schütz habe beym Schlusse des Stücks Zusätze gemacht, von zur Ruhe gebrachten Eseln gesprochen, und aufs Parterre gedeutet. Dem sey, wie ihm wolle: am 25sten [1811-10-25] war die Schachmaschine angekündigt; Hr. Sch. wollte den Grafen Balken spielen. Die Wachen waren verdoppelt, das Haus sehr voll. Der erste Act ging ruhig vorüber; als aber im 2ten Graf Balken erschien, fand ein ärgerlicher Auftritt statt. Es wurde gepfiffen und zwar von der Majorität des Parterre. Es war ein [S. 811:] entsetzlicher Lärm; man schlug sich u. s. w. Hr. Sch. sah sich genöthigt, abzugehen. Hr. Fleischer kam vor, und fragte, was man verlange. ‚Abbitte!‘ schrie Alles. Der Lärm dauerte bis 8 Uhr. hr. Sch. erschien endlich und erklärte: ‚er lege die Direction nieder.‘ Nun ertönte ein sehr lautes Bravo! und das Publicum musste nach Hause gehen. Man sagt, Hr. Sch. habe auch an öffentlichen Orten sichh über die bildung des hiesigen Publicums, vorzüglich des Handelsstandes, sehr nachtheilig geäussert, und dadurch die Katastrophe veranlasst. Jetzt wird die ganze Sache vor der Polizey verhandelt, indem mehrere bedeutende Männer noch immer auf öffentl. Abbitte bestehen sollen. So hat des Esels Schatten einen neuen, seltsamen Prozess erzeugt. In eine, hiesigen Blatte wurde gefragt, wo denn Krähwinkel liege? und Hr. Schütz  im Namen des ‚gebildeten Publicums gebeten, die Direction zu behalten. Dass er das nicht thun werde, war wol voraus zu sehen. mad. Schütz ist krank. – Wer hier recht oder unrecht hat? Non nostrum est, tantas componere lites.

Es liegt nicht an uns, solche Streitigkeiten beizulegen. – Publius Vergilius Maro: Bucolica, ecl.3; Palaemon, 105 ff. – Klamer Schmidt (Hrsg.): Klopstock und seine Freunde. Briefwechsel der Familie Klopstock unter sich und zwischen dieser Familie, Gleim, Schmidt, Fanny, Meta und anderen Freunden. Aus Gleims brieflichem Nachlasse, Bd. 2. Halberstadt 1810; S. 298, Nr. CXLIII, Gleim an Klopstock 1796-03-14.

Aber Ref. glaubt: Iliacos intra muros peccatur et extra.

Es wird innerhalb und außerhalb der Mauern von Ilium (Troja) gesündigt. – Quintus Flaccus Horaz: Episteln I, 2.

Sie werden über diesen Vorfall Darstellungen in allen Blättern lesen. Einige werden Hrn. Schütz, andre da Publicum verdammen. Ich habe mich begnügt, Ihnen die Facta unentstellt mitzutheilen, ohne für oder gegen Jemand Parthey zu nehmen – ein Verfahren, das ich immer beobachtet habe. Für den Augenblick ist vielleicht eine solche Darstellung weniger interessant, als die mit vollen Backen ausgeblasenen Lobsprüche oder ärgerliche Pasquille in gewissen andern Blättern; dafür behält aber die ruhige Erzählung noch einen Werth, wenn jene Aufsätze durch den Erfolg längst in iht Nichts zurückgekehrt sind. – Was nun aus unsrer Bühne werden soll, das wissen die Götter. Vor  der Hand spielen die Mitglieder unter der Regie der Hrn. Fleischer und Weiss. Hr. Schütz, der im Novembr. nach Russland abgehen will, zahlt bis zu seinem Abgange die Gage. Er soll bey der Entreprise des Theaters, die etwa 5 Wochen währte, 3000 Thlr. eingebüsst haben. – Unsrer Bühne wird wenigstens keine andre den Vorzug streitig machen können, in wenigen Jahren die meisten Revolutionen [Sp. 811:] erlebt zu haben, und wenn es wahr ist, dass ein hiesiger gelehrter die Aufschrift an unserm alten Comödienhause (Aman alterna Camoenae)

„Es lieben die Musen den Wechsel“, Vergil: Eklogen III, 59 (Palaemon; „Amant alterna Camenae.“); Camena (Plural Camenae) eine den griechischen Nymphen vergleichbare römische Quellgottheit. – Vgl.: Immanuel Johann Gerhard Scheller [1735-1803] / Georg Heinrich Lünemann: Lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handlexicon vornehmlich für Schulen. Erster oder lateinisch-deutscher Theil, Bd. 1, Leipzig: Caspar Fritsch 1807, S. 193, Sp. 1: „Camena (Cämoena)“, die Muse, Gedicht oder Lied, nach Livius und Horatius.

einmal übersetzte: Die Musen lieben die Abwechselung: so hat aus ihm wahrlich ein prophetischer Geist gesprochen. (Einäscherung des alten Hauses. Darstellungen in einem kleinen Saale. Wiederaufbau des Hauses. Theilung der Gesellschaft zwischen Danzig und Königsberg. Banquerot des Hrn. Steinberg. Theateradministraion. bau des neuen Hauses. Einäscherung desselben. Spiel im alten Hause. Direction des Hrn Schwarz. Wiederaufbau des neuen Hauses. Zwistigkeiten des Hrn. Schwarz mit der Comité. Entreprise des Hrn. Heckert. Versöhnung mit Hrn. Schwarz. Abgang desselben. Direct. des Hrn. Steinberg. Tod und Banquerot desselben. Theater-Administration. Vereinigte Gesellschaft. Direction des Hrn. Schütz. Dessen Abgang. Vereinigte Gesellschaft. Alles in einem Zeitraum von etwa 14 Jahren!)

Am 24sten Octobr. debütirte Hr. Nordau (v. Breslauer Theater) als Eduard in Fanchon. Seine Stimme ist ein guter Bariton, dem freylich noch Bildung fehlt. Vor hohen Tenorrollen sollte er sich hüten; sein Falset ist mit den Brusttönen nicht gehörig ausgeglichen. Seine Figur empfiehlt ihn; er fand mässigen Beyfall. Der von Hrn. Schütz engagirte Ballettmeister, Herr Spangler

Wahrscheinlich das Schauspieler-Ehepaar Johann Samuel Spangler und der Sängerin Karoline Spangler geb. Feige.

aus Stettin, trat auch in einigen Rollen als Schauspieler auf. Am 27sten gab man das Hausgesinde, Singspiel mit Musik von Fischer. Es fand durch das brave Spiel des Hrn. Weiss, als Lorenz, Beyfall.

Von Concerten kann ich Ihnen auch nicht viel Bedeutendes melden. Hr. Musik-Director Riel feyerte den Todtag der unvergesslichen Königin durch eine Cantate, von Hrn. v. Arnim gedichtet, und von Hrn. G. Abr. Schneider componirt, die in der Schlosskirche aufgeführt wurde. Weder Text, noch Composition, noch Ausfüh- [Sp. 812:] rung erhielten Beyfall. – Ein 11jähriger Knabe, Wolfram,

Joseph Wolfram, geb. Mährisch-Neustadt 11.01.1798, gest. ? – Gustav Schilling (Hrsg.): Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicons der Tonkunst. Supplement-Band. Stuttgart: Franz Heinrich Köhler 1842, S. 441-443. – Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 58, Wien 1889, S. 25 ff.

aus Wien, gab zwey Concerte, in denen er die Flöte blies, aber nicht ausgezeichnet. Der talentvolle Concertm., Hr. Möser, erfreute uns bey seiner durchreise von St. Petersburg nach Berlin durch zwey Concerte, in welchen wir sein treffliches Spiel auf der  Violin bewunderten. Im 2ten dieser Concerte declamirte Mad. Schütz zwey Legenden von Göthe und A. W. Schlegel. Am 4. October führte Hr. Mus. Dir. Riel mit seinem Singinstitute die Chöre aus der Athalia von J. A. P. Schulz aus, kam aber kaum auf die Kosten. Am 19ten gab der Stud., Hr. Rohleder, ein Concert vor einem sehr kleinen Auditorium, und zeigte sich wieder als braven Klavierspieler. -Ein stehendes Winterconcert haben wir Armen wieder nicht zu hoffen. Der Mangel eines solchen in einer grossen Stadt ist immer ein sicherer Maasstab für den schlechten Zustand der Kunst daselbst. Der Verf. eines Aufsatzes über die hiesige Musik in No. 72 der berliner politischen Zeitung (!)

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Sicherlich die „Vossische Zeitung“ oder die „Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“; der Jg. 1811 konnte nicht nachgewiesen werden.

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ist andrer Meinung. Nach ihm stet’s hier um die Musik sehr gut. Er gesteht aber selbst, nicht gründlich zu Werke zu gehen, ‚da es heutigen Tages nicht zum guten Ton gehöre, ein Ding bis auf den Grund zu erschöpfen‘ (!) Was thut man auch mit der Gründlichkeit! Bücklinge und Protectionsgesuche – das ist die Hauptsache, und siehe da, wer die macht, der macht alles – alles gut.

Der talentvolle 9jährige Samuel Klaage, dessen ich im 23sten St. dieser Zeit. als eines aufkeimenden, seltenen, musikalischen Talents erwähnte, ist durch ein Nervenfieber der Kunst, und seiner, auf ihn ihre Hoffnungen gründenden Familie entrissen worden. Solche zarte Blüten entfalten sich im Norden schwerlich. – “

 

Ein Korrespondent aus Königsberg publizierte seinen folgenden Text in mehreren überregionalen Zeitungen:

„Theater=Sturm.

Der Schauspiel=Direktor Schüz beantwortete eine Anfrage in der Königsberger Zeitung, warum er bloß auf Spektakel=Stücke Kosten verwende, und dagegen eine Vermehrung seiner Bühne vernachläßige, mit den Worten: ihn könne, bei der entschiedenen Unabhängigkeit seiner Verhältnisse, nichts in der Wellt hindern, die Direktion auf der Stelle wieder niederzulegen, so bald ihm seine gute Absicht, hier eine Bühne zu begründen, die, ihres schönen Lokals würdig, sich durch solche Darstellungen, wie die Jungfrau von Orleans, Merope, Oktavia, Jeannette, Medea, Ariadne & gewesen sind, mit allem Recht zu einer der ersten rechnen kann, verleidet werden sollte! – Dieß geschah. Am 21. Okt. [1811-10-21] ward Schüz, als Bürgermeister in des Esels=Schatten, gleich beim Auftreten, wahrscheinlich von der Parthey des anonymen fragers, mit Pfeifen empfangen. Dadurch fühlte sich Schüz veranlaßt, am 23., [1811-10-23] vor dem Anfangen des Schauspiels, hervor zu treten, und ernstlich zu erklären, daß er jede Mißhandlung, von Seiten auch nur einer Parthei im Publikum, für eine Aufforderung ansehen werde, die Direktion niederzulegen. Während seiner Rede ward er häufig durch Gelächter, Pfeiden, Klatschen und Bravorufen unterbrochen. Das Stück begann, und der erste Aufzug ward glücklich zu Ende gespielt, so auch die drei ersten Auftritte des 2ten Aufzuges; als aber Schüz als Graf auftrat, so nahm das Bravorufen, Klatschen und Pfeifen, so sehr überhand, daß man ihn nicht zu Worte kommen ließ, und eine Parthei wollte die andere zum Schweigen bringen. Er trat ab. Nach mehrern Unterhandlungen fiel der Vorhang. am 28. darauf [1811-10-28] machte Schüz dem Publikum schriftlich bekannt, daß er die Direktion niedergelegt habe, und Königsberg zu Ende des Novembers verlassen werde.“

 

 

 

Nachzutragen ist noch, was Hagen 1863 in den Zusammenhang mit der Studentenzeit des Dichters stellt, von dem er zuvor schrieb: „Als die Hendel-Schütz auf dem Theater in Königsberg durch ihre mimischen Darstellungen entzückte, ließ sie [Me: die Mutter Max von Schenkendorfs] eine große Nische herrichten, damit hier Aehnliches versucht würde.“  

 

So verwundert es nicht, dass Jettchen Barcklay auch später noch Schleiertänze aufführte.

 

 

 

 

Literatur:

Allgemeines Theater-Lexikon Bd. 4, 1841, S. 213-215

Heinrichs, A. (Hrsg.): Almanach für Freunde der Schauspielkunst auf das Jahr 1850, 14. Jg., Berlin 1850-01-012, Selbstverlag, S. 60-63

 

 

 

Johann Ludwig Ewald (1748-1822), Max von Schenkendorf und Johann Henrich Jung-Stilling

  

Heinrich Funck druckt diese Heiratsurkunde ab und leitet ein: „In Karlsruhe hatte Frau Barcklay dem erwarteten Verlobten zwei Gottesmänner zu Freunden ausersehen, Geheimen Hofrat Jung Stilling und Kirchenrat Ewald.“

 

Hermann Ludwig Samuel Friedländer, Max von Schenkendorfs ältester Freund, drückte dies 1837, sich erinnernd, poetischer aus: „Im reinsten Genusse des ehelichen Glückes und im Umgange mit Jung-Stilling, Ewald und andern ausgezeichneten Männern wurden ihm hier halcyonische Tage zu Theil“.

 

Über Johann Ludwig Ewald (1748-1822) berichtet umfassend Johann Anselm Steiger. Er bezweifelt zwar S. 139 die enge Freundschaft zwischen Ewald und Jung-Stilling, aber beide sind Zeugen der Trauung und Ewald examinierte Jung-Stillings Tochter aus dritter Ehe Elisabeth Amalie („Malchen“, Sophie (1796-1860) zur dann am 1812-03-19-09:00 vollzogenen Konfirmation wohl durch Jakob/Ernst Christoph Kühlenthal (1779-1818), den Pfarrer der reformierten Gemeinde. - „Die Confirmation geschieht im Graimbergischen Hauße“ schreibt Jung-Stilling am 1812-03-13.

Auch für Jung-Stillings damaligem Sorgenkind Friedrich (1795-1853), dem späteren „von jung-Stilling“, setzte Ewald sich 1812 ein. Jung-Stilling schreibt:

„Sie wissen, […]  warum wir unseren Friedrich auf das Rastatter Gymnasium schicken musten; nun wurde uns aber vor einigen Wochen Von einem wichtigen Mann im Vertrauen gesagt, daß kein protestantischer Jüngling auf einem katholischen Gymnasio so weit kommen könne, daß er Von demselben unmittelbar zum UniVersitätsUnterricht geschickt sey: behalten Sie aber dieses für sich : - Friedrich müsse also noch ein anderes Gymnasium, entweder in Carlsruhe oder in Mannheim besuchen. Beydes ist uns aber nicht thunlich: denn <hier> in Carlsruhe wieder anzufangen wäre auffallend, zudem sind da die Sitten nicht die Besten, und ihn nach Mannheim zu schicken, das ist für meine Lage beschwerlich; wir haben uns also entschlossen ihn nächsten Herbst nach Heidelberg zu bringen, wo er dann freylich noch nicht immatriculirt werden kann, es sey denn daß er im Examenbesteht, welches Ewald in Geheim unternehmen will, besteht er, so läst er sich examiniren, und bezieht dann die UniVersität, besteht er aber nicht, so muß er in Heidelberg Privatstunden nehmen, so lang bis er immatrikulirt werden kann.“

Im Jahr 1813 treffen sich beide Männer – oft gemeinsam mit der Familie – nahezu täglich, oft auch zu  Mahlzeiten. Manchmal vermerkt Jung-Stilling nach einem solchen Treffen: „wir waren recht vergnügt zusammen“, aber es findet sich auch zuweilen der Hinweis „ich / brachte ihn vergnügt zu redete / aber zu viel“ oder gar der Seufzer „, herr jesus erbarme dich“! Aber noch 1814 stellt Jung-Stilling fest: „Er [Ewald] hat mich ausserordentlich lieb, und ich bin auch wohl sein einziger zuverläsiger Freund, den er hier hat.“

 

Gerade von Königsberg in Karlsruhe angekommen, vergleicht der Gottesdienstbesucher Max von Schenkendorf die Predigten des späteren Erzbischofs Ludwig Ernst von Borowski (1740-1831) mit denen von Ewald.

„Hier habe ich noch nicht gefunden, an was ich dort gewöhnt war, und werde es wohl so bald nicht finden. So kahl und formlos hier der Kultus in den Kirchen ohne Altäre ist, solche Maschienen sind hier die Geistlichen. Davon muß ich nun freilich den alten gutmüthigen Ewald ausnehmen; aber auch die eine Predigt die ich von diesem gehört habe, war ein monologischer Herzenserguß über eine Psalmstelle von der Väterlichkeit Gottes. So freie Ausflüsse Ihres Gemüthes nun auch Ihre Predigten mein mein ehrwürdiger Vater und Freund! seyn mögen, so hat mich doch, neben der apostolischen Simplizität und Gediegenheit, die herrliche, ich möchte sagen dramatische Form derselben, aus Sätzen, Gegensätzen, und Auflösungen bestehend, die mir als das Resultat einer grossen tiefen Reflexion, von der alles diese lebendige Gestalt angenommen, erschien, ergötzt. Unumgänglich wird auch jede anders gestaltete Rede von DreiviertelStunde langweilig werden. Entschuldigen Sie mich, daß ich mich erdreiste vor Ihnen Ihre Predigten zu zergliedern; ich habe damit zugleich gesagt, warum mir die wenigsten andern gefallen können. Ewald ist übrigens ein braver, lieber, gemüthlicher und frommer Mann. Diese Frömmigkeit ist dann aber doch noch zu unterscheiden von jener himmlischen Flamme, die nach Thomas von Kempen Modum saepe nescit sed super omnem modum fervescit. Dazu kommt noch eine gewisse breite und spielende Sentimentalität, die Sie aus seinen Schriften kennen werden, sonderbar genug gepaart mit einer weltlichen Heftigkeit, einer Folge aller seiner Verhältnisse als Prinzenhofmeister, HofPrediger in Detmold, Prediger in Bremen (!) Professor, KirchenRath im Badenschen Ministerio (reiner Offiziant ohne PastoralGeschäfte) welche ihn bis jezt wohl verhindert haben zu der Klarheit und Ruhe zu kommen, die einen Geistlichen und einen Greis so sehr zieren. - Ich junger Mensch sollte mich eigentlich scheuen einen Mann der noch einmal so alt ist, und der uns so gastfreundlich aufgenommen hat, zu konstruiren - - ich will aber auch zugleich > <zu>gleich hinzufügen, daß Ewalds Wirksamkeit im Kirchen und Schulen Wesen des Grosherzogthums, wie ich von allen Seiten höre und sehe, höchst gesegnet ist. Durch Wilhelm Dorow, der hier durchkam, habe ich Ihnen ein Paar seiner Broschüren gesendet - er bedauerte daß er die eigentlich Ihnen zugedachten, welche hier, wo man auch noch immer an den Schulen wie am gesamten Staat bastelt, viel gewirkt haben sollen, nicht mehr vorräthig hatte. Ich habe zugleich noch einen diesjährigen Kalender, des lieben Hausfreundes und allemannischen Sängers Hebel beigefügt, […]. […] Noch habe ich Ihrer Aufforderung und der Natur der Sache nach von einem Manne zu sprechen, gegen den ich mit manchem Vorurtheil ankam, und der mir nun gar sehr am Herzen liegt - ich meine den schönen und ehrwürdigen Greis Jung, in dem ich ganz den frommen, weichen und kindlichen Stilling wieder= gefunden habe. Er ist ein Dutzbruder von Ewald, und obgleich ihre Theologie wohl etwas verschieden seyn mag, lieben und achten die beiden sich gegenseitig, und sehen sich, so wie wir, mehreremale in der Woche.“

 

Auch Jung-Stilling meinte noch zu Ostern 1813: „ewald predigte vortreflich“, und im September des Jahres „machte ich ein gedicht auf ewalds geburtstag“.

 

Am 1813-10-21 erhält Jung-Stilling eine „traurige nachrichten von ewald, kummer darüber“. Hier sind die von Steiger S. 134-138 abgedruckten Pamphlete gegen Ewald und dessen (angeblichen) Beziehungen zu der Karlsruher Hure Mäurer gemeint. Bereits am nächsten Tag „kam brauer, wir sprachen wegen ewald“. Johann Nikolaus Friedrich Brauer (1754-1813) war Vortragender Geheimer Kabinettsrat des Ministeriums des Innern und hatte sich mit dieser Kausa zu beschäftigen. Anfang November speiste Jung-Stilling bei Ewald und sorgt sich: „ich bin durch ewalds aufführung gedrängt, herr mache dieser sache doch ein ende, leite alles zu deiner verherrlichung rette das institut“, das Institut dürfte das Graimbergische sein.

Ein Jahr später greift Jung-Stilling diese Affäre in einem Schreiben an die Christentumsgesellschaft in Basel wieder auf; dazu Briefedition Jung-Stillings, S. 555 f., 559-561:

„Was Ewald betrift, so kann ich weiter nichts sagen,als daß er [Bl. 2:] mir noch ehegestern in der Gegenwart Gottes heilig und theuer versicherte er sey ganz unschuldig. Da wir seit langer Zeit vertraute Freunde sind und er mir jeher allenthalben wo er war, in diesem Punct in Verdacht war, so bin ich ihm oft hart zu Leibe gegangen, aber ohne Erfolg, er behauptet immer feyerlich seine Unschuld. Ist er unschuldig, so rette doch der Herr Seinen eigene und auch dieses Mannes Ehre, denn die Religion leidet darunter, ist er aber schuldig, so lege ich die Hand auf den Mund, denn alsdann - doch kein Wort mehr.“ – Jedoch äußert er sich dennoch am 1814-12-29 in einem Brief an Johann Friedrich von Meyer noch einmal ausführlich zu dieser Angelegenheit. Jedoch: „wir müßen doch den Mann schonen, theils um seiner Frauen und Kinder willen, die von der Sache noch kein Wort wissen, theils auch um seiner Gesundheit willen, denn dies Gerüchte hat ihm schon einige Anfalle von apoplektischen Zufällen verursacht; und endlich ist es doch auch möglich, daß er unschuldig ist.“

 

Im Jahr 1815 sind die Familien Jung-Stilling, Schenkendorf, Ewald, Krüdener, Graimberg, Hebel … gleichzeitige Badegäste in Baden-Baden. Hier trägt sich Ewald neben den Eheleuten Jung, Friedrich Heinrich Christian Schwarz in das Stammbuch Max von Schenkendorfs ein.

 

Anscheinend hat sich durch diese engere Bekanntschaft das Verhältnis Max von Schenkendorfs zu Ewald geändert. In der Mitte des Jahres 1816 schreibt er nämlich:

„Ewald schreibt nach dem Beispiel seines Freundes Dohm [Christian Konrad Wilhelm Dohm (1751-1820)] eine Salbe von Toleranz, Humanität u. Indifferentismus für die Juden. Preussen muss als Beispiel dienen.“

Und an anderer Stelle heißt es:

„Ewalds, seit die Frau vorm Jahr einen Fall gethan, ganz und gar absterbend, und uns eigentlich doch nie die nächsten. Seine Schriftstellerei ist mir zuwieder, wenn ich dann aber recht ärgerlich bin rührt mich immer wieder die grosse Freundlichkeit und Liebe in dem alten Mann.“

 

Nicht vergessen sein soll, dass Max von Schenkendorf in Ewald einen Herausgeber von vier seiner Gedichte fand:

 

  1. 42-43: „8. / Kriegslied für die Oesterreichische Armee.“
  2. 44: „9. / Soldaten=Morgenlied.“
  3. 45-46: „10. Soldaten=Abendlied. / Für ein Königlich Preußisches Corps / den 23. October 1813.“
  4. 47-48: „11. Te Deum laudamus. / Nach der Schlacht bei Leipzig 1813.“ Nach der Schlacht bei Leipzig
  5. 55-57 als Nr. VIII: Krijslied voor de Oostenrijksche Armée
  6. 58-59 als Nr. IX: Soldatenmorgenlied
  7. 60-62 als Nr. X: Soldatenavondlied
  8. 64-66 als Nr. XI: Te deum laudamus

Sie erschienen in:

Krieg und Friede, / aus dem / Standpunkt des Christen betrachtet, / mit / Hinsicht auf die jetzige Zeit. / Von / Johann Ludwig Ewald. / [Motto:] Nicht die Freiheit, sondern der empfundene Werth der Freiheit, / macht der Freiheit würdig. / Stolberg. / 1814

 

Oorlog en vrede uit het standpunt van den christen beschouwd.Door Joan Lodewijk Ewald. Uit het Hoogduitsch vertaald. [Vignette; von Smies und v. d. Meulen] Amsterdam: Johannes van der Hey MDCCCXIV. [1814; 1815].

 

Erster Theatereklat 1809

Max von Schenkendorf und Friederike Bethmann-Unzelmann

 

Ernst August Hagen, der Biograph Max von Schenkendorfs, gibt nur Kenntnis von einem Theatereklat in dessen Leben – vielleicht aus Rücksicht, vielleicht aus Unkenntnis. Er berichtet nur von dem Henriette Hendel-Schütz und deren Gatten betreffenden Streit im Jahr 1811 und erwähnt den Zwist, die Schauspielerin Friederike Bethmann-Unzelmann betreffend, nicht. Letzterer fand im Jahr 1809 in Königsberg statt und trug vielleicht zu der kurznervigen Reaktion der Schauspielerin in Berlin bei, an der nun Max von Schenkendorf nicht beteiligt war, der aber auch im Ausland Aufmerksamkeit erregte.

 

Der erste Theaterstreit im Jahr 1809 ist – wie auch der zweite – durch Friedrich August von Stägemann überliefert. Allem Anschein nach ist es Elsa von Klein, die 1908 erstmals auf diese Quelle zugriff, indem sie den durch Franz Rühl publizierten Nachlass Stägemanns benutzte.

 

Stägemann schreibt am 1809-05-19 an seine Frau aus Königsberg:

„Madame Bethmann hat hier einigen Verdruss, weil ihr Mann nicht gefällt, obgleich er besser spielt, als unsre Rosciusse. Man erzählte gestern (doch habe ich sie selbst darüber nicht gesprochen), dass sie durch ein anonymes Schreiben gewarnt worden sei, nicht in der Fanchon aufzutreten; einige behaupteten, Madame Ritzler habe ihr solche Warnung freundschaftlichst erteilt, andre, der Herr v. Schenkendorf sie dadurch kränken wollen, der sich aus Kunsthochmut oder Albernheit als ihren Gegner aufwirft.“

 

Dies ist der Hinweis, der verklausuliert in den Journalen der Zeit vorkommt. – Das persönliche Verhältnis Stägemanns zu der Schauspielerin, das hier anklingt, wird in einem anderen Text deutlicher. Dies ist dann die Stelle, die den Eklat zeigt, an dem Max von Schenkendorf nicht beteiligt war.

Am 1809-12-22 schreibt Stägemann wieder an seine Gattin:

„Ich bin am 19. des Abends um 5 Uhr hier wohlbehalten und gesund angekommen. […] Man vergißt darüber (Me: Über die Rückkehr des Hofes nach Berlin) den Scandal, den Madame Bethmann im Schauspielhause gegeben hat. Sie hatte bis gestern Haus-Arrest. Noch habe ich sie nicht besucht.

Die Geschichte wirst Du längst wissen, da sie doch auch wohl nach K. geschrieben seyn wird. [....] Bei Madame Bethmann bin ich heut Vormittag noch gewesen und habe ihr den Leviten gelesen. Die Polizei-Wache war noch bei ihr, verliess sie aber während meiner Anwesenheit, worüber ihr kleiner Sohn, der mit dem Polizei-Bedienten grosse Freundschaft geschlossen hatte, die bittersten Thränen vergoss. Es ist wohl nicht zu besorgen, dass sie von hier fortgehen wird, doch ist die Sache allerdings noch nicht regulirt und immer eine verdriessliche Musik.“

 

Zunächst zum Skandal in Königsberg

 Bereits Ende März freute man sich in Königsberg auf das Gastspiel der Berliner Künstler. „Madame Bethmanns Ankunft wird sehnlich erwartet. Schon seit einigen Tagen ist keine Loge mehr zu haben.“ schreibt Stägemann und vermutete, wie die Zeitungen ebenfalls schrieben, dass die Reise über Riga bis nach St. Petersburg gehen sollte.

Anfang Juni berichtet die „Zeitung für die elegante Welt“: „Mit Sehnsucht erwarten wir die Ankunft der Madame Bethmann, die hier einige Gastrollen geben wird, worunter man die Phädra, Orsina, Maria Stuart, Fanchon, Aline, die Unvermählte und den Pagen nannte. Sie ist bereits erschienen, und ich werde nächstens das Nähere hierüber benachrichtigen.“

Am 1809-04-08 reisen die Eheleute Bethmann nach Königsberg; den Mai und Juni verbringen sie dort. Engagiert waren sie ab 1809-04-20 für 15 Gastrollen, u. a. in „Maria Stuart“, für Rollen in Racines „Phädra“ in einer Übersetzung von Friedrich Schiller und als „Isabella“ in der „Braut von Messina“.

Am 22. Juni schreibt das „Morgenblatt für gebildete Stände“: „Madame Bethmann hat in Königsberg schon mehrere Gastrollen gegeben, und einen ungetheilten Beyfall erhalten. Weniger gefällt Hr. Bethmann; darüber schreyen einige Berliner, andre sagen: Es kann nicht anders seyn! Herr B. ist ein braver Schauspieler, aber kein großer Künstler. / Sobald Mad. Bethmann zurückgekehrt ist, wird, der Sage nach, Iffland selbst nach Königsberg reisen.“

Am 16. Juni berichtet die „Zeitung für die elegante Welt“ umfangreich und geht sicherlich – leicht versteckt – auf Max von Schenkendorf ein:

Korrespondenz und Notizen.

Aus Königsberg.

Mad. Bethmann hat den Ciclus ihrer Darstellungen geendet. Es waren Orsina, Josephine, in Armuth und Edelsinn; Phädra; Aline zweimal; Maria Stuart; Nina, Baronin Ammer; Eulalie Meinau; Elise, im Räthsel; Fürstin in Elise Valberg; Minna von Barnhelm; die Unvermählte; Baronin in stille Wasser sind tief; Johanna von Montfauçon; Fanchon wurde, weil Madame Bethmann krank war, von Mad. Ritzler gegeben. Herr Bethmann gab van den Husen, in Armuth und Edelsinn; Hippolyt in Phädra; Birken im Intermezzo; Mortimer; Knecht in Das war ich; Werther, in der beschämten Eifersucht; Baron, in der Beichte; Karl, im Räthsel; Loring in den Unvermählten; Wieburg, in stille Wasser sind tief; Philipp, in Johanna von Montfauçon. Mad. Bethmann trat wie eine fremdartige Erscheinung unter die Menschen, und das Urtheil über sie mußte also sehr verschieden ausfallen. Staunen erregte sie in ihrer ersten Rolle der Orsina; aber dieses Ergreifen eines Gesichtspunktes für eine ganze Rolle, und in diesem großen echt künstlerischen Sinne sie ausführen, alle kleinere Zwischenwirkungen verschmähend, welche so oft der Hobel sind, die den Schauspielern die Namen groß, unerreichlich erwarben, das, darf man sagen, war zu neu, zu unerlebt, als daß die Zuschauer mit sich einig werden konnten. Ihre gleich darauf folgende Rolle Josephine, in Armuth und Edelsinn, brachte sie schon der allgemeinen Faßlichkeit näher, aber ihrer Darstellung der Phädra war es bestimmt, die Zuschauer auf den Standpunkt zu führen, auf welchem sie stehen mußten, um eine Künstlerin, wie Mad. Bethmann, beurtheilen zu können. Das, dann freilich nicht entscheidende, Urtheil eines Einzelnen über diese Phädra klang zu sonderbar, als daß es nicht angeführt werden sollte, sey es auch nur als Beitrag zur Geschichte des Sonderbaren. Dieser Herr nämlich meinte: Mad. Bethmann habe die Phädra nichts minder als richtig gegeben. Sie habe auch nicht die leiseste Annäherung an die französischen Tragiker, deren Bühne diese Phädra entnommen sey, gezeigt, habe die Rolle zu deutsch gegeben und also ihren Charakter verfehlt, welches bei ihres Gatten Hippolyt nicht der Fall gewesen sey. Da gegen aber sagte der Kritiker des Theaters in der Morgenzeitung: – – ,denn schwerlich möchte je eine französische Künstlerin auch nur die leiseste Ahnung von diesen Eindringen in das Innere, von diesem Hinabsteigen in die heiligste Tiefe des Herzens, von diesem allgewaltigen mächtigen Eingreifen des Einen und Allen gehabt haben, als Mad. Bethmann.‘ Und dieses letzte Urtheil wird jeder unter schreiben, welcher französische Theater und Mad. Bethmann sah. Das ‚sie habe die Rolle zu deutsch gegeben‘ möchte also mit andern Worten wohl sagen: Mad. Bethmann, gab die Phädra menschlich, da jene eine Art von Parade mit ihr treiben. Aline gehörte unter das Vollendetste, was je von einer Künstlerin geleistet wurde, der zweite Aufzug besonders, war eine schöpferische Darstellung, und durch die Phädra nun auf die echt künstlerische Darstellungsweise der Mad. Bethmann vorbereitet und empfänglich gemacht, ward selbst die Masse der Zuschauer zur Begeisterung erhoben. Mad. Bethmann ward vorgerufen, und sprach folgende Worte: ,Ihr Beifall allein war im Stande, die Furcht zu überwinden, die ich hatte vor einem so gebildeten Publikum aufzutreten.‘ Maria Stuart, ihr erstes Benefize, erhielt das Publikum in der erhabenen Stimmung, trotz dem daß durch Weglassen verschiedener Stellen hie und da eine Lücke in dem Gedichte selbst, fühlbar wurde. Wenn auch im Ausdrucke zu hart, so doch in der Hauptsache richtig ist die Bemerkung des Kritikers in der Morgenzeitung über diese willkührlichen Auslassungen: das heißt Rollen spielen, aber nicht Stücke geben. Eben so möchte es zu tadeln seyn, daß die beiden Berliner Künstler mit den Jamben zu frei umgehen, und sie durch entweder ausgelassene, oder eingeschaltete Silben zur Prose umwandeln, ein Verfahren, welches wohl auf keine Weise gebilligt werden kann. In Nina effektuirte Mad. Bethmann nicht in dem Grade mehr wie einst Mad. Unzelmann, aber sollte die Schuld nicht mehr an den Zuschauern, als an ihr liegen? Ich meine doch –für diese stillern sanften Empfindungen möchten wir durch das Getriebe der Zeit abgestumpft worden seyn. In der Baronin Anmer, in Kotzebue‘s Beichte, wirkte Mad. Bethmann am wenigsten. Mad. Kühne –noch immer ist sie im warmen Andenken derer, die einst ihr Talent entzückte –hatte die Rolle zuerst gespielt, und wenn Raisonnement über Darstellungen gilt, darum den Preis über Mad. Bethmann errungen, daß sie die Empfindlichkeit über die Vergehung ihres Gemahls, als ein Abgemachtes betrachtete mit sich einig war, und nun nur die feine, aber sicher treffende weibliche Rache prädominiren ließ, da sich in das Spiel der Mad. Bethmann noch zuviel gekränkte Weiblichkeit mischte. Eulalie Meinau ward hier nie, und vielleicht nirgends in der Vollendung gegeben, als von Mad. Bethmann, und so gut Meinau auch besetzt war, so konnte ich den Wunsch doch nicht unterdrücken, das Mad. Bethmann entweder vor neun Jahren hier gewesen wäre, oder daß Hr. Porsch aus Riga, welcher damals den Meinau als Gast gab, jetzt mit ihr zusammen getroffen hätte. Es wär‘ ein einziger Genuß gewesen. Elise, im Räthsel, ward von ihr mit der liebenswürdigsten Laune gegeben. Die Fürstin, in Elise Valberg, bewährte jenen Ausspruch des französischen Dramaturgen, daß der Schauspieler, welcher fürstliche Personen darstellen will, auf den Armen der Königinnen gewiegt seyn muß. Eine würdigere Repräsentantin hat diese Fürstin noch nie gefunden; besonders waren es die Auftritte zwischen ihr und Elisen, ihr und dem Fürsten, welche jedes Gemüth zur innigsten Theilnahme erhoben. Auch war das ganze Personale des Stückes heute in einer so schönen Zusammenstimmung, daß dieser Abend unter die genußreichsten gehört, welche uns je wurden. Vorzügliche Anerkennung verdienten Hr. Schwarz als Amtshauptmann, und Dem. Sehring als Elise. Die Unvermählte, welche früher von Mad. Schwarz sehr brav dargestellt war, gewann durch Mad. Bethmann neue, glänzende, ergreifende Seiten, welche Mad. Schwarz sich anzueignen nicht vergessen wird. Johanna von Montfauçon, das zweite Benefize des Künstlerpaares, gewährte uns wieder das Vergnügen, eine anerkannt große, und eine minder bekannte brave Künstlerin in der Hauptrolle vergleichen zu können. Hr. Bethmann bewirkte die erwartete Sensation nicht. Seine Körperhaltung, seine Armbewegungen, welche, wie der Kritiker in der Morgenzeitung bemerkt, andern jungen Künstlern als Muster zur Nachahmung aufgestellt werden könnten, entschädigten nicht genug für das an ihm vermißte biegsame Organ, für eine Art Manier in der Deklamation, welche unangenehmen Eindruck hervorbrachte. L – i.“

Der Korrespondent „M. † Z.“ der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ berichtet (rückblickend) umfangreich über das kulturelle Leben in Königsberg. Im Juli schreibt er:

„Mad. Bethmann aus Berlin hat hier einige Vorstellungen gegeben: die ersten bey übervollem, die letzten bey mässig besetztem Hause. Unser Publikum hat bald genug. Dass sie, ohne Sängerinn zu seyn, kleine Singrollen mit unbeschreiblicher Zartheit vorträgt, und darin mancher Bravoursängerin den Rang abläuft, ist ja bekannt.“ 

und später, im September, heißt es:

„Mad . Bethmann gab uns von Singrollen Nina , Aline und Fanchon, die beyden letzten zweymal. Einige erkannten ihr in Aline, ich ihr aber in Fanchon den Preis zu. Durch Mad. B. wurde es mir erst klar , wie die kleine niedliche Fanchon das werden konnte, was sie geworden ist: das Schooskind des Berliner Publikums.“

Anfang August las man bereits in der „Zeitung für die elegante Welt“:

„Aus Königsberg. Mad. Bethmann und ihr Gatte gaben außer den schon genannten Gastdarstellungen noch Hamlet und Ophelia; Baronin und Karl in der Lästerschule und Wiederholungen des Räthsels, die Fanchon und Phädra. Mad. Bethmann entfernte sich mit Achtung und Liebe von dem hiesigen Publikum, dem ihr Andenken unvergeßlich bleiben wird.

Hr. Schwarz, welcher in Folge seiner Zwistigkeiten mit der Comitee des neuen Theaterbaues die Direktion des Theaters niederlegen wollte, hat sich zur Freude des Publikums wieder an die Spitze des Theaters gestellt. Das Publikum hatte bei der Darstellung der Fanchon, Zettel aufs Theater geworfen, welche den Wunsch ausdrückten, daß Hr. Schwarz hier bleiben und dem Theater ferner vorstehen möge. Mad. Bethmann, als Fanchon hervorgerufen, erfüllte die Bitte mehrerer Stimmen aus Parterre und Logen, daß sie diesen Zettel ablesen möge, und einstimmig ertönte laut: bleiben Sie bei uns. Die Comitee endlich fand sich mit Hrn. Heckert, welcher bis jetzt ein kleines wanderndes Völkchen Thaliens und Melpomenens in den winzigen Städten herumkutschirt hatte, und von der Comitee zum Direktor unsers Theaters bestimmt war, ab, zahlte ihm eine Entschädigung unter ergriff von neuem den Pilgerstab.“

 

Dieselbe Zeitung meldet am 18. Juli rückblickend: „Herr und Mad. Bethmann sind von ihrer Reise nach Königsberg zurückgekommen, und am 3ten dieses in der Phädra zum ersten Male wieder aufgetreten.“

Das „Morgenblatt“ hatte bereits am 15. Juli gemeldet: „Berlin, 1 Juli. Hr. und Mad. Bethmann sind von ihrer Reise nach Königsberg, wo sie eine Reihe von Gastrollen gaben, zurückgekehrt.“

Wiederum ist es die „Zeitung für die elegante Welt“, die aus Berlin unter dem 1809-07-04 meldet:

„Herr und Mad. Bethmann sind von ihrer Reise nach Königsberg zurückgekommen, und am3ten dieses in der Phädra zum ersten Male wieder aufgetreten, Mad. Bethmann entwickelte als Phädra die ihr so ganz zu Gebote stehende hohe tragische Kunst, und riß alles zur Bewunderung hin. Hr. Bethmann als Hippolyt erwarb sich durch sein wahres richtiges Spiel lauten Beifall. Eben so durchdacht gab Herr Mattausch den Theseus, und Mad. Schrök die Aricia.“

Mehr ist über dieses Ereignis bisher nicht bekannt.

 

Der Skandal in Berlin

Nun zu dem, was Stägemann am 1809-12-22 an seine Gattin geschrieben hatte. Da das Ereignis sich so spät im Jahr ereignete, erfolgte die Berichterstattung zumeist im Jahr 1810.

 

Die „Zeitung für die elegante Welt“ verzichtet im Januar 1810 auf eine eigene Berichterstattung und verweist auf eine andere Quelle:

„In den neuesten Blättern des Morgenblattes ist eine weitläuftige Correspondenznachricht über den Vorfall, den die Mad. Bethmann durch ihr Betragen auf der hiesigen Bühne, veranlaßt hat. In diesem Streit haben alle Parteien Unrecht, sowohl die Antagonisten als die Freunde der Mad. Bethmann und ihrer Tochter der Dem. Unzelmann, am meisten aber wohl Mad. Bethmann selbst.“

Das „Morgenblatt für gebildete Stände“ hatte in seiner Nr. 310 vom Donnerstag, dem 1809-12-28 geschrieben.

„Korrespodenz=Nachrichten.

Berlin.

„ – Sie werden sich erinnern, daß man seit einiger Zeit in öffentlichen Blättern viel von der Partheilichkeit redete, in welche das hiesige Schauspielbesuchende Publikum versunken zu seyn scheint, daß die Protekteurs einer oder der andern jungen Schauspielerinn mit den Beschützern einer andern zuweilen in offner Fehde sich befinden, daß man vor einiger Zeit die Demois. Herbst, welche uns Gastrollen gab, verdientermaßen lobte, während die Anhänger der Demois. Schick sie sehr mittelmäßig fanden, und sich Anspielungen auf ihren Namen erlaubte, welche der letztern schmeicheln mußten, indem sie die erstere kränkten. Demois. Schick war – im Gegensatze des Herbstes – der Frühling. In der lebhaften Ueberzeugung, daß Demois. Schick nichts gethan hat, sich eine solche Parthey zu schaffen, erwähne ich dieses Umstandes (aus dem sich scheinbar das Folgende entwickelte) nur, um sie der Katastrophe näher zu führen. Jene kleinen Ereignisse waren vorübergegangen, ohne irgend ein merkwürdiges Resultat erzeugt, ohne die äußersten Gränzen des Schicklichen überschritten zu haben; was ihnen aber folgte, war Anstandverletzend, und führte zu Auftritten, die in ihrer Natur keine Spur von Erfreulichem offenbaren, und von denen der feingebildete Weltmann nur mit Trauer sich abwenden kann. Zur Sache.

Demois. Minna Unzelmann hat seit ihrer Erscheinung auf unsrer Bühne nie ein großes Talent für Gesang oder Darstellungskunst beurkundet; ihr Spiel ließ kalt, ihr Gesang befriedigte nicht; dennoch erhielt sie manche bedeutende Rolle. das alles wäre unter andern Umständen jedoch ohen folgen geblieben, hätten nicht die Freunde der ausgezeichneten Künstlerinn, Mad. Bethmann, ihrer Mutter, durch öftere Beyfallsbezeugungen die Direktion glauben machen wollen, das Publikum sey mit der Tochter der verehrten Mutter ganz zufrieden, und wünsche sie stets thätig zu sehen. (Auch hier wird gern zugegeben, daß weder Mad. Bethmann, noch Demois. Unzelmann das Streben ihrer Freunde veranlaßten, aber dieses Streben war unverkennbar). die Direktion nahm wirklich Rücksicht darauf, und Demois. Unzelmann erschien oft in Partieen, für welche – besonders in der Oper – ihre Fähigkeit nicht ausreichte. Wie konnte das aber von den Beschützern anderer weiblicher Mitglieder des Theaters ruhig geduldet werden? Der Direktion Vorstellungen dagegen zu machen wagte man nicht, da man Kenntniß von dem freundschaftlichen Verhältnisse Ifflands zu Herrn und Mad. Bethmann hatte. Man beschloß also, seine Meinung kurz und gut öffentlich auszusprechen. Demois. Unzelmann sang den Pagen in Figaros Hochzeit, und sang ihn nicht gut, aber ihre Beschützer klatschten ihr Beyfall. Das enragirte die Gegner vollends, und die Beyfallsbezeugungen wurden durch Unzufriedenheitsäußerungen überstimmt. Die Folge war der Unmuth der Mad. Bethmann, welche nur den Haß der Widersacher, nicht aber das geringe Talent der Tochter sah. Sie entschloß sich, die Tochter nicht mehr eine Bühne betreten zu lassen, wo man diese nicht mit Achtung behandelte. Vielleicht war dieser Entschluß die Stimme einer Ahnung, vielleicht aber auch die Geburt eines Vorurtheiles. Ist denn ein kleiner theil der Versammlung vor einer Bühne das Publikum? Gehören Zischende und Pochende zum bessern Publikum, worauf der ächte Künstler nur achtet? Mußte Mad. Bethmann nicht sehen, daß man so eigentlich nicht ihre Tochter mißhandeln, sondern nur die Widersacher bekämpfen wollt? Aber Mad. Bethmann reflektirte nicht so.

Ihr Entschluß, die Tochter von der hiesigen Bühne zu entfernen, ward von den Bitten ihrer Gönner und Freunde vernichtet, und Demois. Unzelmann trat am 17 Dec. in der Isell im Sargines (der Lieblingsoper der Berliner), wieder auf.

Einige Tage früher hörte man an allen öffentlichen Orten von dem Plane der Bethmannschen Parthey, daß Demois. Unzelmann bey ihrer ersten Erscheinung applaudirend bewillkommt werden sollte. Ein neuer Hauch in die stillglimmende Flamme der Unzufriedenheit auf der andern Seite.

‚Wenn ihr applaudirt wird, so werden wir zischen und pochen,‘ hieß es; dabey blieb es, und so geschah es.

Das erste Auftreten der Demois. Unzelmann ward durch Beyfallsäußerungen bezeichnet, aber unmittelbar darauf folgte lebhaftes Gezische; doch, das ging ohne bedeutenden Erfolg vorüber; nur die arme junge Schauspielerin wurde sichtbar verlegen. Die Auftritte glitten fort; jetzt sang die Unzelmann eine Arie. So wie diese endete, erscholl Bravoruf und lauter Beyfall, aber gleichzeitig entstand ein anhaltendes Zischen und Pochen, der Kampf der beyden Parteyen. Wer hätte nicht gewünscht, daß der Augenblick, wie seine Brüder, ohne Folgen geblieben wäre; aber leider war es nicht so. Eine merkwürdige Scene reihte sich ihm an.

Mad. Bethmann, welche in der Oper unbeschäftigt, und in eine Gesellschaft gebeten war, hatte einige Augenblicke früher Anwandlungen von einer gewissen Angst gefühlt, den Cirkel verlassen, und sich auf die Bühne begeben. So eben war sie hier angekommen, als sich der lärm im Parterre erhob. Sie weiß, wem das Mißfallen gilt. Sie sieht (nach ihrer Ansich) ihre Tochter mißhandelt; die mütterliche Liebe, ihre Angst, die Reizbarkeit ihrer Nerven, alles stürmt in diesem Augenblick auf sie ein, und führt si zu einem Vergessen aller übrigen Rücksichten. Plötzlich stürzt sie hinter den Coulissen hervor auf die Bühne, sagt mit großer Heftigkeit, daß sie sich zu sehr beleidigt fühle, als daß sie es verschmerzen könne, und daß weder sie noch ihre Tochter jemals diese Bühne wieder betreten würden. So eilt sie zurück. ihre Tochter mit sich fortführend.

In einem Theile der Versicherung hielt sie Wort. Demois. Unzelmann erschien an dem Abende nicht wieder, du Sargines mußte ohne Iselle ausgeführt werden.

Am folgenden Tage erfuhr man, daß der Policey=Präsident Gruner der Mad. B. habe Arrest in der Hausvogtey geben wollen, um dem erzürnten Publikum Genugthuung zu gewähren, daß aber dann, als er ein ärztliches Zeugniß über den krankhaften Zustand, worin sie verfallen war, erhalten hatte, er sie blos zum Hausarreste verurtheilt habe. Am Abende dieses Tages wurde Fridolin gegeben, worin Demois. Maas die Gräfinn – sonst eine Rolle der Mad. Bethmann, darstellte. Man applaudirte ihr lange und lebhaft, um diesen Ersatz zu billigen. Nach dem Schlusse des Stückes forderte man für den folgenden Tag eine Vorstellung von Macbeth. Iffland selbst trat vor, verkündigte, daß Mad. Bethmann im Arreste sey, und folglich vor der Hand nicht activ seyn könne, daß aber die verlangte Vorstellung seyn solle, sobald eine andre Schauspielerinn die Lady Macbeth einstudirt habe.

Dies ist eine treue, leidenschaftlose Darstellung des unangenehmen Vorfalles, an den man sich nur mit Unmuth erinnern kann.

Ich enthalte mich jedes weitern Urtheiles darüber; das gebildete Publikum richte! Einundzwanzig Jahre hindurch hat Mad. B. uns die herrlichsten Kunstgenüsse bereitet. Ach, ein Augenblick hat die Erinnerung an das durch diese Reihe von Jahren uns geschenkte Vergnügen grausam vergiftet.

 – r – “

 

Die „Zeitung für die elegante Welt“ hätte auch auf den Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ verweisen können. Pointierter als im „Morgenblatt“ heißt es hier:

„Am lezten Sonntage waren wir in unserm Nationaltheater Zeugen einer auffallenden Scene. Die junge Schauspielerin, Minna Unzelmann, erhielt vom Publikum wiederholte Beweise des Mißfallens; ihre Mutter, die berühmte Künstlerin, Madame Bethmann, nahm das so übel, daß sie, ohne bei der Vorstellung beschäftigt, und ohne anständig gekleidet zu seyn, leidenschaftlich auf das Theater stürzte, den Gang der Vorstellung unterbrach, der Versammlung versicherte, daß sie und ihre Tochter diese niemals wieder betreten würden, und das junge Mädchen mit sich wegführte, so daß das Stük ohne dasselbe beendigt werden mußte. Madame Bethmann erhielt sogleich Hausarrest. Die Sache wird bei der Anwesenheit des Hofes bald entschieden werden. Das Publikum fühlt sich sehr beleidigt.“

Ebenfalls muß wiederum Stägemann zu Wort kommen der am 2. Januar an seine Gattin schreibt:

„[…] Herr Ifland, der mich heut besuchte, machte mir davon eine lebendige Beschreibung. Nach Beendigung des der Feierlichkeit angepassten Vorspiels hatte der König ihn in die Loge rufen lassen und ihm verbindlich gedankt. Er versicherte mich, so gerührt gewesen zu seyn, dass er nicht ein Wort habe antworten können, sondern wie ein todter Hund weggegangen wäre. Ich tröstete ihn damit, dass dies erstaunt viel gewesen wäre, denn ich wäre (als ein todter Hund) liegen geblieben. Nach Vollendung des Schauspiels hatte das Publikum Herrn Ifland herausgerufen; er hatte dieses benutzt (wahrscheinlich hatte man es auch so verabredet), das Publicum an die Geschichte mit Madame Bethmann zu erinnern, wozu ihm der Titel seines Vorspiels: der Verein, die Hand bot. Kaum hatte er diese Sache aufs Tapet gebracht, wurde laut geklatscht; nach einigen Worten von ihm ward Madame Bethmann gerufen, statt derer Herr Bethmann erschien (weil sie nicht gegenwärtig war), dessen Entschuldigungen sehr beklatscht wurden. Kurz, diese fatale Geschichte ist so gut als beendigt und Madame Bethmann wird morgen wieder als Lady Macbeth auftreten. Sie wollte mir gestern Abend Gesellschaft leisten, da sie gehört hatte, dass ich krank sei, ich verbat es jedoch aus Gewissenhaftigkeit, und weil wir zusammen doch 88 Jahr alt sind.“ 

Die „Allgemeine Zeitung“ trägt dann, drei Tage vor dem „Morgenblatt“, nach: „Die Schauspielerin, Madame Bethmann, hat am 27. d. [Me = 1809-12-27] vor der Vorstellung des Macbeth im Schauspielhause öffentlich wegen ihrer Uebereilung Abbitte geleistet.“ Sie entschuldigte alles mit ihren Muttergefühlen und, so meint das „Morgenblatt“, Iffland dies vorbereitet hatte.

Damit scheint die Berichterstattung über diesen Theatereklat in Deutschland beendet zu sei.

Die ausländischen Korrespondenten in Berlin ließen sich dieses Ereignis jedoch auch nicht entgehen.

Am 1810-01-12 rückt das „Journal de l’Empire“ die Nachricht ein:

« PRUSSE.

Berlin, 24 Décembre.

Dimanche dernier, il s'est passé sur le théâtre national, une scène fort extraordinaire. Le public en masse siffloit mademoiselle Unzelmann, qui débutoit dans le rôle de Minna de Barnhelm. Tout-à-coup, Mad. Bethmann, mère de la jeune personne, s’élança, assez peu vêtue, sur la scène; et après avoir déclaré en termes très-énergiques, que ni elle ni sa fille ne paroîtroient jamais devant un public aussi injuste , elle prit la débutante par la main et l’emmena hors du théâtre. La pièce ne fut pas achevée. Le public se trouva très-offensé. On assure que madame Bethmann a eu les arrêts chez elle. Ainsi, il paroît que les acteurs, avoient interprété trop en leur faveur l’ordonnance de police qui défend de siffler les artistes d’un talent reconnu, ou peut être les parties intéressées n'avoient- -elles pas encore eu l’occasion de reconnoître les talens de mademoiselle Uzelmann. » [sic ; Unzelmann]

 

Jean Gabriel Peltier (1760-1825) gibt im Februar 1810 einen kleinen Einblick ins Geschehene in seiner in London erscheinenden Zeitschrift „L‘Ambigu, ou Variétés littéraires et politiques“ in der Rubrik  

„Anecdotes Étrangeres. […]

Il s’est passé sur le théâtre de Berlin, une scene fort extraordinaire. Le public en masse siffait Mademoiselle Unzelmann, qui débutait dans le rôle de Minna de Earnhelm [sic ; Barnhelm]. Tout-à-coup Mad. Bethmann, mere de la jeune personne, s’élanca, assez peu vêtue, sur la scene; et après avoir déclaré en termes très-énergiques, que ni elle, ni sa fille, ne paraîtraient jamais devant un public aussi injuste, elle prit la débutante par la main et l'emmena hors du théâtre. La piece ne fut pas achevée. Le public se trouva très-offensé. On assure que Madame Bethmann a eu les arrêts chez elle. Ainsi, il paraît que [S. 345 :] les acteurs avaient interprété trop en leur faveur l’ordonnance de police qui défend de siffler les artistes d’un talent reconnu, on peut-être les parties intéressées n’avaient-elles pas encore eu l'occasion de reconnaître les talents de Mademoiselle Unzelmann. »

 

Erst im April des Jahres hat der schwedische Augenzeuge die Gelegenheit zur Publikation seines Erlebens. Das „Journal för Litteraturen och Theatern. Lördagen den 7 April 1810.“ bringt

„Theater=Nyheter.

En af Berlins berömdaste Aktriser, Fru Bethmann har icke långesedan haft erregd med Publiken hwars anledning och förlopp warit följande:

Fru Bethmanns dotter Minna Unzelmann har några år wisat sig på Berlinska Theatern, utan att hwarken åga owanligt bifall eller gifwa rått stora förhoppningar om sig. Litmål spelte hon wißa roller rått artigt. Med fången wille det icke lockas så wål, och hårtill bidrog mycket hennes naturliga timidité. Emedlertid wisade Publiken henne det öfwerseende och till och med den uppmuntran, som åro nodwändiga för rådda nybegynnare, emedan det eliest aldrig skall blifwa någon ting af dem. I slus ter af fórledet år blei Mozarts Figaro på nytt inofwad. Mamse Unzelmann sick Cherubins roll, och di uppkom en kabal. En wiß Herre, som var en stor beundrare af en annan Aktris, tog några af sitt parti till hjelp, och deßa yttrade sict stora mißuöje. Fru Bethmann som kände werkeliga orsaken, låt sin dotter vå en kort tid icke wica sig på Theatern. Den 17 Dec. gafs Sargines. M:rell Unzelsmann hade deruti den unga Bondflickans lilla naiva roll. Hon sjöng ester wanligleren, och ofwannåmda Herrar yttrade sitt mißhag. Nu glómde Fru Bethmann sig. Hon war på Spektalet i stu husliga klädsel, gick fram med häftighet, förde sin dotter dort of theatern, och förklarade högt inför Publiken, att hon kände djupt hwad man tillfogade henne och hennes dotter, och att ingendera skulle nånsinmer wisa sig. Pjesen flutades utan denna rollen. Det war söndag, och då år en alldeles fårskilt Publik på spektaklet; den wißte icke huru den skulle uppföra sig, men så mycket estertrydligare del tog den werksamme Polis=Presidenten deruti. Han befallte genast att låta arrestera båda Aktriserna; blott på twenue låkares attester, hwar af Presidenten sjelf stickade den ena, mildrades befallningen till hus arrest: Efter några dagar åstundade Publiken Macbeth. Iffland steg fram och förklarade att den Aktris som spelade Lady Macbeth hade hus arrest och war dessutom sjuk. Publiken gaf sig tillfreds. Den 25 December uppfördes till strande af det Kongl. Parets antomst, ett litet stycke kalladt Föreningen, som man såger år af Iffland. Efter [S. 328:] deß slut hade Hofwet, som till en del kommit dit ifrån Operan, begiswit sig hort. Hårpå gafs ve båda wånnerna af Beaumarchais. Efter flutade spektakel framkallades Iffland. Han kom Jhland sina tacksågelser blandade han Bethmannska saken, i det ban sade, att wid alla nu warande glada händelser störde endasi denna hans glådje, han önskade att Publiken wille förlåta en Angrande, ett allt för harstigt uttaldt ord. Man swarade med bifall. Nu framtrådde Hr. Bethmann med honom wid handen. Denne bad i sin hustrus namn att man skulle förlåta en hånförande Moders=Kånsla som förglömt sig, och åberopade sig det er åringa nit hans hustru wisat för Berlinska theatern. Man säger att Fru Bethmann hårpå wåndt sig till Drottningen med bön och önskan att åter så spela. Drottningen skall emediertid hafwa förklarat att hon måste försona sig med Publiken. I stället för ett annat annonceradt stycke afficherades d. 27 Dec. Macbeth. Redan klockan 3 infunno sig åstårdare, och trångseln war så stark som wid Skådespels Husets oppnande 1801. Efter en kort Ouverture uppdrogs rideaun. Fru Bethmain framkom swartklådd. Hon blef emottagen med allmäuna handklappningar. Hon talte några ord med mycken rörelse, undskyllade sin glömska emot Publiken med den wåckia Moders=kånflan, od lofwade att fördubbia sina krafter. Nu flutades den afdrutna Ouverturen, representationen började och fru Bethmann höll ord: Hon fördubblade sina frafter.“

 

OAMDG

 

Die Güter Lenkonischken und Nesselbeck und der Sandverkauf

 

Wie immer ist HAGEN die zu ergänzende Grundlage der Forschung:

 

HAGEN S. 21: „Die Mutter befand sich damals nicht in Littauen, sondern im Samlande auf ihrem Gute Nesselbeck. Obgleich dasselbe nur eine Meile von Königsberg entfernt ist, so besaß die gnädige Frau noch eine Wohnung in der Stadt und führte hier, wie A. Lewald berichtet, dasselbe merkwürdige Leben, das bis zum heutigen Tage noch in Lenkonischken und Nesselbeck unvergessen ist. […] Wenn Besuch ausblieb, so unterhielt sie sich herablassen mit den Dienstleuten, erklärte ihnen die Bedeutung der hölzernen Figuren im Garten, einer Flora und Pomona, und belehrte sie über die Sternenwelt. [S. 22:] Die Landwirthschaft betrieb sie in eigenthümlicher Weise. Sie gab weniger darauf, die Aecker zu bestellen als Schachten graben zu lassen, die ergiebig waren, wenn auch kein Metall zu Tage gefördert wurde. Der hier gewonnene schneeweiße Sand wurde begehrt und die Besitzerin hielt es für zweckmäßig, wo sich Adern desselben zeigten, sie mit bergmännischer Betriebsamkeit zu verfolgen, gleichviel ob in Folge der Unterwühlung Felder verloren gingen, oder Gebäude zusammenstürzten. Sie zog aus der Liebhaberei der Stadtbewohner, so lange der Vorrath reichte, in bequemer Art beträchtlichen Vortheil und die Fuhren, die täglich nach Königsberg gingen, verschafften ihr jährlich eine Einnahme von tausend und mehr Thalern. Freilich sank das Gut – eine Zeitlang, im Unglücksjahr 1806, befand sich auf demselben nur eine Kuh – durch die eifrig betriebenen Minenarbeiten immer mehr im Werth herab.“

 

KNAAKE ergänzt: „Leider ist das Leben der Kriegsrätin als ein wunderliches hingestellt worden. […] Als der Gipfel der Tollheit erscheint aber manchen Schriftstellern die Bemühung der Frau v. Schenkendorf, aus dem Verkauf von Sand eine Einnahme zu erzielen. Heinrich sagt in seinem Leben des Max v. Schenkendorf (S. 12): ‚Sie gewann wohl 3000 Mark jährlich durch den Sandhandel, verdarb aber ihr Gut (‚Nesselrode‘ [Me: so falsch in der Literatur bezeichnet bei Heinrich, Karl Sprang u. a.]) durch die immer weiter ausgedehnten Sandgruben gründlich.‘ Nun wissen wir aber aus dem Moratoriengesuch der Kriegsrätin, daß sie täglich für Milch- und Sandverkauf 3-4 Mark erzielt habe. Daraus folgt, daß sie jährlich noch nicht 300 Mark aus dem Sandverkauf einnahm.“

 

Zwei Themen seien hier vorgestellt:

 

Die Eheleute Schenckendorff kauften 1790-11-30 Lenkonischken

Lukjanowo (russisch Лукьяново, deutsch Lenkonischken, 1938 bis 1945 Großschenkendorf, litauisch Lenkoniškiai) – [Ludwig Christoph Franz] Kühnast (1813-1872): Statistische Mittheilungen über Littauen und Masuren. Bd. 3 = Nachrichten über Grundbesitz, Viehstand, Bevölkerung und öffentliche Abgaben der Ortschaften in Littauen nach amtlichen Quellen mitgetheilt von Kühnast, Teil 2, Gumbinnen: Selbstverlag 1863; S. 286, Nr. 32. – Kopp, Jenny (1855-1940: Beiträge zu Chronik des ostpreußischen Grundbesitzes. I. Teil: Regierungsbezirk Gumbinnen und Kreis Memel. Königsberg i. Pr.: Hartung 1913; Nr. 78, S. 149-151.

(bei Tilsit) für 7333 Thlr. 30 Gr. von Oberst-Wachtmeister Forselius (= Major);

Die Eheleute von Forselius und Louisa Dorothea Roehan werden genannt 1790 in GehStA Berlin, Findbuch 328 zu Rep. 31: OLG Königsberg Teil 1, S. 47. – GehStA Berlin III HA MdA, III Nr. 10356. – Wohl ein Sohn, Leutnant Forselius auf Schelleninken, subskribierte die „Vesta“.

es bestand aus Lenkonischken-Köllmisch, Lenkonischken-Erbfrei, Szameitkehmen und Pamletten. Damit hatte der Salzfaktor genug Arbeit. Am 1798-10-25 schreibt er an seinen Bruder:

Das Gutshaus in Nesselbeck, zum Kirchspiel Quednau gehörend wurde später zum Dorf und Ort: Orlowka (russisch Орловка, deutsch Nesselbeck) in der russischen Oblast Kaliningrad. – Brand am 1812-02-22.

köllmische Güter: Besitzer „der kleinen ländlichen Grundstücke, die man hier Köllmer nennt“ (Jahrbücher der preußischen Monarchie Jg. 1798, Bd. 2, Berlin: Johann Friedrich Unger 1798, S. 360). – Nach kulmischem Recht eingestufte (und damit freie) Siedler¸ waren keine gutsherrlichen Untertanen, durften aber selbst auch keine Leibeigene haben; das war ein Vorrecht des Adels. Sie bezeichneten sich selbst nicht als Bauern und wurden auch weder von den Bauern noch von den Adeligen als Bauern angesehen. Sie bildeten eine Art (soziale) Mittelstufe zwischen dem Bauernstand und dem Stand der adeligen Großgrundbesitzer. – Das köllmische Recht war besser als das magdeburgische und gestattete die männliche und weibliche Erbfolge. – Vgl. Berichte und Verordnungen [,] welche sich auf die Cöllmischen Güther beziehen. – In: Ernst Ferdinand Klein (Hrsg.): Annalen der Gesetzgebung und Rechtsgelehrsamkeit in den Preussischen Staaten, Berlin und Stettin, Bd. 22, 1803, S. 46-73.

„Mit meinem Nesselbeck bin ich in den 1 ½ Jahren sehr vorwärts gekommen; ich darf Dir nur sagen, daß zu 500 Scheffel Aussaat bereits gerodet, umgebrochen und 200 Scheffel davon auch schon im Herbst mit Korn besäet worden, welches vortrefflich gleich dem Brachkorn stand. – Das hat ein verhenkertes Stück Arbeit gekostet, besonders das Eggen. Es wurden so mancherlei neue Instrumente dazu erdacht und wieder verworfen. Desgleichen sind die alten Wiesen verbessert und durch Anlegung von Dünen und Schleusen unter Wasser gesetzt und neue dazu angelegt. Mein Bergwerk, was im Verkauf eine gewissen Art Sand besteht, welcher gegraben wird und den Königsbergern unentbehrlich geworden, war an 8 Sandfuhrleute verpachtet, die 40 Pferde hielten.“

Zum einen ist es sicherlich richtig, dass die Förderung den Boden zerstörte, zum anderen war dies ein gewohnter Erwerbszweig,

Siehe z. B. Friedrich Samuel Bock (1716-1785): „Versuch einer wirthschaftlichen Naturgeschichte von dem Königreich Ost= und Westpreussen. – Erster Band, welcher allgemeine geographische, anthropologische, meteorologische und historische Abhandlungen enthält“. Dessau: Verlagskasse und Buchhandlung der Gelehrten 1782; S. 425 ff. zum Boden um Königsberg; Sand wird gegraben.

der noch 1830 in Blüte stand.

[Johann Christian] Wutzke (1767-1842): Bemerkungen über die Ostseeküste von Pillau bis zur kurischen Nehrung und über die Gewinnung des Bernsteins in Preußen. (Fortsetzung.) Vierter Abschnitt. Ueber die Anschwemmungen und Höhenzüge des Bodens der Ostseeküste im Samland. – In: Preussische Provinzial=Blätter. Bd. 43, Königsberg: Hartung 1830, S. 59-66; S. 60 f.: „Der weiße Seesand wird theils noch geschwemmt oder gewaschen und zum Verkauf von dem Gut Nesselbeck, wo solcher gleich unter der Erdrinde und bei Lawsken &. unter der Torfrinde gegraben wird, nach Königsberg gebracht.“

Max von Schenkendorfs Vater scheint mehr geleistet zu haben, als man vielleicht wahr haben will. – In den Jahren 1806 und 1807 wurden die Güter geplündert, 1831 kaufte es Kaufmann Johann Wächter

Johann Wächter (1786-1853/5); Groß-Schenkendorf genannt, die von ihm errichtete Rübenzuckerfabrik stellte bald ihren Betrieb wieder ein.

und im Jahr 1858, am Weihnachtsabend, brannte das Gutshaus ab; die Gärtnerfamilie Budenings ließ es brennen. Auf den Mauerresten wurde ein Jungviehstall errichtet, der noch 1930 vorhanden war.

Bei der Gestaltung des Gartens hatte die Hausherrin Statuen der Pomona und Flora zum Schmuck aufstellen lassen. Nicht ohne Sinn, denn man war auf diesen Schutz angewiesen; war erstere doch die Göttin der Baumfrüchte, die zweite die Göttin der Blüte, im Besonderen der Getreideblüte.

Das Gerücht über eine aus Torf hergestellte Speise für das Personal dürfte frei erfunden sein. Die Redaktion der Karlsruher Zeitschrift „Die Pyramide“ läßt es sich nicht nehmen, die ostelbischen Bauern weiter zu verunglimpfen: Sie erinnerte an den „Simplicissimus“, der von einem ostelbischer Agrarier zu berichten wußte, das auf Gut von dessen Vater eine hervorragende Rübe wächst, ungenießbar zwar, aber doch eine gute Speise fürs Gesinde sei.

 

Es blieb bei dem Beschluss der Kommission, und der durchgefallene Prüfling, dessen Bewerbung vom 1808-07-09 um eine Stelle als Deputierter der Stadt Memel gescheitert war, dachte nun nicht daran, das Examen zu wiederholen, sondern auf dem Gut der Mutter Sand zu verkaufen. So schreibt noch Henriette Hendel-Schütz in Tilsit am 1811-12-26 an Johanna Motherby: „Ich sagte ihm [Georg Motherby] darauf, was ich gehört hätte, daß Schenckendorf nämlich seinen Nesselbecker Sand künftig selbst bewirthschaften, und sich dazu aus der Ferne die Wirthschafterin holen würde“.

 

HAGEN nennt noch ein zweites Thema:

 

Zum 1808-03-10 verfasste Max von Schenkendorf „Lenzes Beginnen“ und publiziert es in der Sammlung „Der / Königin. / Am / 10ten März 1808“. In einem „(Gemach in Albrechts Burg, vom vollen Mond erleuchtet. Pregolla sitzt an einer Wiege, ein schlummerndes Kind in ihrem Schooße *).)“ lautet eine Vorbemerkung, und die wohl von Max von Schenkendorf gegebene Anmerkung lautet: „*) Pregolla gab durch ihren Tod den Strom des Berges, Prigora, seinen heutigen / Namen. Bangputtis, der Gott der Winde. Sweixtix, der Mond. Pergu- / brus, der Frühlingsgott der Wiederbringer nach der Etymologie. Melle- / tele, die Wald- oder Farbengöttinn. Kurcho der Gott des Ackerbaues, der / Erbauer.“

Elsa von Klein bezieht sich auf dieses Gedicht unter Hinweis auf Werke von Johann Gottfried Hasse

Johann Gottfried Hasse (geb. Weimar 1759, gest. Königsberg 12.04. 1806) evangelischer Theologe und Orientalist; über seine Anträge und seine Paradies-Vorstellung siehe Allg. Litterar. Anzeiger 1798, Sp. 984 f.

1796  erscheint von ihm in Riga bei Hartknoch „Der aufgefundene Eridanus“ und später die zweibändigen „Entdeckungen im Felde der ältesten Erd- und Menschengeschichte“.

Der aufgefundene Eridanus oder neue Aufschlüsse über den Ursprung, die Zeit der Entstehung, das Vaterland und die Geschichte des Bernsteins nach griechischen und römischen Schriftstellern. Riga: Johann Friedrich Hartknoch 1796; zum Sand passim.

Entdeckungen im Felde der ältesten Erd- und Menschengeschichte, aus näherer Beleuchtung ihrer Quellen. Nebst Materialien zu einer neuen Erklärung des ersten Buchs Mose, (für jetzt der ersten drey Kapitel). Halle u. Leipzig: Johann Gottfried Ruff 1801

Entdeckungen im Felde der ältesten Erd- und Menschengeschichte, aus näherer Beleuchtung ihrer Quellen. Nebst Materialien zu einer neuen Erklärung des ersten Buchs Mose, zweyter und letzter Theil oder Vorgeschichte. 2. Teil. Halle u. Leipzig: Johann Gottfried Ruff 1805, S. 184 ff.: „Neunte Entdeckung.“

und fasst zusammen: „‘Das aus der Erde gegrabene Gold‘ ([Entdeckungen … S.] 49 und 191) hatte für Schenkendorf und seine Mutter eine besondere Bedeutung.“ Sie zeigt sich auch im „Bernsteinfischerlied“.

 

In den „Studien“ publizierte Max von Schenkendorf den Aufsatz „Der Menschheit veränderter Standpunkt“ und ebenso die „Nachschrift“; und für sein zweites Examen hatte „über die Verbindung des Lebens für Wissenschaft und Kunst mit dem Geschäftsleben“ nachzudenken. Alle drei Aufsätze scheinen ihm „dieselbe Materie in etwas berührt“ zu haben, und so ist er „dreust [= dreist] genug auch dieses zur geneigten Ansicht beyzufügen.“

 

Alle diese Texte sind bisher noch nicht gründlich untersucht worden.

 

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